St. Pölten weiter außer Reichweite

Der SK Sturm Frauen-Wochencheck

Früh in der neuen Saison waren die Meisterinnen aus Niederösterreich in Graz zu Gast. Wieder setzte es eine deutliche Niederlage für die Schwoazen in Messendorf.

Bei Traumwetter war alles angerichtet für das Aufeinandertreffen der beiden bestimmenden Teams der österreichischen Frauenbundesliga. Wie in den letzten Jahren hofften die Grazerinnen unter der Leitung von Coach Lang, die Lücke zu schließen. Die neue Teamchefin Irene Fuhrmann nahm auf der Tribüne Platz um den etlichen Nationalteam-Spielerinnen und Kandidatinnen auf die Beine zu schauen und erhoffte sich ebenso ein spannendes Spiel, wie die rund 150 ZuschauerInnen, die sich trotz Registrierungs-App in der Zentrale der Blackies eingefunden hatten.

Die Elf des Heimteams ging im 5-4-1 in die Partie. Der Trainerstab verzichtete vorerst auf die Offensiv-Strateginnen Modesta Uka und US-Rückkehrerin Heather Seybert. Im Gegensatz zu den letzten Aufeinandertreffen sollte diesmal abwartender gespielt werden, um bei günstigem Spielverlauf durch Konter einen möglichen Sieg einzufahren. Es ging auch gut los, denn bereits in der neunten Minute lief Nina Predanic die Abwehrreihe an und setzte einen gefährlichen Flachschuss nur knapp links am Tor vorbei. Neben einer geblockten Schusschance von Katja Wienerroither sollte dies jedoch nur ein kurzes Aufflackern von Grazer Gefahr bleiben.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

So erweckte die Taktik des SK Sturm den Anschein, als hätte sie die Meisterinnen anfangs am falschen Fuß erwischt. Auch Jasmin Eder gab später zu Protokoll, dass St. Pölten nach den letzten Aufeinandertreffen den SK Sturm nicht so tief stehend erwartet hätte. Geduldsspiele sind die Niederösterreicherinnen aber in der Bundesliga bereits gewohnt. Der SKN hielt den Ball, versuchte Sturm aus der Hälfte zu locken und in der 23. Minute kam es dann, wie es kommen musste: Ein langer Ball auf Mateja Zver und die Stürmerin enteilte den drei Innenverteidigerinnen, umkurvte die herauseilende Gritzner und schob zur Führung ein. Damit schien der Bann gebrochen.

Die Schwoazen, immerhin das zweitjüngste Team der Liga, verloren die Geduld und liefen immer öfter in gefährliche Situationen. Jasmin Eder selbst vollendete nach einer flachen Hereingabe von links komplett frei und wunderschön von der Strafraumgrenze. Wieder war Österreichs Nummer zwei Vanessa Gritzner auf verlorenem Posten. Das 0:2 bedeutete den Pausenstand und der ließ auch der rekonvaleszenten Stephanie Kovacs bei der Halbzeit-Analyse im ORF nur noch wenig Hoffnung auf Punkte.

Mateja Zver zeigte sich auch in der zweiten Hälfte torhungrig, machte an der linken Strafraumgrenze einen Haken in die Mitte, legte sich den Ball auf den rechten Fuß und schlenzte wunderschön ins lange Eck – 0:3 nach 54 Minuten. Den Schlusspunkt setzte dann schließlich die Slowakin Mikolajova, die einen Freistoß von rechts ins kurze Eck zirkelte. Vanessa Gritzner kann man hier einen kleinen Vorwurf machen, war der Ball, wenn auch ein wenig abgefälscht, nicht allzu scharf geschossen. Einen großen Unterschied hätte eine Parade aber nicht gemacht, denn 0:4 war dann auch der Endstand.

St. Pölten bleibt auf nationaler Ebene seit dem 1:0 gegen den SK Sturm am 27. Mai 2018 ungeschlagen und steuert nach drei Runden schon wieder auf den nächsten Meistertitel zu. Zwei Punkte hinter den Niederösterreicherinnen liegen Neulengbach und die sich mit der Austria in einer Kooperation befindenden Frauen vom USC Landhaus. Direkt dahinter rangiert nun Sturm Graz mit einer Niederlage und zwei Siegen in Lauerposition. Das Duell um den Vize-Meistertitel dürfte auch in dieser Saison wieder spannender werden als die gähnende Einsamkeit an der Spitze der planet.pure Frauenbundesliga (St. Pölten hat bereits nach drei Spielen ein Torverhältnis von 21:0). Dass Sturm trotz Mauer-Taktik das so schmerzhafte 0:1 aus einem Konter kassierte, muss trotzdem bei der Aufarbeitung des bitteren Spitzenspiels analysiert werden.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Während sich Sturm zwar mittlerweile als fixe Größe hinter dem Ligakrösus aus Niederösterreich etabliert hat, gelingt es einfach nicht, die sportliche Lücke nach ganz oben zu schließen. Nun heißt es die eigenen Hausaufgaben zu erledigen, Siege einzufahren, auf einen Punktverlust des SKN zu hoffen und in der Rückrunde vielleicht doch die so lang ersehnte Überraschung zu schaffen. Klar, man musste mit Celina Degen, Maria Plattner und Steffi Großgasteiger drei österreichweit anerkannte Leistungsträgerinnen abgeben, aber die Ambitionen in der Landeshauptstadt dürfen deshalb nicht wieder kleiner werden. Ein Torerfolg als Ziel für ein Spiel in der heimischen Bundesliga, wie von Trainer Lang nach dem Spiel angesprochen, darf dem SK Sturm Graz nicht genügen. Denn, wenn die Frauen des SK Sturm in Österreich irgendwann einen Titel holen wollen, wird es auch in Zukunft ohne einen Erfolg gegen St. Pölten sehr, sehr schwer werden.  Das wissen alle Verantwortlichen in Graz-Messendorf und nicht zuletzt die sportlichen Akteurinnen, die diesmal leider wieder als Verliererinnen vom Platz gehen mussten.

 

Anzeige

Schreibe einen Kommentar