Sprung auf Platz zwei verpasst

Spielbericht: SK Rapid Wien vs. SK Sturm Graz (1:0)

Wenn es im Allianz bzw. Weststadion lange vor Anpfiff auf den Rängen heiß hergeht und die Fanblöcke schon vor der Aufwärmphase lautstark Nettigkeiten austauschen, dann kann es sich eigentlich nur um Rapid gegen Sturm handeln. Obwohl die Partie für die Wiener praktisch sportlich wertlos war, zog dieses ewig junge Duell dennoch die Massen an. Auch der Gästesektor war schon 30 Minuten vor Anpfiff sehr gut gefüllt. An die 2000 schwarz-weißen Seelen begleiteten ihre Mannschaft über den Wechsel auf dem Weg zur möglichen Fixierung des Europacups. Mit einem Sieg und einer Differenz von mindestens zwei Toren konnte man sogar an der Austria vorbeiziehen und Platz zwei einnehmen. Für Tore in Schwarz/Weiß war zunächst nicht Deni Alar, sondern wie schon in Altach Philipp Zulechner Hauptverantwortlicher. Der Führende der Torschützenliste musste zunächst mit der Ersatzbank Vorlieb nehmen. Eine weitere kleine Überraschung gab es auch in der Defensive, wo Dario Maresic den Vorzug gegenüber Lukas Spendlhofer erhielt. Ansonsten war alles angerichtet für ein Spiel, welches diesen beiden Traditionsteams gerecht werden sollte: Perfektes Fußballwetter, gut gefüllte Ränge und Gänsehautstimmung!

Unnötig in Rückstand geraten

Zum Einlaufen präsentierten beide Fankurven beeindruckende Choreographien und legten auch gesanglich brachial los. Auch am Spielfeld versuchten beide Teams gleich von Beginn an, das Spiel an sich zu reißen, was zunächst dem Heimteam etwas besser gelang. Sturm kam in Minute acht erstmals zu einer Möglichkeit, doch Charampolos Lykogiannis setzte einen Freistoß aus etwa 20 Metern Entfernung über die Latte. Im November hatte der Grieche aus ähnlicher Entfernung und fast in der selben Spielminute zum 1:0 für Sturm getroffen. Obwohl sich Sturm nicht schlecht präsentierten sollte und durch Marc Andre Schmerböck auch zu einer wirklich guten Möglichkeit kam, jubelte nach 17 Minuten Rapid. Tamás Szántó, hatte keine Probleme, sich gegen Christian Schulz durchzusetzen und verwertete unhaltbar ins lange Eck. Auch Simon Piesinger sah in dieser Situation verdammt schlecht aus. Kurz darauf hatte Louis Schaub seine Freude mit gleich drei Gegenspielern, die ihn nicht von einer gefährlichen Hereingabe hindern konnten. Sturm präsentierte sich zwar auch durchaus spielfreudig, wirkte aber in der Abwehr alles andere als sattelfest. Praktisch jeder Angriff von Rapid sorgte in dieser Phase auch für Torgefahr. Nach 29 Minuten hätte es dann plötzlich 1:1 stehen können, nein, sogar müssen: Zulechner auf Stefan Hierländer, der weiter auf Schmerböck, welcher auf den völlig freistehenden Baris Atik spielte, doch die Hoffenheim-Leihgabe schaffte es tatsächlich, aus elf Metern das praktisch leere Tor zu verfehlen. Absolut unglaublich! Solche Chancen erhält man bekanntlich nicht oft in einem Spiel. Sturm erholte sich aber zunehmend vom Gegentreffer und versuchte Rapid in deren eigene Hälfte zu drängen, was auch durchwegs durch aggressives Spiel und hohem Pressing gelang. Bei Standardsituationen gab es aber erheblichen Verbesserungsbedarf, kaum ein Ball aus Ecken oder Freistößen erreichte seinen Bestimmungsort. Die Hütteldorfer konzentrierten sich gegen Ende der ersten Hälfte eher auf das Konterspiel. Zwar gab es auch weiterhin Lücken in den Grazer Abwehrreihen, zu einem weiteren Treffer reichte es aber zunächst weder auf der Heim-, noch auf der Gästeseite. Somit ging Sturm also mit einem 0:1 Rückstand in die Katakomben.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Als Vizesieger wird man nicht Vizemeister

Beide Trainer sahen zum Beginn der zweiten Hälfte noch keinen Handlungsbedarf und schickten zunächst die gleichen 22 Akteure auf das Feld. Allerdings musste nach 54 Minuten der Torschütze zum 1:0, Tamás Szántó, verletzungsbedingt den Platz verlassen. Für ihn kam Matej Jelic ins Spiel. Dies war schon der zweite verletzungsbedingte Wechsel bei Rapid, nachdem Giorgi Kvilitaia bereits in der Anfangsphase ausgetauscht werden musste. Und als ob das nicht genug war, musste auch noch Louis Schaub ausgewechselt werden. Auch er war angeschlagen. Rapid hatte also die letzten gut 30 Minuten ohne Wechsel auszukommen. Kurz zuvor sorgte er aber beinahe für das zweite Tor in Grün/Weiß, fand jedoch in Christian Gratzei seinen Meister, nachdem er Sturms Defensive alt aussehen ließ. Die Grazer taten sich lange schwer in dieser zweiten Hälfte, der Schwung von vor der Pause konnte definitiv nicht mitgenommen werden. Man hatte erhebliches Glück, dass man nicht schon höher in Rückstand geriet, denn Rapid drehte nun richtig auf. Joelinton hatte die beste Möglichkeit für ein weiteres Rapid-Tor, setzte den Ball in Minute 67 allerdings nur an die Latte. Danach war für Hierländer und Atik Schluss. Sascha Horvath und Deni Alar sollten nun für neuen Schwung im Spiel der Blackies sorgen. Und fast wäre es schon so weit gewesen. Deni Alar bekam den Ball über Umwege serviert, setzte sich gegen Maximilian Wöber durch und traf zum vermeintlichen Ausgleich. Doch Schiedsrichter Andreas Heiß hatte auf Stürmerfoul entschieden. Und das völlig zu Unrecht. In diesem Zweikampf waren keine Regelwidrigkeiten zu sehen. Rapid überließ nun Sturm weitgehend die Arbeit und versuchte die knappe Führung über die Zeit zu bringen. Sturm schaffte es zu selten, gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Mit Seifedin Chabbi zog Franco Foda seinen letzten Joker. Für ihn musste der unsicher wirkende Simon Piesinger weichen. Aber die eigentlich kaum zu vernehmende Schlussoffensive der Grazer brachte kein Erfolgserlebnis. Rapid verteidigte die Führung konsequent und behielt somit auch die drei Punkte in Wien. Die Blackys verabsäumten es, die Schwächephasen des Gegners auszunutzen und gingen somit als Verlierer vom Platz, obwohl hier auch um einiges mehr drinnen gewesen wäre. Sturm scheiterte somit bei dem Versuch, die Austria zu überholen. Auch der dritte Platz und der somit sichere Europacup ist trotz der Niederlage von Altach in Mattersburg noch nicht in trockenen Tüchern. Der Abstand zu den Vorarlbergern beträgt zwei Spieltage vor Saisonende weiterhin vier Punkte.

Stimmen:

Franco Foda:

Goran Djuricin:

Philipp Zulechner:

Stefan Schwab:

Spieldaten:

Galerie

 

17 Kommentare

  1. graz4ever sagt:

    Am Ende leider, a zwar durchaus vermeidbare, aber doch verdiente Niederlage!

    A wenn wieder grobe Schnitzer drin waren (Atik hätt einfach treffen müssen) und wir uns zeitweise hinten reindrängen ließen – auch wieder mit hohen Bällen agiert haben (von denen diesmal aber zumindest 1-2 „schön“ nach vorne gespielt wurden) – wars doch zum Zuschauen a lustiges+spannendes Spiel insgesamt, sowie mmg besonders bei Sturm seit Langem am „angenehmsten“ anzusehen..

    Wie habts ihr es heut gesehen (ans Forum)?

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    • vampy99 sagt:

      War auch meiner Meinung nach stark verbessert. Atik ist mir das Spiel a bissi am Nerv gangen. Stenkert herum weil er den Freistoß net schießen darf und vergibt dann 2 super Chancen eine davon a 100%. Und dann führt er sich bei der Auswechslung auch wida auf.

      Bitter dass das Tor von Alar nicht gegeben  wurde. Ich wünsch ihm die Torjägerkrone so sehr. Vorallem will ich nicht das Planica-Larry die bekommt.

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  2. Schworza99 Schworza99 sagt:

    1. Hz  Top, 2. eher Flop. Chancenauswertung grauenhaft und mit jedem zusätzlichen Stürmer im Spiel wir weniger an den Ball gekommen.

    Man merkt halt deutlich auch wenn die Wiener am unteren Ende der Tabelle herumkrebsen, in Sachen Ballkontrolle und Passspiel sind wir Ihnen meilenweit unterlegen. Zudem kommt aus der Zentral viel zu wenig. Jeggo spielt den Staubsauger und Pisi hat immerhin ein paar Bälle angebracht aber insgesamt werden in der Zentrale keine Bälle verteilt. Zulechner war völlig allein da Atik nur gemotzt hat (auch wenn er selbst das leere Tor nicht trifft). Flanken bei uns wie eh und jäh ein Graus ebenso wie die Standards.

    Insgesamt war dass das beste Spiel seit langer Zeit. Nur wäre die Partie noch 3h gegangen hätten unsere 3 Stürmer auch kein Tor gemacht…das gibt schon zu denken. Platz 2 haben wir zwar wieder ohne Not am Mann gegen ballsichere, aber sicher schlagbare Wiener hergeschenkt, so MUSS man halt Platz 3 gegen Altach halten. Und das sollte hoffentlich gelingen…

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  3. Arch Stanton sagt:

    Wenigstens wieder einmal ein Spiel, das mich aufregen konnte. Die letzten waren ja so spannend wie die Lindenstraße. Und Schiedsrichter haben wir auch schon lange keinen mehr gebraucht, um schlecht auszusehen.

    Beim Atik glaube ich, dass er sich über sich selbst und nicht über seine Auswechslung geärgert hat, und das macht ihn dann net nur sympathisch sondern ganz sicher authentisch.

    Auffallend war wie immer die Berichterstattung im orf, die Szene mit dem Zulechner im Sechzehner habe ich während des Spiels nie in der Wiederholung gesehen. Ob Elfer oder Schwalbe, umgekehrt hätte es a Sondersendung gegeben.

     

    3+

    • Marchanno Diaz Rabihou sagt:

      noch schlimmer wie der orf ist aber der herr klimkeit – was der für einen scheiß schreibt – und vorallem jedesmal anti kreissl – das is ja echt schon pure realitätsverweigerung inkl verarschung!!

      6+

    • Nimrod sagt:

      Zitat von sport.orf.at: „Mit den eingewechselten Sascha Horvath und Deni Alar wurden die Gäste noch ein bisschen gefährlicher, mehr als ein wegen Stürmerfouls zu Recht aberkanntes Tor von Alar (72.) gelang aber nicht mehr.“

      Der offizielle Rapid Funk hat wieder zugeschlagen. *facepalm*

       

      1+

  4. graz4ever sagt:

    Wenigstens haben wir das Spiel alle ähnlich gesehen..

    Scho Angenehm, mal so ne „Harmonie“ im Forum 😉

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  5. graz4ever sagt:

    @SturmNetz

    Ein Interview mit Klimkeit (weiß eh: völlig utopisch) wär echt mal der Hammer!!

    Würd mi interessieren, ob der die ganze Welt so verkehrt sieht..

    Na ernsthaft, wär wirklich net uninteressant, zu erfahren, wie er so auf seine Meinungen kommt; er sich viell nur konträr zu Social Media sich vor den Trainer stellen will od eventuell auf nen Aufsichtsratsposten spekuliert

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  6. MICSTI sagt:

    Über die Saison gesehen ist doch sehr auffällig, dass es Sturm einfach nicht schafft, auf einen Rückstand zu reagieren. 14 Mal ist man 0:1 hinten gelegen, nur in drei (!) Spielen ist es gelungen, am Ende zu punkten.

    Sturm führt 1:0        17 Siege, 1 Unentschieden, 2 Niederlagen
    Sturm ist 0:1 zurück    1 Sieg, 2 Unentschieden, 11 Niederlagen

    Vor allem auswärts hat man es nur einmal geschafft nach einem Rückstand zu punkten (im Herbst in Altach in der Nachspielzeit), aber auch in den Heimspielen ist die Bilanz mit einem Sieg (3:1 gegen Altach) und einem Unentschieden (2:2 gegen Mattersburg) nach 0:1-Rückstand absolut desaströs.

    Meiner Meinung nach ist das klar die Aufgabe des Trainers einen Matchplan für eine solche Situation zu haben, da es im Fußball nun einmal passieren kann dass der Gegner in Führung geht.

    2+

    • Supersturm sagt:

      Danke für die Auflistung – so krass hätte ich es nicht erwartet. Aber man sieht eindeutig, dass eine Führung des Gegners eigentlich gleichbedeutend mit einer Niederlage für Sturm ist..

      Hab mir auch schon oft gedacht, dass man selten eine „richtige“ Reaktion auf einen Rückstand sieht. Gerade in unserer Kasperlliga sollte es schon mal möglich sein, mit entsprechender Konsequenz Rückstände aufzuholen. Die Abwehrspieler sämtlicher Vereine schwimmen, wenn man sie unter Druck setzt. Aber unsere Schwarzen bringen aufgrund von Fehlpassorgien und unnötiger Hektik im Aufbau, sowie Flanken ins Niemandsland keinen Druck auf den Gegner zusammen..

      2+

  7. Pata_Negra Pata_Negra sagt:

    Also die Szene des Spiels so zu beurteilen wie der Herr Stuchlik Jr… äh Schiri A. Heißl ist schon ein Glanzstück das seinesgleichen sucht.

    Kein Wunder, dass die Ö-Mannschaften dann auch international immer einen auf’n Deckel bekommen, wenn jeder kleinste Zweikampf ein Foul ist.

    1+

    • brent_everett sagt:

      Diese völlig absurde Entscheidung hat nichts mehr mit Fußball zu tun. In keiner mir bekannten Sportart wäre diese Szene als Foul zu werten – auch nicht im Kinder Eiskunstlauf. Natürlich weiß jeder, dass die österreichische Bundesliga nicht das gelbe vom Ei ist – aber die österreichischen Schiris sind vergleichsweise nochmal 3-4 Klassen schlechter. Warum interviewt niemand diesen Schiri u befragt ihn zu dieser Aktion? Wenn solche Fehlleistungen nicht deutlicher aufzeigt werden, wird sich sowas Woche für Woche wiederholen!

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    • graz4ever sagt:

      @Brent

      Wiederholt sich eh scho Woche für Woche! Und net nur bei Sturm: in jeder Runde, sind mind. 1-2 wirklich arge Schnitzer der Schiedsrichter drin, bei allen Teams querbeet…kommt mir in der Ö-Buli um einiges deletantischer vor, als in vergleichbaren anderen Ligen..

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  8. Supersturm sagt:

    Aufgrund solcher und ähnlicher Fehlentscheidungen unserer Top-Schiris weiß der Fußballfan, warum die Ö-Schiris international höchstens in Aserbaidschan oder Usbekistan pfeifen dürfen. Wer war der letzte Ö-Schiri, der in der Europa- oder sogar Champions-League bei namhaften Vereinen pfeifen durfte? Müsste der Plautz gewesen sein..

    Und auch der war in Ö eigentlich eine „Pfeife“..(meine Meinung)

    2+

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