Spiel gedreht! Euphorie vor Fener!

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. SKN St. Pölten

Es geht also wieder los! Die höchste österreichische Spielklasse öffnete dieses Wochenende wieder ihre Pforten. Heute Sonntag waren dann auch unsere Blackys im Einsatz. Der SKN St. Pölten im heimischen Liebenau der Gegner, die Mannschaft von Jochen Fallmann, die eine bittere Cup-Pleite in der ersten Runde gegen den Regionalligisten Austria Klagenfurt zu verdauen hatte. Frisch, heiß und fettig: Der Spielbericht:

Kalte Dusche

Franco Foda beließ es so ziemlich bei der selben Aufstellung, wie noch am Donnerstag in Montenegro. Thorsten Röcher war fit und von Beginn an mit dabei, einzig Sandi Lovric musste James Jeggo in der Startelf weichen und zu Beginn auf der Bank Platz nehmen. Kuriositäten folgten gleich zu Beginn, denn Sturm spielte die erste Halbzeit mit Blick auf die Nord. Das war ungewöhnlich und wirkte irgendwie, wie ein schlechtes Omen. Dem Aberglauben nicht verfallend, schüttelten wir diese Tatsache aber ab und ignorierten sie, ehe wir drei Minuten nach Ankick schmerzhaft daran zurückerinnert wurden: Ecke Daniel Luxbacher, nach einem Stellungsfehler von Neo-Innenverteidiger Charalampos Lykogiannis, Manuel Martic mit der Kopfballverlängerung auf den scheinbar meilenweit im Abseits stehenden Lukas Thürauer, der aus kürzester Distanz einköpfte. Alles blickte auf den Assistenten an der Seitenout-Linie, doch die Fahne blieb unten. Unverständnis machte sich in der Arena breit, doch die Zeitlupe zeigte, es war wohl knapp gleiche Höhe – Peter Zulj hob das Abseits auf.

In weiterer Folge versuchten die Grazer den frühen Rückstand abzuschütteln, kombinierten teils recht gefällig und kamen unter anderem durch Jeggo und Stefan Hierländer gut in den gegnerische Strafraum. Das Spiel wurde besser, richtiggehend attraktiv. Was folgte, war allerdings ein neuerlicher Rückschlag für die Schwarz/Weißen in der zwölften Spielminute: Der SKN mit dem eigentlich aussichtslosen Angriff in der Grazer Gefahrenzone, Thürauer kam an der Strafraumgrenze zum Ball und zog ab – eigentlich ein Schüsschen, doch dieses wurde von Jeggo so derart unangenehm abgefälscht, dass sich das Runde unhaltbar hinter Jörg Siebenhandl ins Tor senkte. 2:0. Na Bumm. Wieso auch diese bescheuerte Platzwahl, dachten wir uns.

Doch die Grazer fighteten sich zurück und kamen drei Minuten später zum Anschlusstreffer. Ecke Sturm, Zulj spielte diese kurz auf Hierländer und zog zur Mitte, Hierländer bediente Zulj ideal retour, der auch sofort abzog und an die Stange fetzte. Den Abpraller verwertete Philipp Zulechner aus kurzer Distanz – Liebenau wurde laut. Die Grazer wussten zu antworten, es entwickelte sich ein richtig ansehnliches und heißes Fußballspiel, in dem Sturm das Heft in der Hand hatte und ebenso einige Möglichkeiten vorfand, wie die auf Konter spielenden Gäste. Dicke Chancen auf beiden Seiten waren die Folge. Sturm hatte die besseren, als beispielsweise Zulechner nach einer Potzmann-Flanke auf den im Fünfer völlig freistehenden Zulj aufköpfte, dessen Kopfball Riegler aber stark parieren konnte. Den Nachschuss brachte Zulechner nicht aufs Tor der Gäste. Sturm wurde mit Fortdauer des Spiels immer besser, zeigte richtig guten Kombinations- und Offensivfußball und hätte in Minute 38 auch einen Elfmeter bekommen müssen, so unsere Einschätzung, als Alar im Strafraum der Niederösterreicher zu Fall kam. Der zu diesem Zeitpunkt überfordert wirkende Schiedsrichter Jäger zeigte aber sofort an, dass weiterzuspielen wäre. Fehlentscheidung, so weiterhin unsere Meinung.

Der Ausklang der ersten Halbzeit ließ kaum etwas an Tempo einbüßen. Es spielte praktisch nur noch Sturm. Die wenigen Angriffsbemühungen der Gäste wirkten gegen Ende nur noch deshalb brisant, weil die umgebaute Innenverteidigung der Grazer alles andere als eingespielt wirkte. Dann war Pause. 15 Minuten Zeit, um durchzuschnaufen, was wir- bzw. unsere Laptops auch dringend notwendig hatten.

Warmer Sommerregen

Personell unverändert gingen beide Mannschaften in den zweiten Durchgang, in dem die Schwarz/Weißen nun auf den Familiensektor stürmten – ja, wir konnten es noch immer nicht ganz fassen. Sturm ging jedenfalls weiterhin recht spritzig zu Werke und kam auch nach wenigen Minuten zu den ersten Möglichkeiten, als sich beispielsweise der am heutigen Abend stark agierende Zulj – nach einem ideal getimten Jeggo-Pass in die Tiefe – im Eins-gegen-Eins mit Huber in den Zweikampf fallen ließ und wieder Strafstoß forderte, der aber zurecht nicht gegeben wurde. Einfach durchziehen wäre wohl die bessere Variante gewesen. Dann kam der Platzregen und mit ihm ein Stangenschuss von Schütz in Minute 52, den zuvor Siebenhandl ans Aluminium lenkte.

Der Regen erschwerte in weiterer Folge natürlich das Spielgeschehen, das nach wie vor von den Grazern diktiert wurde. St. Pölten war allerdings bemüht, kam auch immer wieder zu der einen oder anderen Offensiv-Aktion und zeigte – trotz Führung – Spielkultur. Kein bedingungsloses „Zerstören“ also bei den Niederösterreichern. Dennoch war es für die Grazer nach einer gespielten Stunde so weit: Hierländer agierte nach einem Strafraum-Gestocher und nach Vorarbeit von Röcher am schnellsten und schob aus gut elf Metern ein. Ausgleich! Verdient! Liebenau tobte und mitten in „Wenn wir hier stehen“ stand Alar plötzlich völlig alleine vor Riegler, musste nur noch einschieben, verstolperte die Aktion allerdings in Nicht-Alar-Manier.

Von nun an spielte nur noch Sturm. Die Gäste waren darauf bedacht, hinten kompakt zu stehen, Tempo rauszunehmen und zumindest einen Punkt aus Liebenau zu entführen – was für die Grazer naturgemäß engere Räume im letzten Gefahrendrittel bedeutete. Ein Hierländer-Fernschuss – viel mehr bekamen die knapp 7200 Besucherinnen und Besucher in den folgenden Minuten nicht zu sehen.

Dann die Schlussphase und ein Debütant machte sich bereit: Romano Schmid. Schnell noch alles gecheckt, Küsschen vom Trainer und ab die Post! Sturm wirkte zu dieser Zeit ein bisserl ideenlos, die Gäste in der Defensive kompakt, es folgte die 90. Minute. Schmid schnappt sich das Runde im Strafraum, überspielt Diallo sehenswert und kommt dabei zu Fall. Elfmeter! Der kleine Schmid! Zulj verwandelt, haut ihn in die Mitte! Sturm dreht ein 0:2! Liebenau tobt! Schlusspfiff – mitten in einem vielversprechenden Angriff zwischen Schubert und Schmid – letzterer hätte wohl einfach eingeschoben. Alles Wurscht, alle herzen sich, der Trainer schreit voller Euphorie gen Publikum und voller Euphorie blicken nun alle gen Donnerstag. Fenerbahçe kann kommen, für reichlich Motivation sollte gesorgt sein.

Spieldaten

Galerie

8 Kommentare

  1. Martin sagt:

    Das war ein richtig gutes Spiel, mit einem verdienten aber auch glücklichen Sieger. Verdient, weil man einfach nach dem frühen Schock und dem 0-2 gemerkt hat, dass die Mannschaft das Spiel unbedingt gewinnen wollte. Glücklich jedoch, da in der 50. Minute Doumbouya, unbedrängt den Kopfball, und somit das 1-3 schon fast machen musste (Topreflex von Siebenhandl).

    Das Offensivspiel hat mir heute richtig gut gefallen. Die Angriffe sind von allen Seiten gekommen (links, rechts und Mitte). Man hat sich nicht nur auf eine Seite fokusiert, was ja in der Vergangenheit zumeist der Fall war. Außerdem merkt man der Mannschaft auch den direkten Zug Richtung Tor an. Hier möchte ich einen Spielzug der heute aber auch gegen Mladost schon häufiger gezeigt wurde, erwähnen: Ballgewinn im Mittelfeld -> vertikaler Pass zu einem Mitspieler der ca 20-25m vor dem Tor steht -> direktes Weiterspielen in den Strafraum (Ball in die Tiefe) zu einem ebenfalls in den Strafraum laufenden Stürmer.

    Solche direkten Spielzüge hat man in der letzten Saison nicht oft gesehen. Da waren mir die Angriffe etwas zu verspielt.

    Dennoch war nicht alles super: In der Defensive gab es heute einige Unsicherheiten bzw. Fehler, die zum Glück von St. Pölten nicht ausgenutzt wurden. Vor allem der, von mir bereits erwähnte, Kopfball von Doumbouya darf in der 50. Minute so nie passieren. Da hatte die Mannschaft richtig Glück gehabt.

    Trotzdem hat das Spiel heute Lust auf mehr gemacht. Im Endeffekt zählen ja auch nur die drei Punkte.

     

    6+

  2. glockgame sagt:

    War ein flottes und unterhaltsames Spiel mit einem glücklichen aber mMn auch verdienten Sieg.

    Aber was da vor allem in der ersten Hälfte für unnötige und leichtfertige Abspielfehler und Fehlpässe nach vorne fabriziert wurden…brrrr…zum Glück war der Gegner nur St.Pölten….

    Auch die Defensive hat mich heut nicht völlig überzeugt, unser IV-Duo sah manchmal gar nicht gut aus…wird Zeit das Spendlhofer usw. wieder fit werden. Gegen den Abstiegskanditaten hats noch gereicht, gegen andere Mannschaften hätten wir so in der Meisterschaft keine Chance. Lyko is halt kein IV, zudem fehlt er mMn auf der Aussenbahn (keine Kritik an Potzmann, der wieder gut gespielt hat, aber Lyko geht öfter mit nach vor, so mein Eindruck).

    Zulechner ist auch schwierig zu bewerten, bemüht, arbeitet viel, macht sein Tor, aber irgendwie springt da der Funke nicht auf mich über….Alar gefällt mir ganz gut als hängende Spitze, ich glaub das taugt ihm auch mehr, er strahlt mehr positive Energie aus als noch im Frühjahr!

    Grundsätzlich muss ich sagen, das mir die Mannschaft gegenüber dem Frühjahr viel positiver auffällt, auch wenn nicht immer alles klappt, aber man sieht das die ganze Mannschaft kämpft und arbeitet, unbedingt gewinnen will, nicht frühzeitig aufgibt (ein Rückstand im Frühjahr war immer gleichbedeutend mit einer Niederlage), und mit mehr Freude an der Arbeit ist. Auch das offensiver gespielt wird, ist positiv zu vermerken. FF wird doch nicht dazugelernt haben? 😉

    Und jetzt freu ich mich auf Donnerstag!

    3+

  3. jorge72 sagt:

    hab grad euren lifeticker durchgelesen, hab das spiel auch live gesehen und hab mich sehr gefreut in euren statements viel euphorie herausgelesen und gespürt zu haben – weiter so. und generell an alle die immer alles so kritisch und negativ sehen – freut auch über eine extrem geile leistung der mannschaft inkl foda und allem was dazugehört von masseur angefangen….

     

    3+

    • graz4ever sagt:

      und als Krönung, die letzten „Zuckerminuten“ inkl Assist (zähl den herausgeholten 11er als Assist) und „Fast-Premierentor“ vom Romano..

      Einfach ein saugeiler Abend 🙂 🙂 🙂

      2+

  4. Danke wie immer an Sturmnetz für Ticker und alles drum herum! Bin bis zur 6. Runde im Urlaub und werde eure Ticker aufsaugen wie ein Schwamm diese Wasserflüssigkeit!

    Und an die lieben Hater, ich weiß, ihr werdet wieder eure Punkte finden die nicht passen. Zb nur ~80% Passgenauigkeit, oder, dass wir 2 Tore bekommen haben und das darf nicht passieren gegen St. Pölten, und wir haben NUR 3 Tore draufgelegt, es hätte eigentlich 18:2 ausgehen müssen,  bla bla bla. Bla. Bla…

    Freut euch doch einmal im Leben 🙂 vielleicht lesen wir Fans eure kommenden Kommentare ja mal mit Freude!

    3+

  5. Arch Stanton sagt:

    Cooles Spiel bis zum Abpfiff.

    Der Elfer als Showdown.

    Die Nerven muss man auch einmal haben.

    1+

  6. django sagt:

    die Moral war ok , aber man sollte sich Gedanken machen , warum nur 7300 im Stadion waren , ST.Pölten wird heuer um Platz 9 spielen , 3 Punkte  sind da Pflicht , man sollte sich auch mal Gedanken machen warum man zu Hause gegen schwache Gegner sooft 0.1 hinten liegt ,

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  7. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Die ersten 10 Minuten verschlafen, sich dann aber brav zurückgekämpft und verdient gewonnen.

    Zum Thema Zulj: Er sollte auf der 10 oder zumindest als 8 spielen…auf der 6 werden seine offensiven Fähigkeiten eher nicht genutzt…und mit Lovric und Jeggo hat man schon 2 Abräumer auf der 6…

    Und Matchwinner Schmidt hat sich am Do auch ein paar Minuten verdient…

    1+

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