Sowa(s) von Selbstgeißelung

Österreichische Schiris und der VAR

Die Schiedsrichterzunft in Österreich findet den VAR gut. Er macht den Fußball prinzipiell gerechter und eklatante Fehlentscheidungen werden rasch revidiert. Auch deren nicht so geringen Nebenverdienst ist dieser Umstand durchaus zuträglich, wird doch für jede einzelne Partie jeweils ein VAR und ein AVAR (Assistant Video Assistant Referee) besetzt. Nicht selten trabt ein Unparteiischer am Samstag in Fußballschuhen über den Grünen Rasen und sitzt 24 Stunden später vor Bildschirmen in einem Meidlinger Großraumbüro. Als VAR werden nämlich ausschließlich und alle 16 Bundesliga-1-Schiris herangezogen. Was österreichische Referees jedoch nicht so gut finden, sind deren Rahmenbedingungen. Es ist kein Geheimnis mehr, dass intern einiges im Argen liegt und man mit den Vorgesetzten im eigenen Gremium unzufrieden ist. Die Hauptkritik versinnbildlicht etwa folgendes Szenario: Ein Schiedsrichter trifft innerhalb der 90 Minuten zwei schwerwiegende Fehlentscheidungen, die jedoch – auch nach objektiver Betrachtung – am Feld nicht zu erkennen waren. Zwei Mal tritt der VAR auf den Plan und overruled folgerichtig die Entscheidung. Klingt vernünftig. Die Crux daran jedoch ist, dass der Chef der österreichischen Schiedsrichterbeobachter intern festgelegt hat, dass eine zweimalige Anfechtung automatisch eine Sperre von drei Wochen nach sich zieht. Ausgenommen davon ist nur das Nichterkennen von Situationen, die ganz eindeutig hinter dem Rücken des Spielleiters stattgefunden haben. 

Dieter Muckenhammer (c) WC/Steindy

Schiedsrichter Muckenhammer als doppeltes Opfer

So geschehen beim Bundesliga-Spiel zwischen Salzburg und Sturm Graz. Schiedsrichter Dieter Muckenhammer entschied zwei Mal auf Elfmeter für Sturm, zwei Mal legte Video Assistant Referee Harald Lechner sein Veto ein. Beide Male völlig zurecht, hieß es damals zumindest in der Außendarstellung. Wie der Kleinen Zeitung nach Informationen eines „Insiders“ unlängst gesteckt wurde, war die interne Bewertung eine andere. Zwar waren beide Situationen regeltechnisch keine Strafstöße, dass der VAR bei der ersten strittigen Szene – beim Handspiel von Nicolas Seiwald – eingriff, demnach falsch. Jener Informant, der der Tageszeitung dies zugetragen hat, behauptete in weiterer Folge auch, dass dies alles nicht verschriftlicht wurde, damit diese Fehlentscheidung medial nicht verwertet werden könne. Wie gesagt, anonym. Einen Tag später erschien im gleichen Blatt – noch dazu aus der Feder des gleichen Journalisten – ein Artikel, wonach Dieter Muckenhammer nach der auferlegten, dreiwöchigen Auszeit in der Oberösterreichischen Liga zum Einsatz gekommen ist. Ein Bundesliga-1-Schiedsrichter, der ab und an – etwa als bezahlter Ersatz anstatt eines verpflichtenden Trainings – Spiele in der vierthöchsten Liga leitet, ist allerdings weder besonders schlagzeilenträchtig noch unüblich. In diesem Bericht wird Muckenhammer namentlich zitiert und er übt Kritik etwa daran, „dass bei einigen Kollegen alles in die Waagschale gelegt wird, bei anderen jedoch nicht so genau hingeschaut werde“. Kein Schelm, der in der Abfolge dieses medialen Doppelpacks sich einen Zusammenhang zusammenreimen könnte.

(c) SturmNetz

 

Wie bei Bundesliga-Profis längst üblich, müssen auch Schiedsrichter hierzulande ihre Wortspenden in diversen Medien absegnen lassen. In ihrem Fall vom ÖFB. Dass dieser so eine Kritik niemals autorisieren würde, liegt auf der Hand. Für Muckenhammers weiteres Fortkommen wird dies alles andere als förderlich sein. Der Oberösterreicher gilt national als einer der besten seiner Zunft, seit 2008 pfeift er in der Bundesliga. Er ist in der Regel einer, der mit gutem Spielverständnis glänzt und es versteht, eine Partie laufen zu lassen. Die Geschehnisse vom 13. März im Salzburger Stadion waren für Sturm zwar bitter, aber bei Weitem kein Beinbruch. Für den 41-Jährigen sehr wohl. Ausgelöst dadurch, dass er zwei Mal vom VAR overruled wurde. Zieht man in Betracht, dass theoretisch jener VAR, der Muckenhammer zweimal Fehlentscheidungen attestierte, ob der Sperre des Betroffenen dann als Ersatzmann herangezogen wird und somit auch sein Konto aufbessern könnte, erscheint dies als gehörige Schieflage. Ganz zu schweigen davon, dass allzu häufig und vorschnell ausgesprochene Sperren zu einem sowohl qualitativen als auch quantitativen Engpass führen.

Unsinnige Selbstgeißelung

Ohne Schiris ist kein Spiel möglich. In Österreich agieren sie als Amateure umgeben von Vollprofis. Opfern für ihre Leidenschaft oftmals ihre Freizeit und ihren Urlaub. Man muss ihnen auch Fehler zugestehen. Ein Stürmer, der in der 93. Minute für das Goldtor sorgt, ist ja auch dann ein Held, wenn er zuvor zweimal am Elfmeterpunkt kläglich gescheitert war. Der Mann mit der Pfeife jedoch kann 90 Minuten fehlerlos und souverän agieren, passiert ihm allerdings in der Nachspielzeit nur ein einziger Fehler, ist zumeist ausschließlich dieser in der öffentlichen Nachbetrachtung Thema. Aus Sicht der Fans tötet der VAR wahnsinnig viel an Emotionen, der ekstatische Torjubel gehört mittlerweile der Vergangenheit an, regeltechnisch sollte er kein Druckmittel, sondern ein brauchbares Tool für den Spielleiter sein. Jenem Faktor, der immer noch die Letztentscheidung hat. Und – auch eine Option – sich für einen Reverse on Field zu entscheiden, aus eigenem Antrieb rauszugehen und eine Entscheidung, die vielleicht nur aus einem Bauchgefühl getroffen wurde, zu überprüfen. Da man hierzulande als Referee aber weiß, dass bei zwei solchen Dementis die Sperre wie das Amen im Gebet folgt, wird er von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen. So lange, bis dieser unsägliche, interne und vor allem von einem „Kollegen“ selbstauferlegte Passus der Vergangenheit angehört.

Anzeige

7 Kommentare

  1. Harald sagt:

    DER FISCH FÄNGT BEIM KOPF ZUM STINKEN AN!!!

    Die „Möchtegern“ sitzen ja in Wien und reden nur wirres Zeug. Zu was braucht man einen Schiedsrichterboss, der im wahrsten Sinne des Wortes schon früher eine richtige „Pfeife“ (Sedlacek schimpft er sich) war??!!
    Solche Typen möchten den aktuellen Schiedsrichtern vorschreiben wie es funktioniert, geht´s noch.
    Das sind ja so etwas von präpotent, dass es nicht mehr ärger geht.
    Wenn man hört, wie es intern zugeht, was ich auch zu 100% glaube, wundert mich der Ruf unser Schiedsrichter in Europa nicht mehr!!!!
    Muckenhammer muss zwei Entscheidungen in sekundenschnelle treffen, wird vom VAR in die Zange genommen und muss dann schlussendlich eh wieder selbst entscheiden wie es weiter geht, nur weil die Kasperl vorm Fernseher nicht fähig sind eine Entscheidung zu treffen, wie deppert sind die eigentlich wirklich.
    Und genau diese Herren bekommen dann auch noch Unterstützung von der schwindligen Kommission.
    Wie gesagt, „DER FISCH FÄNGT BEIM KOPF ZU STINKEN AN“

    • RAM6I sagt:

      Gibt es eigtl. einen Bereich worin die Wiener nicht präpotent sind?
      Frag für einen Freund!

      Da es wieder ein Wiener Nationaltrainer wird..Stöger oder Herzog.
      Und selbst da Ludwig hält sich für besser als die Bundesregierung…

      Wien ist halt Anders und wir Alle dürfen es erhalten und leider behalten!

    • Ennstaler sagt:

      Ewig schod, dass unser Otakar IV. – i glaub, des woar im 1186er Johr – unsare scheene Steiamork oan di schleißigen Babenberger aus’m Neandatoi vaschat hot!

  2. Schworza99 sagt:

    Wir brauchen halt Profi Schiedsrichter. Wir sind 8beste Nation in Europa aber lassen die Spiele von Amateuren leiten? Zumindest in der Bundesliga sollte es mind. 6 kompetente Hauptschiris geben. Altersgrenzen etc. gehören auch alle abgeschafft.

    Unsere sind mental fertig wenn sie 1x in der Woche spielen und die Schiris solle ein Spiel leiten und zusätzlich noch hackeln…da musst ja Abstriche machen. Es sollt zumindest die Möglichkeit geben als Schiri vom Geld allein leben zu können. Dann pfeifst unter der Woche halt im Ausland oder bildest die Jugend aus etc. Es muss einfach bessere Konzepte als das jetzige geben.

    • Siro sagt:

      Genau das ist das Problem: In unserem Hochsteuerland (ja es gibt Menschen die gehen für 1600 Euro 50 Stunde die Woche hackeln, während andere fürs Nix tun 1200 kassieren) ist das nicht möglich. Als öst. Schiedsrichter würde man nicht schlecht verdienen, ich glaube 1600 Euro brutto pro Bundesliga-Partie. ABER: Damit zahlt man die Anfahrt, dafür geht man 2x die Woche trainieren, man muss selbst eine Krankenversicherung abschließen (trotz Job nebenher, einel zusätzliche) usw…. Am Ende bleibt halt nicht viel über. Ganz zu schweigen davon, dass wenn man nicht einen Hauptjob hätte, auch ordentlich für eine halbwegs vernünftige Pension einzahlen müsste.
      Das Schiedsrichterwesen ist daher im Prinzip nur ein Abbild davon, woran es in diesem Land derzeit hakt.
      So schlecht sind sie nicht! Aber von oben (auch typisch) gibts halt wenig Unterstützung sondern Druck und anscheinend schnell Sanktionen.

  3. ballspieler sagt:

    Lechner Raus

Schreibe einen Kommentar