So geil wie seit 34 Jahren nicht!

Spielbericht: SK Sturm vs. Wolfsberger AC

Verhaltener Beginn

Sturm hat bei herrlichem Fußballwetter und guter Kulisse bekanntlich die Möglichkeit, Historisches zu vollbringen. In den ersten Minuten tut sich allerdings recht wenig. Die Gäste aus Kärntnen präsentieren sich bissig in den Zweikämpfen und ein Spielfluss mag zunächst nicht aufkommen. Nach zehn Minuten allerdings das erste offensive Ausrufezeichen der Blackys: Marvin Potzmann, heute einmal mehr bärenstark, mit der punktgenauen, wunderschönen Flanke in den Lauf von Philipp Huspek, der sich sehenswert seitlich in den Strafraum tanken kann. Dessen Hereingabe ist für den wieder in der Startelf stehenden Deni Alar aber gewiss nicht zu verarbeiten – selbst Messi hätte dieses Kunststück wohl nicht vollbracht. Sturm wird jetzt vor den Augen des Jahrmillionentrainers Ivan Osim aber stärker und nimmt das Spiel zusehends in die Hand, die großen Highlights bleiben jedoch aus. Von den Kärntnern geht derweilen überhaupt keine Gefahr aus. Gleich mehrere taktische Fouls der Gäste bleiben von Schiedsrichter Sebastian Gishammer unbestraft. Die Blackys sorgen hingegen immer wieder mit traumhaft präzisen Seitenverlagerungen für Unruhe in der Lovntoler Hintermannschaft. Für den nächsten Höhepunkt, auf den wir gerne verzichtet hätten, sorgt unser aller Lieblingsgrieche: Nach 25 Minuten bleibt Lyko ohne Fremdeinwirkung am Boden liegen. Für ihn kommt Christian Schulz, der ein Comeback feiert. Die Verletzungsunserie geht also weiter.

Sturm zum Ersten

Wir schreiben die 30. Minute. Mitten in einer Phase, in der eigentlich nicht allzu viel passiert, schlägt Sturm zu. Aber wie. Nach einem herrlichen Zuspiel von Stefan Hierländer, bringt der erneut auffällige Huspek die Wuchtel Richtung Elferpunkt. Dort lauert Deni Alar. Was nun kommt, lässt keineswegs auf eine mögliche Ladehemmung des noch nicht auf Touren gekommenen Goalgetters der letzten Saison schließen. Mit viel Übersicht und Abgebrühtheit behauptet er den Ball, lässt Nemanja Rnic ins Leere fahren und schließt überlegt und souverän ab. Traumtor, das wohl auch Balsam für die Seele der Nummer 9 ist. Sturm steigt jetzt stärker aufs Gaspedal und führt hochverdient. Die Lovntoler sind praktisch vollständig abgemeldet. In den ersten 45 Minuten kommen die Gäste kein einziges Mal gefährlich vor den Kasten von Jörg Siebenhandl. Sturm hat alles sowas von im Griff, dass es eine Freude ist. Logische Konsequenz: Die Blackys gehen mit der Führung in die Kabine. Sturm ist im Kollektiv unglaublich stark und zeigt einmal mehr eine grandiose Einstellung. Fehler, die ohnehin selten sind, werden gemeinsam ausgebügelt.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Zum Zweiten

Wenige Augenblicke nach Wiederbeginn dann die erste, durchaus unerwartete Großchance der Gäste. Bernd Gschweidl setzt einen Kopfball aber hauchdünn über die Latte – Glück für Sturm in dieser Situation. Mit Ausnahme dieser Szene und eines Freistoßes für den WAC knapp an der Strafraumgrenze geht es an diesem Tage nur in eine Richtung, nämlich in jene, in der Alexander Kofler seine Arbeit verrichtet. Und so kommt auch, was Gott sei Dank kommen musste: Sturm legt nach. Der, wie bereits erwähnt, bärenstarke Marvin Potzmann setzt zur nächsten genialen Flanke in den Lauf von Stefan Hierländer an, der mit dem Kopf zur Stelle ist. Der Ball wird noch abgefälscht und landet direkt vor der Nord in den Maschen. Es war dies die 57. Minute, man möchte diese geile Mannschaft jedoch noch viel länger bestaunen. Der Sieg für die Geschichtsbücher rückt nach dem elften Tor im vierten Spiel in greifbare Nähe. Während der Autor diese Zeilen schreibt, springt er auch schon wieder auf, die Hände gen Himmel, den Torschrei auf den Lippen. Doch Thorsten Röcher vergibt nach toller Vorarbeit von Huspek alleine vor Alexander Kofler und schlenzt den Ball am Tor vorbei. Macht nix. Es ist eine Freude. Schon seit dem 2:0 springt hier das ganze Stadion. Sturm ist und bleibt hier drückend überlegen, lässt einfach nicht nach und kombiniert zum Zungeschnalzen.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Sadomaso Marke Sturm

Absolute Feldüberlegenheit hin oder her. Sturm fährt eben derzeit auf der Masochisten-Schiene und mag es eben lieber, wenn es ein bisschen wehtut. Völlig aus dem Nichts gelingt den Gästen nämlich plötzlich der Anschlusstreffer. In der 81. Minute bleibt Bernd Gschweidl vor Jörg Siebenhandl cool, überspielt diesen und schiebt ein. Zwar sah es zunächst nach Abseits aus, auch die Schiedsrichter mussten sich im Anschluss beraten, doch der Treffer war regulär. Den Wolfsbergern gelang somit das erste Tor in Graz seit 2014. Und natürlich haben sie jetzt Blut geleckt. Das obligatorische Zittern muss also auch dieses Mal sein. Tatsächlich gibt es in der Nachspielzeit sogar noch die Chance auf den Ausgleich, doch Gschweidl verzieht aus schwieriger Position. Dann ist Schluss, am Ende freut man sich auf den Pfiff dann doch. Sadomaso Marke Sturm – definitiv gewöhnungsbedürftig und nichts für schwache Nerven.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Und zum Vierten!

Mit vier Siegen in Folge in eine Saison zu starten, gelang zuletzt in 1983/84. In beeindruckender Manier wurde dieser Wert heute egalisiert. Zwar hat man sich wieder unnötigerweise selbst zum Zittern gebracht, doch war dies heute mit Ausnahme des Gegentors ein unfassbar souveräner Auftritt. Ein 2:1-Erfolg vor eigenem Publikum gegen den WAC mag womöglich nicht allzu sensationell erscheinen. Die Art und Weise, wie dies geschah, war über weite Strecken dennoch herausragend. Man hat einfach nichts anbrennen lassen. Naja, fast nichts. Das Ergebnis hätte darüber hinaus auch weitaus höher zugunsten Sturms ausfallen können. Einzelne Akteure nun positiv hervorzuheben, wäre an dieser Stelle unfair. Das Kollektiv könnte zur Zeit einfach kaum besser sein. Auf dass es möglichst lange so bleibt und Ivan Osim noch viele solcher Spiele in Graz bestaunen kann. „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“ hallt es unglaublich laut durchs Stadion. Zurecht.

Spieldaten

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9 Kommentare

  1. graz4ever sagt:

    „Porno“-Sturm Graz 😉

    2+

  2. Uli Hoeness sagt:

    9478 Zuschauer sind einfach ein Witz so kann man nie Meister werden!

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  3. glockgame sagt:

    Naja, 3 Punkte, das ist das wichtigste. Berauschend war das heute nicht. Immerhin gings gegen einen Abstiegskanditaten.

    Ist zwar schön anzusehen, man hat viel Ballbesitz, aber brauchbares schaut nicht raus. Ausser den beiden Toren hatte man glaub ich nur noch Schüsse aufs Tor…anstatt mit einem 3:0 alles klar zu machen, beginnt man wieder auf lässig zu spielen, und erweckt einen Toten zum Leben!

    4 Spiele, 4 Siege, liest sicht gut, aber man muss auch dazusagen: das waren mit St.Pölten und WAC Abstiegskanditaten, eine Austria die komplett am Sand war, und Mattersburg, dort hätte man mit etwas Pech auch verlieren können. Also ich bin noch vorsichtig mit der Euphorie, und scheinbar auch die Zuseher, ansonsten wären wohl mehr als knapp 9.500 gekommen….

    Klar, man dominiert den Gegner zwischendurch, macht schöne Tore, aber die richtigen Aufgaben kommen jetzt mit Rapid und Salzburg, da kann man zeigen, wie gut die Mannschaft wirklich ist.

    Aber genug jetzt, ich freue mich natürlich über die bisherigen Ergebnisse! Aber es ist halt Sturm…ich erinnere nur an letzten Herbst, als man für viele bereits fixer Meister war…

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    • glockgame sagt:

      Korrektur:

      beiden Toren hatte man glaub ich nur noch 2 Schüsse aufs Tor…

      Kann man Beiträge nicht editieren?

       

      Zum heutigen Spiel noch:

      – Eckbälle sind eine Katastrophe, werden die nicht mehr trainiert?

      – Nur mit 1 Stürmer, das wird nix, warum spielt man zuhause gegen einen Abstiegskanditaten nicht mit 2 Stürmern? Alar allein vorne ist doch hilflos…

      – bei gegnerischen Standarts hat man jedesmal die Hosen voll, das klappte letztes Jahr noch besser

      – Siebenhandl ist mir persönlich oft zu weit vor dem Tor. Bisher ist noch nichts passiert, hoffentlich bleibt das so

      – Potzmann hat sich echt stark präsentiert in den bisherigen Spielen, gefällt mir sehr gut.

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    • SKPSG sagt:

      Du bist ein Schlechtreder der stärkeren Sorte. Es ist gerade gegen die „kleinen“ schwer Konstanz reinzubringen. Wer diese Spiele über die Meisterschaft im Griff hat steht warscheinlich ganz oben am Ende der Sasion. Falls es dir Aufgefallen ist haben Salzburg und Rapid gegen vermeidliche Abstiegskanidaten Punkte liegengelassen, wir noch nicht. Es ist ganz und gar unmöglich einen Punkteschnitt von 3 zu halten, also werden Dämpfer folgen. Das kann leicht gegen am Papier stärkere Gegner sein wie Salzburg oder Rapid, ist auch ok solange man weiter die „kleinen“ besiegt.

       

      Freu dich einfach mal zwischendurch dass Sturm wirklich ansehnlichen, variantenreichen Fußball spielt, Effizent ist und ganz oben steht. Oder ist das zu viel verlangt?

      Meine Prognose : Am Ende der Sasion wird Sturm wieder einen EC Platz haben und diesmal in die Gruppenphase einziehen.

      4+

  4. Duddy sagt:

    4 Spiele, 4 Siege, 4 mal dominiert.

    Ja alles is schlecht.

    Lol

    2+

    • graz4ever sagt:

      Wie katastrophal wirds dann erst sein, wenn wir näxte Woche gg die Wiener die Fünf vollmachen..gar auch nur mit 1Tor Unterschied gewinnen.. eine Schande 😉

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  5. Ritter2016 sagt:

    Letzte Woche nach dem Mattersburg-Spiel kommt Gratzei zu Siebenhandel und sagt: „komm her, ich zeig dir das mit den Ausschüssen mal“ … wie viel hat der gestern ins Out gejagt? Drei? Vier? So kann man höchstens Rugby spielen

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