Siegesrausch oder Koma

Spielvorschau: SK Sturm Graz vs. LASK Linz

Das Wichtigste zuerst: Es war kein Traum, Sturm ist wirklich Cupsieger.

Eigentlich ein wichtiges Spiel, eigentlich aber auch völlig egal

Selten war es schwerer, eine Vorschau auf ein Bundesligaspiel zu schreiben. Nüchtern betrachtet steht Sturm auf Platz 2 in der Tabelle und würde damit nächstes Jahr in der CL-Qualifikation antreten dürfen. Im Heimspiel gegen den LASK aus Pasching könnte man mit einem Punktgewinn einen Riesenschritt zur Fixierung des Vizemeistertitels machen, bei einem Sieg und einer gleichzeitigen Niederlage von Rapid gegen Salzburg wäre der zweite Platz den Blackies auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen. Theoretisch also ein wahnsinnig wichtiges Spiel, auf das man sich konzentriert vorbereiten sollte.

Andererseits war da halt auch dieses Mittwochsspiel. Cupfinale, fast volles Haus in Klagenfurt, Sturm holt den ersten nationalen Titel seit 2011. Und auch wenn die Mannschaft wohl nicht, wie am Abend des Spiels von Lukas Spendlhofer angekündigt, nach Lignano gefahren ist, so kann man dennoch davon ausgehen, dass die Trainings am Donnerstag und Freitag, falls sie denn überhaupt stattfanden, eher als bessere Ausnüchterungseinheiten genutzt wurden. Die optimale Vorbereitung war das wohl nicht, ist aber auch komplett egal, den Cupsieg kann uns keiner mehr nehmen.

Und so stellt sich eben die Frage: Können die Spieler auf der Welle des Erfolgs schwimmen, und sich erneut in einen Siegesrausch spielen, oder wird es doch ein bitteres Erwachen geben und somit das Rennen um Platz zwei noch enger? Denn eines ist gewiss, der momentan viertplatzierte LASK hat selber noch Chancen, in der Tabelle an Rapid und Sturm vorbeizuziehen, dies ist wohl für jede Mannschaft in Österreich Ansporn genug. Dazu kommt, dass die Oberösterreicher von den letzten acht Spielen deren ganze sieben gewinnen konnten, an Form und Selbstvertrauen wird es also nicht mangeln.

Weils so schön war, hier nochmal ein Bild mit Pokal. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Verschoben wird nicht

Durch die Verschiebung des Cupfinales vom 1. Mai auf den 9. Mai ergibt sich nun die Situation, dass Sturm innerhalb von vier Tagen zwei wichtige Spiele hat, da der Bundesligaspielplan schon vorher festgelegt wurde. Im Vorfeld des Finales wurde deshalb nach Informationen der Oberösterreichischen Nachrichten von Seiten des SK Sturm bei der Bundesliga angefragt, ob man das Spiel gegen den LASK nicht auf Sonntag verschieben könnte, um den Spielern mehr Regenerationszeit zu verschaffen. Die Liga soll diesem Plan auch durchaus positiv gegenüber gestanden sein, allerdings haben die Linzer ihr Veto gegen eine Verschiebung eingelegt. Trainer Heiko Vogel, beim Mediabriefing am Freitag schon mit schwarzgefärbten Haaren unterwegs, gibt sich dazu verständnisvoll: „Das kann ich nachvollziehen. Ich hätte es als LASK-Verantwortlicher genauso gemacht. In diesem Spiel geht es einfach um zu viel, um dem Gegner irgendeinen Vorteil zu überlassen.“

Personalsituation

Die Startelf von Klagenfurt wird man in der Form am Samstag sicher nicht sehen. Lukas Spendlhofer, dessen Vertrag soeben per Option um ein Jahr verlängert wurde, ist gegen die Oberösterreicher gesperrt. Auch andere Spieler, die gegen Salzburg erst spät in die Partie gekommen sind, werden laut Vogel gegen die Paschinger beginnen, dies trifft wohl auf Jakob Jantscher und Philipp Huspek, möglicherweise auch auf Sandi Lovric zu.

Cheftrainer Vogel sieht morgen wenig überraschend ein wichtiges Spiel auf seine Mannen zukommen. Für ihn ist der LASK einer der „unangenehmsten Gegner“ in der Liga, allerdings habe man „alles getan, um perfekt zu regenerieren“ und sei gut auf das Spiel vorbereitet und topfit. Die Linzer sind für Vogel eine Mannschaft, die „sehr gut und sehr schnell umschalten“, weshalb das Ballbesitzspiel für den SK Sturm besonders im Fokus stehen müsse, möglicherweise wird sich die Grazer Abwehrkette dieses Mal auch tiefer postieren. Besonders Samuel Tetteh und Joao Victor werden von Seiten des Trainers als Gefahrenherde ausgemacht.

Ähnlich wie nach Niederlagen müsse man laut dem Coach auch heroische Siege wie am Mittwoch mental verarbeiten, sonst könnte es ein böses Erwachen geben.

Verabschiedung

Vor dem Spiel wird zudem Jürgen Säumel im Stadion offiziell verabschiedet. Der Steirer hat erst unlängst sein Karriereende verkündet, nach rund 200 Pflichtspielen für den SK Sturm und mehreren Auslandsstationen in Italien und Deutschland war der Ex-Kapitän seit Sommer vereinslos.

Rückblick

Gerade Heiko Vogel wird den LASK mit einem guten Gefühl empfangen, war doch das letzte Spiel auswärts in Pasching jene Partie, in der Vogel endlich den ersten Sieg als Sturmtrainer feiern konnte, nach Schlusspfiff wurde ihm dazu von der Kurve noch demonstrativ der Rücken gestärkt. Generell hat der SK Sturm gegen den LASK heuer eine positive Bilanz, in der 16. Runde wurden die Oberösterreicher spät in der Nachspielzeit durch einen Treffer von Charalampos Lykogiannis 1:0 besiegt, nur in der siebten Runde musste man (zum ersten Mal in dieser Saison) Federn lassen und ohne Punkte die Heimreise antreten.

Es ist also alles angerichtet für eine enge Partie, bei der es nicht zuletzt auch auf die „Stehaufqualitäten“ der Grazer ankommen wird.

Spieldaten:

SK Sturm Graz vs. LASK Linz

34. Runde der Österreichischen Bundesliga, Samstag, 12. Mai 2018, 16:00 Uhr, Merkur Arena

Schiedsrichter: Robert Schörgenhofer

Mögliche Aufstellung: Siebenhandl; Koch, Maresic, Schoissengeyr, Potzmann; Jantscher, Jeggo, Zulj, Huspek, Edomwonyi, Alar

Ersatz: Schützenauer, Schrammel, Schulz, Lovric, Hierländer, Röcher, Schubert

Es fehlen: Eze, Zulechner, Spendlhofer

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