Sieg, aber die Chancenauswertung …

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. SV Austria Salzburg (3:1)

Der Cup hat in Fanherzen meist nicht nur wegen seines Turniermodus einen besonderen Platz – nein, auch die Möglichkeit diverser Traditionsduelle, die einem auf höchster nationaler Ebene sonst verwehrt bleiben, machen diesen Bewerb zu etwas Besonderem. In einer solchen Begegnung bekam es der SK Sturm Graz am Mittwochabend mit der Austria Salzburg zu tun, die mit über 1000 Fans aus der Mozartstadt angereist war. Dementsprechend heiß ging es auf den Tribünen her. Bengalen, Böller, Rauch – ganze Magazine wurden verfeuert – Choreos, laute Chants, „liebevolle Nettigkeiten“ auf beiden Seiten. Eine alte Rivalität wurde zelebriert. Wahnsinnsstimmung im Stadion!

Trainer Christian Ilzer rotierte in seiner Aufstellung: Jörg Siebenhandl schien auf dem Spielbericht gar nicht erst auf. Für ihn durfte Tobias Schützenauer ran. Auch Jakob Jantscher und Otar Kiteishvili (beider immer noch rekonvaleszent) nahmen auf der Tribüne Platz. Amadou Dante, Jon Gorenc Stankovic und Stefan Hierländer saßen auf der Bank, dafür rückten Ivan Ljubic, Vesel Demaku und Emanuel Emegha in die Startaufstellung auf.

(c) SturmNetz.at

Programmgemäßer Start

Der SK Sturm übernahm bei herbstlichem Regen von Beginn weg das Kommando und fand in der 8. Minute die erste Chance vor. Alexander Prass schoss aus der Drehung und größerer Distanz aber knapp am Tor vorbei. Wenig später reüssierte Manprit Sarkaria mit seinem ersten Versuch nach Fehler der Salzburger Defensive und gutem Steilpass, gespielt von Tomi Horvat. Flach schob er den Ball unhaltbar für Keeper Manuel Kalman zum programmgemäßen 1:0 ein. Kurz darauf scheiterte Emanuel Emegha nach Sarkaria-Freistoß per Kopf. In der 15. Minute schoss der slowenische Assistgeber selbst und bereitete dem Salzburger Schlussmann, der den zentral angetragenen Ball erst im Nachfassen sichern konnte, das nächste brenzlige Problem.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Sturm drückend überlegen

Rollende Angriffe der Grazer kündigten einen baldigen zweiten Treffer an. In der 20. Minute ließ Emegha nach schöner Schnegg-Vorlage einen mächtigen Sitzer aus. In Ballbesitz fast nur mehr Sturm. Kurz darauf zog Prass aus vielversprechender Position ab. Wieder war Kalman zur Stelle. Es folgte eine weitere Sarkaria-Chance (25.): Mit einem guten Schuss vermochte er den Tormann der Gäste aber diesmal nicht zu überwinden. Das gelang in der 28. Minute dafür ausgerechnet dem Salzburger Mathias Hausberger, der einen Querpass der Grazer Nummer 11 ins eigene Tor ablenkte. 2:0 für Sturm. In derselben Tonart ging es auch danach weiter. Das Spiel fand fast ausschließlich in der Hälfte des Regionalligisten statt, der es auch nicht verstand, wenigstens den einen oder anderen Nadelstich zu setzen. Auf der anderen Seite sorgten Schnegg und Prass (37. und 39.) mit zwei weiteren Abschlüssen aus der Distanz für Gefahr, danach auch Prass mit einem sehenswerten Solo und passablem Abschluss aus spitzem Winkel. Die Nummer acht verfehlte den Kasten dann auch in der 42. Minute nach Emegha-Vorarbeit nur knapp.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

In 15 Minuten Chancen für zwei Spiele

Zur Pause brachte Ilzer Jon Gorenc Stankovic für Tomi Horvat in die Partie. Die zweite Halbzeit eröffnete Emegha direkt nach Ankick mit seinem nächsten Torschuss, der sich aber dann doch über das Kreuzeck hinwegdrehte. Als nächstes zog Prass aus ähnlicher Position ab, ebenfalls ohne das Tor zu treffen. Danach verfehlten Ljubic und erneut Prass – vier Minuten, vier Chancen. Auch in der 54. Spielminute gelang es Prass nicht, den Ball endlich im Tor unterzubringen, worüber er sich auch sichtlich ärgerte. Da die Gäste aber kaum ins Spiel fanden, konnten sich die Grazer weiter im Zielschießen üben, dem sich auch Schnegg nach einem Corner per Kopf anschloss. Auch er scheiterte an Kalman.

Plötzlich Wirbel

Tobias Schützenauer, der mittlerweile ordentlich damit zu tun hatte, sich im stärker werdenden Regen nicht zu verkühlen, bewies in der 61. Minute, dass er trotz Unterforderung mit voller Konzentration im Spiel war: Einen von Marinko Sorda ordentlich getretenen Freistoß parierte er sicher. Es folgte eine kurze Drangphase der Gäste, in der Sorda schließlich der Anschlusstreffer gelang und plötzlich war die so lange erspielte Überlegenheit auf einen mickrigen Ein-Tor-Vorsprung zusammengefallen – vollkommen ohne Not, denn nur die schon erwähnte mangelhafte Chancenauswertung machte den Grazern das Leben plötzlich schwer. Dem Treffer gingen Zuordnungsschwierigkeiten in der Defensive voraus.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Fuseini bringt Schwung

Nach gutem Zuspiel des frisch eingewechselten Mohammed Fuseini, der viel Tempo ins Spiel brachte, versemmelte Ljubic den nächsten Sitzer – UNFASSBAR! Fahrlässigkeit würde den Umgang mit Chancen mittlerweile nicht einmal mehr annähernd ausreichend beschreiben. Bis in die 78. Minute musste also tatsächlich doch ein bisschen gezittert werden, aber nur bis der quirlige Fuseini im gegnerischen Strafraum regelwidrig attackiert wurde. Den Elfmeter verwandelte dann Sarkaria zum 3:1. Kurz darauf scheiterte der Doppeltorschütze erneut, wenig später traf Stefan Hierländer, der zuvor für Jusuf Gazibegovic aufs Feld gekommen war, aus der Distanz die Stange. In der 88. Minute prüfte Christoph Lang den Salzburger Keeper, der sich wirklich über einen Glanztag freuen durfte. Sekunden später wieder die glücklose Nummer 8. Lag es am regennassen Boden? Immerhin landeten am Ende drei von gefühlt fünfzig Schüssen auf der richtigen Seite im Tor. Der SK Sturm besiegte den Salzburger Regionalligisten natürlich hochverdient und darf sich auf die dritte Cup-Runde freuen.

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9 Kommentare

  1. Melvinuss sagt:

    Der Pass, der zum 2:0 (Eigentor) führte, kam von MotM Sarkaria und nicht von Emegha, wenn ich mich richtig erinnern kann

  2. Schworza99 sagt:

    Fuseini gehört mal in die Start 11…no offence aber immer wenn der reinkommt gehts rund in der gegnerischen Verteidigung. Hartberg würde sich anbieten. Minimum Kader sollte schon drin sein.

    Hab glaub ich noch nie einem zweifachen Torschützen eine 3 gegeben. Zwei Tore ja…aber eins ein Elfer. Selbst hinter mir in der Reihe wurde die Verwunderung über 90 Minuten Sarkaria kundgetan. Hoffe mit den Transfers ist das Thema erledigt.

    Insgesamt war der Aufstieg nie gefährdet…das man sich überanstrengt aber auch nicht. Gerade vorne teilweise puh. Naja. Konzentration auf Samstag.

    • Kolkrabe sagt:

      Manprit Sakkara: Top Einstellung, Sympathisch, beidbeinig, top corners, kein Kampfschwein oder pressing machine dafür sicher im Abschluss. Gestern 2tore, 1assist. Ich bin froh solch an Edelkicker zuschaun zu dürfen, erinnert in den Anlagen an Vastic…

    • Schworza99 sagt:

      Hat er nicht gestern einen Corner direkt ins Out gehaut? Das Bemühen sprech ich ihm nicht ab nur was rauskommt ist halt nicht genug. Er ist ganz vorne verschwendet. Hoffe Ajeti und Boving können unsere Standards stabilisieren und offensiv Schlagkraft hinzufügen. Hab das Gefühl von der Bank kommend ist Sarkaria am stärksten (siehe letzte Saison).

    • Melvinuss sagt:

      Ich muss mich da Kolkrabe anschließen, Sarkaria für mich gestern einer der Besten (wenn nicht der Beste), hat gestern mehr oder weniger alle 3 Tore gemacht, sehr bemüht, viel gerackert, viel probiert, immer anspielbar. Weiß ehrlich gesagt absolut nicht, was da gestern so grottenschlecht gewesen sein soll…

      Insgesamt war das gestern – bis auf den Abschluss klarerweise – eine sehr reife, abgebrühte Leistung. Wir hatten das gesamte Spiel unter Kontrolle, waren sehr basllsicher. Salzburg nur diesen einen Freistoß und den einen Schuss aufs Tor, sonst war da nicht mal annähernd etwas von Gefahr da. Normalerweise muss das spiel 5:1 oder 6:1 ausgehen. Wenn wir schon früher erhöht hätten, hätten wir wahrscheinlich nicht mal das eine Gegentor erhalten.

      Respekt auch an den Salzburger Anhang. Keine Ahnung, ob und wieviel Hornochsen da wirklich drunter sind, aber in der Anzahl und mit der Stimmung, die sie mitgebracht haben, sind sie zumindest was das anbelangt (im Vergleich zu einigen anderen „Bundesligisten“) bundesligareif, ich würde ich sie 10x gegen die Bullen eintauschen 😉

    • Schworza99 sagt:

      Eine 3 ist nicht grottenschlecht…das 1:0 war sehr schön gemacht nach einem Salzburg Fehler. Das 2:0 war halt ein Eigentor durch einen Abpraller und das 3:0 ein Elfer. Es war eine gute Leistung. 3 Torbeteiligungen ja…aber gegen einen drittklassigen Verein der quasi keine Offensive aufbringen konnte.
      Auch Emegha war bemüht aber gefühlt immer den Tick zu spät. Effizienz ist auch nicht zu vernachlässigen. Hier müssen wir schärfer werden.

    • black_aficionado sagt:

      @Schworza: das stimmt schon, dass die Effizienz zu wünschen übrig gelassen hat. Aber auch wenn es „nur“ ein Regionalligist war, gestern hatte der Sackl Mandi wiedermal ein Ausrufezeichen-Tag! Der hat die alle komplett schwindlig gespielt, wie im Übrigen ein Prass Alex auch.
      Das Problem beim Sackl ist, dass er ein paar gute Aktionen im Spiel braucht bis er klickt, aber wenn, dann knechtet er die Gegner zum Teil schon fürchterlich!

      Es gibt eigentlich nur eines zu kritisieren, dass, außer eben Sackl, keiner vor dem Tor die Nerven behalten hat (abgesehen von den beiden Stangentreffern) und zum Teil stümperhaft bis kläglich gescheitert ist.
      Emegha bemüht aber noch mit teils absurden technischen Mängeln; Fuseini erneut ein Lichtblick; Lang leider wieder nur ein Mitläufer ohne prägendem Element

  3. dawuede sagt:

    Dem Lang will ich noch Zeit geben ich glaub der Ilzer würde ihn sicher nicht bringen wenn er nix können würde, bisher wirkte er halt in der KM wirklich heillos überfordert, das Tor in Ried hat da ein bisserl kaschiert. Vielleicht wird er noch, die Frage wird sein wieviel Spielzeit er sich ausrechnen kann nach den jüngsten Transfers. Denke ein bisserl zweite Liga mit den Amateuren wird er hinnehmen müssen aber vielleicht schadet es ja auch nicht für den Rythmus.

    Sarkaria ist einfach ein Wahnsinnskicker, zuletzt war er leider nicht in Form, wobei trotzdem die paar wenigen Offensivaktionen die wir zusammengebracht haben in den letzten Runden, immer über ihn liefen. Dass er als Zehner vielleicht besser aufgehoben ist als ganz vorne, wie häufig diskutiert wird ist schon möglich. Nach der 3er Kette am Ende in Hütteldorf kann ich mir auch vorstellen dass wir künftig mehr Flexibilität zeigen werden was das System betrifft, der Kader wäre von der Papierform her stark auf ein 4-3-3 ausgelegt da mit Sarkaria, JJ, Fuseini, Bøving und vielleicht auch Wels viele Spieler in der Mannschaft sind die sehr gut in die Flügelstürmer-Rolle passen würden, die in der Raute ja nicht existiert.

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