Seidl: „Für mich ist das mehr als nur ein Job“

In einem Lokal, welches bewusst aufgrund der Nähe zu seinem neuen Arbeitsplatz gewählt wurde, durften wir uns ausführlich mit Stadionsprecher Thomas Seidl unterhalten. Themen gab es genug, ging es doch um die Ablöse von Stadionsprecherlegende Ludwig „Lucky“ Krentl, Seidls GAK-Vergangenheit und seine ersten Erfahrungen in der Merkur Arena.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Servus Thomas, unter anderem finden sich in deinem Lebenslauf Referenzen wie die Moderation vom Ironman, der Formel 1 in Spielberg, einem Skiweltcuprennen, zahlreichen Tennisevents usw. Durch die Bank Sportveranstaltungen, Erfahrung bringst du also schon mit. Was hat dich motiviert, in diese großen Fußstapfen in Liebenau zu treten?

In erster Linie die Liebe zum Sport. Seitdem ich denken kann, war Fußball eines der Hauptthemen in meinem Leben, da habe ich nicht lange überlegen müssen. Natürlich war ich selbst auch oft im Stadion, die Atmosphäre ist einzigartig. So eine Chance bekommst du wohl nur einmal im Leben, dann musst du diese einfach nutzen. Für mich ist das mehr als nur ein Job. Für mich ist das Leidenschaft und Spaß zugleich – man kann sagen, man lebt einen Traum.

Dein erster Einsatz als Stadionsprecher liegt schon zwei Saisonen zurück: Gegen die SV Ried durftest du für Ludwig Krentl einspringen. Was ging dir dabei durch den Kopf, wie hast du den Tag in Erinnerung?

Als ich das erste Mal am Spielfeldrand gestanden bin, habe ich erst realisiert, was das jetzt bedeutet. Das ist für mich ein riesiges Ding, einen Vergleich mit anderen Moderationen kann ich da gar nicht ziehen. Im und um den Verein kenne ich viele Leute, habe selbst die Emotionen im Stadion erlebt und darf jetzt vor dieser Menge an großartigen Besuchern sprechen. Die einleitenden Worte waren zuerst kein Problem, als es dann aber zur Aufstellung kam, hat es mich doch ordentlich „g’rissen“. Du weißt einfach, dass da jetzt tausende Fans zuhören, denen es sehr wichtig ist, dass auch das Drumherum reibungslos abläuft. Da ist mir vor Aufregung fast der Vorname Fabian Kochs entfallen, das wäre alles andere als ein guter Einstand gewesen. Wenn ein Tor für Sturm fällt, muss ich mir immer selbst sagen, dass ich jetzt aufhören muss zu jubeln. Ich muss ja den Treffer ansagen, das ist mir die ersten Male schon noch schwerer gefallen, da gehen die Emotionen einfach hoch.

Wann kam die Idee, Lucky Krentl gänzlich abzulösen, beziehungsweise ihm den wohlverdienten Ruhestand zu gönnen?

Grundsätzlich war das nach den ersten Malen gar nicht angedacht. Die Idee war, dass ich für den Lucky einspringe, wenn er wieder mit dem Sturm-Nachwuchs zu Turnieren fährt oder als Präsident des Anhängerklubs unter anderem den Sturm-Ball organisiert. Genau bei dieser Veranstaltung, die ich seit ein paar Jahren moderieren darf, wurde der Vorstand auf mich aufmerksam und ist an mich herangetreten, ob ich nicht in Sonderfällen den Stadionsprecher übernehmen könnte. Dann kamen vereinzelt die Einsätze und vor gut zwei Monaten kam dann der Anruf von Christian Jauk, ob ich mir vorstellen könnte, zur Gänze den Job als Stadionsprecher zu übernehmen. Für mich ist das wie gesagt eine riesengroße Ehre, da ich erst der vierte Stadionsprecher seit 1957 bin und meine Vorgänger so lange ihren Job so gut gemacht hatten. Genau diese Tradition will ich auch aufrechterhalten.

In einer Presseaussendung sprach Thomas Tebbich von einer Weiterentwicklung im Bereich des Stadionsprechers. Gibt es da schon erste Ansätze oder wird an Altbewährtem festgehalten?

Nachdem ich erst kurz vor der neuen Saison übernehmen durfte, blieb nicht wirklich viel Zeit, über Neues nachzudenken. Der Ablauf in den ersten Spielen war ähnlich wie letzte Saison, aber wir haben auf alle Fälle vor, auch Neuerungen vorzunehmen, das ist auch mein persönlicher Anspruch. Angedacht ist auch, die Fans zu Wort kommen zu lassen, beispielsweise welche Musik gespielt wird. Wir sind natürlich nicht interessiert daran, jetzt alles neu zu machen, vieles funktioniert schon sehr gut und es muss nur an einzelnen Stellen gearbeitet werden. Da in naher Zukunft wohl die Tonanlage im Stadion erneuert wird, haben wir diesbezüglich auch mehr Spielraum. Da kann man beispielsweise mit Videos arbeiten, worin Pressekonferenzen und Interviews in der Halbzeitpause gezeigt werden.

Du kickst selbst in der Oberliga, deine fußballerische Ausbildung hast du allerdings beim Stadtrivalen GAK genossen. Wie passt das jetzt mit Sturm zusammen? Du vertrittst den Verein doch hauptsächlich nach außen?

Diese Frage habe ich schon erwartet und ist natürlich völlig legitim. Ich habe damals in Pircha im Nachwuchs gekickt, da fand in einem Sommercamp ein Sichtungstraining statt. Am Ende dieses Camps trat dann der GAK an mich heran und sie boten mir an, in der Akademie zu spielen. Das Gesamtangebot mit sportlicher und schulischer Ausbildung hat damals sehr gut gepasst und dann hat das für mich keine Rolle gespielt, quasi zum Stadtrivalen zu gehen. Geschlafen habe ich nämlich in Sturm-Bettwäsche. Den Sprung zu den Profis konnte ich nicht schaffen, in dieser Zeit war ich ein bisserl zu faul und bin dann im Amateurbereich in Gleisdorf gelandet. Mein kleiner Bruder hat seine Ausbildung bei Sturm absolviert, dadurch wurde der Kontakt und die emotionale Bindung zu den Schwoazen natürlich wieder größer. Ich stehe zu diesem Schritt, da es eine rein sportliche Entscheidung war, keinesfalls eine emotionale. Würde ich die Werte des SK Sturm Graz nicht vertreten können, wäre der Verein wohl nicht an mich herangetreten. Ich kann alle beruhigen, ich war niemals in einem roten Fanklub oder Ähnliches. Mein Verein ist der SK Sturm Graz.

Dein Terminplan wird immer voller und voller, arbeitest du doch hauptberuflich bei der Antenne und trägst die ehrenvolle Nummer zehn in Kirchberg an der Raab. Findet sich da noch Zeit für Hobbys und Familie oder gar weitere Sprecherjobs?

Jeder Fußballkollege oder ehemalige Gegner, der mich kennt, lacht wenn sie mich mit dieser Rückennummer Fußball spielen sehen. Die können sich das alle nicht vorstellen. Mein Job als Muntermacher kommt mir an Spieltagen nicht in die Quere, ich finde, das ist auch eine gute Verbindung zum Stadionsprecher. Natürlich darf auch die Zeit mit der Familie nicht zu kurz kommen. Andere Jobs kann ich theoretisch noch annehmen, sollten keine privaten Termine oder Veranstaltungen mit Sturm dazwischenkommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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4 Kommentare

  1. sisquoone sagt:

    Leider versteht man ihn nur sehr schwer, könnte daran liegen dass er einfach zu schnell spricht.

    Ich vermisse jedenfalls unsern Krentl, nichts desto trotz, alles Gute Thomas!!

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  2. magictriangle sagt:

    Die Lautsprecher und die Beschallung im Stadion ist eine Frechheit..

    Auch früher hat man es schon schwer verstanden.

    Schwer zu verstehen und Höhen und Tiefen passen überhaupt nicht zusammen.

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  3. schwoaza Peter sagt:

    Schön langsam wird’s lustig hier, einem passt die Beschallung nicht, dem anderen ist der Trainer zu dick.

    Hauptsache über irgendwas jammern.

    Mir gefällt es momentan auch nicht wie es läuft aber alles infrage stellen ist nicht ok, es wurde ja vorige Saison auch nicht alles in Grund und Boden gespielt und es gab genau so Partien wo keiner weiß warum sie gewonnen wurden.

    Wenn schon Spieler kritisieren dann noch eher die Altstars, sie sollten die Mannschaft führen.  Ich hoffe das noch allen der Knopf aufgeht und ich vertraue auch auf die Herren Kreissl und Vogel das sie wissen was sie tun.

    Alles infrage stellen ändert nichts, also bitte es ist mal genug.

    Ich bin mir auch sicher das Herr Vogel in der Kabine eine andere Tonart anschlägt als bei den Interviews.

    Swg

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  4. Gustlig sagt:

    Bettäsche, jaja.

    Seidl und Hösele raus!

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