Seberg: „Ich wurde aus Trotz GAK-Anhänger“

SturmNetz-Advent Tag 5 mit Gregor Seberg

Die „Stille Zeit“ ist nur anderswo wirklich still. SturmNetz.at geht im Advent in die Vollen! Wir lassen bis zum Heiligen Abend 24 Prominente zu Wort kommen und sprechen mit ihnen über Sturm, Fußball, Gott und die Welt. Doch was wäre diese Welt ohne Rivalitäten? Darüber haben wir uns mit dem GAK-Fan Gregor Seberg unterhalten. Die Sterne haben sich einst gefragt, „Was hat dich bloß so ruiniert“, auch wir sind auf Ursachenforschung gegangen. Der österreichische Schauspieler und Kabarettist – vor allem als Oberstleutnant Helmuth Nowak in der ORF-Serie „SOKO Donau“ bekannt – erzählt uns unter anderem von einem Schulfreund, der später General Manager bei Sturm werden sollte, mit welchen Tieren er die beiden Stadtrivalen vergleicht und was er von Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Grazer-Fußballfans hält.

© Jan Frankl

Herr Seberg, warum eigentlich GAK und nicht Sturm?

Das war eigentlich eine Trotzreaktion. Meine Schwester war Sturm-Anhängerin und für mich war klar, ich kann auf gar keinen Fall Fan vom selben Verein wie sie sein. Außerdem war mein bester Freund zur damaligen Zeit auch Sturm-Fan, so konnte ich zwei von mir geliebten Menschen sehr einfach eines auswischen. Wäre es andersrum gewesen, dann hätte ich wohl auch Sturm-Fan werden können.

Gab es Zeiten, in denen diese Beziehung Risse bekam?

Nein, ich bin jetzt zwar nicht der Hardcore-Fan der jeden Mädchennamen der Mutter eines jeden Spielers weiß, aber ich habe sie immer verfolgt, aber so richtig neu aufgeflammt ist diese Beziehung wieder mit der Neugründung. Durch all den Schmerz, den da ein gewisser Vereinspräsident mit den Initialen PS verursacht hat, das hat nichts geändert. Jetzt wird ja super gearbeitet, der Verein organisiert sich selbst und macht das sehr gut.

Gab es jemals sowas wie Eifersucht auf die Schwarz-Weißen, vielleicht weil für Sturm der Konkurs positiv ausging?

Nein, überhaupt nicht, das war schon gut, dass es weiterhin einen Verein in Graz gibt und der Fußball nicht komplett ausgelöscht wurde. Vor allem auch, um die Wiener Vereine Rapid und Austria zu ärgern. Da bin ich schon sehr froh, dass Sturm Graz existiert. Ihr hattet ja auch eine schwere Zeit mit einem schweren Präsidenten mit dem Hang zu viel Schmuck, selbst am Fußgelenk soll er ja ein Kettchen getragen haben. Aber nein, sowas wie Groll oder ähnliches habe ich da gegenüber Sturm nie empfunden.

Was war für Sie Ihr persönlicher Magic Moment in der Geschichte des GAK?

Der Meistertitel 2004 war für uns alle etwas ganz Besonderes. Es fühlte sich an, als würde man Zeuge der Intronisierung der Königin Elisabeth beiwohnen. So etwas vergisst man auch nie wieder. 

Selbst einmal davon geträumt, für den GAK aufzulaufen?

Ich habe in der Schülerliga im Liebenauer Stadion spielen dürfen und war fest davon überzeugt, dass es jetzt eben nur die Schülerliga ist, aber es später dann der GAK sein wird. Warum der liebe Gott das verhindert hat, muss man ihn selber fragen, denn ich war felsenfest davon überzeugt, einmal in die Fußstapfen meiner Idole treten zu können.

Gab es eine Persönlichkeit aus der langen Sturm-Geschichte, mit der Sie engeren Kontakt hatten?

Ich war mit dem Gerhard Goldbrich in der Schule, ich glaube, wir waren sogar in der selben Klasse. Wir sind ja aus dem selben Jahrgang und haben in den Pausen immer wieder gekickt. Man hat sich dann zwar aus den Augen verloren, aber er hat es ja geschafft, Profifußballer zu werden, zwar nie beim GAK, aber immerhin. 

Pia Hierzegger ist ja GAK-Fan, Josef Hader ist auch immer wieder bei Spielen dabei. Gibt es da auch verabredete Fahrten nach Graz?

Ich selbst bin einmal mit einem Freund, der auch in Wien lebt, aber selbst Grazer und GAK Fan ist, zu einem Match gefahren, aber den hab ich schon suchen müssen wie ein kluge Äußerung von Donald Trump, sowas findet man nicht leicht. Ich dachte mir, bevor ich in Wien einen zweiten GAK Anhänger finde, wird ein 31-Jähriger Bundeskanzler, naja beides ist eingetreten. Aber nein, wir organisieren uns nicht. Der GAK-Anhänger ist ja Einzelgänger, Individualist und das muss man auch mal sagen, Prinzessin. Zurecht.

Sie selbst arbeiten auch als Sprecher der Naturdokuserie Universum und sagen selbst: „Wenn ich einmal groß bin, werde ich Naturforscher oder Meeresbiologe. Ich habe schon so viel bei ,Universum‘ gelernt und liebe Tiere. Deshalb mache ich nur Folgen, in denen alles gut ausgeht.“ Wenn Sturm und GAK zwei Tiere wären, die sich gemeinsam einen Lebensraum teilen müssten, welche wären das und geht am Ende auch alles gut aus?

(lacht) Ich glaube das GAK-Tier wäre (überlegt lange) das seltene Edelweißgiraffensterntier, und das Sturm-Tier wäre einer jene Fliegen die Kuhfladen sucht und das Edelweißgiraffensterntier würde sich bemühen, es nicht zu zertreten, weil es einfach Mitleid hat. (lacht) Nein, da werde ich ja gelyncht, wenn ich wieder nach Graz komme, ich ändere das Sturm-Tier auf Alpiner Ohrwaschelkaktus.

Es gibt sicherlich auch Sturm-Fans unter Ihren Freunden?

Ja, habe ich schon, aber man schaut dann halt weg. Weißt, das ist so, wie wenn jemand ein Muttermal zwischen den Augen hat, oder hatscht, das tut man nicht. Man starrt nicht hin, sondern hat halt Mitleid. Das gebührt der Anstand. 

Zumindest ein kleines Derby GAK gegen Sturm trennt nur noch eine Liga. Freut man sich schon darauf?

Das ist es ja, darum geht es. Die zweitgrößte Stadt Österreichs braucht schon zwei Vereine. Ich finde ja diese Sautrotteln, weil ich das jetzt gelesen hab, diese paar GAK-Anhänger, die da nach dem Spiel zum Liebenauer Stadion gefahren sind, um sich dort zu prügeln … ich weiß nicht, was und wie viel bei denen schief läuft, weil darum geht es bei Rivalität ja überhaupt nicht. Sonst ist so ein Stadtderby nämlich schon super. Allein wie viel Blödsinn man in zwei Stunden reden kann, das verhindert ein Magengeschwür. Wenn beide Fanlager mit „Hier regiert der  …“ anfangen und sich dann gegenseitig beschimpfen, das ist ja das Schöne. Man kann als Fußballfan so lieb und ungestraft dumm sein, in Maßen natürlich, aber das tut sehr gut.

Sie haben sich nach 12 Staffeln SOKO Donau dazu entschlossen, dieser Serie den Rücken zuzukehren, auch mit der Begründung, Sie würden sich in Ihrer Rolle schon zu sehr wiederholen. Denken Sie in Zeiten des Fußballs, wo wahre Vereinstreue ausstirbt, dass es auch für Trainer oder Spieler, die schon lange Jahre für ein und denselben Verein arbeiten, besser wäre, sich nach neuen Ufern zu strecken?

Also darüber maße ich mir kein Urteil an, weil ich einfach kein Experte bin. Ich finde aber, dass Vereinstreue schon irgendwie etwas Tolles ist, vor allem für uns Fans, wenn man sich einen Lieblingsspieler herauspickt und der dann lange beim Verein ist, dann ist das schon etwas Tolles. Was aber natürlich passieren kann ist, dass sich Strukturen festfahren und es keinen neuen Blick mehr gibt. Wenn ich das mit meinem Beruf als Schauspieler vergleiche, dann ist es immer wieder einmal gut, wenn neue Sichtweisen dazukommen wie neue Schauspielkollegen oder ein neuer Regisseur, der dann wieder Dinge sieht, die man selbst nicht mehr gesehen hat oder noch gar nicht gesehen hat. Wenn man so wie Messi bei Barcelona ist, das hat schon auch was, dort wechselt halt immer der Trainer. Man muss eben immer offen für neuen Input sein. Wenn man das nämlich nicht ist, dann wird man irgendwann betriebsblind. Jeder, in jedem Fach, das ist nun einmal so und wenn da keine neue Sicht von außen kommt, dann kann man sich nicht weiterentwickeln. 

Was wünschen Sie Ihrem GAK für die Zukunft?

Ganz ehrlich? Unverschämt, ungerecht viel Glück, damit sie sich irgendwie nach oben wurschteln können, weil ich glaube, dass das ja immer schwerer wird.  

Was wünschen Sie unserem SK Sturm Graz für die Zukunft?

(lacht diabolisch) Ich wünsche Sturm Graz, (lacht nochmal diabolisch), nein, ich wünsche Sturm Graz, dass sie sich mit Müh und Not noch so lange halten, bis der GAK wieder da ist und wir werden euch dann durch die Rivalität schon wieder zu neuen Höhenflügen animieren. Und was ich Sturm noch wünsche ist, dass Franco Foda bleibt. Das ist echt schade, zwar gut für die Nationalmannschaft, aber der passt so super zu Sturm. Er kann ja jetzt nicht weiterhin bleiben, deswegen wünsche ich Sturm, dass sie sich irgendwo einen Foda-Klon beschaffen. 

Herr Seberg, vielen Dank für das Gespräch!

Danke ebenso! Alles Gute an eure LeserInnen und einen schönen Advent!

 

7 Kommentare

  1. mauer mauer sagt:

    Absolut unnötig. Wieso lies i sowos überhaupt??

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  2. jorge72 sagt:

    weil er eben ein „FAN“ ist und spürt was fansein bedeutet, auch wenn es sich dabei um den falschen verein handelt.

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    • jorge72 sagt:

      fans egal von was und wem, die es verstehen emotionen zu leben, sich glücksgefühlen hinzugeben, zu leiden, sind mir allemal lieber als diese toten mumien, die nur noch für maxmierung und renditen leben…

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  3. fuchsrob sagt:

    Ich finds sehr passend am Krampustag die roten Teufel zu thematisieren 😉 Bravo!

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  4. Siro sagt:

    Diese Serie ist bislang extraklasse. Seeger, der von Granada, Pizzera, Suman, sehr sehr lesenswert. Und selbst die Rote Brut hat Spaß gemacht. Bin schon gespannt, wie es weitergeht. Daumen hoch, Sturm Netz!

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  5. Pata_Negra Pata_Negra sagt:

    Ganz großes Lob an die Redaktion – wirklich sehr lesenswerte Interviews. Da kann sich die Printausgabe einer gewissen Zeitung aus Graz eine ordentliche Scheibe abschneiden. Bravo!

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