Ein schweizer Taschenmesser im Mittelfeld des SK Sturm

Valmir Matoshi ist ein Schwoazer!

Nach dem Abgang von Ryan Fosso, der sein Glück mittlerweile Seite an Seite mit Dimitri Lavalée bei Standard Lüttich versucht, wurde relativ schnell klar, dass es im Zentrum des SK Sturm noch einer weiteren Personalie bedürfen wird. Einige Tage zuvor bereits kolportiert, wurde Valmir Matoshi vom FC Thun am Dienstag offiziell vorgestellt – ähnlich wie Petar Petrović inszenierte man den Schweizer mit kosovarischen Wurzeln klischeehaft am Grazer Schlossberg, anstatt Cevape mit Ajvar allerdings mit einem Laib Schweizer Käse und einem Schweizer Taschenmesser. 

Über Valmir Matoshis frühe Jahre

Matoshi ging wohl genau den Weg, von dem er als Kind bereits träumte. Geboren wurde er im Juli 2003 nämlich in der Gemeinde, in der er 23 Jahre später seinen ersten Meisterteller in die Höhe stemmen durfte – in Thun. Im Kindesalter schnürte er seine Fußballschuhe für den Thuner Verein FC Hünibach im Schweizer Unterhaus. Bald wurde sein Talent erkannt und der FC Thun auf Matoshi aufmerksam. Er durchlief alle Jugendabteilungen des Schweizer Meisters und sah sich am Ende als Leistungsträger der Kampfmannschaft in deren ersten ganz großen Erfolg. 

Aber von vorne: Erste Datensätze gibt es aus der Saison 2018/19, als er sein Debut und seinen zeitgleich einzigen Einsatz in dieser Saison für die U18-Auswahl der Rot-Weißen aus dem Berner Oberland machte, als er gegen die Alters- und Eidgenossen vom FC Servette 16 Minuten vor Spielende für Ilario Schmutz eingewechselt wurde. 

In der Folgesaison 2019/20 gab es gleich zehn dokumentierte Einsätze in der U17- und U18-Auswahl des FC Thun, wo er als 17-jähriger regelmäßig von der Bank kam und im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde. Die U18 des FC Thun beendete die Saison auf dem letzten Tabellenrang, und alle Spiele, in denen Matoshi zum Einsatz kam, gingen mit einem Torverhältnis von insgesamt 4:29 verloren.

2020/21 platzte dann Matoshis Knoten, und obwohl die Leistungen der Thuner Jugendauswahl weiterhin ausbaufähig waren, entwickelte sich Matoshi zum Leistungsträger. Bereits am ersten Spieltag gegen die U18 der Young Boys aus Bern gelang Matoshi sein erstes Tor im Dress des FC Thun, ein erstes Erfolgserlebnis für den jungen Mittelfeldakteur, wenn auch das Spiel mit einem 1:6 endete. Nur zwei Wochen später gelang ihm bereits der zweite Treffer gegen Servette Genf, auch hier reichte es nur zum Treffer zum 1:3-Endstand. Insgesamt fünf mal in 21 Einsätzen konnte Matoshi in der Saison anschreiben, dabei sah er fünf gelbe Karten und eine rote. Spielerisch entwickelte sich Matoshi zum Leistungsträger einer ansonsten zahnlosen Thuner Auswahl. 

Das blieb auch Gian-Luca Privitelli, der den zum 1. FC Union Berlin abgewanderten Meistertrainer Mauro Lustrinelli als Cheftrainer kürzlich beerbte, nicht verborgen. Der damalige Trainer der viertklassigen Reserveauswahl des FC Thun berief Matoshi im Juni 2021 erstmals in den Erwachsenenfußball, wo er gegen den FC Allschwil sein Debüt feierte. Das Spiel endete mit einem 2:0-Auswärtssieg des FC Thun. In den verbleibenden Wochen der Saison kam er noch weitere zwei Mal in der Reserve zum Einsatz, aber nie über einen Kurzeinsatz hinaus. 

2021/22 gehörte Matoshi regelmäßig zum Aufgebot der Thuner U21 und setzte sich im Verlauf der Saison zum Stammspieler durch. Er erzielte vier Tore. Im Jahr darauf avancierte Matoshi dann zum absoluten Leistungsträger und seine erste Nominierung für die Kampfmannschaft folgte. Im August 2022 debütierte er im Pokal gegen den FC Bulle, als er in der 80. Minute eingewechselt wurde. Der FC Thun gewann das Spiel mit 4:0 und ein Torschütze ist für Fans der österreichischen Bundesliga kein Unbekannter: Nikki Havenaar, der bei der SV Ried zum Leistungsträger wurde und mittlerweile bei Raul Florucz und Mohamed Fuseini bei Union St. Gilloise sein täglich Brot verdient. Die Cup-Reise endete erst im Viertelfinale, als man sich dem späteren Turniersieger Young Boys geschlagen geben musste. 

Matoshis erster Einsatz in der zweitklassigen Schweizer Challenge League ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im Oktober 2022 kam er gegen den vom ehemaligen Altacher Trainer Ludovic Magnin trainierten FC Lausanne zum Einsatz. Seine Sternstunde schlug dann einige Wochen später, als er erstmals in der Startelf des FC Thun stand und gegen den AC Bellinzona aus dem Tessin innerhalb von nur 9 Minuten einen lupenreinen Hattrick schnürte. Assistiert wurde übrigens vom Bruder des in die MLS abgewanderten Toptorwarts Roman, Marco Bürki. 

Bis zum nächsten Torerfolg dauerte es, denn obwohl fortan oft Teil der Stammelf, gelang ihm erst im März wieder ein Treffer. Auch diesmal hieß der Gegner Bellinzona, erneut gewann man das Spiel. Seinen nächsten und letzten Saisontreffer bejubelte Matoshi im Mai, als man den Liechtensteiner Klub FC Vaduz besiegte – etwas, das Rapid Wien in jenem Jahr verwehrt blieb. 

In der nächsten Saison war Matoshi nicht mehr aus dem Kader des FC Thun wegzudenken. In 33 Einsätzen steuerte er vier Treffer bei und kam überwiegend im zentralen Mittelfeld zum Einsatz. In der Saison 2024/25 krönte sich der FC Thun schließlich zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte zum Schweizer Zweitligameister und stieg verdient ins Oberhaus der Eidgenossen auf. 

Wenig überraschend feierte Valmir Matoshi sein Debüt in der Super League auch direkt am ersten Spieltag, als er beim 2:1-Premierenerfolg für knapp 20 Minuten eingesetzt wurde. Seinen ersten Scorerpunkt ließ er im August 2025 bei einem beeindruckenden 4:0-Auswärtserfolg beim FC Zürich folgen. Zu diesem Zeitpunkt lachte der FC Thun nach vier Siegen aus vier Spielen erstmals von der Tabellenspitze. Am 11. Spieltag gegen den FC Winterthur war sein Spiel vorzeitig vorbei – nach nur 39 Minuten schickte ihn Schiedsrichter Piccolo wegen eines groben Foulspiels vorzeitig duschen. Das Spiel wurde trotzdem mit gewonnen und auch die beiden Spiele, in denen Matoshi gesperrt war, entschied der FC Thun für sich. 

Sein zweites Tor folgte in der Rückrunde beim FC Basel (mit Flavius Daniliuc und Albian Ajeti in der Startelf). Ein satter Rechtsschuss besiegelte den 2:1-Erfolg des FC Thun. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte dem einen oder anderen Spieler hinter verschlossenen Türen bereits das M-Wort über die Lippen gekommen sein. Insgesamt brachte Matoshi es auf sechs Tore und vier Assists und schrieb sich mit dem Team in die Vereinsgeschichte ein. Der erste Meistertitel des FC Thun überhaupt stand bereits fünf Spieltage vor dem Ende der Saison fest.

Matoshi in der Nationalelf

Valmir Matoshi hat kosovarische Wurzeln, begann seine Nationalteamkarriere aber in seiner Schweizer Heimat. Seinen ersten Einsatz im Dress der Eidgenossen lieferte er in der U20 Auswahl in einem Test gegen eine U23-Auswahl aus Australien. Er wusste es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber er wurde nach 81 Minuten beim Stand von 1:0 für den Mann ausgewechselt, den er Jahre später hunderte Kilometer weiter östlich gelegen ersetzen würde – Ryan Fosso! Einer seiner Gegenspieler bei den Australiern wird jedenfalls auch in seiner neuen Wahlheimat ein Gegner sein – WM-Fahrer und Leistungsträger des roten Erzrivalen Jacob Italiano fand in diesem Spiel seinen Meister in Matoshi.

Franco Foda nominierte Matoshi für den Kosovo. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Vier Tage später gab es ein weiteres Spiel der Schweizer U20, und wieder gab es rege Beteiligung von späteren Sturm-Akteuren. Gegen die Altersgenossen aus Dänemark bekam Matoshi es sowohl mit Mika Biereth als auch Tochi Chukwuani zu tun, die beide für den SK Sturm auflaufen sollten und mittlerweile bei den Rangers bzw. beim AS Monaco unter Vertrag stehen. 23/24 spielte er erstmals für die U21 der Schweizer in einem UEFA Bewerb mit und kam in der EM-Quali acht Mal zum Einsatz. Qualifizieren konnten sich die Schweizer überraschenderweise nicht. 

Aufgrund seiner Doppelstaatsbürgerschaft war Matoshi auch für den Kosovo spielberechtigt und die Entscheidung fiel ihm offenbar nicht schwer. Gegen die Tschechische Repuplik feierte er im Mai diesen Jahres sein Debüt in der Nationalmannschaft. Mit an Bord waren natürlich Sturm-Meistertrainer Franco Foda, der die Kosovaren sehr erfolgreich betreut, und Altach-Profi Vesel Demaku, der 2023 noch beim SK Sturm unter Vertrag stand. Auch Ex-Blacky Dardan Shabanaxhaj, der mittlerweile in Russlands höchster Liga spielt, war mit von der Partie. Das Spiel endete mit einem 2:1 für die Tschechen. Seinen ersten Sieg erlebte Matoshi dann eine Woche später gegen Andorra. 

Der tragische Hintergrund von Matoshis Rückennummer 

Matoshis Trikot wird die 78 zieren. Was außergewöhnlich anmutet, hat einen tragischen Hintergrund. Die Zahl erinnert an das Geburtsjahr seines Vaters, der 2023 nach langer Krankheit 45-jährig und viel zu früh verstarb. Wie Matoshi in einem Interview mit bluewin.ch offenbarte, soll sein Vater am Sterbebett noch sinngemäß gesagt haben, dass er künftig nicht mehr im Stadion auf die Füße schauen kann, sondern seinem Sohn „vom besten Platz aus“ anfeuern werde. 

Spielerisch ist Matoshi ein echter Allrounder. Über seine gesamte Karriere kam er so gut wie überall im Mittelfeld zum Einsatz und wusste zu überzeugen. Am häufigsten kam er auf der Sechs zum Einsatz, wo er dem Vernehmen nach auch beim SK Sturm eingeplant ist. Seine Stärke ist vor allem das Abfangen von langen Bällen im Mittelfeld. Darüber hinaus hat er vor allem in der Luft sehr gute Zweikampfwerte. Er versteht sich als „Beruhiger“ in chaotischen Spielphasen und sucht gerne die einfachen Pässe, was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass seine Passgenauigkeitswerte nicht immer ideal waren. 

Dem Vernehmen nach wechselte eine Million Euro aus Österreich ins Land der Schweizer Franken, damit der Thuner den Weg nach Graz auf sich nehmen konnte. SturmNetz heißt Valmir Matoshi herzlich Willkommen in der Steiermark. Wir freuen uns, ihn bereits am Sonntag beim Erzrivalen in Wien-Hütteldorf in Schwarz-Weiß begrüßen zu dürfen!

7 Kommentare

  1. AndyPI sagt:

    herzlichen willkommen und viel Erfolg

  2. Jocole sagt:

    Herzlich willkommen und alles Gute Valmir Matoshi!
    23 Jahre mit langfristigen Vertrag vom Schweizer Meister!
    Gratulation auch an Parensen!
    Und eimen Tipp an Valmir, ließ bitte in Zukunft nicht dieses Forum, auch FB und dergleichen im Zusammenhang mit dem SK Sturm nicht!

    Nachdem jahrzehntelang Wien und dann abwechselnd Salzburg und bis gestern Graz die Fusdballhauptstadt Österreichs war ist es ab heute Linz!
    Es ist zu befürchten, dass die negative Grundstimmung in diesem Forum noch mehr die Oberhand gewinnt!
    Du bist beim geilsten Verein Österreichs, in einer wunderschönen Stadt, wir waren 3 Jahre die Fussballhauptstadt Österreichs mit 2 Cupsiegen und 2 Meistertiteln!
    In den nächsten Jahren wird der LASK, mit der wirtschaftlichen Power Oberöaterreichs, einer modernen neuen Arena für uns höchstwahrscheinlich nicht in Reichweite sein!
    Hier im Forum kann der Großteil der User welche kommentieren ja nicht mal mehrüber einen Heimsieg gegen Altach erfreut sein, nachdem man in selbiger Woche auswärts beim Vizemeister Schottlands gewonnen hat und in die Europaleague eingezogen ist!

    • Lukas Gradischnig sagt:

      Von diversen sozialen Medien Abstand zu halten, ist im Zusammenhang mit Sturm nie schlecht, aber das SturmNetz muss man da schon ausnehmen und Valmir ist ein gern gesehener Leser. Im Vergleich etwa zu Facebook ist unsere Kommentarspalte ein Segen 😉

    • AndyPI sagt:

      Wieso soll er dieses Forum nicht lesen? Hier steht nichts schlimmes und beleidigendes gegenüber den Spielern und dem Verein. Es gibt auch realistische Sichtweisen abseits der schwarz weißen Brille. Vielleicht sollten manche diese einmal abnehmen um eine andere Sichtweise zu erlangen.

  3. matthiash. sagt:

    Alles Gute Valmir, ich hoffe doch das er gut zu uns passt, ich sehe die ganze Situation bei uns nicht so extrem schlecht wie manche hier, mann muss aber schon zugeben das der Titel diese Saison nur über den lask führt, muss mann neidlos anerkennen.

    Und noch ein Nachsatz, habe das Spiel gerade von rapid gesehen und wenn sie so spielen, brauchen wir uns sicher nicht verstecken und haben eine Chance dort zu gewinnen, nicht so wie manche posten das sie so gut sind……. Hoffen wir das beste und auf die schwoazen…..!!!

    • Mikelangelo sagt:

      Erste HZ war Rapid schon nicht schlecht, 2. dafür katastrophal. In der Nachspielzeit hatten sie einmal ordentlich Pech und zumindest 1 super Schuss von Demir. Die anderen Schüsse waren aus der Rubrik Helium-Ballon.

      Wenn sie die selbe Leistung bringen und wir eine halbwegs gute , kann ein X drin sein. Ein Sieg ist mir leider etwas zu unrealistisch. Dafür haben wir gegen Altach und Lustenau viel zu wenig gezeigt

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