Schöner geht’s nicht!

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FC Admira Wacker (2:0)

Der 35. Spieltag der Österreichischen Bundesliga stand ganz im Zeichen des Abschieds. Patrick Puchegger, Christian Schoissengeyr und Marc Andre Schmerböck werden den Verein im Sommer verlassen. Zwei Spieler der Schwarz-Weißen werden hingegen gar nicht mehr auf dem Spielfeld zu sehen sein: Sowohl Christian Gratzei als auch Kapitän Christian Schulz werden nach der laufenden Saison ihre Karrieren beenden und in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Passender für die Verabschiedungen der beiden Routiniers hätte der Rahmen an diesem Sonntagnachmittag gar nicht sein können: Sowohl der SK Sturm Graz als auch die Admira hatten bereits am vergangenen Spieltag ihre finale Tabellenposition bezogen (Zweiter bzw. Fünfter) und so blieb neben dem Auf Wiedersehen-Sagen auch noch genug Zeit, um dem heimischen Publikum noch einmal den ÖFB-Cup-Titel zu präsentieren.

Davor sollte aber auch noch Fußball gespielt werden. Trotz der scheinbar bedeutungslosen Partie schickte Coach Heiko Vogel keinesfalls eine B-Elf aufs Geläuf im Stadion Liebenau. Eine Fünferabwehrkette, die bei Angriffen der Grazer zu einer Dreierkette werden sollte, sollte den Blackys defensive Stabilität verleihen. Auf den Außenbahnen durften diesmal Jakob Jantscher und Thorsten Röcher ran, an vorderster Front sollten Kapitän Deni Alar und Bright Edomwonyi für Tore sorgen. Im Tor startete etwas überraschend Jörg Siebenhandl, Sturm-Legende Christian Gratzei hatte freiwillig auf einen Einsatz von Anfang an verzichtet. „Ich will auch dieses Spiel gewinnen. Es soll die bestmögliche Mannschaft spielen.“ Worte eines großen Sportlers.

Flotter Beginn

Beide Mannschaften starteten äußerst intensiv in das letzte Sturm-Heimspiel der Saison. Nach drei Minuten fand Daniel Toth nach Zuspiel von Lukas Grozurek eine gute Gelegenheit vor, Siebenhandl parierte den etwas zu zentralen Schuss sicher. Im Gegenzug setzte Edomwonyi seinen Versuch neben das Tor. Dennoch war die Admira dem frühen Treffer näher. Dominik Starkl köpfte nach acht Minuten zum Glück für die Grazer genau in die Arme unseres Schlussmanns. Doch wie auch schon zuvor fand Sturm direkt im Anschluss wieder eine Einschussmöglichkeit vor. Edomwonyi setze seinen Kopfball nach sensationeller Vorarbeit von Stefan Hierländer knapp über die Latte. Ein ziemlich flotter Beginn beider Mannschaften, der zeigte, welch spielerischen Schmankerln man in der Liga bestaunen kann, wenn der Druck nicht so hoch wie üblich ist.

Nach einer knappen Viertelstunde tauchte Röcher gefährlich vor dem Tor von Andreas Leitner auf, sein Flugkopfball verfehlte das Ziel leider um ein paar Zentimeter. Auf der Gegenseite hatten die Niederösterreicher die erste wirkliche Top-Chance. Lukas Spendlhofer klärte in allerhöchster Not vor gleich zwei einschussbereiten Gegenspielern, auch der anschließende Anschluss aus der zweiten Reihe brachte nichts sein. In der 20. Minute stand ein Großteil der 13.421 Zuschauer dann zum ersten Mal. Doch nicht aufgrund eines Treffers, sondern einer äußerst feinen Aktion der mitgereisten Admira-Anhänger: „Gratulation Sturm“ war auf einem Transparent zu lesen. Chapeau! Diese Aktion ließ die Spieler der Grazer dennoch nicht gemütlicher zu Werke gehen. Ganz im Gegenteil: Nach idealem Zuspiel von Edomwonyi beförderte Alar den Ball volley in die Nordkurve. Das war sie, die erste herausragende Möglichkeit zur 1:0-Führung! Kurze Zeit später beförderte Thomas Ebner die Kugel beinahe in den eigenen Kasten, ein Pass von Edomwonyi in die gefährliche Zone stellte ihn vor eine große Herausforderung. Sein missglückter Abwehrversuch führte jedoch nur zu einem Eckstoß für die Grazer, der ebenfalls nichts einbrachte. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal 25 Minuten gespielt.

(c) SturmNetz.at

Das Spiel flacht ab

Danach schlichen sich einige Unkonzentriertheiten in das Spiel beider Mannschaften ein. Es wurde etwas ruhiger, doch wem sollte man es nach dieser herausragenden Spielzeit verdenken? Die Gäste waren das aktivere Team und fanden nach gut 35 Minuten noch zwei gute Möglichkeiten vor, beide Male wusste die Heimmannschaft jedoch zu klären. In der 38. Minute klärte Toth vor dem einschussbereiten Röcher, ein Kopfball des Mittelfeldspielers nach der darauffolgenden Ecke wurde ebenfalls geklärt. Mittlerweile verkam die Begegnung zu dem erwarteten Spiel, beide investierten nicht mehr allzu viel und stellten das aggressive und schnelle Spiel nach vorne fast zur Gänze ein. So war es auch nicht unbedingt von Nachteil, dass Schiedsrichter Gerhard Grobelnik nach 47 Minuten den ersten Teil des Aufeinandertreffens für beendet erklärte. Auf einen interessanten Start folgten 20 eher langweilige Minuten. Auf eine Besserung in Halbzeit zwei war aufgrund der Qualität der beiden Mannschaften trotzdem zu hoffen.

Traumstart

Kurz nach Wiederbeginn vergab Toth aus spitzem Winkel eine gute Möglichkeit, auf der anderen Seite machte es Alar viel besser. Nach Ecke von Jantscher verlängerte Röcher auf unseren Goalgetter, der aus kurzer Distanz per Kopf zum 1:0 vollendete. Wie im Spiel gegen den LASK sorgte er somit für einen Traumstart in den zweiten Spielabschnitt. In der 57. Minute war der Cupsieger kurz davor, die Führung zu verdoppeln. Edomwonyi konnte aus aussichtsreicher Position leider keinen guten Pass auf Alar spielen. Zwei Minuten später machte es Röcher mit einem mustergültigen Zuspiel auf den 19-fachen Saisontorschützen besser, der Abschluss fiel leider zu schwach aus. Defensiv ließen die Steirer viel weniger als in Halbzeit eins zu. Die Schwoazen unterbanden die Angriffsversuche des Tabellenfünften im zweiten Durchgang viel besser und hatten somit viel mehr Kontrolle über das Spiel. In der 65. Minute tauchten die Gäste dann doch einmal gefährlich vor Siebenhandl auf, die Grazer Hintermannschaft konnte aber mit vereinten Kräften klären. Drei Minuten später war das Spiel für Stefan Hierländer beendet. Dauerläufer James Jeggo ersetzte ihn.

(c) SturmNetz.at

Die Entscheidung!

Kurz nach dem Wechsel vergab Alar nach einem Freistoß per Kopf eine sehr gute Chance. Sturm drückte auf das 2:0, die Entscheidung lag in der Luft. So auch in der 73. Minute: Jantscher setzte seinen Schuss aus gut 16 Metern leider knapp am Pfosten vorbei. Drei Minuten später war es dann aber endlich soweit: Edomwonyi setzte sich auf der rechten Seite durch, seine Flanke fand den vorher noch unglücklich gescheiterten Jantscher. Dieser verlängerte auf Röcher, der den Ball mit einem Kontakt gekonnt zur Ruhe brachte und anschließend souverän zum 2:0 vollstreckte. Ein herrlicher Treffer, der sich nahtlos in die herausragende Saison der Blackys einreihte. Der Torschütze wurde in der 80. Minute ausgewechselt, für ihn kam Debütant Lukas Fadinger ins Spiel.

(c) SturmNetz

Mach’s gut!

Das Spiel schien entschieden, das gesamte Stadion wartete nur mehr auf die Einwechslung von Christian Gratzei. Bereits in der 83. Minute erhoben sich alle Anhänger. Gratzei machte sich für seinen finalen Einsatz bereit. Kurz darauf war es an der Zeit. Der Moment, auf den alle gewartet hatten. Gratzei kam für Siebenhandl und wurde mit frenetischem Beifall beklatscht. Auf dem Geläuf selbst tat sich wenig bis gar nichts mehr und so war genug Zeit, um den Schlussmann nach 16 Jahren gebührend zu verabschieden. Jeder Ballkontakt wurde gefeiert wie ein Torerfolg. Was für ein Abschied für den 36-Jährigen! Das Spiel, das zur vollkommenen Nebensache wurde, endete übrigens 2:0. Edomwonyi und Alar konnten weitere Möglichkeiten nicht ausnutzen. Nach dem Schlusspfiff feierten die Spieler gemeinsam mit den Fans noch einmal den Cuptitel, Spieler wurden verabschiedet und mit Beifall bedacht. Ein rundum gelungener Nachmittag in Liebenau, über dem jedoch eines stand: Danke für alles, Christian!

 

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