Schlappe beim Testspielauftakt in Belek

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FC Aarau 1:4

Tag 3 in Belek

Der Aufenthalt von Sturm Graz an der Türkischen Riviera stand bislang unter keinem guten Stern: Nach den ohnehin lädierten David Schnaderbeck, Simon Piesinger und Tobias Schützenauer verletzte sich am zweiten Tag in Belek auch noch Donis Avdijaj und hat die Türkei bereits wieder Richtung Gelsenkirchen, zum Teamarzt von Schalke 04, verlassen. Vor dem Spiel wurden in Antalya bislang vier Trainingseinheiten abgehalten, danach gab es am Freitagnachmittag das erste Spiel: Gegner war der dreifache Schweizer Meister FC Aarau. Der 1902 gegründete Verein spielte von 1981 bis 2010 durchgehend in der höchsten Schweizer Liga, derzeit befinden sich die Schwarz-Weiß-Roten allerdings auf dem zehnten und letzten Platz der Challenge-League, der zweithöchsten Schweizer Fußballliga. Für den Erhalt der Klasse haben die Schweizer im Winter-Transferfenster bereits drei neue Spieler verpflichtet, darunter auch Zoran Josipovic von Juventus Turin. Das 20-jährige Stürmertalent erhielt in Aarau einen Vertrag bis zum Sommer. Wie Sturm Graz ist der FC Aarau seit dem 20. Jänner in der Türkei, war aber ursprünglich im 50 Kilometer von Belek entfernten Side beherbergt. Doch aufgrund der dortigen schlechten Platzverhältnisse, ist der gesamte Tross bereits nach einem Tag ebenfalls nach Belek umgezogen und somit stand für beide Teams einem Testspiel „vor der Haustüre“ nichts mehr im Wege.

Aggressiver Beginn

In der Startformation standen sehr viele, in goldbrichjaukdeutsch ausgedrückt, Potentialspieler. Franco Foda schickt sein Team mit der Vorgabe auf das Feld, den Gegner schon im ersten Drittel ständig unter Druck zu setzen. Erfrischend war zu sehen, wie in vielen Situation die Aarauer Verteidiger von bis zu fünf Sturm-Spieler frühzeitig und aggressiv attackiert wurden. Doch die Schweizer hielten dagegen und so waren diese zahlreichen Pressingbemühungen sehr selten von Erfolg gekrönt. Von dem erwartenden Qualitätsunterschied war am Platz in Belek jedenfalls nichts zu sehen. In der Vorwärtsbewegung versuchte Sturm Graz stets das Spiel breit zu machen, jedoch waren diese Vorgehensweise zumeist nur über die rechte Seite einigermaßen produktiv. So entstand auch die erste echte Torchance für Sturm: Benjamin Rosenberger schickt mit einem Zuckerpass Daniel Klaric auf die Reise, der den in der Mitte wartenden Kristijan Dobras ideal bedient. Doch FCA-Torhüter Steven Deana kann per Fußabwehr den schnellen Gegentreffer vermeiden. Diese Prachtreaktion war so etwas wie eine eidgenössische Initialzündung, denn von nun an übernehmen die Schweizer das Kommando. In Minute 20 kann Christian Gratzei noch gegen Mart Lieder einen Gegentreffer vermeiden, doch nur acht Minuten später war es dann doch so weit: Der Sturm-Torhüter klebt bei einem Lüscher-Freistoß auf der Linie, Marco Thaler kommt zum Kopfball und bezwingt Gratzei mittels „Steirertor“. Ein mehr als vermeidbarer Gegentreffer. Drei Minuten später kommt dem Kapitän dann der Pfosten zu Hilfe, als Carlinhos nur den selbigen aus aussichtsreicher Position trifft. In der letzten Viertelstunde in Halbzeit Eins gingen dann beide Teams ein klein wenig vom Gas, Sturm spielte weiterhin gefällig, doch war nie imstande, echte Torchancen zu kreieren. Ein Faktum, welches auch Cheftrainer Franco Foda mehrmals an der Seitenlinie lautstark anprangerte. Jedoch ohne Erfolg. In Minute 43 sind die beiden Innenverteidiger von Sturm nicht im Bilde, Igor Nganga nutzt diese Unachtsamkeit, bedient mustergültig Mart Lieder, der alleine vor Gratzei die Nerven behält: 2:0 für Aarau. Nicht einmal zwei Minuten später rückt Christian Schoissengeyr bei einem Eckball mit auf, die Hereingabe von Dobras ist eigentlich zu kurz, doch der FCA-Verteidiger Igor Nganga verlängert den Corner aus schwarz-weißer Sicht mustergültig, so dass der baumlange Innenverteidiger, von der Aarauer Verteidigung sträflich vergessen, unbedrängt einschießen kann. Somit geht es mit einem 1:2-Rückstand in die Kabinen.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Sturm verschläft die ersten Minuten der zweiten Halbzeit

Während Aarau-Trainer Raimonde Ponte bunt durchwechselt, kommen bei Sturm mit Martin Ehrenreich und Andreas Gruber nur zwei neue Spieler auf das Feld. Doch kaum aus der Kabine raus, der nächste Dämpfer: Die Hintermannschaft von Sturm ist unachtsam und so kann Zoran Josipovic, nach einem langen Pass von Carlinhos in die Tiefe, den Ball problemlos verwerten. Ein mustergültiger Einstand des ehemaligen Juventus-Stümers, der ja erst vor wenigen Tagen zum Team des FCA dazugestoßen ist. Die Schweizer verlieren nun komplett den Respekt vor dem österreichischen Erstligisten und übernehmen immer mehr den Takt des Spieles. In Minute 58 kommen dann auch noch die beiden letzten der vier Reservespieler von Sturm auf das Feld: Fabian Ehmann und der erst 15-jährige Romano Schmid, doch an der Charakteristik des Spieles ändert sich nichts: Lediglich eine Chance für Andreas Gruber, der sich aber beim Versuch den Torhüter des FC Aarau ins Leere fahren zu lassen, den Ball zu weit vorlegt, bleibt somit auf der Habenseite. Fünf Minuten später kommt es dann noch bitterer: Ehmann, von seinen Vorderleuten in dieser Situation völlig im Stich gelassen, klärt etwa 25 Meter mit letztem Einsatz, doch seine Abwehraktion fällt unglücklich aus, so dass Carlinhos an den Ball kommt und mit einem gefühlvollen Heber aus rund 40 Metern das leere Tor trifft. Ganz blöd gelaufen. Die junge Elf von Sturm lässt zwar auch in der letzten Viertelstunde den Kopf nicht hängen, doch gelingen tut kaum noch was. Ganz im Gegenteil: In der 85. Minute tankt sich Carlinhos wieder einmal über links durch, doch trifft wieder nur den Pfosten.

Eine 1:4-Niederlage gegen den Letzten der Zweiten Schweizer Liga ist zwar prinzipiell immer bedenklich, jedoch war heute eine junge, völlig neu formierte Sturm-Mannschaft am Platz und daher sollte man diese Schlappe nicht überbewerten.

 

Spieldaten

SK Sturm Graz – FC Aarau 1:4 (1:2)
22.01.2016, 17:00 Uhr (MEZ), Belek

Tore:  Schoissengeyr (44.) bzw. Thaler (27.), Lieder (43.), Josipovic (49.) und Carlinhos (68.).

SK Sturm: Gratzei (58., Ehmann); Potzmann, Schoissengeyr, Maresic, Skrivanek; Rosenberger (45., Gruber), Puster (45., Ehrenreich); Seidl, Horvath, Dobras (58., Schmid); Klaric

FC Aarau (HZ1):  Deana; Nganga, Thaler, Garat, Martignoni; Burki; Lüscher, Radice, Carlinhos, Romano; Lieder

FC Aarau (HZ2): Pelloni; Martignoni, Stoller, Thaler, Jaggy; Jäckle; Josipovic, Carlinhos, Perrier, Romano; Rossini

 

1 Kommentar

  1. Blacky575 sagt:

    Das Ergebniss ist natürlich ganz schleht. Spielerisch und technisch waren unsere Jungs aber überlegen. Körperlich jedoch unterlegen. Im Angfriffsdrittel ist aber spielerich dann wieder Schluss. Wenn die Abwehrreihe der Gegner gut steht kommen wir an unsere spielerische Grenze. Seit längerem ein Problem ist, das wir vorne fast nie den direkten Weg zum Tor suchen, sondern zu oft auf die Flügel spielen. Dort sind unsere Spieler dann überfordert und bekommen den Ball meist nicht mehr gefährlich vors Tor. Die Gegner können sich halt in aller Ruhe ordentlich positionieren.
    Abwehr hat halt auch nicht immer gut ausgesehen. War aber kein ganz schlechter Test vor allem für unsere jungen Spieler.

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