Schicker: „Mein Gefühl sagt mir, dass Dante bleibt und wir mit Prass baldigst verlängern“

Ein Transferupdate mit dem Geschäftsführer Sport

Andi, die Fußballer des SK Sturm sind gerade in die Vorbereitung für die neue Saison gestartet. Wie sieht dein Alltag derzeit aus? Ist das Gröbste erledigt oder bist du noch im Dauerstress?

Grundsätzlich sind die Weichen gestellt. Sowohl bei den Ab- als auch bei den Zugängen waren wir schon sehr früh aktiv. Vesel Damaku, eine punktuelle Verstärkung für die neue Saison, wurde bereits im April fixiert, Tomi Horvat kennen wir ja seit den Europa-League-Quali-Spielen und auch David Schnegg wurde sehr gezielt verpflichtet. Wir sind bestens gerüstet. Es bleiben noch zweieinhalb Monate bis zum Ende des Transferfensters, da kann aber durchaus noch etwas – auch nach dem Saisonstart – passieren.

Stichwort Horvat: Sturm war ja bereits im letzten Jahr an einem Spieler von Mura dran. War der Mittelfeldspieler schon 2021 das Objekt eurer Begierde?

Nein. Im Winter letzten Jahres haben wir uns über einen anderen Spieler der Slowenen informiert. Aber das war nur sehr, sehr lose. Horvat haben wir ganz gezielt die gesamte letzte Saison über beobachtet, haben uns seine Entwicklung angeschaut und festgestellt, die geht in die richtige Richtung. Zudem ist sein Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Am meisten hat es mich gefreut, dass er unbedingt zu Sturm wollte, obwohl es auch Anfragen anderer Klubs gab. Ich habe bemerkt, dass Sturm in Slowenien große Wertschätzung genießt.

Fünf Abgängen stehen – exklusive Rückkehrer Giuliani – drei Zugängen gegenüber. Darf man damit rechnen, dass diese Bilanz im Laufe des Sommers noch zumindest ausgeglichen wird?

Mit Niangbo, Jäger und Kuen haben drei der fünf Abgänge regelmäßig Einsätze bei der Kampfmannschaft bekommen. Mwepu hatte mit vielen Verletzungen zu kämpfen und Huspek war nur noch für die zweite Mannschaft vorgesehen. Dort machte er einen sehr guten Job und trug einen wertvollen Teil zum Aufstieg bei. Mit Horvat, Demaku und Schnegg können wir die Abgänge nicht nur kompensieren, mehr noch, wir haben den nächsten Schritt gemacht und uns qualitativ verbessert. In der Innenverteidigung jedoch – vor allem ob der Verletzung von Geyrhofer – muss schon noch was passieren.

Ist für diese Positon Dominik Baumgartner noch in der Pole Position? 

Ja, das ist so richtig. Baumgartner ist ein interessanter, österreichischer Innenverteidiger und wir befinden uns weiterhin in Gesprächen mit dem WAC.
 

Für Amadou Dante gibt es dem Vernehmen nach ein Angebot aus den USA. Kannst du uns da den genauen Status Quo verraten?

Das Offert ist für Sturm definitiv wirtschaftlich interessant, mir ist aber wichtig, dass der Spieler damit glücklich ist. Mein Gefühl sagt mir, dass Dante in Graz bleiben wird. Und das finde ich für seine sportliche Entwicklung auch richtig. Für ihn und auch für uns, da wirklich ein sehr intensiver Herbst bevorsteht.

Stichwort linke Seite: Ein ehemaliger Sturmspieler, zuletzt im Dienste von Cagliari und auch auf der Dante-Position zuhause, steht derzeit noch ohne Vertrag da. War eine Rückholung von Charalampos Lykogiannis jemals zumindest Thema?

Überhaupt nicht. Erstens haben wir bereits sieben Legionäre, zweitens wird Lykogiannis heuer 29. 

Heißt auch, der Österreichertopf ist Sturm weiterhin sehr wichtig.

Auf alle Fälle. Es werden sicher nicht mehr als sieben Legionäre bei Sturm im Kader stehen. Das ist mit Christian Ilzer auch so vereinbart und der kann das im Herbst – bei dieser Masse an Spielen – dann schon dementsprechend handlen. Es wird auch Spiele geben, in denen sich dieses Problem von selbst lösen wird, da diese Regelung ja nur für die Bundesliga gilt. Da werden wir stets 12 Österreicher am Spielbericht stehen haben.

Ein österreichischer und für viele der beste heimische Torhüter ist derzeit auf Klubsuche. Zuletzt bediente man sich bei Sturm ja mehrmals bei Ex-Austrianern, wurde auch bei Patrick Pentz zumindest vorgefühlt?

Solche Gerüchte habe ich natürlich auch schon vernommen, aber da war ich schon sehr überrascht. Wir sind auf der Torhüterposition bestens aufgestellt. Ich schätze Pentzi, aber da muss man klar sagen, das wäre ein unrealistischer Transfer. Von beiden Seiten aus betrachtet.

Der Berater von Alexander Prass verkündete zuletzt medial, dass sein Schützling derzeit international sehr begehrt ist. Der übliche Trommelwirbel oder gibt es da auch was Konkretes?

Trommelwirbel trifft es ganz gut. Prassi hat bis 2024 Vertrag und wir sind in sehr, sehr guten Gesprächen diesen baldigst sogar noch zu verlängern.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Für viele Sturmfans kam der Abgang von Martin Krienzer, mit 23 Toren zweitbester Torschütze in der Regionalliga, doch etwas überraschend. Auch ein anderer Mittelstürmer von Sturm II, Tobias Strahlhofer, muss sich nun einen neuen Verein suchen. Wären dies nicht zwei Spieler gewesen, die auch zumindest in der 2. Liga ihr Potential unter Beweis stellen hätten können?

Wir haben im Verein einen ganz klaren Grundsatz: Für die zweite Mannschaft von Sturm verlängern wir die Verträge nur von Spielern, von denen wir überzeugt sind, dass sie auch für die Kampfmannschaft Thema sind und dort das Zeug zum Stammspieler haben. Das haben wir bei beiden nicht gesehen.  Ich kann die Sehnsucht der Fans nach einem Mittelstürmer aus den eigenen Reihen in der Kampfmannschaft natürlich nachvollzuziehen, aber Christian Ilzer und ich bleiben unseren Leitlinien treu.

Wird man den Kader von Sturm II nach dem Aufstieg noch gezielt verstärken oder vertraut man da auf aufrückende Talente aus der Akademie?

Eher Zweiteres: Wir werden demnächst einige Spieler aus dem 2004er-Jahrgang mit einem Jungprofivertrag ausstatten. Zudem glaube ich, dass Sturm II in Liga Zwei genau die richtige Plattform für Potenzialspieler wie Komposch, Simon Nelson, Stückler, Saurer, Wels, Schendl und Lang ist. Zudem auch für Spieler aus der Kampfmannschaft, die aus diversen Gründen Einsatzpraxis brauchen. Punktuell halten wir aber dennoch die Augen offen, um den Kader mit Österreichern oder auch Ausländern noch zu verstärken.

Für den 9. Juli wurde von Sturm ein internationales Testspiel in Liebenau angekündigt. Ich frage dich jetzt nicht nach dem Gegner, nur so viel: Wird es einer sein, der das Stadion füllt?

Wir sind in guten Gesprächen mit einem großen Klub. Mehr darf ich dazu noch nicht sagen.

Stichwort Gegner: In einem Monat wissen wir, auf welches Team der SK Sturm in der Champions-League-Qualifikation treffen wird. Was wäre aus dem Pott der 5 möglichen Klubs dein Wunschlos?

Das lasse ich auf mich zukommen und finde es nur großartig. Ich hoffe, dass wir aus diesen zwei Spielen sogar vier machen werden und die Champions-League-Hymne im Play-Off in Graz ertönen wird. Egal, wer es wird, es werden riesige Spiele. Wir wissen das schon richtig einzuschätzen, kennen den UEFA-Koeffizienten der jeweiligen Teams, aber Träumen ist immer erlaubt. 

Es läuft zwar derzeit sehr viel rund beim SK Sturm. Doch wie es im Leben nun einmal so ist, gibt es immer irgendwo eine Baustelle. Wenn du derzeit im gesamten schwarz-weißen Spektrum eine benennen müsstest, welche wäre diese?

Egal, in welche Abteilung ich derzeit reinschaue, ich sehe ganz klar, dass der Weg, der eingeschlagen wurde, der Richtige ist. Ob jetzt bei den Herren-, Damen- oder Nachwuchsmannschaften, ich bin richtig stolz drauf, wie es derzeit läuft. Aber: Man muss immer die Augen offen halten. Es heißt nicht umsonst: „Im Erfolg passieren die größten Fehler.“ Wir sind auf der Hut und sind noch fleißiger als in der letzten Saison. Grundsätzlich denken derzeit alle in dieselbe Richtung.

Vielleicht aber dann doch die Baustelle, dass Sturm II sein Heimspiel etwa gegen die Vienna in Gleisdorf austragen muss?

Das ist ein guter Hinweis. Das tut wirklich weh. Wobei ich betonen will, dass ich Gleisdorf für diese Möglichkeit sehr dankbar bin. Generell hinken wir in der Steiermark beim Thema Infrastruktur halt noch hinterher. Da muss einfach was weitergehen. Wenn ich sage, „wir müssen“, beziehe ich da auch unbedingt die Politik mit ein. Schau beispielsweise nach Oberösterreich, da sieht man, wie es auch laufen könnte. Wir brauchen einfach mehr Plätze. In der HIB-Liebenau wird auf Schulsportplätzen trainiert, in den Wintermonaten gibt es dann Terminprobleme, da nur ein Platz mit Flutlicht ausgestattet ist. Das kann es ja nicht sein. Die Zeit der leeren Worte vonseiten der Politik muss hierzulande endlich der Vergangenheit angehören. Wir sind ja durchaus bereit, selbst zu investieren.

War eine zarte, sportliche Kooperation mit Gleisdorf auch Bedingung, dass Sturm II die Heimspiele in der Oststeiermark austragen darf?

Tatsächlich wird Gleisdorf bei dem ein oder anderen ehemaligen Akademiespieler, der für die Zweite Liga noch nicht ganz ready ist, unser erster Ansprechpartner sein.  

Noch etwas Sturm-Historie: Weißt du, welches das letzte Brüderpaar war, das es beim SK Sturm zuletzt bis in die Kampfmannschaft geschafft hat?

Das müssten die Säumis gewesen sein. Gut oder?

Sehr gut sogar. Im Jahr 2007. Werden die Säumels in naher Zukunft eventuell abgelöst?

Eine Anspielung auf die Højlunds. Ich kann dich lesen. Ich habe mit den Eltern von Rasmus ein sehr gutes Verhältnis, tausche mich regelmäßig mit seinem Vater aus. Mir ist wichtig, dass die Familie spürt, wir kümmern uns um ihren Buben. Und natürlich spricht man da auch über die beiden anderen Söhne (Anm: Die Zwillinge Emil und Oscar, beide bereits U17-Nationalteamspieler). Aber mit Kopenhagen gab es dahingehend noch keinerlei Gespräche.

Zum Abschluss: Wie geht es deinem mit Abstand wichtigsten 2022er-Zugang?

Schaut alles gut aus und die Schwangerschaft verlief bis jetzt zum Glück sehr positiv. Mitte Juli ist der Geburtstermin, könnte ein Cuptermin werden (lacht). Wir freuen uns beide schon riesig. 

 

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18 Kommentare

  1. Tobias sagt:

    Andi Schicker ist einfach ein Gott! 🙂 Und wir dürfen nicht vergessen wer ihn damals geholt hat: GK!

    Was ich wirklich sehr bewundere, ist die Tatsache, dass er es schafft, mit begehrten Spielern sogar noch zu verlängern! Früher wurden die Spieler mit 2 bis max. 3 Jahres-Verträgen ausgestattet und sind meist ablösefrei oder max. ein Jahr vor Vertragsende für einen verhältnismäßig niedrigen Betrag verkauft worden.
    Aber diese Kader-Kontinuität ist wirklich zu bewundern. Da macht es auch nichts, wenn man 1x pro Jahr einen Top-Spieler wie einen Yeboah verkauft. Solange der Stamm der Mannschaft gehalten wird, ist alles gut. Und das ist nach zwei Top-Saisonen wirklich äußerst zu bewundern! Danke Andi Schicker!

    Und auch Danke an das Sturmnetz-Team für das Interview! 🙂

  2. Schworza99 sagt:

    Gefällt mir was ich so höre. Keine Rückholaktionen (Lyko) und auch keine Gnadenverträge wenn man nicht überzeugt ist (Strahlhofer und Krienzer).

    Man könnte durchaus das System Fuseini anwenden und etliche junge Testspieler für die 2te Scouten…da ist der Ö Top eh egal.

  3. Siro sagt:

    Super Interview!!
    Macht alles Sinn, wirkt hochprofessionell, und dennoch leidenschaftlich und nicht abgehoben.
    Wer hätte das gedacht: Schicker > Kreissl.
    Aber vor allem, mir schaudert vor diesen Zeiten.
    Schicker > Kreissl >>>>>>>>>>>>>>>>>Gruselglatz.

    • Tobias sagt:

      Man darf nicht vergessen, die ersten 2 Jahre unter Kreissl waren auch tip top! Der Unterschied zu Schicker? Dieser setzt auf Langfristigkeit und Kontinuität! Er wird dies in der dritten Saison bestätigen.

      und Letzterer war so fern von Professionalität, unfassbarer Vergleich eigentlich wenn man darüber nachdenkt! 😀

  4. jorge72 sagt:

    sorry aber mir ist das ganze dann doch etwas zu schwarz/weiß. nicht schickers interview sondern die kommentare hier. schicker ist zweifelsohne ein fachmann und macht seine sache auch wirklich ausgezeichnet. nur dazu gehört eben auch eine gute portion glück oft dazu, dass transfers aufgehen, ein spieler sich wohlfühlt und die chemie passt, von größeren verletzungen verschont zu bleiben usw… und ein wirklich guter manager weiß dieses glück auch demütig zu schätzen. ich will da überhaupt nichts schlechtreden oder jemanden madig machen und solaridät ist mir kein fremdwort und wenns mal nicht so läuft bin ich auch keiner der dann alles verteufelt und schlechtredet – stichwort kreissel. etwas mehr coolness und ausgewogenheit täte dem ganzen gut um kontinuierlich erfolgreich sein zu können. das haben uns letztendlich zb. die dänen voraus – ragnick hin oder her…

  5. Nimrod sagt:

    Super Interview! Schicker scheint auch richtige Antworten zu geben und nicht nur Phrasen und Floskeln zu dreschen

  6. abisz sagt:

    Jedenfalls sollte man nicht 1 Mio für Baumgartner verbrennen, sondern lieber endlich eine Lösung für ein Nachwuchs-Trainingszentrum präsentieren.

    Die Trainingsbedingungen sind für die Spieler unterhalb der 2er nicht gut. AKA auf Schulsportplätzen, Jugend nur auf dem Kunstrasenplatz, Damen am Postplatz eingemietet. Sturm fehlt ein Nachwuchs-TZ mit mindestens 4, besser 5 oder 6 Plätzen.

    • gepi20 sagt:

      Gib Dir ganz Recht! Da sollte auch der Sponsor etwas beitragen (können). Dann heißt es eben Puntigamer Center. Das wäre die nächste Basis im Verein.
      Das Stadion ist eine andere Baustelle.
      Vielleicht schaffen wir eine gute EC Saison mit hohen Einnahmen und können entsprechend finanziell eine Basis legen.

  7. flo1909 sagt:

    Mir geht dieser scheiss Österreichertopf so am Sack!!! Was interessiert mich den was der Spieler für einen Pass hat – geiler Kicker hat keine Nationalität!!!!

    • Moe sagt:

      Ja schon, is halt ein Förderung die junge österreichische Talente fördern soll… ich glaub auch junge EU Spieler sind Österreichern gleichgesetzt… also da braucht man net jammern find ich..

  8. 9. Juli: vielleicht kommt ja der bvb……1909 vs 1909. Hat was…..

    • kreissl sagt:

      Geht gar nicht weil da Dortmund schon gegen Dresden spielt … wäre halt allgemein cool wenn Sturm endlich mal gegen nen Top Gegner Testen würde. .. 1. um den Fans was zu bieten da man in den letzten gefühlt 7 Jahren kein einziges mal gegen nen Weltklasse Verein gestestet hat und 2. spielt man Euro bzw CL League und trifft da eher auf top Vereine als gegen Landesliga und 2. Liga Vereine … deshalb versteh ich ja auch 0 warum man Jahr für Jahr gegen 2. Liga Vereine wie Kapfenberg BW Linz oder Liefering testet …

    • Ivaneijew sagt:

      Wie wärs stattdessen mit einem Grazer Derby als Vorbereitungshighlight?

  9. django sagt:

    das Derby wäre ein Hochsicherheitsrisikospiel , wer bezahlt das ?

    • Ivaneijew sagt:

      Ist die Frage, was ist teurer, Hochsicherheitsspiel oder internationaler Top Gegner? (Die spielen nicht gratis in Graz)

      Wobei du je nach Gegner dann trotzdem noch das Hochrisikospiel hast

  10. Toastbrothauer sagt:

    Bin ich der einzige, der einen Beitrag zu den neuen Dressen vermisst? 😉

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