Red Bull im Fußball: Fluch oder Segen?

Das Thema Red Bull und die totale Kommerzialisierung des Fußballs scheidet die Geister. Der Getränkekonzern biete die Möglichkeit Fußball-Österreich aus der Versenkung zu holen, hieß es vor zehn Jahren, als die finanziell angeschlagene Austria übernommen und ausgelöscht wurde. Doch noch immer erfährt der Retortenklub keinerlei Akzeptanz innerhalb aktiver Fanszenen und darüber hinaus; auch sehen sich die Fußballvereine des Red-Bull-Imperiums zunehmend mit medialer Skepsis und Kritik an deren Vorgehensweisen konfrontiert. Der Widerstand wächst.

Die Verantwortlichen in Salzburg halten sich bei finanziellen Fragen traditionell bedeckt. Eine kolportierte Summe von mindestens 600-700 Millionen Euro habe der Verein jedenfalls bis dato verschlungen. Man sollte meinen, dass eine derartige, für österreichische Verhältnisse geradezu astronomische Summe den Fußball hierzulande tatsächlich beleben müsste. An diesem ausgegeben Ziel ist Red Bull – trotz des einen oder anderen starken internationalen Auftritts und der tollen Akademie – gescheitert. In keinem Verhältnis stehen die Ausgaben zum Mehrwert innerhalb der Liga. In diesem Zusammenhang sei eine Was-wäre-wenn-Spielerei erlaubt: Man stelle sich vor, der Konzern hätte diese Summe in eine Red Bull Liga, anstatt in einen einzigen Verein, investiert. Was wäre möglich gewesen? Man hätte die Infrastruktur nachhaltig verbessern und somit das Niveau der gesamten Liga in hohem Maße anheben können. Der Konzern könnte sich jeden internationalen (Achtungs-)Erfolg zuschreiben, ohne dabei gewaltige Kontroversen und Proteste auszulösen. Eine solche Investition, mit einem sinnvoll erarbeiteten Konzept hinsichtlich der Verteilung der Gelder, hätte der an akutem Geldmangel leidende, bescheidene österreichische Fußball gebraucht, wie einen Bissen Brot.

Mit der Gründung von RB Leipzig im Jahre 2009 entlud sich auch in Deutschland eine Welle der Entrüstung, die sich nicht wie zuvor auf Solidaritätsbekundungen innerhalb der Fanszenen für die Austria Salzburg beschränkte. Hier gilt ebenfalls: Die Proteste nehmen (auch medial) immer weiter zu und ernten verstärkt Beifall. RB Leipzig verstößt offen gegen DFL und DFB Satzungen. Unter anderem sei hier die 50+1-Regel genannt und die Verpflichtung der  Vereine Mitbestimmung der stimmberechtigten Mitglieder zu ermöglichen. Ein solches Mitglied bei RB zu werden, ist jedoch nicht möglich. Ein Novum in Deutschland; kein anderer Verein bricht diesen Grundsatz. Dem eigenen Anhang treten die Vereine grundsätzlich durchaus repressiv gegenüber. So schaffte es beispielsweise die Salzburger Filiale aufgrund einer umfassenden Zensur (Kritik wurde entfernt) im offiziellen Vereinsforum in die Schlagzeilen der Sportberichterstattung. Man hat sich seitens der Ligaverantwortlichen mit sämtlichen dieser Probleme auseinandergesetzt und RB Leipzig letztlich dennoch die Lizenz mit der Auflage, dass das Logo marginal geändert werden muss, erteilt. Viele fragen sich: Warum eigentlich?

Auch in Österreich ist eine Umgehung des Regelwerks seitens Red Bull nicht selten. So hat man es geschafft, dass Liefering als Kooperationsverein in der Ersten Liga spielberechtigt ist. Amateurvereine anderer Teams sind das bekanntlich nicht. Liefering ist demnach offiziell kein Amateurverein; dennoch versuchte man ebenjenen beim Jonglieren von Spielern zwischen Liefering, Salzburg und Leipzig als solchen auszugeben. Erst die UEFA hat diesem Treiben letztlich einen Riegel vorgeschoben.  Und dann gibt’s da selbstverständlich noch die Causa Sabitzer, welche die Möglichkeiten des Red Bull Imperiums aufzeigt. Ein fairer und den Regeln entsprechender Wettbewerb sieht jedenfalls anders aus. Des Weiteren betreibt Red Bull eine zumindest zum Teil überaus fragwürdige Nachwuchspolitik, welche durchaus zu einem Stolperstein werden kann. Außerdem wird stets der Eindruck erweckt, man bediene sich nach Lust und Laune an sämtlichen Akademien des Landes. Konzernmillionen machen das natürlich möglich. Inwiefern dieses Vorgehen eine Bereicherung für den österreichischen Fußball und deren Vertretern darstellen soll, bleibt wohl weiterhin ein Rätsel. Auch die Anhänger der Salzburger Bullen erkennen langsam, was ihr Verein eigentlich darstellt. Anti-Leipzig-Chöre untermauern dies.

Red Bull kann und darf natürlich nicht alleine für die ausschweifende Kommerzialisierung des Fußballs verantwortlich gemacht werden. Diese Tendenz gab es schon lange vor dem Konzerneinstieg.  Der Energy Drink fungiert jedoch häufig als Sinnbild und Spitze des Eisbergs ebenjener Entwicklung. Und das nicht zu Unrecht. Fußball lebt von und mit seinen Fans. Der beliebteste Sport dieses Planeten, jener der Massen und des kleinen Mannes, verdankt seinen Status den im Sport sonst unerreichten Emotionen, den aktiven Fanszenen und Ultra-Bewegungen, welche den Fußball so einzigartig machen. Die fortschreitende Kommerzialisierung droht dieses Gefüge zu zerbrechen. Der Weg ins Stadion ist bereits heute oftmals ein sehr teurer und weit weniger ein Fest der Massen, als ein Society Event. Auch in Salzburg ist man bemüht, das Stadion „steril“ zu halten, Fanklubverbot bei Nichteinhaltung inklusive. Der leidenschaftliche Fußballfan assoziiert Vereine jedoch nach wie vor mit Tradition, (Stadt-)Geschichte und bestimmten Werten, welche jene vertreten. Red Bull hingegen betreibt Werbung. Teuer und mäßig erfolgreich.

7 Kommentare

  1. Juran Juran sagt:

    Das Problem vor 10 Jahren begonnen damit das die Bundesliga einen Konzern wie RB keine regeln vorgeschrieben hat, so kam es dann zu Liefering und dazu das jeder Fußballverein in Österreich Talente an RB verloren hat.
    Das ging solange mehr oder weniger gut solange man einen für Österreichische Verhältnisse Fantastischen Fußball zeigte, und man Ausnahme Spieler wie Alan, Kampl, Soriano und Mane hatte.
    Mit dem Aufstiegs RB Leipzig in die 2 Deutsche Liga aber ist RB Salzburg nur mehr zu einer zweien Mannschaft von RB Leipzig geworden, und führt eigentlich die Österreichische Bundes Liga ab absurdum.

    Wie kann die Österreichische Liga es zulassen die 2 Mannschaft eines Deutschen 2 Ligisten in der höchsten österreichischen Liga Spielen zu lassen, das ist Wettbewerbsverzerrung und eine Vera….. an den Zuschauer dieser Liga.

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  2. Neukirchner sagt:

    Lustig dass mit Salzburg vier Vereinen im österreichischen Profifußball vertreten ist, wovon jedoch es sich nur bei einem um einen Fußballklub handelt. In 2-3 Jahren ist das Thema ohnehin erledigt.

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  3. Alex011 sagt:

    Jammern tut man, wenn es nicht gebacken bekommt sich im Sog von so einem Zugpferd zu verbessern bzw. von deren sportlicher Stärke als Gegner und durch mehr int. Startplätze zu verbessern.

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    • Gernot Hofer Gernot Ho sagt:

      Ich habe den Punkt hinsichtlich der Abwerbung vieler (sehr) junger Spieler aus den Akademien anderer Vereine angesprochen. Inwiefern soll das ein Zugpferd sein? Außerdem, und das kann man RB jetzt zugegeben nicht direkt ankreiden, werden Vereine zum Teil ihrer Grundlage beraubt; nämlich in der Meisterschaft eine entscheidende Rollte zu spielen (Ausnahmen gab’s natürlich) und somit mehr Fans ins Stadion zu locken. Die Bundesliga hat seit RBS bekanntlich einiges an Spannung verloren… Heuer nicht einbezogen.

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  4. ultrasneverdie ultrasneverdie sagt:

    als teil der ultra’szene kann ich dieses konstrukt nur ablehnen. mich freut es auch, dass die salzburger austria (wenn auch ein anderer verein mit dem gleichen namen) mit den alten fans im profifussball angekommen ist.

    zum artikel an sich: darin fehlt die würze. das gewisse etwas. er ist nicht fisch und nicht fleisch. etwas unter der qualität von sturm12 (die letzten paar monate von diesem medium nicht mitgerechnet. da waren die grottenschlecht)

    ultras gegen den modernen fussball!

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    • Gernot Hofer Gernot Ho sagt:

      Dass ich kein Fan von RB bin lässt sich im Artikel natürlich nicht leugnen. Dennoch habe ich versucht sachlich an die Thematik heranzugehen und auf Polemik zu verzichten. Ich würde mich freuen, wenn du etwas präziser formulieren würdest, was dir fehlt. Liebe Grüße, Gernot

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  5. ultrasneverdie ultrasneverdie sagt:

    auch ich bin kein fan von redbull.

    herangegangen an das thema seid ihr gut, es fehlt halt, wie oben beschrieben, die würze. dem artikel fehlt das gewisse etwas, was ihn auszeichnet. soll keine harsche kritik sein, aber das ist nichts herausstechendes sondern einheitsbrei.

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