Premierensieg trotz Chancenwucher

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. WSG Tirol 3:2 (3:1)

Für den SK Sturm Graz ging es in der 24. Runde der Österreichischen Bundesliga um eine Premiere. Bis dato hatten die Grazer seit Einführung der Meistergruppe alle zehn Heimspiele verloren, gegen die WSG Tirol sollte im elften Anlauf zumindest der erste Punktgewinn glücken. Dass diese Aufgabe alles andere als einfach werden würde, wusste auch Cheftrainer Christian Ilzer: „Ich kann mich nicht erinnern, dass die WSG Tirol in den letzten Spielen irgendwann einmal eine schlechte Leistung gezeigt hat. Sie rufen immer ein hohes, richtig gutes Niveau ab.“ Im Vergleich zur 1:3-Niederlage gegen RB Salzburg am vergangenen Sonntag änderte Ilzer die Startformation auf einer Position: Otar Kiteishvili ersetzte Ivan Ljubic im offensiven Mittelfeld.

Packende Anfangsphase

Obwohl die Gäste aus Tirol ambitioniert starteten, gehörte Sturm die erste Chance der Begegnung. Nach einer Hereingabe von Stefan Hierländer kam Kelvin Yeboah in der fünften Minute zum Abschluss, der Schuss des 20-Jährigen landete jedoch nur an der Querlatte. Wenige Momente später rutschte der ehemalige WSG-Spieler in aussichtsreicher Position aus. Auf der Gegenseite hielt Jörg Siebenhandl einen Schuss von Nikolai Baden Frederiksen sicher fest. In der 14. Minute machte es der 20-Jährige dann aber besser und sorgte per Freistoß von der rechten Seite für die 1:0-Führung der Gäste. Siebenhandl sah beim direkten Versuch der Juventus-Leihgabe allerdings mehr als unglücklich aus. Nachhaltig geschockt zeigte sich Sturm vom Gegentreffer nicht. Zunächst traf Yeboah erneut nur die Latte, in der 17. Minute war es dann jedoch so weit. Jakob Jantscher kam im Strafraum an den Ball, ließ zunächst Fabian Koch aussteigen und schob das Spielgerät dann an Schlussmann Ferdinand Oswald vorbei – der verdiente Ausgleich!

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Und der Status der Grazer Gefühlswelt sollte sich nur sechs Minuten darauf gleich noch einmal verbessern. Jantscher warf bei einem Freistoß von der Strafraumgrenze kurz einen Blick in das Fußball-Lehrbuch, vollendete perfekt in den Winkel und brachte die Steirer somit 2:1 in Führung. Insgesamt war Sturm perfekt auf die Tiroler eingestellt und ließ die Mannschaft von Thomas Silberberger kaum zur Entfaltung kommen. Dieser Trend sollte sich in der 33. Minute dann noch deutlicher auf der Anzeigetafel niederschlagen. Andreas Kuen gewann den Ball etwas glücklich im Mittelfeld und spielte selbigen sofort in die Spitze. Nach einer Kombination über Jantscher und Kiteishvili landete das Spielgerät schließlich bei Hierländer, der sich aus gut 30 Metern ein Herz nahm und den Ball über Oswald hinweg im Netz versenkte – ein Sonntagsschuss! Fünf Minuten vor der Pause hätten die Grazer dann sogar schon für die Vorentscheidung sorgen können: Yeboah umkurvte Oswald sehenswert, traf mit seinem Abspiel auf Hierländer aber die falsche Entscheidung. Der Kapitän wurde in letzter Sekunde entscheidend gestört und sorgte somit für etwas Rest-Spannung in Halbzeit zwei.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Beinahe hätte Jantscher diese kurz nach Wiederbeginn zunichte gemacht, ein Kopfball des 32-Jährigen strich allerdings hauchzart am Gehäuse der Wattener vorbei. Danach flachte die Begegnung etwas ab, Sturm blieb jedoch die deutlich gefährlichere Mannschaft und hatte nach knapp einer Stunde eine Doppelchance zum 4:1. Zunächst schoss Yeboah knapp vorbei, Sekunden darauf klärte Oswald einen Versuch von Jantscher stark zur Ecke. Nur zwei Minuten später köpfte Gregory Wüthrich nach einem Freistoß über den Kasten.

Spannung in der Schlussphase

Gegen Mitte der zweiten Halbzeit gaben die Hausherren das Kommando jedoch ab und ließen die Tiroler vermehrt zu Möglichkeiten kommen. In Minute 70 klopfte Zlatko Dedic an, David Nemeth fing den zu schwachen Schuss gerade noch vor der Linie ab. Nur 60 Sekunden später zappelte der Ball dann allerdings im Netz der Grazer. Baden Frederiksen nickte nach einem Eckball von Florian Rieder zum 2:3 aus Sicht der Gäste ein. In der 78. Minute hätte die Juventus-Leihgabe dann beinahe für den Ausgleich gesorgt, Wüthrich trennte sie aber gerade noch rechtzeitig vom Spielgerät. Wattens drückte nun auf das 3:3, auf der Gegenseite verpasste Nemeth in der 84. Spielminute per Kopf die Entscheidung. Kurz nach Beginn der vierminütigen Nachspielzeit waren es dann wieder die Tiroler, die eine Möglichkeit vorfanden. Dedic brachte einen Schuss aber ebenso wenig im Tor unter wie Florian Buchacher Sekunden später. Es sollte die letzte Torchance, aber nicht die finale nennenswerte Aktion bleiben. Lukas Jäger sah nach einem taktischen Foulspiel im Mittelfeld die gelb-rote Karte und wird Sturm in der kommenden Woche beim Auswärtsspiel gegen Rapid Wien fehlen.

Am Sieg gegen die WSG Tirol änderte das jedoch nichts mehr: Der SK Sturm fuhr im elften Versuch den ersten Heimsieg in der Meistergruppe ein und darf langsam, aber sicher vom Europacup träumen.

Spieldaten

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10 Kommentare

  1. Maldini sagt:

    Danke, Sturm-Legenden! 😉

  2. Ennstaler sagt:

    Wer ist dafür verantwortlich, dass Fabian Schubert Sturm so früh verlassen musste? Seine bisher 25 Tore in der 2. Liga (heute gleich drei gegen die Unaussprechlichen) sollten eigentlich auch für Sturm, das ja seit ein paar Saisonen ein massives Stürmerproblem hat, Empfehlung genug sein.

    • Hindemith sagt:

      Wer in einem Fussballforum schreibt, sollte zumindest ein bisschen ein Bemühen zeigen, sich über Leistungsvermögen und -daten zu informieren.
      Eine Ahnung über Spielsysteme und welche Typen von Kickern in welche Mannschaften passen, bzw. welche Anforderungen das System Ilzer an potentielle Kaderergänzungen stellt, verlangt man da ja gar nicht mehr…

    • fauli sagt:

      Hosiner hat damals mit der Austria die Liga zerschossen, den sollte man unbedingt holen… Oh wait

      Ernsthaft, Schubert hat sich in der obersten Spielklasse bei keinem Verein nur ansatzweise durchsetzen können. Der landet maximal beim WAC und trifft dort dann 4x nächste Saison (3 Abstaubertore)

  3. Siro sagt:

    Liga 2 ist net Liga 1. Und gegen die Unaussprechlichen würden sowohl Balaj als auch Friese 3 Tore machen. Ohne Aufwärmen, ohne sich umzuziehen und mit 2,6%o Restfettn.
    Im Ernst: Chabbi hat 2016/17 33 Tore in Liga 2 gemacht und war für Sturm letztendlich auch einfach zu schwach.

  4. Daniel Resch sagt:

    super Sturm!
    egal ob ihr gewinnt oder verliert: ihr liefert in letzter Zeit die absolut attraktivsten Fußballspiele ab (im Vergleich dazu zB Rapid gegen Salzburg das war ja wirklich gar nix), und für mich hat das die höchste Priorität.

  5. black_aficionado sagt:

    Das war ein sehr ordentlicher Auftritt! Auch wenn die Wattener weit von der Souveränität der letzten Spiele weg waren, die erste HZ war schon nicht ohne. Die viel gescholtene Offensive hat abermals gezeigt, dass es sie gibt und in Wahrheit muss die Partie zur HZ bereits mit 4-5 Toren Unterschied entschieden sein!

    Aber man sollte bitte dennoch nicht vergessen, welche Partien und fußballerische Schonkost wir im Frühjahr schon präsentiert bekommen haben. Wir sind nach wie vor nicht stabil genug, dass wir Ansprüche stellen könnten. Das ist ein Prozess und es scheint, dass aktuell sehr vieles in die richtige Richtung und eine gute Zukunft läuft. Das Trainerteam versteht es die Mannschaft mehrheitlich so einzustellen, dass man leidenschaftliche, beherzte Auftritte sieht und einige so ziemlich das beste aus sich herausholen können. Das ist aber der entscheidende Punkt, wir haben genug Baustellen im Kader, weshalb wir kein ernsthafter contender für mehr sein können. Ich blicke dennoch optimistisch in die Zukunft! Nächsten Sonntag wartet ein richtiger Gradmesser auf uns, jetzt heißt es mal gegen einen direkten Gegner (für unsere Ansprüche) zu reüssieren und die Grünlinge zu putzen. Das wäre allein schon deshalb wichtig, weil die dann endlich wieder ein bisserl auf den Boden der Tatsachen kommen und nicht ihre durchschnittliche Saison mit einigen mehr als schmeichelhaften Ergebnissen so in den Himmel loben würden…

    SWG

  6. gepi20 sagt:

    Jetzt heißt es Anschnallen und 8 gute Endspiele hinlegen. Der Anspruch sollte Platz 3 sein, Rapid wird schwer zu knacken sein. Wäre fein wieder mal EC Luft zu schnuppern…..

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