„POPO, POPO, POPO, POPOVIC“

Eigentlich kam Ranko Popovic im Sommer 1997 als ablösefreier Last-Minute-Ergänzungsspieler zu Sturm. Eigentlich, denn selten zuvor verstand es in Graz ein Fußballer, die Emotionen der Fans so schnell zu wecken, wie es der gebürtiger Serbe tat. Nicht nur, dass er bereits beim legendären Eröffnungsderby des damals noch nagelneuen Arnold-Schwarzenegger-Stadions in der Startelf stand, er war bereits im ersten Meisterjahr eine Fixgröße. Als der allererste Meistertitel frühzeitig in Runde 29 feststand, hatte Ranko Popovic im Laufe der Saison exakt ein Spiel versäumt und dies nur aufgrund einer Gelbsperre. Doch trotz seiner starken Leistungen als verlässlicher Verteidiger, bleibt Popovic vor allem als der Stimmungsmacher schlechthin in Erinnerung. Keiner freute sich mehr über Sturmtore, kein Spieler suchte derart intensiv den Kontakt mit dem Anhang und keiner war wie Popo stets für Späßchen am Platz zu haben. Kein Wunder dass die „Popo-Popo-Popovic„-Rufe zu jener Zeit um keinen Deut seltener zu hören waren, als Akklamationen für Ivica Vastic, dem großen Superstar jener Tage.

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30 Jahre alt musste der in Pec, im heutigen Kosovo, geborene Verteidiger werden, bis er endlich seine große fußballerische Liebe gefunden hatte. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass es Popovic anlässlich der Meisterfeier nicht genügte, wie der gesamte Sturm-Kader mit schwarz-blau-weiß gefärbten Haaren aus der Kabine zu kommen. Popo streifte sich direkt nach dem Schlusspfiff auch noch eine echte Krachlederne über. Eine zehnjährige Leidenszeit auf der Suche nach dem großen Erfolg schien nun endgültig ein Ende zu haben: Durch starke Leistungen bei seinem Heimatverein Buducnost Pec hatte der 19-Jährige das Interesse von Partizan Belgrad geweckt, doch der Hauptstadtklub verlieh ihn zum bosnischen Verein FK Leotar Trebininje. Im Sommer 1990 ging er zurück zu den Schwarz-Weißen, von wo aus er aber, nach einem Kurzintermezzo beim FK Spartak Subotica und auch aufgrund der Kriegswirren am Balkan, nach Griechenland zu Ethnikos Piräus flüchtete. Doch auch im historischen Hafen von Athen kam er nicht wirklich zur Ruhe. Ganz im Gegenteil: Als er beim Präsidenten des heutigen Viertligaklubs wegen ausstehender Gehaltszahlungen vorstellig wurde, sah er plötzlich in eine Pistolenmündung und verwarf ganz schnell jegliche Forderungen. Aufgrund dieser Ereignisse wollte Popo nichts wie weg aus Griechenland und fand in UD Almeira einen neuen Klub. Im Süden Spaniens wurden die Löhne zwar pünktlich bezahlt, doch rein sportlich wurde auch dieses Engagement zum Flop. In seiner ersten Saison konnte das Team des Serben im letzten Moment zwar den Abstieg in die dritte spanische Liga noch abwenden, 1996/1997 reichte es für die Andalusier allerdings nur noch für den 17. Rang und sie mussten den bitteren Gang in die dritthöchste Leistungsstufe antreten. Allerdings ohne Popovic, für den es ohnehin in der Segunda Division nur zu 16 Einsätzen in zwei Spielzeiten reichte. In Graz erfuhr sein ehemaliger Partizan-Mannschaftskollege Darko Milanic vom sportlichen Schicksal seines Kumpels und empfahl seinem Präsidenten, sich die Dienste des Verteidigers zu sichern. Somit ebnete der spätere Chefcoach den Weg dafür, dass – wie sooft in der Geschichte des Sportklub Sturm – ein Legionär aus dem Süden zum echten sportlichen und obendrein, menschlichen Volltreffer avancierte.

Popovic kam mit Sturm zweimal zu Meisterehren, wurde einmal Pokalsieger und absolvierte insgesamt 74 Bundesligaspiele für die Grazer, in denen der Defensivspezialist zudem immerhin neun Treffer erzielen konnte. Unvergessen auch, als er sich von der ersten weiblichen Spielleiterin in der österreichischen Bundesliga, der Schweizerin Nicole Petignat, popogemäß stilvoll nach dem Schlusspfiff mit Handkuss verabschiedete. In der Champions League durfte er insgesamt elf Mal ran und trieb dort nicht nur Mario Jardel oder den damals noch in zweifacher Hinsicht einzigartigen Ronaldo (siehe Foto) zur Verzweiflung. Sein überhaupt letztes Spiel in Schwarz-Weiß absolvierte der Serbe am 6.12.2000 – ebenfalls in der Königsklasse. Bei der 0:2-Heimniederlage gegen Manchester United stand Ranko Popovic noch einmal für 90 Minuten am Platz. Dass sich nach Schlusspfiff United-Stümer Teddy Sheringham das letzte schwarz-weiße Popovic-Matchworn-Trikot überhaupt sichern sollte, ließ sich zu diesem Zeitpunkt noch keineswegs erahnen. Doch im Jänner 2001 sollte es zum, in vielerlei Hinsicht, fatalsten Transfer in der langen Vereinshistorie von Sturm Graz kommen. Für kolportierte 50 Millionen Schilling wurde der ghanesische Stürmer Charles Amoah vom FC St. Gallen verpflichtet und riss nicht nur ein großes Loch in die Klubkasse, sondern auch in das Mannschaftsgefüge des damaligen Sensationsteams.

„Diese Erfolge waren für Sturm etwas Neues. Da war es für alle schwer am Boden zu bleiben. Viele Spielervermittler wollten am großen Geldkuchen mitnaschen und haben mit angeblichen Superstars angeklopft.“ – Ranko Popovic

Da für Popovic nun kein Platz mehr im Nicht-EU-Ausländer-Kontingent (Amoah, Hlinka, Korsos, Szabics, Minavand) war, wurde er von der Klubführung auf das Abstellgleis geschoben. Menschlich schwer enttäuscht, brachte der Verteidiger eine Klage auf Verdienstentgang ein, denn sein Vertrag war noch bis zum 30. Juni 2001 gültig. Hannes Kartnig erfuhr über den drohenden Rechtsstreit inmitten eines Südamerika-Urlaubs und war wieder einmal dermaßen erbost, dass das Band nun endgültig zerschnitten schien. Zwar kündigte der Präsident eine Gesprächsrunde direkt nach seiner Rückkehr an. Man einigte sich später auch außergerichtlich, trotzdem war der Spieler Ranko Popovic von diesem Zeitpunkt an nur noch Geschichte.

„Im Leben gibt es immer Gerechtigkeit, früher oder später! Im Fußball noch mehr!“ – Ranko Popovic

Als Sturm im Feber Panthinaikos Athen in der Champions League-Zwischenrunde 2:0 besiegte, wurde Popovic, der seinen ehemaligen Mitspielern zum Sieg gratulieren wollte, nach dem Schlusspfiff sogar der Zugang zur Mannschaftskabine verwehrt. Die Fans aber bedankten sich noch einmal beim Publikumsliebling und entrollten während dem Match ein Spruchband „Popo, du bleibst für immer unser Held„. Wie sehr Hannes Kartnig an diesem drohenden Rechtsstreit knabberte, zeigte sich, als er den Chef der Spielergewerkschaft, Rudolf Novotny, der sich dieser Causa annehmen wollte, Hausverbot erteilte. Wie so oft in dieser Ära verließ letztendlich ein einst sehr verdienter Spieler den Sportklub Sturm im Streit.

Im Jänner 2002 fand der Verteidiger beim FC Arnfels, wo der umtriebige Baumulti Karl Schleich viel Geld in den Fußballverein steckte, eine neue sportliche Aufgabe. Bereits in seiner ersten Saison in der Nähe von Leibnitz erreichte Popovic mit dem FC das Achtelfinale im ÖFB-Cup, unterlag dort aber vor 5.000 Zusehern ausgerechnet dem GAK mit 0:4. Ein Jahr später stieg der Verein in die Regionalliga auf, erwies sich erneut als Cupfighter, so warf man unter anderem die Austria aus Lustenau aus dem Bewerb und verlor gegen Rapid Wien, durch ein spätes Tor von Rene Wagner, denkbar knapp mit 0:1. Neben Popovic spielten an diesem Tag mit Tomislav Kocijan und Jan-Pieter Martens zwei weitere ehemalige Sturm-Ikonen für Arnfels. Kurz danach aber zog sich Schleich aus dem Fußballgeschäft zurück und der Verein löste sich, als Drittplatzierter der Regionalliga-Mitte, auf.

Popovic heuerte danach als Spielertrainer beim SV Pachern, wo derzeit Mario Haas als Cheftrainer fungiert, in der Gebietsliga an und führte seinen neuen Klub bereits in seiner ersten Saison zum ungefährdeten Meistertitel. Der Erfolgslauf des SV ging auch in der Oberliga Mitte weiter, der Sportverein verfehlte den Durchmarsch in die Landesliga nur um zwei Punkte.

Im Sommer 2006 kündigte der damalige Cheftrainer Mischa Petrovic seinen unbefristeten Vertrag beim damals in notorischen Geldsorgen befindlichen SK Sturm und unterschrieb beim FC Kärnten. Doch noch vor Saisonbeginn verließ der ehemalige Libero Klagenfurt und nahm ein noch lukrativeres Angebot von Sanfrecce Hiroshima an. Als Co-Trainer warb er Ranko Popovic an, der ihm schon bei Sturm für eineinhalb Jahre zur Seite stand. Damit folgten die beiden jenem Weg, den die wohl größten Persönlichkeiten in der langen Klubhistorie, Ivica Osim und Ivica Vastic, schon Jahre zuvor bestritten hatten: Den Gang in den fernen Osten in die J-League. Als allerdings Petrovic 2008 sensationell mit Hiroshima Meister wurde, hatte Ranko Popovic schon ein Jahr zuvor bei seinem ehemaligen Klub Spartak Subotica seinen ersten Posten als Cheftrainer angenommen. Denn die Freundschaft der beiden war ein Jahr zuvor an scheinbar unüberbrückbaren Meinungsdifferenzen zerbrochen.

„Bei der Hochzeit lachen alle, aber bei der Scheidung muss man wahre Größe zeigen.“ – Ranko Popovic

In der nördlichen Vojvodina hielt es ihn aber nicht lange: Denn nach nur einem einjährigen Intermezzo im serbischen Fußball, kehrte er nach Japan zurück und coachte die beiden Zweitdivisionäre Oita Trinita und Mechida Zelvia, mit denen er jeweils im Mittelfeld landete. Popovic persönlich gelang aber der Aufstieg: Als Cheftrainer des Erstliganeulings FC Tokyo belegte er 2012 und 2013 die Plätze acht und zehn. Nicht so glücklich verlief seine vorerst letzte Station in Japan, bei Cerezo Osaka, wo trotz Diego Forlan im Sturm der sportliche Erfolg ausblieb, wurde er bereits nach sechs Monaten durch den ehemaligen Hoffenheim-Trainer Marco Pezzaiuoli, der ja auch bei Sturm einst Thema war, ersetzt.

Im November 2014 wurde der ehemalige Sturm-Publikumsliebling Cheftrainer von Real Saragossa. Popovic übernahm den Europacupsieger aus dem Jahr 1995 auf dem achten Platz der Segunda Divison mit der Order, die Aragonier wieder in die höchste Spielklasse zu führen. Im Endklassement erreichte Real Platz 6 und war damit für die Aufstiegs-Play-Off qualifiziert. In dieser spielen sich der Dritt-, Viert-, Fünft- und Sechstplatzierte den dritten und letzten verbleibenden Aufstiegsplatz aus. Im Halbfinale konnte sich das Team des Serben gegen FC Girona nach einer 0:3-Heimniederlage mit einem 4:1-Auwärtssieg in Katalonien spektakulärst für das Finale qualifizieren. Im Endspiel gewann Saragossa im La Romareda gegen Las Palmas mit 3:1, verlor allerdings das Rückspiel auf Gran Canaria mit 2:0 und verpasste somit denkbar knapp und nur aufgrund der Auswärtstorregel den Aufstieg in die Primera Divison. Der zweite Treffer der Insulaner fiel dabei erst in Minute 85.

 

In der folgenden Saison verlor Saragossa am 18. Spieltag auswärts gegen Gimnastic de Tarragona mit 1:3 und fiel auf den neunten Tabellenplatz zurück, allerdings nur einen Punkt hinter einem Aufstiegs-Play-Off-Platz. Präsident Fernando Vasquez entließ „schweren Herzens“ nicht nur den Cheftrainer, sondern gleich in einem Aufwaschen auch den Co-Trainer und den Sportdirektor. In einer emotionalen Abschiedsrede erklärte Popovic, dass er Verständnis für diese Entscheidung habe, es ihm aber sehr schwer falle, sich von einem Klub zu verabschieden, der für ihn vom ersten Moment an wie eine Familie gewesen wäre. Am Ende der Saison reichte es für Real Saragossa nur für den achten Platz und die Aragonier verpassten somit erneut den Aufstieg in die höchste Spielklasse.

Sollte spätestens in acht Monaten der Vertrag des aktuellen Cheftrainers in Graz noch nicht verlängert worden sein, käme es nicht vollends überraschend, wenn von einigen Ranko Popovic zum erweiterten Kreis der Nachfolgekandidaten gezählt würde. Stallgeruch hin oder her.

 

11 Kommentare

  1. Juran Juran sagt:

    Unser nächster Trainer.

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  2. JOPO1986 sagt:

    Ich hoffe unser nächster Trainer. Das wäre der Hammer und ein totaler Publikumsliebling. Alleine schon wegen ihm würde ich ins Stadion gehen.

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  3. Neukirchner sagt:

    Popo ab nächster Saison Trainer bei Sturm!
    Das wärs.

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  4. Harald sagt:

    Wär echt eine super Option als nächster Trainer!!!!!!!

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  5. lobbo sagt:

    Das haben bei milanic auch alle geschrieben….

     

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    • ds1909 sagt:

      Genau. Was sie aber nach der sportlichen Leistung über die „Legende Milanic“ als Trainer dachten und auch sagten, von dem sprechen Sie heute nicht mehr…

      Aber ein Popo als Trainer in Graz, dass hätt schon was 😉

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  6. rio sagt:

    Popo war eine Bereicherung und absoluter Fanliebling. Darüber braucht man nicht zu diskutieren! Was ich persönlich aber nie verstehen werde, wenn ein Spieler wechselt (und uns Geld bring), ist er ein „Judas“, wenn er seinen/unseren Verein gerichtlich klagt bzw. dieses androht bleibt er „einer von uns“. Manchmal habe ich wirkliche Probleme das „Fandasein“ nachvollziehen zu können, zu inkonsequent erscheint es mir.

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  7. fauli sagt:

    @rio: da musst du a bisserl differenzieren… Bei Popovic war die vorgehensweise von Kartnig und Co alles andere als ok. Popo hatte sich in den letzten Spielen immer fitspritzen lassen, hat alles für den Verein gegeben und wird dann rausgekickt.
    Kainz hat immer behauptet er geht nur ins Ausland, niemals ein Wechsel innerhlab von Österreich blablabla. Hatte eigentlich Glück, dass Sturm ihm eine Verlängerung gegeben hat, im Winter vor seinem Wechsel spielte er unter aller Sau… Danach ein Wechsel zu Rapid war wohl nicht so die ideale Entscheidung aus Sicht einiger Fans. Auch wenn die Reaktionen gegenüber Kainz stark überzogen waren…

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  8. rio sagt:

    @fauli: ich versuche zu differenzieren …. aber Kartnig wurde nicht „bedroht“, sondern der SKSturm, genauso wie nicht Kartnig € 170.00.-  (berechtigt oder nicht) an Osim zahlen musste, sondern der SKSturm. Natürlich war die Vorgangsweise von Kartnig/Schilcher „wenig freundlich“ gegenüber Popo, aber auch die damalige, unsittlich genannte „Jugoconnection“ (eben mit Popovic, Vastic, Kocijan etc.) verhielt sich Amoah gegenüber wenig kameradschaftlich. Aber wie auch immer, jeder denkt anders und ich für meinen Teil brauche eben keinen ehemaligen „Klagsdroher“ als Trainer und streue ihm schon vorweg Blumen.

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  9. Ritter2016 sagt:

    Ähhh…was schreibt ihr denn da zusammen? Popovic war nie Co-Trainer bei Sturm unter Petrovic. Und er wurde mit Hiroshima auch niemals Meister. Den Ligacup hat er einmal gewonnen und Meister in der 2. Liga ist er geworden

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    • Günter Kolb Günter Kolb sagt:

      1. Schreibt „ihr“? Wie du oben siehst, ist der Artikel von nur einem Autor.

      2. Wo steht, dass Popovic Co-Trainer war? „Stand ihm zur Seite“ bedeutet zB: Carlo Platzer, der damals bei Sturm recht viel zu sagen hatte, insbesondere wenn wie sooft Kartnig auf Weltreise ging, war ein echter Popovic Intimus und auch Geschäftspartner. Ranko hat ihm Mischa als möglichen Sturmtrainer ans Herz gelegt. Die beiden haben sich auch sehr oft ausgetauscht, Petrovic hat Popo auch sehr oft um Rat gefragt usw…

      3. Du schreibst „niemals Meister, nur Meister in der 2. Liga“: Aber ich verstehe was du meinst: Besser wäre die Formulierung „gewann sensationell den Ligacup und wurde in der zweiten Liga Meister“ gewesen.

       

       

       

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