Pflicht erfüllt

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. First Vienna FC 1:0 (0:0)

„Bei der Vienna steht zwar vierte Liga drauf, aber es ist viel, viel mehr drinnen“, warnte Cheftrainer Christian Ilzer vor dem ÖFB-Cup-Viertelfinale gegen den Viertligisten First Vienna FC. Dennoch war die Favoritenrolle vor dem Duell mit dem ältesten Verein des Landes naturgemäß klar verteilt. Um die Wiener erst gar nicht in die Nähe einer Sensation kommen zu lassen, vertraute Ilzer großteils jener Mannschaft, die unter seiner Regie trotz einiger kleiner Patzer in der jüngsten Vergangenheit bislang vollends überzeugt hatte. Im Vergleich zur 1:2-Niederlage beim SCR Altach gab es in der Startaufstellung drei Änderungen: Jusuf Gazibegovic, Ivan Ljubic und Bekim Balaj ersetzten Sandro Ingolitsch Stefan Hierländer und Kevin Friesenbichler.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Nach einer Trauerminute für die beiden Sturm-Legenden Walter Saria und Mehrdad Minavand pfiff Schiedsrichter Christopher Jäger die Partie pünktlich um 20:30 Uhr an. Anders als erwartet waren es die Gäste, die die erste Möglichkeit der Begegnung vorfanden. Mario Konrads Kopfball in der achten Minute fiel jedoch zu zentral aus. Es war der einzige Höhepunkt einer ansonsten schleppenden Anfangsphase, in der Sturm das Spiel zwar kontrollierte, über gute Ansätze aber nicht hinauskam. So auch nach einer Viertelstunde, als Ljubic aus der Distanz klar vorbeischoss.

Vienna schwächt sich selbst

Sekunden später machte sich die Vienna ihren an und für sich soliden Beginn jedoch auf unnötige Art und Weise zunichte. Marcel Toth verlor bei einem Zweikampf im Mittelfeld den Ball aus den Augen und traf Balaj anschließend im Gesicht – eine unglückliche Situation, die jedoch zurecht eine rote Karte nach sich zog. Sturm versuchte nun, dem Spiel noch mehr seinen Stempel aufdrücken. Bis auf eine Chance von Jakob Jantscher, die Vienna-Schlussmann Oktay Kazan nach 20 Minuten stark vereitelte, wollte dies aber nach wie vor nicht so recht zu funktionieren. Otar Kiteishvili klopfte nach einer guten halben Stunde noch einmal mit einer Direktabnahme an, auch hier war der Schlussmann der Hauptstädter zur Stelle.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Nach 35 Minuten wäre dieser jedoch völlig chancenlos gespielt. Jantscher lief allein auf Kazan zu und spielte dann einen Querpass auf Balaj. Der Albaner war jedoch nicht perfekt positioniert und beförderte das Leder über die Latte. Sekunden später fanden sowohl ein Distanzschuss von Jantscher als auch ein Kopfball von Jon Gorenc Stankovic nicht den Weg ins Tor der Gäste. Mit Ausnahme dieser kurzen Druckphase schaffte es die Vienna trotz ihrer nummerischen Unterzahl relativ leicht, die Grazer vom Tor fernzuhalten und Großchancen zu verhindern. Und dennoch wären die Grazer beinahe mit einer Führung in die Kabine gegangen, doch Kazan hielt einen an und für sich schwachen Distanzschuss von Andreas Kuen trotz eines Platzfehlers schlussendlich fest. Gleich darauf war Pause.

Jantscher erzielt Goldtor

Balaj und Kuen klopften rund fünf Minuten nach Wiederbeginn erstmals an, beide Abschlüsse verfehlten aber ihr Ziel. Ähnlich verhielt es sich nach etwas weniger als einer Stunde mit einem Stanglpass von Jantscher und einem Balaj-Kopfball. Sturm agierte nun etwas zielstrebiger als in den ersten 45 Minuten, zündende Ideen waren im Spiel der Hausherren allerdings nach wie vor Mangelware. Genau eine dieser zündenden Ideen war es aber, die in der 63. Minute den Unterschied machen sollte. Nach einer schönen Kombination über Balaj und Kiteishvili landete das Spielgerät schließlich bei Jantscher, der zur 1:0-Führung einschob – die Erlösung!

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Beinahe hätte der Wiener Stadtligist in der 68. Minute die passende Antwort parat gehabt, ein Kopfball des völlig freistehenden Konrad strich aber am Gehäuse der Blackys vorbei. Diese Chance war Indiz dafür, dass Sturm sich trotz der Führung nach wie vor schwertat und der Halbfinaleinzug noch nicht in trockenen Tüchern war. Zudem hatten die Grazer bei einem rüden Foul Kiteishvilis in der 74. Minute Glück, nicht ebenfalls einen Platzverweis hinnehmen zu müssen. Die Vienna war nun mindestens ebenbürtig und fand in Minute 78 eine weitere gute Gelegenheit vor: Martin Stehlik fasste sich aus rund 20 Metern ein Herz, traf aber nur das Außennetz.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Die Wiener warfen in der Schlussphase noch einmal alles nach vorne, allzu viel gelang dem Viertligisten aber nicht mehr. Sturm beschränkte sich – bis auf eine Konterchance von Hierländer in der Nachspielzeit – auf Ergebnisverwaltung und sollte damit Recht behalten. Durch den 1:0-Heimerfolg über den First Vienna FC steht der SK Sturm in der Vorschlussrunde des ÖFB Cup – Pflicht erfüllt. Was bleibt, ist trotz einer mäßigen Darbietung der Halbfinaleinzug. Und sollte der SK Sturm Graz am 1. Mai tatsächlich den Cup gewinnen, wird wohl niemand mehr nach der spielerischen Leistung im Viertelfinale fragen.

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15 Kommentare

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Ebenbürtig sein mit 10 Landesligisten die seit Monaten kein Pflichtspiel mehr absolviert haben…

    No front aber das gestern war grauslich. Jeder Aspekt des Spiels. Zudem in absoluter erster Montur. Zudem wären es 10vs10 gewesen hätte der Schiri Otis Einstieg gesehen. Dann wäre wohl das Unausweichliche passiert.

    Es braucht vorne dringend einen neuen Impuls. Ansonsten wird man in der Meistergruppe auf den Spuren eines gewissen „Meisters“ wandeln…

    +6
    • ds1909 sagt:

      Du bist mittlerweile schlimmer als „Neubeginn“ bzw. „IvoGo“. Jetzt bist fast du immer der mit dem ersten comment und der einzige Inhalt besteht aus Jammerei.
      Glaub mir, die Probleme – die definitiv da sind – werden auch von Schicker und Ilzer erkannt. Und die werden daran auch arbeiten. Wir sind in einem Übergangsjahr, der Umbruch wurde erst im Sommer eingeleitet. Da wo wir jetzt stehen ist nur eine Momentaufnahme, eine Art Belohnung für die Spieler. Rückschläge werden wir hin und wieder in kauf nehmen müssen. Und nur weil der Gegner aus der 4. Liga kommt is es trotzdem nicht fix, dass wir die aus dem Stadion schießen!
      3 Jahresplan – also lass sie daran arbeiten und hör endlich auf mit deiner ständigen Jammerei! swg

      +19
    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Willst du mir ernsthaft erzählen das Cup 1/4 Finale gegen einen Landesligisten ist kein absoluter Pflichtsieg?

      Ich sag ja nichts wenn wir mit 11 Amateuren nicht glänzen (die btw. auch eine Klasse höher wären) aber wir haben mit der 1:1 Profi Truppe gespielt und nur knapp gegen 10 (!) Amateure gewonnen.

      Selbst wenn wir den größten Umbruch des Jahrtausends vollziehen können wir nicht routinierte Spieler aus der Verantwortung nehmen.

      Deiner Logik nach wäre ein Sieg gegen unsere eigenen Amateure (!) nicht fix, die eine Klasse höher als die Vienna spielen. Na Prost Mahlzeit. Ich verlange keine Kantersiege aber ein Minimum an Ehrgeiz sollte als Profi nicht zuviel verlangt sein…auch wenn man eventuell keinen neuen Vertrag bekommt.

      +5
    • ds1909 sagt:

      Ich bin in der derzeitigen Situation (Umbruch im Sommer, Corona, geringes Budget, verjüngter Kader, etc.) sicher keiner, der von einem Pflichtsieg spricht (Obwohl ich mir gegen jeden Gegner einen Sieg erhoffe). Egal gegen wen, auch wenn der Gegner in der Landesliga beheimatet ist. Und by the way, die Vienna ist mit ihren Kader sicher für höheres berufen als die Landesliga.

      Wichtig ist im Cup nur das weiterkommen, hinterher fragt keiner mehr wie.
      Die Spieler (ob routiniert oder youngsters) selbst, und auch Ilzer wissen dass da mehr geht und auch mehr kommen muss.

      Die Geschichte mit den Amateuren ist völliger Schwachsinn. Das ist was zusammen getippseltes deiner Logik nach.
      Sturm ist gegen kleinere/unteren Vereinen zwar immer der Favorit, das bedeutet aber noch lange nicht das man alles gewinnt.

      +5
    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Das mit den Amateuren ist kein Schwachsinn…
      Sturm Graz Amateure: Oberes Drittel 3. Liga
      Vienna: Oberes Drittel 4. Liga.
      Ich kann mich noch erinnern als Amateure noch im Cup spielen durften…
      Wenn es gegen die Vienna kein Pflichtsieg ist dann wohl auch nicht gegen ein Team welches eine Stufe höher spielt.

      „Wichtig ist nur das Weiterkommen“…jaja vor nicht allzu langer Zeit war es auch wichtig im oberen Playoff dabei zu sein…da war das Wie auch wurscht. Hat man gesehen was es uns gebracht hat.

      Und wenn es keine Pflichtsiege gibt wäre ein NEM nicht gefeuert worden, da die Saison Umbruch von Mählich war. Und Mählich hätte nicht gefeuert werden dürfen…weil Umbruch von Vogel. Ein Umbruch ist kein Freifahrtsschein.

      Ich Frage mich nur was wäre wenn wir auf den GAK getroffen wären… kein Pflichtsieg? 2 Klassen stärker als die Vienna, super Kader… hätten wir am Besten gleich aufgegeben und das 0:3 genommen…

      Die Vienna musst putzen. Da gibt es kein wenn und aber. Verlieren KANNST jedes Spiel nur nicht das gestrige, wo selbst der Schriri mal nicht gegen uns gepfiffen hat und sogar eher für uns.

      +4
  2. gepi20 sagt:

    @ds1909: Danke für Deine Replik. Ja, wir alle wünschen uns jedes Spiel mit 2 Toren und Zauberfußball zu gewinnen. Für die Umbruchsaison stehen wir mit Platz 3 Inder MS und dem Cup Halbfinale momentan sehr gut da.
    Nicht zu vergessen, dass wir budgetmäßig ob Corona und mangels Großsponsoren ohne Zuseher doppelt gestraft / eingeschränkt sind.
    Bin optimistisch, dass Ilzer und Schicker die Mannschaft im Sommer nach Möglichkeiten weiter verstärken, Geduld ist gefragt. Uns denken wir ans Vorjahr……

    +9
  3. gepi20 sagt:

    in der MS bzw. Und denken…. sorry, das Tippen ist schwer

    0
  4. black_aficionado sagt:

    Heroisch oder rühmlich wars nicht, da hast schon recht @schwoaza. ABER, das hat der JJ gestern im Interview auch exakt so gesehen, ergo bildet sich wohl keiner etwas auf dieser Leistung ein…

    Es nutzt nix, du kannst jetzt nach jeder Partie den gleichen Sermon absondern, das hilft halt auch niemanden weiter, oder du gestehst den Verantwortlichen zu, dass diese mindestens genauso viel Ahnung vom Sport haben wie wir hier im Forum, die Probleme also erkennen und versuchen diese konstruktiv zu lösen. Ja es braucht dringend Impulse in der Offensive, aber wo ist der schnelle 15+ Tore Striker zu unseren Konditionen?! Wennst einen kennst, dann gib ihn mal Preis, sodass sich unsere Verantwortlichen mit ihm beschäftigen können…

    +5
  5. JPMartens JPMartens sagt:

    Das Spiel gestern war sicherlich nicht gut aber, was mich trauriger stimmt ist das NICHT-Vertrauen in unsere Jungen bzw. Eigenbauspieler. Einen Shabanhaxaj kann man doch gegen einen Landes-bzw. Stadtligisten zumindest eine Hz wenn nicht einen Startelfplatz geben, ein Geyrhofer fehlte komplett im Kader ebenso Mwepu, sind die alle so schlecht? Von Zettl, Bacher und anderen Youngstars rede ich garnicht….Krienzer ist nicht im Verein würde es aber wohl gleich ergehen stattdessen wird ein sportlich und zukünftig völlig wertloser Balaj immer wieder ins Spiel gebracht, ähnlich ist es bei Jäger nur, dass dieser Woche für Woche nur die Ersatzbank wärmt.
    Der steirische, junge Weg ist im Moment nur eine mediale Fassade.

    +9
    • Siro sagt:

      DankeIch verstehe es ja in der BL: Der Umbruch wird hinten angestellt, weil sich der Erfolg unerwartet eingestellt hat.
      Aber dann nicht einmal gegen einen 4. Ligisten – seit Monaten und Spielpraxis und einen weniger – wieder keinen Einzigen Jungen eine echte Chance zu geben, ist eine ziemliche Detschn und die Versprechen zu Beginn der neuen Saison nicht einmal den Sauerstoff Wert, der beim Aussprechen dieser Worte verbraucht wurden.

      +3
    • weizenheizer sagt:

      Ich glaube Ilzer hätte sicher gern früher gewechselt, wenn die Partie entschieden gewesen wäre. Dann kann man schon mal Spielpraxis in den Vordergrund stellen. Solang man sich bemüht oder es 0:0 steht, find ich das schon ok, wenn die beste 11 spielt. Leider haben wir nicht die Breite im Kader, dass wir ohne Qualitätseinbußen rotieren können. Und die Wechselspieler waren ja auch allesamt nicht gut!

      +3
  6. Ennstaler sagt:

    Es ist zwar schon bis zum Speiben abgedroschen, aber der Cup hat eigene Gesetze. Der deutlich höherklassige Favorit kann da eigentlich immer nur schlecht abschneiden, er spielt ja nicht nur gegen den Gegner, sondern auch gegen die übertrieben hohen Erwartungshaltungen der „Fußballkenner“ und gegen den überschäumenden Motivationsschub des Underdogs.

    +3
  7. skblack1e sagt:

    @Schworza: Schraub deine Erwartungshaltungen endlich mal runter, sonst wirst du mehr als unglücklich im Leben. Oder werde Fan von anderen Mannschaften wie Bayern, Real Madrid, PSG; ManCity, Liverpool und co?
    Ach lass mich mal überlegen Bayern schon raus aus dem Pokal, Real schon raus aus dem Pokal, PSG verliert auch so paar Spiele unnötig.

    War ein unschöner Sieg gestern, aber am Ende total egal Sturm steht im Halbfinale, und es heißt weiter an sich arbeiten, davon bin ich überzeugt das wird die Mannschaft! Bitte nicht auf solche Fans hören und einfach bei dem 3 Jahresplan weitermachen und gut ist.

    +9
  8. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    janz ruhich, freunde des runden leders…. schworza99 hat gg die vienna einen „pflichtsieg“ eingefordert – der ist es auch geworden – also ist er und auch alle anderen zufrieden.
    ich könnte euch jetzt 90% der euphorie rauben, wenn ich sage: gegen mauernde mannschaften ist es IMMER ein schweinskick, gegen offensive mannschaften hat man mehr platz, aber am ende ist es nur schön, wenn man auch gewinnt….

    +2

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