Oops!… They did it again

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FC Red Bull Salzburg 2:1 (2:0)

Der SK Sturm Graz muss für Heimspiele vorerst nach Klagenfurt ausweichen, da in Graz derzeit kein Stadion die Kriterien der Bundesliga erfüllt. Lei Lei! Was nach einem verspäteten Faschingsscherz klingt, wurde für Sturm zur bitteren Realität. Eine dank völligem Versagen des Stadionbetreibers unbespielbare „Beachvolleyball-Grube“ in Liebenau zwingt bekanntlich den Verein zum Ausweichen ins Exil, zumindest für zwei Pflichtspiele innerhalb von vier Tagen. Dass es in beiden Spielen gegen denselben Gegner geht und dieser noch dazu FC Red Bull Salzburg heißt, ist schon so etwas wie das I-Tüpfelchen bei dieser kuriosen Situation. Ausgerechnet an diesem Ort gegen diesen Gegner feierte der SK Sturm seinen letzten großen Erfolg. Im Mai 2018 fightete man vor 25.000 fanatischen Anhängern den großen Favoriten nieder und holte sich bekanntlich den verdienten Cup-Titel.

Klar verteilte Rollen im Vorfeld

Dass die Bullen auch vor diesem Duell die klaren Favoriten waren, war unbestritten. Sturm plagten große Verletzungssorgen, noch dazu musste Stamm-Torhüter Jörg Siebenhandl seine Rot-Sperre absitzen und wurde von Tobias Schützenauer ersetzt. Die Form der Blackys in den vergangenen Wochen war ebenso nicht gerade vielversprechend. Von einem „Heimvorteil“ konnte zumindest aufgrund der leeren Ränge auch nicht die Rede sein. Alles in allem eine eher nüchterne Ausgangslage. Ein Spiel dauert aber bekanntlich 90 Minuten und in dieser Zeit wurden im Fußball schon viele unerwartete Geschichten geschrieben.

Sturm legt vor

Die erste Möglichkeit gehörte den Salzburgern, doch einen gut angetragenen Schuss von Luka Sucic konnte Tobias Schützenauer mindestens genauso gut entschärfen. Die „Gäste“ wollten das Spielgeschehen schnell an sich reißen, doch in der neunten Minute holte Kelvin Yeboah einen Eckball mit Folgen heraus. Die von Jakob Jantscher getretene Ecke fand ihren Weg über Stefan Hierländer zu Lukas Jäger, der sich ein Herz nahm und die Kugel zur Führung für Sturm in die Maschen haute! Schnell wurden wieder Erinnerungen an 2018 wach, doch noch waren hier gut 80 Minuten zu spielen. Man sah den ersatzgeschwächten Grazern zwar einige Unsicherheiten an, das Team stemmte sich aber gut gegen die flinke Salzburger Offensive und versuchte selbst, durch schnelle, direkte Pässe in die Tiefe für Gefahr zu sorgen. Und das Spiel von Sturm wurde immer gefälliger! Die 22. Minute: Amadou Dante hat Platz zum Flanken, sieht den lauernden Ivan Ljubic, dem er den Ball dann auch mustergültig auf dem Kopf serviert. Sein Kollege mit der Rückennummer 30 ließ sich nicht lange bitten, köpfte sehenswert ein und sorgte bereits für den zweiten Jubel in Schwarz-Weiß. 2:0 für Sturm! Was wäre das für eine Party hier. Sturm ließ die Salzburger in dieser Spielphase kaum in die Partie kommen und spitzte gar auf einen weiteren Treffer. Diesen hatte David Nemeth am Fuß, der Verteidiger war aber um den Tick zu langsam und konnte gerade noch abgedrängt werden. Praktisch im Gegenzug kamen die Salzburger nach einem Eckball mit Wut im Bauch zu zwei gefährlichen Abschlüssen, doch Sturms Defensive konnte mit vereinten Kräften einen Gegentreffer verhindern.

(c) SturmNetz.at

Salzburg erhöht den Druck

In der 33. Minute klärte zunächst Sandro Ingolitsch in höchster Not vor Sucic zur Ecke, diese kam dann auch sehr gefährlich auf die kurze Ecke. Die Grazer blieben ohne Gegentor. Doch die Bullen wurden nun zusehends stärker und drängten auf den Anschluss. In der 43. Minute wäre dieser Treffer dann auch fällig gewesen, doch es war reinem Slapstick zu verdanken, dass es weiterhin 2:0 für Sturm stand: Zunächst gewann Andre Ramalho einen Luft-Zweikampf gegen Yeboah, woraufhin der Ball zu Mergim Berisha gelangte. David Nemeth wäre zwar zur Stelle gewesen, rutschte aber weg und somit hatte Berisha nur noch Schützenauer vor sich, schaffte aber das Kunststück, am Tor vorbeizuschießen – Riesenglück für Sturm in dieser Situation! In den letzten Sekunden der ersten Hälfte fand dann auch Sturm noch zwei aussichtsreiche Möglichkeiten zu einer höheren Führung vor, brachte den Ball aber nicht im Tor unter. Sturm präsentierte sich sehr stark in den ersten 45 Minuten und führte nicht unverdient mit 2:0.

Zunächst noch alles im Griff

Zur zweiten Hälfte brachte Jesse Marsch mit Enock Mwepu und Andreas Ulmer gleich zwei frische Kräfte. Zusammen mit Patson Daka, der gegen Ende des ersten Durchganges ins Spiel gekommen war, hatte Salzburg zu diesem Zeitpunkt somit schon dreimal gewechselt. Ein Zeichen dafür, dass der Coach alles andere als zufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft war. Zunächst änderte sich am Spielverlauf allerdings wenig, womit man aus Sicht von Sturm auch vollauf zufrieden sein konnte. Trotzdem vollzog Christian Ilzer in der 54. Minute den ersten Wechsel und brachte Bekim Balaj für Jantscher in die Partie. Die erste nennenswerte Möglichkeit im zweiten Durchgang gehörte den Salzburgern: Sturm brachte den Ball nicht sauber aus dem Sechzehner raus, woraufhin Mwepu zum Abschluss kam, in Tobias Schützenauer aber seinen Meister fand. Generell zeigte der Ersatzmann von Jörg Siebenhandl eine abgebrühte, bis dahin fehlerfreie Leistung. Auch in der 63. Minute hielt er seinen Kasten nach einem Mwepu-Schuss gekonnt sauber. Generell zeigte Sturm auch in der zweiten Spielzeit eine sehr abgeklärte Leistung und hielt die Bullen so gut es ging vom Sechzehner fern. Mit Maurits Kjaergaard und Zlatko Junuzovic brachte Marsch für die Schlussphase seine letzten Trümpfe ins Spiel. Auch auf Seiten der „Gastgeber“ kamen mit Dardan Shabanhaxhaj und Jon Gorenc Stankovic zwei frische Kräfte für die letzten 20 Spielminuten.

(c) SturmNetz.at

Nichts für schwache Nerven

Die Schlussphase sollte es in sich haben: Zunächst entschied Schiedsrichter Oliver Drachta auf Strafstoß, welchen Patson Daka auch zum 2:1 verwandelte. Sturm zeigte sich aber keineswegs geschockt, erspielte sich eine Möglichkeit im Strafraum, welche durch die nach oben gestreckte Hand von Daka vereitelt wurde. Unter normalen Umständen wohl ein glasklarer Elfmeter, doch scheinbar nicht für Sturm Graz. Die Pfeife blieb stumm, es herrschte große Aufregung auf Seiten der Grazer. Verständlich, denn dieses Vergehen war wohl für alle anderen im Stadion ganz klar erkennbar. Es war dies abermals eine mehr als fragwürdige Entscheidung der Unparteiischen. Doch noch führte Sturm, fünf Minuten waren auf der Uhr und die Bullen probierten es nun mit der Brechstange. Nachdem auch noch fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt wurde, begann das große Zittern. Ecke Salzburg, Konter Sturm, abgefangen, wieder Salzburg am Strafraum, ins Out geklärt. Spannung pur. Sturm kämpfte heroisch um diese drei Punkte. Es lief bereits die 95. Minute, Salzburg hatte einen vielversprechenden Konter – Außennetz! Eckball, wieder geklärt. Immer noch kein Abpfiff zu hören, noch einmal die Gäste in der Offensive, hoffen, bannen, aus! AUS! Freude! Emotionen! Steiermoak! 

(c) SturmNetz.at

Sturm schlug zum zweiten Mal in dieser Spielzeit die Dosen und fixierte damit die Teilnahme am Meister-Playoff! Wieder einmal wurde im Fußball also eine unerwartete Geschichte geschrieben. Klagenfurt ist und bleibt ein guter Boden für Sturm. Und es wäre doch gelacht, wenn dies kein ordentlicher Motivationsschub für das Cup-Halbfinale in wenigen Tagen ist. Auf die Schwoazen!

Spieldaten

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14 Kommentare

  1. bianco nero tifoso sagt:

    He he oh, weit und breit Fröhlichkeit Sturmzeit

    Ha Ho He Kategorie Sturm Graz, ihr seid die Besten, wir sehen uns analog 2021 im Stadion, ich freue mich.

  2. Schworza99 sagt:

    Starke Leistung. Jemanden hervorzuheben ist schwer. Aber ich versuchs.

    Eventuell Jäger der seine Kritiker jetzt hoffentlich verstummen lassen kann. Klassischer Arbeiter.

    Auch Schützi heute ohne Tadel und ohne Unsicherheiten.

    Yeboah vorne sehr lästig. Gefällt.

    Auch wenn die Leistung heute overall gut war kann ich dennoch jetzt schon den besten Spieler der nächsten Saison benennen der uns sicher ein paar Punkte bringen wird: V-A-R.

    • TW1 sagt:

      Ich bin einer dieser Jäger-Kritiker und wüsste nicht, warum ich jetzt verstummen sollte.
      Er hat seine Sache bei der einstudierten Ecke sehr gut gemacht und ein schönes, äußerst wichtiges Tor erzielt. Dafür gebührt ihm Lob und Applaus!
      Aber das war in dem Jahr, in dem er jetzt bei uns spielt, die erste Aktion welche positiv in Erinnerung bleibt.

      Die Fakten sehen leider auch in diesem Spiel nicht sehr gut aus.
      Als Defensivspieler darf man nicht jeden zweiten Zweikampf verlieren.
      50% Zweikampfquote sind einfach zu wenig. Noch schlechter war nur Dante mit 18%.

      Ingolitsch 62%, Wüthrich 60%, Nemeth 67%, Hierli auch nur 50%.

      Mit 21 Fehlpässen, dass ist eine Passquote von nur 46%, war nur Ingolitsch(44%) noch schlechter!

      Hierli 62%, Kuen 60%, Nemeth 67%, Wüthrich 71% und selbst Dante (dem außer der Flanke zum 2:0) leider wieder nicht sehr viel gelungen ist, bringt es auf eine Passquote von 52%.

      Wenn man nur jeden zweiten Zweikampf gewinnt und von den eroberten Bällen 54% gleich wieder zum Gegner spielt, ist man in meinen Augen nicht bundesligatauglich !

      SWG

  3. Moe sagt:

    Ganz starke Leistung, jetz kann der Flow aus dem Herbst wieder kommen, am besten schon am Mittwoch!

  4. Irgendwo hab ich gelesen das ob des Sieges der nicht gegebene 11er kein Thema mehr sein soll.
    Ich sehe das komplett anders. Damit ist Drachta nämlich von jeder Kritik freigesprochen.
    Den wenn er schon den 11er für Salzburg pfeift muss er erst recht den für uns geben. Das Hands von Daka sehe bei weitem schwerwiegender.

    • Supersturm sagt:

      Wenigstens kann man nicht behaupten, dass sich einzelne Schiedsrichter ihre Entscheidungen gegen Sturm aufheben – ich kenne mittlerweile keine Ausnahme unter den Schiedsrichtern, die Sturm nicht benachteiligen. Rote Karten, nicht gegebene Elfmeter, Abseitstore gegen Sturm.. und oft sind es nur kleine Entscheidungen, die den Gegner bevorzugen (aber auch diese können schwerwiegende Folgen haben – so auch das Foul an Wüthrich beim Stand von 2:1, als dieser den Gegenspieler abgelaufen ist, gefoult wurde und der SR auf Eckball entschieden hat.. Nicht selten entstehen Tore aus Eckbällen..)

      Finde es auch stark von der Mannschaft, dass sich diese von vielen Fehlentscheidungen nicht aus der Ruhe bringen lässt!

    • Melvinuss sagt:

      @ Mister Rockmachine: Seh ich gleich. Aber nicht vergessen dürfen wir auch das Rot-verdächtige Foul von Nemeth in HZ1, dass Drachta scheinbar übersehen hat…

  5. rio sagt:

    Toller Kampf und zwei wirklich sehenswerte Treffer. Zwei Dinge sind mir aber besonders aufgefallen: 1. Dante schwimmt momentan defensiv gewaltig, wirkt sehr hektisch und unkonzentriert. 2. Was waren nur die Kriterien Balay zu verpflichten? Yeboah (der wird noch ein Großer!) und Shaban….. zeigten während ihren Spielzeiten, wie weit dieser Balaj von einem konkurrenzfähigen Stürmer entfernt ist. Unerklärlich so einen Mann zu verpflichten!
    Natürlich wird es Mittwoch ein anderes Spiel und die versammelte Bullenpower sinnt nach Revanche, aber ein Schiri, der Elfer auf beiden Seiten sieht und wir vielleicht wieder das erste Tor erzielen, könnten den unmöglichen Wahnsinn (3x hintereinander RB schlagen!) Wirklichkeit werden lassen.
    Mit dem Moto: „Einmal geht’s noch, einmal geht’s noch gut!“

  6. blackfoxx sagt:

    einfach TOP Leistung der gesamten Mannschaft mit einigen „Erkenntnissen“:
    – wenn alle an ihre Leistungsgrenze gehen, ist für diese Mannschaft vieles möglich
    – unsere Jungen sind nix schlechter und verdienen weit mehr Spielzeit (Shabanaxhai)
    – Ljubic für mich einem Kite vorzuziehen – defensiv stabiler und offensiv weit mehr gefährlich (Kiteishwili entwickelt sich nicht mehr weiter, spielt seit 4 Jahren immer das gleiche)
    – auf Elfer brauchen wir nicht mehr zu hoffen – da wird auch VAR nix ändern, da unsere Schiedsrichter die Regeln halt einfach nicht kennen (Drachta hat das hands sehr wohl gesehen, für ihn war es kein Elfer, was regeltechnisch aber klar geregelt ist)
    – die restliche Saison (inkl. Cupfinale ;-)) in Klagenfurt fertigspielen, da eh keine Zuseher erlaubt sind und auf Konfrontation mit dem Betreiber der Ruine in Graz gehen…vielleicht hilft es ja, der Stadt anzudrohen die Heimspiele woanders auszutragen – siehe LASK mit Pasching

    • Nimrod sagt:

      beim letzten Punkt bin ich ganz bei dir. Da wird mMn ohnehin zu viel Kuschelkurs (zumindest nach außen) gefahren

    • TW1 sagt:

      Es freut mich, dass Du Kiteishvili schon vor mir und den meisten anderen Sturmfans am Schirm hattest, und seine Entwicklung verfolgen konntest.
      Ich kenne ihn erst seit ca. zweieinhalb Jahren – eben erst seit dem er für uns spielt, deshalb kann ich Dir nicht beipflichten bei deiner These, dass er seit 4 Jahren das gleiche spielt.

    • blackfoxx sagt:

      Wortklauberei. OK, er spielt seine 3. Saison bei Sturm, das ändert aber nichts an seiner Stagnation oder siehst du einen Fortschritt chancenauswertung mangelhaft und bei robusten Gegnern zu filigran, auch bei Standards und per Kopf hinter Ljubic zu stellen…

  7. Nimrod sagt:

    Ok, ich nehme alles zurück, was ich nach dem letzten Spiel über Schützi geschrieben habe! Gestern war er wirklich scheißgut!
    Die IV fand ich wieder hervorragend!
    Und bitte unbedingt dem Shabi (sorry, seinen richtigen Namen werde ich bis an mein Lebensende nicht schreiben können) mehr Einsatzzeit geben. Der hatte teilweise enormen Spaß mit der Dosen-Abwehr!

  8. Athlan sagt:

    Ich hab die Partie leider verpasst. Gibts irgendwo eine Videozusammenfassung?

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