Oh, wie ist das schön!

Spielbericht: SK Sturm vs. SV Ried (1:0)

Herbstzeit ist Sturmzeit! Zumindest fußballerisch fegte nach dreiwöchiger Abstinenz wieder ein Sturm über Liebenau. 8 Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage, so die überraschende Bilanz der „Schwoazen“ nach 10 Saisonspielen. Die einzige Niederlage fing man sich auswärts gegen die Oberösterreicher ein, es galt also eine offene Rechnung zu begleichen. Der längstdienendste Trainer eines Bundesligisten in Österreich startete mit einer Veränderung gegenüber dem letzten Auswärtserfolg in die Partie. Deni Alar rückte eine Position zurück, Bright Edomwonyi gab die Solospitze. Doch auch der Gegner, die Wikinger aus Ried gingen mit viel Selbstvertrauen in diese Partie, gewann man doch zuletzt zuhause gegen den Rekordmeister Rapid mit 4:2.

Spitzenreiter Sturm Graz

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(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Sturm versuchte von Beginn an früh zu attackieren, wirkte aggressiv und zwang die Gäste zu zahlreichen Ballverlusten, den ersten Schuss auf das Tor von Thomas Gebauer gab es bereits nach 20 Sekunden. Optisch war man den Riedern überlegen, einzig und allein Torchancen waren Mangelware. Es dauerte bis zur 13. Spielminute, ehe man gefährlich vor des Gegners Tor kam: Alar setzte sich im Strafraum gut durch und testete Gebauer mit einem scharfen Linksschuss, dieser konnte jedoch gut abwehren und den Rückstand verhindern. In dieser Tonart ging es weiter: Freistoß für Sturm kurz vor der Strafraumgrenze, dieser blieb zuerst in der Mauer hängen, der Ball flog genau vor die Beine von Bright Edomwonyi, dieser machte dann alles richtig und setzte den Ball entschlossen zum Führungstor in die Maschen.

Und Sturm hörte nicht auf, erspielte sich weiterhin Chancen – Liebenau stand Kopf und war „wie benommen“. Sturms Aggressivität bekam auch der Rieder Thomas Reifeltshammer zu spüren. Im Eifer des Gefechts kam Edomwonyi zu spät und traf den Abwehrchef nach dessen Abspiel am Knöchel. Hier hätte man durchaus Gelb zeigen können. Die Innviertler wirkten nach dem Gegentreffer verunsichert, kamen in der gegnerischen Hälfte kaum noch zum Ball und wurden einfach zurückgedrängt. Spätestens in Sturms defensivem Mittelfeld war meist Endstation. Als man auch noch erfuhr, dass in Wien Rapid gegen Altach hinten lag, gab es einen erneuten Freudenschrei im Stadion. Ein wunderschöner langer Ball von Lukas Spendlhofer über das gesamte Spielfeld erreichte am gegenüberliegenden Strafraum Stefan Hierländer, dieser versuchte mit einem Heber die Führung auszubauen, der Ball landete an der Latte und es gab Freistoß für die Gäste. Der Grund: Bei der Ballannahme war der Oberarm dabei. Die nächste Chance auf den Zweitorevorsprung hatte Edomwonyi in Minute 39, sein Kopfball nach einer Ecke konnte gerade noch auf der Linie geklärt werden. James Jeggo sah kurz vor der Pause den gelben Karton, nachdem er seine Kritik an Schiedsrichter Robert Schörgenhofer mit einer unklugen Geste Kraft verlieh. Wenig später ging es für die beide Teams in die Kabinen, Sturm in Hälfte eins mit einer guten Leistung, Ried jedoch gegen Ende der Halbzeit jedoch wieder mit etwas mehr Zug zum Tor.

Dreckiger Sieg

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(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Kurz nach Wiederanpfiff Aufregung im Grazer Strafraum: Dieter Elsneg und die restlichen 9 Rieder Feldspieler forderten Elfmeter, nachdem der Steirer im Strafraum nicht zum Abschluss kam. Elsneg will davor ein Foulspiel gesehen haben, zurecht, nachdem ihn Schulz von hinten am Knöchel traf. Doch Schiedsrichter Schörgenhofer gab keinen Strafstoß und bestrafte Elsneg für seine lautstarke Kritik auch noch mit der gelben Karte. Danach passierte wenig Relevantes, Ried wieder besser im Spiel als in Hälfte eins und Sturm offensiv mit weniger Durchschlagskraft. In Minute 70 der erste Wechsel auf Seiten der Schwoazen. Der Torschütze Bright Edomwonyi verließ das Spielfeld und wurde von Philipp Zulechner, der sein Debüt für die Blackys feierte, ersetzt. Seine erste Aktion hatte der Debütant in Minute 75 als er vergebens versuchte den „Torschützen vom Dienst“ Deni Alar in Szene zu setzten. Alar, in diesem Spiel eher unauffällig, konnte den Ball nicht erreichen. Es war nicht sein Spiel, in den Angriffen wirkte er meist zu langsam und behäbig. Besser machte es Zulechner zwei Minuten später: Sein erster Schuss aufs Tor des Gegners ging nur knapp vorbei. Chance Nummer zwei für den Neuzugang gab es in Minute 88, sein Schuss erneut in etwa gleich weit am Gehäuse vorbei. Auch Sandi Lovric bekam seinen ersten Einsatz in der höchsten Spielklasse in der laufenden Saison. Rund 90 Sekunden vor Spielende ersetzte er den stark kämpfenden Uros Matic. Der serbisch-mazedonische Doppelstaatsbürger und Mittelfeldmotor ist kaum noch aus der Mannschaft wegzudenken. In Halbzeit eins konnte Sturm zeigen, warum man verdientermaßen die Tabelle anführt, Halbzeit zwei war mehr Kampf und Krampf. Auch weil der Gegner nach Wiederanpfiff besser ins Spiel fand, jedoch außer dem nicht gegebenen Elfmeter auch kaum konkrete Chancen vorfand. Diese „dreckigen“ Siege sind extrem wichtig und vor allem im Vergleich zur letzten Saison ein Novum. Und unverdient waren die drei Punkte aufgrund der guten ersten Hälfte auch nicht. Nach den beiden Unentschieden der Salzburger sowie der Rapidler gegen Altach konnten die Schwarz-Weißen die Tabellenführung erneut ausbauen, liegen nun schon 8 Punkte vor dem ersten Verfolger aus Vorarlberg, 9 Punkte vor Serienmeister Salzburg und sage und schreibe 11 Punkte vor Rapid. Rechnung beglichen, Tabellenführung ausgebaut, mission accomplished!

Spieldaten

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2016-10-15_sk-sturm-graz-sv-ried-aufstellungen

Stimmen zum Spiel

Deni Alar

…zum Spielverlauf

…über das „Zittern“ gegen Ende

Lukas Spendlhofer

…über seine eigene Leistung

…über den Spielverlauf resümierend

…zum aktuellen Tabellenstand

James Jeggo

…über seine Rückkehr vom Nationalteam

…im Rückblick über die 90 Minuten

Philipp Zulechner

…über seine Leistung beim Debut

…versucht sich als Spielberichterstatter

Fabian Koch

…wirft einen Blick zurück

Franco Foda

…bei der Pressekonferenz mit einer Bilanz über das Spiel und über den Gegner

…über den Status als Tabellenführer

…über etwaiges Meistergerede

…über das Schwächeln der anderen großen Vereine

…über die Leistung von Edomwonyi und Zulechner

Dieter Elsneg

…zur Schiedsrichterleistung und den nicht gegebenen Elfmeter

Thomas Reifeltshammer

…über die Leistung der Rieder

Peter Zulj

…über die Mängel im Rieder Spiel und die Standards

 

Galerie

 

10 Kommentare

  1. Jimmy sagt:

    Find gar nicht, dass der Sieg jetzt so dreckig war. Auf der einen Seite waren wir vor allem in der 1.HZ die klar bessere Mannschaft (und dann auch über das ganze Spiel gesehen), auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass diese Rieder zuletzt einen Lauf hatten und Rapid mit 4:2 heimgeschossen haben – das ist aktuell alles andere als ein Jausengegner. Zusätzlich haben wir uns spielerisch im Vergleich zu den letzten beiden Partien wieder klar gesteigert, vor allem in der ersten Hälfte lief das teils schon wieder richtig gut. Gratzei hatte im Prinzip nichts zu tun, kein einziger Schuss war aufs Tor, wir haben fast alles frühzeitig im Keim erstickt und Elfer hätts auf beiden Seiten jeweils einen geben müssen.

    Verdienter Sieg und Spitze ausgebaut – ein Wahnsinn aktuell. 🙂

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  2. Arch Stanton sagt:

    In der ersten Halbzeit konnte ich mich gar nicht standesgemäß betrinken, weil die schönen Kombinationen meiner ganzen Aufmerksamkeit bedurften!

    5+

  3. Ich finds echt Schade das die Kurve stumm bleibt wenn es um Franco Foda geht. Mir gehts echt nicht ein was er getan hat, sodass man nicht auch Ihn feiern lässt. Es wird immer nur die Mannschaft gefeiert (e logisch weil die rackern ja auch) oder über Kreissl gut geredet.

    Aber letzendlich ist es doch ein Team und zu dem gehören alle. Angefangen vom Zeugwart bis zum Präsidenten.

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    • peter1909 sagt:

      sind in der Vergangenheit zuviele mauern zerbrösselt des dauert…

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    • mauer mauer sagt:

      Wer is zerbröselt?

      1+

    • MadMax sagt:

      @peter1909
      Das ist Kindergarten-Gehabe, sonst Garnichts. Mauern hin oder her. Ich bin auch kein Foda-Fanatiker, erkenne aber sehr wohl an, dass auch er einen Anteil an dieser Serie hat. Vermeintlich erwachsene Menschen sollten auch mal über den Schatten springen können.

      Und ganz ehrlich: Wenn ich mir zu Zeit die restlichen Übungsleiter der „Großen“ in der Liga ansehe, dann können wir aktuell eher froh sein und hoffen, dass ein Büskens, Fink und auch der werte Herr Garcia, der aktuell offen von den bösen Schiris jammert, noch lange Trainer sind.

      1+

  4. wama sagt:

    für mich wars auch kein dreckiger sieg, sondern ein letztlich verdienter, weil man den sieg eindeutig mehr wollte, viel dafür tat, offensiv wie defensiv. ried konnte eigentlich nur über standards kommen, sturm war offensiv stets gefährlich.

    dazu tolle laufarbeit des ganzen teams, dabei noch herausragend jeggo und matic, der auch einige spielerische highlights hatte.

    der elfer an spendi war genauso klar zu geben, er wurde vom besten rieder zulj einfach und ohne chance auf den ball weggeräumt, wie der an elsnegg, der zwar geschickt, aber doch von schulz von hinten gefoult wurde.

    so wie sturm derzeit spielt eine mannschaft mit selbstvertrauen – sehr abgebrüht, ballsicher, mit zug aufs tor, defensiv souverän.

    wenn dann auch die konkurrenz nicht mehr aufhört zu schwächeln solls uns recht sein – zumindest mal der winterkönig(nach 20 runden)sollte uns nicht mehr zu nehmen sein.

    bleiben wir so fokussiert auf unser eigenes spiel, haben kein echtes verletzungspech und läßt uns auch das glück weiterhin nicht massiv im stich, wirds wohl noch eine zeitlang so weitergehen und unser vorsprung fürs frühjahr wird nicht viel kleiner werden. ja und dann wirds „interessant“ für unsere konkurrenz, dann wirds eng für die.

    zumal ein horvath uns bald wieder unausrechenbarer machen wird und auch ein zulechner ein nicht gerade übler kicker zu sein scheint…

     

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  5. Ennstaler sagt:

    Bin schon neugierig auf die Noten für Philipp Zulechner. In fast 25 Minuten kann man schon einiges sehen.
    Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen Sturms Tore allein von den Launen von Marco Djuricin abhängig waren. Für den war ja das Ansinnen, den Ball vor dem Tor zum besser positionierten Mitspieler zu spielen ja fast schon eine Maiestätsbeleidigung.

     

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    • MadMax sagt:

      Und dennoch: Man stelle sich einen Sturm mit Alar, Djuricin und Edo vor….. Karamba.

      Wobei, Alar, Edo und Zulechner, das geht auch. Kienast sehe ich nur noch als „Notlösung“.

      Schade um Djuricin. Aber dessen Karriere muss wirklich am Sand sein. Und soll mit jetzt bitte keiner mit „na Ferencvaros ist doch eh“ ankommen. Wer von Salzburg, via Brentford am Ende in Ungarn landet hat „keine“ Karriere gemacht, höchstens gutes Geld verdient (wenn ihm das genügt, dann ok).

      Im Grunde hat Djuricin eigentlich nur bei Sturm so richtig funktioniert.

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  6. MadMax sagt:

    Zum Spiel selbst: HZ 1 war mitunter das Beste, was man in dieser Saison bis dato gesehen hat. Einzig die Chancenverwertung war dieses Mal ein wenig unzureichend.

    HZ 2 war, leider, aus meiner Sicht wieder zu wenig bzw. hat man einen toten Gegner wie Ried künstlich am Leben gehalten.

    Auch wenn es vielleicht das „Haar in der Suppe“ ist, aber aktuell schaffen wir es nach wie vor nicht über 90 Minuten eine Konstanz reinzubringen. Aktuell werden die Spiele gewonnen (auch mit Glück, so ehrlich muss man sein), aber das Pendel kann schnell auch mal in die andere Richtung ausschlagen.

    Wenn es uns also gelingt, unser Spiel und System über 90 Minuten zu „halten“, ja, dann ist Vieles möglich. Zuweilen heißt es am Boden bleiben und weiterentwickeln.

    Zum klaren Elfer für Ried ist Alles gesagt: Für mich, auch als Sturm-Fan, ein Wahnsinn, wie man das nicht sehen kann bzw. auch noch Gelb für Elsneg (wegen Schwalbe??) gibt. Natürlich war auch das Foul an Spendlhofer mehr oder weniger klar, aber dennoch.

    Wird Zeit, dass wir uns wirklich der Frage nach den „Profischiris“ richten. Fehler passieren immer, keine Frage, aber in dieser Form, dass ist schon eklatant. Und das quer durch alle Stadien.

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