Oh Captain (Nr.2) – my Captain (Nr. 2)

Eine Hommage an die Beständigkeit

Eines vorweg: Bei den nachstehenden Zeilen handelt es sich um einen Meinungsartikel. Diese Textsorte – ja, es gibt sie – stellt nicht den Anspruch, objektiv zu sein. Oder neutral. Auch ein Aufzeigen der einzig wahren Wahrheit liegt ihr völlig fern, denn sie weiß, dass es niemals nur eine einzig gültige Wahrheit geben kann, sondern dass diese immer eine Frage des Sehpunktes ist, von welchem aus man die Dinge betrachtet. Und dieser ist nun mal subjektiv.

Warum das an dieser Stelle vorab klargestellt wird? Weil wir in einer Zeit leben, in der alles, was in Print- beziehungsweise auf Onlinemedien-Portalen publiziert wird, von der gemeinen Leserschaft am Ende in der selben Schublade landet. Es wird nicht mehr hinterfragt, was man soeben geistig konsumiert hat. Ein von einem Bürgermeister in Auftrag gegebener, bezahlter und einseitig geschilderter PR (=Werbe)-Artikel in Form einer Doppelseite inmitten einer Gratiszeitung wird nach dem Lesen vollkommen gleich kategorisiert, wie ein tage- und nächtelang durchrecherchierter sowie pro- und kontra-abwägender Artikel in einer Qualitätszeitung, der sich die einstigen Ansprüche des von den damaligen Aufklärern ins Leben gerufenen deutschen Journalismus zu Herzen nimmt und eine Vielfalt an Meinungen in den Köpfen der Individuen zulassen will. Es fehlt an Verständnis und Unterscheidungsgabe genau dafür. Aber alles scheißegal, in Zeiten wie diesen.. 

Was am Ende dabei rauskommt, sind beispielsweise auf diesem Prinzip basierende und allein deshalb schon schwer hinterfragungswürdige Wahl- und Umfrageergebnisse, heroisch gezüchtete Männer und Frauen der Öffentlichkeit, deren Kritikern man nur noch hochemotionalisiert begegnen kann, wenn man einst mal zu deren „Fan“ (sic.) geworden ist, oder – um (endlich) in die fußballerische Bahn zu finden – angepisste Sportdirektoren und sonstige Vereinsfunktionäre sowie ein in Fußballvereinen viel zu hohes Energiepotenzial, das für die Schulung eines medien-professionellen Auftretens der einzelnen Akteure verschleudert wird, anstatt für neue Ideen und Innovationen den sportlichen Bereich betreffend. Und wenn`s ganz blöd hergeht, sitzt auch noch ein gelernter PR-Profi in der sportlichen Spitze eines Fußballvereins (noch sic.-er).

Die öffentliche Meinung geht zwar Hand in Hand mit der veröffentlichten Meinung, ist mit ihr aber unter keinen Umständen gleichzusetzen. Genau mit diesem Hintergrundwissen sollten die folgenden Zeilen zum Thema einer bevorstehenden Vertragsverlängerung beim SK Sturm verstanden werden. Die Rede ist von Lukas Spendlhofer.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Es war im Juli 2014, als der SK Sturm ein einjähriges Leih-Engagement von Spendlhofer verlautbaren ließ. Und da horchten wir alle einmal kurz auf, denn der Verein, bei dem der gebürtige Niederösterreicher zu dieser Zeit noch unter Vertrag stand, war niemand geringerer als das große Inter Mailand – vier Jahre zuvor noch Gewinner der Champions League. Man wusste das Ganze damals auch nicht so recht einzuordnen. Eine Leihe … Keine Identifikation … Selbsternannter Wahlitaliener aus Leidenschaft … Zeigt er Leistung, ist er wieder weg … Was will der bei Sturm bzw. was will Sturm selbst mit ihm? – so zirka war der allgemeine Tenor rund um diesen Transfer. Doch am Ende kam es anders.

Denn der Niederösterreicher zeigte Leistung und dennoch war in der laufenden Spielzeit 2014/15 bereits abschätzbar: Sturm Graz und Lukas Spendlhofer – das passt wie die Faust aufs Aug`! Der Spendlhofer is ein Schwoazer! Die Grazer schickten inmitten dieser Saison Trainer Darko Milanic nach Leeds, holten Franco Foda zurück an die Mur, beendeten die Spielzeit sportlich bescheiden als Vierter (hinter Altach) und trotz allem – Spendlhofer unterschrieb noch in der laufenden Saison einen Vier-Jahres-Vertrag(!). Ein absolutes Bekenntnis zu Sturm Graz des damals erst 21-Jährigen, das am 16.5.2015 (in der 33. Runde beim Auswärtsspiel in Wolfsberg, Anm.) auch groß und deutlich von der Nordkurve als solches quittiert wurde. Auf dem riesigen Spruchband stand dort mit Ausrufezeichen: „Lukas, Hut ab für dein Bekenntnis zum Verein, mögen es erfolgreiche Zeiten sein!“

© Martin Hirtenfellner Fotografie

In den darauffolgenden Jahren etablierte er sich vollends bei Sturm Graz, zeigt Einsatz, Leidenschaft und es wurde immer mehr ersichtlich, dass da kein „Ich-spiel-jetzt-bei-Sturm-und-klopf-mir-gleich-mal-schön-auswendigg`lernt-aufs-Logo-überm-Herzen“-Typ geholt wurde, wie dies in etwa 90% der Fälle in den letzten Jahren die Regel und meist absolut gehaltlos war. Nein. Spendlhofer strahlt ehrliche Nähe zum Verein aus. Egal, ob in diversen Interviews (in der Sendung „Dein Verein“ auf Sky entschied er sich im Word-Rap zwischen „Ausstiegsklausel“ und „Pensionsvertrag“ wie aus der Pistole geschossen für den Pensionsvertrag – keinem anderen Kicker hätte der Autor dieser Zeilen diese Antwort abgekauft), in denen er Dinge oft wirklich so anspricht, wie sie sind und auch nie zu müde wirkt, sich selbstkritisch zu beurteilen; oder am Platz, auf dem er stets mit wehenden Fahnen vorausmarschiert, auf dem man bislang sehr gut beobachten konnte, wie sich Spieler direkt neben ihm (egal ob alt oder jung und egal, ob sie Avlonitis, Maresic oder Madl heißen oder hießen) hervorragend entwickeln konnten. Ja, auch am Platz, auf dem er weiters nach seiner gebrochenen Hand bzw. auch Nase im letzten Auswärtsspiel bei Red Bull, das er dennoch über die vollen 90 Minuten bestritt und auch die Woche darauf beim 1:0-Sieg gegen die Austria mit Gips, ebenso über die volle Spielzeit einer der besten Akteure am Feld war.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Lukas Spendlhofer ist im aktuellen Kader wohl die stärkste Identifikationsfigur aller dort ansässigen Akteure – ohne dabei auch nur irgendjemanden diskreditieren zu wollen. Und wenn uns (vor allem die jüngste) Vergangenheit eines gelehrt hat, dann wohl die Tatsache, dass es im modernen Fußball, mit all seinen grauslichen Facetten, für sowas wie Romantik so gut wie keinen Platz mehr gibt. Dass ein Kapitän nach einer unglaublich erfolgreichen Saison mit Sturm zwei Wochen vor dem großen Highlight (Ajax Amsterdam, Anm.) einem billigen Ruf aus Hütteldorf nicht widerstehen konnte, sich etlichen anderen Leistungsträgern anschließt und den Verein für ein wenig mehr Taschengeld in die sportliche Wertlosigkeit verlässt, stellt als Tatsache nur eines der unzähligen treffenden Beispiele für den widerwärtigen il calcio moderno dar.

Spendlhofer hingegen ist und war immer eine Konstante in diesem Verein, dessen vorhin angesprochener Vier-Jahres-Vertrag von einst mit Saisonende allerdings ausläuft. Es hapert bislang noch am Finanziellen, so hört man. Aus Insiderwissen geht allerdings ebenso hervor, dass er eigentlich gar nicht zwanghaft wechseln will. Ja eigentlich sogar im Gegenteil, der würde schon gerne bei Sturm bleiben – lässt sich vernehmen. Man weiß auch, dass er gerade Vater geworden ist und dass es der gesamten Familie Spendlhofer nach wie vor sehr gut in Graz gefällt (wen wundert`s auch?). Und man glaubt auch zu meinen, dass seine Gehaltsvorstellungen – als Kenner der Möglichkeiten dieses Vereins – keine zu utopischen sein können, schließlich weiß er ja, worum es hier geht. Ich persönlich bin mir aus den unterschiedlichsten Gründen jedenfalls nicht sicher, ob sich ein Verein wie Sturm ein Dasein ohne solcher Identitätsstifter leisten kann.

Aus diesen etlichen nun angeführten Gründen folgt ein Appell an den Spieler, an den ehrlich geschätzten Sportchef Günter Kreissl, an die Wirtschaftsabteilung, das Präsidium und an all jene, die da ein Wörtchen mitzureden haben und bevor es zu irgendwann zu spät sein wird: Lukas Spendlhofer und Sturm Graz – verlängert miteinander!

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12 Kommentare

  1. Patrik sagt:

    Bin auch eurer Meinung

     

    Um einen alten Spruch zu zitieren:

    NO Spendi NO Party

     

    Bitte Günter nimm das Geld in die Hand und bitte Spendi verlängere denn ich glaube spendi und Sturm das passt einfach!

     

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  2. Grazer Fussballwunder sagt:

    Schöner Artikel- kann man so stehen lassen.

    Finde auch dass Spendlhofer gut zu Sturm passt- und das nicht nur am Platz. Dank so mancher Beiträge der „Spendi-Cam“ kann man auch als Außenstehender erahnen, wie wichtig Spendelhofer als integrierender Baustein unserer Mannschaft für junge wie auch neue Spieler ist.

     

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  3. goodoldtimes sagt:

    Ihr bringt auf ehrenamtlicher Basis mehr Niveau in den Sport-Journalismus als „professionelle“ Portale wie Laola und SPOX. Hut ab!

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  4. wama sagt:

    Herzlichen Dank für diesen extrem sympathischen Beitrag!

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  5. CrazyBusiness sagt:

    .

     

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

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  6. schmitzi82 sagt:

    Spendi ist einer von Uns , ich hoffe und Wünsche es Für STURM das Er auf sein Schwoazes Herz hört und VERLÄNGERT!!!!

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  7. Bozo Bazooka sagt:

    Die letzten Sturmabgänger haben eigentlich alle einen sportlichen Abstieg in Kauf genommen. Da würde ich mir, sofern es bei Sturm passen sollte, einen Wechsel überlegen. Gerade auch, wenn mir jemand einen so schönen, pathetisch-romantischen Artikel spendiert 😉 Schön!

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  8. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    Gü sei spendabel und spendiere spendi einen vertrag

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  9. mauer mauer sagt:

    Spendlhofer würd ja eh gerne bleiben, nur sollte sich der werte Herr Kreissl auch mal überlegen, ob er nicht zu geringschätzend in die Verhandlungen gegangen ist…

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  10. Fanatiker sagt:

    Spendi ist einiger der wenigen, die sich mit Sturm identifizieren. Solche Spieler sind in der heutigen Zeit schon rar gesäht.

    Also bitte um Verlängerung Hr. Kreissl!!!

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