Offensive Ideenlosigkeit

Lange Bälle und desaströse Fehlpässe

Wer in den letzten Wochen und Monaten den SK Sturm verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass das Team von Nestor El Maestro vor allem im Spiel nach vorne seine Probleme hat. Der Herbst und nun auch die ersten Spiele im Frühjahr waren größtenteils von offensiver Plan- und Ideenlosigkeit geprägt. Lange Bälle und teils erschreckend hohe Fehlpassquoten – im Spiel gegen die Admira kam fast jeder dritte Pass nicht an – zeichnen das Spiel des SK Sturm momentan aus. Spiele, wie zuletzt gegen die Austria, in denen man zumindest phasenweise annehmbaren Offensivfußball bot, waren in den letzten Monaten leider Mangelware. Zudem hinterließen auch einige Personalentscheidungen des Trainers mächtig viele Fragenzeichen in den Köpfen der Fans.

Schwindlig gespielt vom SVM

Frühjahrsauftakt gegen Mattersburg, perfektes Fußballwetter und trotz eines nicht allzu überragenden Herbstes gute Stimmung auf den Rängen. Eigentlich war alles angerichtet, um die Burgenländer aus dem Stadion zu schießen und einen ersten Schritt Richtung Platz drei zu machen. Doch anstatt von Beginn an den Ton anzugeben, überließ man dem SVM das Spielgeschehen. Teilweise hatte man auf der Tribüne das Gefühl, dass Sturm nicht gegen eine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte spielte, sondern gegen eine europäische Weltauswahl. Zugegeben: Auch die Truppe rund um Ex-Blacky Andreas Gruber hat sich in den letzten Jahren spielerisch gesteigert. Dennoch darf man sich als Team, welches den dritten Platz als Saisonziel hat, nicht im eigenen Stadion vom SV Mattersburg vorführen lassen. Die in diesem Spiel gesperrt nicht mit an Bord gewesenen Spieler als Ausrede zu verwenden und die Niederlage mit der Unerfahrenheit von Tobias Koch und Vincent Trummer zu begründen, wäre peinlich. Immerhin standen noch neun gestandene Profis mit den beiden Nachwuchsspielern gemeinsam am Platz. Peinlich und für Unverständnis sorgend war auch die Wechselpolitik des Trainers in diesem Spiel: Den jungen Koch bei seinem Debüt bereits nach 26. Minuten runter zu nehmen, obwohl dieser sicher keine schlechtere Figur als der erfahrene Leitgeb abgab. Nach 60. Minuten und einem immer noch 0:2-Rückstand Stürmer für Stürmer zu tauschen und nicht zusätzlich neben Bekim Balaj eine zweite Spitze zu bringen. Als Nestor El Maestro in der 83. Minute als krönenden Abschluss Linksverteidiger für Linksverteidiger tauschte, machte sich im Grazer Publikum endgültig Fassungslosigkeit breit. Warum man in diesem Spiel nicht dem jungen Dardan Shabanhaxhaj eine Chance gab, sich zu beweisen und mit seiner wohl vorhandenen Unbekümmertheit nochmal für Gefahr im Mattersburg-Strafraum zu sorgen, wird wohl auch für immer das Geheimnis des Trainers bleiben.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Lange Bälle als Allheilmittel

Ob daheim oder auswärts, egal gegen welchen Gegner und unabhängig von der eigenen taktischen Ausrichtung: Lange Bälle waren meist die Lösung für alles – egal ob der 1.88 große Bekim Balaj stürmte oder Philipp Hupek und Thorsten Röcher in der vordersten Reihe agierten. Abgesehen davon, dass dieser Kick-and-Rush-Fußball für Fans und Zuseher absolut unattraktiv ist, bringt er, wie die letzten Wochen zeigten, auch zumeist keinen Erfolg. Warum es mit technisch begabten Fußballern wie Juan Dominguez oder Otar Kitesihvili und schnellen, dribbelstarken Spieler wie Röcher oder Huspek nicht funktioniert, ein gepflegtes Aufbauspiel aufzuziehen, ist vielen Fans schleierhaft. Ob die Mannschaft es einfach nicht schafft, das zu spielen, was der Trainer vorgibt und es deshalb immer zu den planlosen langen Bällen kommt oder ob es tatsächlich der Plan des Trainers ist, so zu spielen, ist die Frage, die sich viele Fans in Graz gerade stellen. Egal was die Antwort darauf sein mag, fest steht, dass man langfristig mit dieser Art Fußball zu spielen keinen Erfolg haben wird und man auch die Fans aus dem Stadion vergrault. Nicht einmal 10.000 Zuseher fanden vergangenen Sonntag den Weg ins Stadion gegen die Austria. Bedenkt man, dass die Spiele gegen die beiden Wiener Vereine zu den Saisonhighlights der Fans zählen und man um den dritten Platz spielt, sollte diese Zahl den Verantwortlichen bei Sturm zu denken geben.

Die Unbekümmertheit der Jungen nutzen

Sturm ist ein Verein, der sich seit Jahren damit rühmt, jungen Kickern eine Chance zu geben. Jetzt wäre es an der Zeit, dies auch einmal wieder zu beweisen und nicht nur dann die Jungen einzusetzen, wenn Not am Mann ist. Die Zeiten, in denen der damals junge Daniel Beichler oder auch ein Florian Kainz für den SK Sturm auf Torjagd gingen, sind lange vorbei. Spieler wie diese, die mit ihrer offensiven Spiellust beim schwarzen-weißen Anhang für Freude sorgten, fehlen dem SK Sturm aktuell. Gerade jetzt, wo das Offensivspiel der Blackys so ideen- und alternativlos ist wie selten zuvor, wünscht man sich zwei, drei junge Kicker, die vorne wieder einmal für Furore sorgen. Geben würde sie es ja, die Offensiv-Youngstars aus der eigenen Akademie: Shabanhaxhaj, Amoah, Krienzer und wie sie alle heißen. Dass ein Weg mit Akademiespielern funktionieren kann, zeigt der Gegner vom vergangenen Sonntag. Mit Wimmer, Fitz und Sarkaria kommen bei der Austria seit Herbst drei Nachwuchskicker regelmäßig zum Einsatz und sorgten gemeinsam bereits für insgesamt 15 Torbeteiligungen. Die von Christian Ilzer hineingeworfenen Nachwuchsspieler beleben mit ihrer Unbekümmertheit nicht nur das Offensivspiel der Veilchen, sondern sorgen auch wieder für mehr Begeisterung im violetten Publikum. Warum sollte Sturm nicht ähnliches probieren – genug junge, hungrige Talente hätte man. Und falls dieser Plan in Graz nicht aufgehen sollte, wäre man wenigstens dem eigenen Leitbild – das zumindest auf dem Papier existiert – treu geblieben.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

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9 Kommentare

  1. SM1982 sagt:

    Hoffentlich Liest das auch unser Super Präsident und Trainer EL Desastro !!!!!

    7+
  2. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    ich bin auch für die jungen und ich verteidige niemanden, weil sturm grösser ist als einzelne personen. habe gerade die überflieger salzburg gegen lask angeschaut. 98 min pressing, gestochere, fehlpässe, zweikämpfe und hohe pässe nach vorne als „entlastung“. um nix, aber schon gar nix schöner oder offensiver wie sturm. weil: so ist fussball in österreich.

    die lösung für sturm kenne ich auch. mit 9 jungen österreichern (davon 5 eigenbauspieler) und zwei tollen legionären offensiven direktpass fussball spielen. mindestens 2 tore pro spiel erzielen, 2 stürmer mit mind. 15 saisontoren, zu hause ungeschlagen und in der tabelle fix unter den ersten 3, wenn geht um die meisterschaft spielen und cupfinale erreichen. alles andere ist inakzeptabel.

    wie realistisch das ist muss jeder für sich überlegen

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    • Manuel Lampl sagt:

      Naja, die Salzburger haben schon angedrückt, also so schlecht würde ich das jetzt auch nicht schreiben!

      2+
    • Abo420 sagt:

      Noch vor nicht allzu langer Zeit war vieles davon noch realistisch und möglich. Seit dem Abgang von FF wurden diese Ansprüche jedoch Jahr für Jahr nach unten geschraubt, auch wenn viele das nicht hören wollen. Momentan zählen halt schöne Worte und leere Versprechungen mehr als Fakten am Platz.

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    • Marchanno Diaz Rabihou sagt:

      Die FF Doppel6 war noch grässlicher als die Kickerei unter Gilbert Gress

      2+
  3. Manuel Lampl sagt:

    Maestro gehört weg! Der möchte wohl nur gestandene Spieler und mit den jungen kann er wohl eher wenig anfangen! Spätestens nach den nächsten 5 Runden sind wir von ihm befreit, denn die haben es in sich!

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    • fauli fauli sagt:

      und du glaubst es kommt was besseres nach? san ma uns ehrlich, nächstes jahr werden wir wieder 5.
      WAC wird schwächeln, Austria wird wieder stärker

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  4. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Man darf daran erinnern ein gewisser Vogel hatte viele Ideen für die Offensive…da hats auch nicht gepasst. Ist schon ein bisschen paranoid wenn man nach Vogel einen Mählich (!) holt und dann die Mauerei beklagt. Diese Entscheidung wurde klar von der Führung getroffen den offensiven Fussball aufzugeben. Weder Mählich noch Maestro waren zuvor für schönen Fußball bekannt.

    Also bitte hörts auf mit der Jammerei. Der Jauk wird immer wieder einen Typ Mählich oder Maestro holen, da könnt ihr noch so viele Köpfe von Trainern fordern. Btw. ist Mählich im Cupfinale, Hosiner zerbombt D3…sind das Anzeichen dafür das es nur am Trainer liegt? Aber hey ich kann mich noch ans „als vierte Kraft etablieren“ erinnern. Hat ja auch gut geklappt, sind bestimmt die bösen Trainer Schuld.

    3+
    • goodoldtimes sagt:

      Jetzt hör doch auf ewig mit dem Vogel… Wenn er ein so extrem guter Trainer ist, wieso hat ihn Uerdingen dann gestanzt, und wieso hat er seither keinen neuen Verein gefunden? Ich bin ihm ja auch dankbar für den Cupsieg, aber öffne doch bitte deine Augen. Seine letzte Saison war untragbar und den vermeintlichen Aufwärtstrend in den letzten paar Spielen haben auch nur seine verblendedsten Verehrer gesehen.

      Ich sag auch nicht, dass seine Nachfolger ein Segen waren oder sind. Aber dem Vogel brauchst echt nicht nachheulen…

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