Nicht sollen sein es hat

Spielbericht: FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz

Der SK Sturm Graz ist Winterkönig! Daran kann auch der Ausgang der heutigen Partie nichts mehr ändern. Nachdem der LASK in der Samstagspartie gegen den amtierenden Meister den Bullenstall ausmisten konnte und einen Punkt aus der Mozartstadt entführt hat, gehen die Schwarz-Weißen mit Krönchen auf dem Haupt in die Winterpause. Sollten die Blackys gegen die schwächelnde Wiener Austria drei Punkte einfahren, hätte man gar vier Punkte Vorsprung auf die Salzburger und 47 Zähler am Konto. Zuletzt so viele nach 20 Runden waren es in der Saison 1997/1998 – am Ende wurde man überragend erstmalig Meister. Franco Foda, der vorerst zum letzten Mal als Chefcoach der Grazer an der Seitenlinie stehen wird, hat sich seinen Wunsch, den SK Sturm als Tabellenführer an Heiko Vogel zu übergeben, also bereits im Vorfeld dieser Partie erfüllt.

Der Deutsche und sein Team werden alles daran setzen, auch den Fans der Schwoazn ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk zu machen. Philipp Zulechner, der zuletzt gute Leistungen geliefert hat, muss zu Beginn der Partie auf der vermutlich nicht sehr warmen Bank im Happel-Oval schmoren. Ihm wird das Startelf-Comeback von Thorsten Röcher zum Verhängnis, den Foda auf der linken Außenbahn aufstellt. Es ist die einzige personelle Veränderung auf Seiten der Steirer, eine eingespielte Elf soll dafür sorgen, dass man sich mit fünf Siegen in Serie in die Winterpause verabschiedet. Fodas Pendant, Thorsten Fink, der ebenfalls mit dem Teamchef-Posten in Verbindung gebracht wurde, hat nach wie vor mit Personalsorgen zu kämpfen. Neben dem immer wieder mit Unsicherheiten auffallenden Mohammed Kadiri kommt der violette Grünschnabel Michael Blauensteiner in der Innenverteidigung zu seinem erst fünften Bundesligaeinsatz.

„Möge die Macht mit den Violetten sein“

Mit diesem Satz begrüßt der Stadionsprecher, unterlegt mit dem berühmten Soundtrack aus „Star Wars“, das rar erschienene Publikum vor Spielbeginn. Vor wenigen Tagen ist der achte Teil der weltberühmten Saga in die österreichischen Kinos gekommen. Die letzten Jedi scheinen sich aber momentan nicht bei der Austria zu befinden, nur eines der letzten neun Spiele in der Österreichischen Bundesliga konnte gewonnen werden. Mit einem 3:0-Heimsieg hat der SK Sturm in der elften Runde die Negativserie eingeleitet. Eingeleitet hat Raphael Holzhauser die erste gefährliche Aktion des Spiels, per Standard, wie sollte es anders sein. Jörg Siebenhandl ist nach einem Eckball aber gerade noch rechtzeitig vor dem heranrauschenden Kadiri zur Stelle. 20 Minuten passiert dann recht wenig, aus dem Nichts hat plötzlich Deni Alar nach idealer Röcher-Flanke aus kürzester Distanz die Chance zur Führung. Patrick Pentz fühlt jedoch die Macht und lässt die Kugel direkt in seine Arme fliegen.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Nach 30 Minuten ereignet sich die wohl bitterste Szene des Spiels – für Sturm Graz und Thorsten Röcher. Kevin Friesenbichler tritt mit offener Sohle auf das Standbein-Knie des Neunkirchners und sieht dafür nicht einmal Gelb. Nach längerer Behandlung geht es für den erst wieder fit gewordenen Flügelspieler nicht mehr weiter, für ihn kommt Zulechner in die Partie. Foda stellt vorerst nicht um, lässt die Nummer 11 auf der linken Außenbahn spielen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hat Stefan Hierländer mit einem Distanzschuss noch das Gefährlichste zu bieten, aber wieder zieht Pentz den Ball jedihaft an. Dann pfeift Manuel Schüttengruber, der die Partie nicht im Griff hat und oft zur gelben Karte greift, zum Pausenbier. Lässt man einen Fallrückzieherversuch von Christian Schoissengeyr außen vor, der ähnlich effizient war wie ein Sturmtruppler-Schuss, haben die spärlich besetzten Ränge eine relativ ereignisarme Halbzeit hinter sich. Das Bubble-Ball-Spiel in der Pause, bei dem alle zwei Sekunden ein Spieler von den Beinen geholt wird, hat fast mehr Spannung zu bieten. So hat James Jeggo im Übrigen wahrscheinlich Fußballspielen gelernt.

Die dunkle Bedrohung

Die zweite Hälfte sollte gleich zu Beginn schon mehr zu bieten haben. Wieder einmal ist es Deni Alar, der trifft – diesmal nur ins falsche Tor. Nach einem – richtig geraten – Holzhauser-Eckball bringt Siebenhandl den Ball nicht weg und Alar haut die Kugel unglücklich in die eigenen Maschen. Der Tabellenführer zeigt sich aber nicht geschockt, nur zwei Minuten später hat Fabian Koch die sofortige Ausgleichsmöglichkeit, seine wuchtige Volleyabnahme geht aber über den Kasten. Kurz darauf läuft Zulechner plötzlich alleine auf Pentz zu, der schlechte Abschluss kann vom jungen Keeper zur Ecke abgewehrt werden. Diese bringt Peter Zulj direkt auf den Kopf von Junior Schoissengeyr, doch der platziert den Ball über das Gehäuse. Franco Foda lässt nun offensiv sehr variabel spielen, oft lässt sich Alar hinter Zulechner zurückfallen und dieser macht die Solospitze. Sonst zieht Zulechner nach Rechtsaußen und bildet mit Alar und Marvin Potzmann eine offensive Dreierkette. Noch schaut nichts Zählbares dabei raus, auf der anderen Seite setzt Holzhauser einen Fernschuss neben das Tor.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Nach 70 Minuten erhöhen die Veilchen durch Felipe Pires beinahe, Siebenhandl bekommt beim Spitz des Offensivflitzers gerade noch die Hände hoch. Auch Friesenbichler hat wenig später eine Gelegenheit auf das 2:0, sein Drehschuss stellt Siebenhandl vor keine Probleme. 15 Minuten vor Ende hat Foda genug gesehen, nimmt Jeggo aus dem Spiel und bringt den quirligen Emeka Friday Eze. Doch wieder ist es die Austria mit der nächsten Möglichkeit, der eingewechselte Ibrahim Alhassan legt zurück für Pires, doch der schießt über das Gebälk. Eine Minute später probiert es Holzhauser akrobatisch und macht es weit besser als Schoissengeyr vor der Pause, doch auch dieser Ball geht über das Tor. Sturm rennt an, kommt jedoch nicht durch. Foda geht aufs Ganze, Oliver Filip anstelle von Dario Maresic ist sein vorerst letzter Wechsel als Sturm-Trainer. Doch auch das sollte nichts mehr am Ausgang der Partie ändern, Pires vergibt in der Nachspielzeit abermals eine höhere Führung für die Violetten.

Die Rache der violetten Sith

Am Ende des Jahres sollten es also „nur“ 44 Punkte sein. Es ist ein verdienter Sieg der Austria, die sich am dritten Adventsonntag endlich wieder einen Dreier sichern konnte. Damit hat die Elf rund um Thorsten Fink verhindert, zum dritten Mal hintereinander gegen die Grazer als Verlierer vom Platz zu gehen. Für die mitgereisten Fans des Winterkönigs ist das Ergebnis nur nebensächlich, sie feiern ihre eigene Mannschaft noch, da ist das restliche Stadion schon wieder leer. Für einen Sieg zum Abschied ist Franco Foda wohl nicht kitschig genug, vielleicht ist es aber auch ein Dämpfer zur rechten Zeit, um nicht übereuphorisch ins neue Jahr zu starten. Viele Minuten nach Spielende hallen Gert Steinbäckers „Steiermark“ und Franco Foda-Gesänge durch jenes Fußballoval, das in Zukunft das neue Zuhause von Foda sein wird. Die Mannschaft ist bereits in der Kabine, als der Deutsche unter Tränen einen letzten Gang zum Gästesektor beschreitet. Und wie heißt es im Krieg der Sterne so schön? Ich bin dein Foda? Bis heute war er das für Sturm Graz, ab Jänner für eine ganze Fußballnation.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

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12 Kommentare

  1. Ennstaler sagt:

    Es ist schon sehr merkwürdig, dass gegen Salzburg mit Huspek und gegen Austria mit Röcher ganz wichtige Spieler ausgefallen sind. Bei Röcher besteht der Verdacht, dass das böse Foul an ihm nicht zufällig kam …

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    • graz4ever sagt:

      Wie genau meinst du das?

      I find der Schiri sollt in die Schülerliga versetzt werden, weil was der alles net sieht (bzw sieht was net da is), is ja scho fahrlässig und darf sich mmg net Profi nennen..

      Allein das brutale Foul an Rocher..der sollt den Schiri eigentlich wegen Beihilfe zur Körperverletzung anzeigen..

      Das Anständige war echt die Entschuldigung beim Rocher persönlich.

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  2. graz4ever sagt:

    P.S.

    Danke Franko Foda für alles (Aufbau einer jungen Mannschaft im Konkurs, EL-Gruppenphase, CupSieg, Meisterschaft, Punkterekord und eine wunderbar geile Hinrunde)

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  3. glockgame sagt:

    War ja zu erwarten das man es heute verscheisst, die sturmtypischen Gründe:

    – Weihnachtsfeier schon vor dem letzten Spiel

    – fixer Winterkönig

    – Austria im totalen Formtief, letzter Sieg gefühlt vor 3 Monaten, also sturmtypische Tradition der Wiederbelebung eines Toten

    – man hätte Punktevorsprung auf Rapid halten und auf Salzburg und Austria ausbauen können

    – alle reden nur vom letzten Spiel für Foda

    Das Auftreten der Mannschaft heute bis auf auf 3 Minuten nach dem Eigentor eine Frechheit, einige hatten scheinbar noch eine Restfettn von der Weihnachtsfeier oder gestern schon den Winterkönig gefeiert! Sogar die St.Pöltner und Mattersburger gewinnen gegen die Austria, nur unsere schaffens nicht.

    In Altach oder anderen Partien hatte man immer das Gefühl da geht noch was, die Mannschaft will gewinnen, heute hatte ich dieses Gefühl nicht, nach diesem Deppeneigentor und den darauffolgenden stümperhaft vergebenen Chancen war klar, das wird nix mehr.

    Schade, man hatte die Chance, einen kleinen Vorsprung herausholen zu können, den die in den letzten Jahren zur Tradition verkommene Erfolglosigkeit im Frühjahr, egal unter welchem Trainer, wird, befürchte ich, auch 2018 wieder kommen. Hoffentlich nicht.

     

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    • Goe Goe sagt:

      Erfolgsverwöhnt? Kauf Dir ein dreckiges City-Trikot und lass Deine unqualifizierten Ansagen…

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    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Gegen so eine desolate Austria muss man gewinnen…kann den Ärger schon verstehen. Pentz hat gefühlt die meisten Ballkontakte bei den Violetten gehabt.

      Und streiten wir nicht über den 1. Platz…lieber darüber wie der Vogel ihn ab 4.1 verteidigen soll.

      PS: Und City als Beispiel heranzuziehen ist eher Mainstream…die haben im Gegensatz zum RB Kommerz zumindest auch eine Historie die bis ins späte 19. Jahrhundert reicht.

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  4. Ennstaler sagt:

    Hierländer und Jeggo gegen Mattersburg im Februar gesperrt, Grund genug für Heiko Vogel, sich neue Varianten für das Mittelfeld (letzte Chance für Ovenstad? Filip und Lovric forcieren?) zu überlegen.

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    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Hoffentlich wird auch Eze forciert…Zulechner mag sich immer Mühe geben aber der verstolpert einfach Bälle und vergibt Chancen die jeder in der Schülerliga machen würde. Aber glaube Vogel wird da einen guten Job machen.

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  5. Jimmy sagt:

    Röcher ist übrigens nach dem Spiel mit zwei Betreuern und einem dick einbandagiertem Knie zum Parkplatz vor dem Happel-Stadion gehumpelt. Eventuell zur Abklärung ins Krankenhaus? Wisst ihr da genaueres? Es ist mir immer noch unerklärlich, wie das nicht einmal gelb sein kann…

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  6. Maldini sagt:

    Diesmal tue ich mir mit dem Spielbericht ziemlich schwer: Wüsste zum einen nicht, wann Zulechner zuletzt gute Spiele gemacht haben soll, und zum anderen finde ich es schräg, wenn bei der Beschreibung des Gegentors der Vorwurf mitschwingt, Siebenhandl hätte das Tor verhindern können (einen scharf auf das kurze Eck angetragenen und noch dazu aus nächster Nähe (von Serbest?) abgelenkten Corner fängt kein Goalie der Welt!)…

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    • Christian Albrecht Christian Albrecht sagt:

      In den Augen des Autors – das sind die meinigen – hat Zulechner zuletzt durchaus gute Spiele abgeliefert, verglichen mit dem sonst Gebotenen von ihm. Gestern konnte man ja mehr als deutlich erkennen, was ein schlechtes Spiel von ihm ist.

      Zum zweiten Punkt: Das war kein Vorwurf, nur Fakt. Siebenhandl hat den Ball nicht weit genug vom Tor weggebracht, die Tatsache, dass das kein leicht zu entschärfender Ball war, ganz außen vorgelassen.

      3+

  7. Ennstaler sagt:

    Drei Tage nach dem Krampfspiel gegen die Austria kann man der Niederlage auch etwas Positives abgewinnen: der Anfang als neuer Trainer wird so für Heiko Vogel leichter, hat doch auch der in den letzten Wochen zum Wunderwuzzi hochstilisierte Trainer Foda wieder einmal gepatzt. Bin schon neugierig, wie sich Joachim Standfest, der im Herbst mit den Amas gute Arbeit gemacht hat, als Co macht. Wäre schön, wenn sich wieder ein Jungspund profilieren könnte.

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