Nächster Nackenschlag durch VdF-Umfrage

„Tabelle der anderen Art“ erstmals bei den Frauen

Erneut weist die „Tabelle der anderen Art“ des VdF, der Gewerkschaft der FussballerInnen, den SK Sturm im österreichischen Liga-Vergleich sehr schlecht aus. Diesmal wurde die Auswertung der Frauenbundesliga veröffentlicht – es war das erste Mal, dass eine derartige Erhebung bei den Frauen durchgeführt wurde.

Positiv zu bewerten ist, dass sich der österreichische Frauenfussball in immer größeren Schritten professionalisiert und solche Erhebungen nun endlich möglich sind. Negativ fällt aber leider das Abschneiden der SK Sturm Frauen aus. Neben wenig überraschend desaströsen Ratings in Sachen Infrastruktur und Ausrüstung, die durch das Trainingszentrum in Puntigam demnächst eine deutliche Verbesserung erfahren dürften, enttäuscht der SK Sturm erneut bei der Klarheit von Verträgen und der internen Kommunikation. In puncto Organisation von Reisen zu Auswärtsspielen und Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit fällt das Frauenteam gegenüber den Herren deutlich ab.

Die Tabelle der anderen Art wurde im Frühjahr 2026 erhoben. (c) VdF.at

Die Bewertung der Qualität ihres Arbeitgebers ist bei den Spielerinnen des SK Sturm generell um beinahe 20 Punkte niedriger als jene der Männer. Dies lässt einige Rückschlüsse auf Fragen der Gleichbehandlung bei Trainingsvoraussetzungen zu. Es wäre an der Zeit, Antworten auf diese Fragen zu finden – besonders für jene Verantwortlichen im Verein, die der Frauenabteilung zuarbeiten sollten.

Oft wurden bereits in der Vergangenheit von Ex-ÖFB-Frauen wie Viktoria Schnaderbeck oder Ex-Teamchefin Irene Fuhrmann in Interviews mit anderen Medien gleiche Trainings-Voraussetzungen gefordert, um auch ähnliche Leistungsniveaus erreichen zu können – der finanzielle Aspekt war da dezidiert ein kleineres Thema. Es ging um die Basics, die dieser Umfrage nach auch beim SK Sturm Graz nicht optimal sein dürften.

Auch die VdF-Umfrage bei den Frauen lässt Sturm in keinem guten Licht dastehen – Martin Hirtenfellner – Fotografie

Die Führungspersonen im Verein – allen voran Präsident Christian Jauk und Thomas Tebbich – wären gut beraten, dringend nachzujustieren und das Leitbild eines Vereins, der für alle (nicht nur für alle Männer!) da sein will, ernstzunehmen. Es ist schön, dass Susanne Gorny sich als einzige Frau im Vorstand sehr um das Frauenteam bemüht. Ganz ohne die vielen Männer im Verein wird es aber schwer für sie. Ein zügiges gemeinsames Anpacken und Handeln wäre dementsprechend ganz bestimmt im Sinne der vielzitierten „Sturm-Familie“.

Das Thema Gleichberechtigung ist dürfte für Thomas Tebbich und den SK Sturm noch ausbaufähig sein. (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Der sportlichen Leitung der Frauen wurde die Möglichkeit einer offiziellen Stellungnahme gegeben. Sobald diese eintrifft, wird der Beitrag ergänzt. Michael Erlitz betonte auf erste Nachfrage jedoch bereits, dass er die Umfrage und seine Spielerinnen ernst nehme und das Gespräch mit dem Team nach dem großen UEFA Europa Cup-Spiel in Liebenau suchen möchte.

10 Kommentare

  1. Schworza99 sagt:

    In dieser Debatte würde wohl Ehrlichkeit gut tun. Ja es ist eine Sauerei wie mit den Frauen umgegangen wird, dies ist aber nur möglich weils sich nur ein paar Promille der Fans überhaupt für die Damen interessieren.

    Man muss sich ehrlich eingestehen dass der Frauensektor im Verein nur ein Minusgeschäft sein kann. Hier wird kein Geld erwirtschaftet werden sofern kein Mäzen oder so um die Ecke kommt. Ich für meinen Teil bin bereit als Mitglied dieses Minusgeschäft einzugehen, da ich lieber ein defizitäres Top-Damen Team habe als einen Transfer mehr bei den Herren. Hier gehts halt um Respekt und Achtung vor dem schwachen (!) Geschlecht. Und im finanziellen, infrastrukturellen und Imagemäßigen Standing sind die Frauen im Verein einfach so zu bezeichnen. Hier muss in den Statuten was getan werden sonst ändert sich nie was.

    5-10% des Budgets in die Damen zu investieren wäre so eine Idee. Ich mein Infrastruktur ok da sind wir nur Beifahrer und im Stadion spielen wenn keiner kommt macht wenig Sinn…aber wennst es ned mal schaffst ordentlich die Ausrüstung als Verein zu stellen sollte man sich schämen.

    Auch wenn man hier klar den gesamten Verein in die Kritik nehmen kann, muss man auch die Frauen selbst ansprechen. 51% der Bevölkerung sind weiblich, daher kann man ned die Minderheit der Männer damit beauftragen den Frauenfußball zu retten. Viele Frauen sind auch bei den Männern und eine Doppelbelastung geht halt ned immer oder gar nicht wegen dem Geld, Zeit etc…
    Man müsste irgendwie es schaffen die Fußball Muffel des weiblichen Geschlechts zu den Damen Spielen zu bewegen…ehrlich gesagt keine Ahnung wie aber es ist nötig. Auf Dauer werden sich die jungen Mädchen auch was denken wenn die Hälfte ihrer 100 Fans überspitzt formuliert die alten weißen Männer sind.

    • Yannick Steinkellner sagt:

      Die ewige Huhn-Ei-Thematik, was zuerst geschehen muss: Investition und gleiche Bedingungen schaffen, oder warten, bis was passiert? Zweiteres scheint mir doch jahrzehntelang nicht funktioniert zu haben.

      Es ist keine Frage von stark oder schwach, keine Frage von Zuschauerzahlen (Wer schaut denn auf die Familie daheim, wenn die Männer am Fussballplatz zuschauen etc pp?), keine Frage von gleich viel Geld, sondern eine einfache moralische: Nimmt der SK Sturm als Verein Frauen gleich ernst wie Männer? Derzeit lautet die Antwort leider Nein und das ist peinlich.

    • Schworza99 sagt:

      Naja eine ökonomische Frage ist es schon. Gehst mit der ganzen Family ins Stadion bist einen Batzen los. Bei den Frauen kommts dir billiger ja aber das wird ja eher addiert…Fans die nur bei den Damen zusehen gehen müssen ob der jewiligen Zuschauerzahlen ja eher wenige sein.

      Eine Frage der Zeit kann man auch ned verneinen. Ich hab die Doppelspieltage in der Gruban immer gemocht. Sind die Spieltage ungünstig gelegen werden die meisten logischerweise die Männer bevorzugen, vor allem wenns sonst ned zeitlich machbar ist logistisch. Selbst bei der 2er waren die Ankickzeiten ein Thema. Hier könnte man schon was drehen müssen mMn.

      Und die Frauen im Verein würde ich schon als schwach bezeichnen. Nicht im körperlichen Sinne aber die Stellung von Ihnen im Verein ist irgendwo besser formuliert. Die Frauen-Spiele waren durchaus stimmig nur selbst die hat man nicht erhalten können. Es zeigt sich halt ganz klar dass das man die Frauen max. als Prestige-Projekt sieht (oder auch als Lizenzkriterium). Ich mein die anderen Vereine in der Liga reißen sich auch nix aus aber dort entsteht mehr. Altach brav für ihre Möglichkeiten, Austria auch irgendwie weils keine Marie haben aber wir sind von der klaren Nummer 2 irgendwie klar abgestiegen.
      Meine These: Weils halt vom Präsi abwärts bis zum einfachen Fan der Mehrheit wurscht ist. Mag zynisch klingen aber diese Unart ist auch irgendwie demokratisch legitimiert wenn die allermeisten schweigen oder einfach nix tun. Theoretisch kannst in einem Mitgliederverein dem Präsi und der sportlichen Führung hier die Daumenschrauben ansetzen. Nur dafür gibts halt keine Aussicht. Vtl. ein Thema für den nächsten Wahlkampf aber wenn nur der Jauk kandidiert auch wieder vorbei. Ich wüsste halt ned wie sich was ändern soll ohne einen Mitgliederentscheid oder ähnlichem. Von Haus aus passiert da nix.

      Als moralische Frage würd ich des gar ned framen, weil die 2er hat ja im Vergleich auch schlechte bis sogar schlechtere Infrastruktur und da kümmert sich auch keiner drum. Hier kann man wieder zynisch sagen…naja auf die 2er wird eh auch gesch….

      Am Ende kannst nur Jauk, dem Vorstand und den Fans die Schuld geben. Teppich ist im Verein um Geld zu machen und ned um es für Projekte einzusetzen die keines bringen. Die sportliche Führung der Damen kann auch nur mit dem arbeiten was man als Budget bekommt, Infrastruktur ebenso. Am Ende des Tages brauchst halt einen mutigen Präsidenten und Vorstand (tja) oder eine Faninitative. Beides ist ned in Sicht leider.

      Auch wenn mit Puntigam ein wichtiger infrastruktureller Baustein folgt…in einem Trainingszentrum zu spielen liegt mit zumindest im Magen. Selbst die 2er in Gleisdorf hätte irgendwo Charme wenn diese Mannschaft halt end egal wäre. Aber will ich die Frauen ernst nehmen kann ich am Ende des Tages auch ned in einem Trainingszentrum spielen. Aber da gibts sicher 100 Argumente dafür. Ich sag nur es ist ein Teufelskreis der die Frauensektion eher schrumpfen als wachsen lässt.

    • Yannick Steinkellner sagt:

      Es ist eine Grundsatzfrage, die sich jedes Sturm-Mitglied selbst stellen sollte: nehme ich Frauen als gleichberechtigte Menschen ernst oder nicht?

      Es ist vollkommen egal, wo die Teams spielen und was die ganzen anderen Männer- und Jugendteams machen und wie viele Zuschauer wohin zu welchen Bedingungen kommen. Wenn du den Frauenfussballerinnen nicht die gleichen Trainingsvoraussetzungen gibst wie den Männerfussballern, dann ist das unfair. Das sind die absoluten Basics der Gleichbehandlung.
      Und wenn man die Tabelle der anderen Art ansieht, dann ist der SK Sturm derzeit unfähig, diese Basics der Gleichbehandlung zu erfüllen.

    • icegue sagt:

      @Yannick Steinkellner:
      „Wenn du den Frauenfussballerinnen nicht die gleichen Trainingsvoraussetzungen gibst wie den Männerfussballern, dann ist das unfair.“

      Tut mir leid, aber da kann ich nicht mit. Man kann nur Gleiches mit (annähernd) Gleichem vergleichen. Und die 1er-Mannschaften der Männer und Frauen von Sturm sind in puncto Medienreichweite, Transfer-Umsätze, internationaler Wahrnehmung und einigem mehr eben nicht gleich.Das kann man gut oder schlecht finden, aber es ist Fakt. Insofern kann man unterschiedliche Trainingsbedingungen bei Männerm und Frauen auch nicht als „unfair“ bezeichnen. Nicht optimal, aber eben auch nicht unfair.

    • Yannick Steinkellner sagt:

      Das Schöne ist ja, dass wir das unterschiedlich sehen können, @icegue. Medienreichweite, Transferumsätze und internationale Wahrnehmung haben für mich nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Und wir sind da wieder beim Ausgangspunkt: was war zuerst da? Umsätze, Reichweite, Wahrnehmung oder doch ordentliche Trainingsbedingungen?

  2. GazzaII sagt:

    Im Endeffekt geht es bei den Finanzen im Sport um Interesse und daraus resultierende finanzielle Möglichkeiten.

    Ein Eisstocksportverein hat auch ein anderes Budget als der SK Sturm. Die Stocksportler/innen trainieren hart daher müsste das mit der Argumentationslinie auch ungerecht sein.

    Ist es vermutlich auch aber da bin ich dann zurück beim ersten Satz.

    Das ist jetzt aber nur ein Punkt warum mir persönlich wichtiger ist, dass der SK Sturm wenn sich die finanzielle Frage stellt, Kampfmannschaft, 2er und Nachwuchs vor die Frauenballmannschaft stellt.

    • Yannick Steinkellner sagt:

      Ich hab kein Problem damit, wenn Leute sagen, ihnen persönlich sind die Männer wichtiger als die Frauen. Das Problem ist, dass unser Verein sich etwas anderes ins Leitbild geschrieben hat. Das Leitbild wird immer nur dann „gelebt“, wenn es für die PR- & Marketing-Abteilung passt. Das ist mein Problem.

    • GazzaII sagt:

      Weiter oben ging es dir aber noch um Gleichberechtigung…

  3. RAM6I sagt:

    Also bitte, jetzt mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Frauenfußball hin oder her – also ob es jetzt einem gefällt oder nicht, davon mal abgesehen. Am Ende geht es im Profisport immer um das liebe Geld. Viele Investitionen, die aktuell in den Frauenfußball gesteckt werden, sind wirtschaftlich gesehen ein Minusgeschäft, das sich so schnell nicht rechnet. Besonders für einen österreichischen Klub ist das kein Körberlgeld, das man eben mal so ausgeben kann.

    Daher ist es wirtschaftlich oft eher ein langfristiges Herzensprojekt, eine Frauen-Abteilung zu führen, das vor allem nicht nur der Außendarstellung dient. Das kann sich ein österreichischer Klub kaum leisten, außer er hat ein Finanzgenie im Vorstand sitzen, das jegliche Ausgaben am Ende des Jahres wieder ausgleicht.

    Wenn in Puntigam bald das Trainingszentrum für den Jugend- und Damenfußball eröffnet, sind sie dort von der Infrastruktur her top ausgerüstet. Ich gehe davon aus, dass die Grundausstattung in Puntigam moderner sein wird als die derzeitige in Messendorf. Da fragt man sich natürlich, wie das im Verhältnis wirkt, obwohl die Männer sozusagen die Kassen füllen. Natürlich sollten alle – egal ob weiblich, männlich oder die Jugend – von einer hervorragenden Ausstattung des Klubs profitieren.

    Aber zu verlangen, dass noch mehr Geld in diesen Bereich fließt, obwohl nicht mal die Kampfmannschaft der Männer einfach so frei Budget zur Verfügung hat, ist aktuell weit weit weg von der Realität. Genauso wird eine Profi-Fußballerin auf absehbare Zeit nicht das Gleiche verdienen wie ein Profi-Fußballer. Warum? Weil der wirtschaftliche Marktwert dahinter einfach noch nicht gegeben ist – sei es bei der Vermarktung, dem allgemeinen Interesse oder den Gesamteinnahmen. (Oder ob er es jemals sein wird – verrät mir meine Kristallkugel auch nicht)

    Das Positive: Beide werden gleich schlecht behandelt im Klub, egal ob weiblich oder männlich – beide Umfragewerte für den Meister der letzten Jahre ein Witz und wie man sich aber nach Außen präsentiert. /Sarkasmus off

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