Nach Lust und Laune

Derzeit sind sie, wie eigentlich eh immer, wieder in aller Munde: die Schiedsrichterleistungen hierzulande. Heute geht es ausnahmsweise nicht um Sturm im Speziellen, sondern um die immer wieder für Aufregung sorgenden Entscheidungen der Unparteiischen im Allgemeinen. Einen speziellen Anlass gibt es dafür eigentlich nicht. Den braucht es auch gar nicht.

„Go fair or go home“

Ein Doppelhalter mit dieser Aufschrift ziert schon seit Jahren die Nordkurve. Womöglich wurde er seinerzeit sogar auch schon auf der Südseite gesichtet, der Autor weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. So oder so, warum dieses Utensil schon gefühlt seit jeher zum fixen Inventar unserer Kurve zählt, darüber braucht man wohl nicht lange zu lamentieren. Vor nicht allzu langer Zeit wurde an dieser Stelle die Behauptung in den Raum geworfen, das Gefühl nach ständiger Benachteiligung gehöre regelrecht zur Identität Sturms. Was den Autor gegenwärtig allerdings regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist der Umstand, dass überhaupt keine Linie in der Regelauslegung erkennbar ist. Klar ist, dass jeder Schiedsrichter seine Eigenarten pflegt. Der Eine lässt härter spielen, der Andere pfeift fast jeden Kontakt. Das liegt auch in der Natur der Sache und ist nicht weiter verwerflich. Gemeint sind hier vielmehr die stark variierenden, oftmals in keiner Weise nachvollziehbaren Entscheidungen innerhalb eines einzigen Spiels. Man betrachte die hektischen Szenen gegen Ende des vermeintlichen Spitzenspiels am vergangenen Sonntag: Miranda erhält für eine klare Tätlichkeit Gelb-Rot, Mario Sonnleiter bekommt hingegen gleich die glatt Rote. Lieber ein Beispiel mit Sturm-Bezug gefällig? Sky-Kommentator Charly Leitner warnte während der jüngsten Partie gegen Altach noch davor, dass Schiedsrichter Julian Weinberger eher kleinlich pfeift und zumeist schnell eine Karte zückt. So weit so gut. In einer nicht sonderlich hart oder unfair geführten Partie machte er von einer solchen dann auch sechs Mal Gebrauch. Als Uros Matic, den es generell überdurchschnittlich oft erwischt, direkt vor dessen Augen jedoch in der Vorwärtsbewegung von hinten, ohne Chance auf den Ball, „umgeschnitten“ wird, lässt er die Karte zur Verwunderung wohl aller in der Brusttasche stecken. Warum? Für weit weniger wurde der starke Schoissengeyr des Platzes verwiesen. Zwar war diese Entscheidung regeltechnisch nachvollziehbar, wenn auch durchaus hart, aber stets wird der Eindruck vermittelt, Österreichs Schiris bewerten Szenen eher nach Lust und Laune. 

Holzhacken erlaubt

Außerdem, und man denke in diesem Zusammenhang vielleicht an das letzte Match zuhause gegen Mattersburg, forcieren einige Teams einen überaus destruktiven Fußball, der offensiv ausgerichtete Vereine regelmäßig zur Verzweiflung bringt. Das mag zwar ein unschönes, aber legitimes Mittel für spielerisch schwächere Mannschaften sein, jedoch müssen auch Unparteiische erkennen, dass einer auf Zerstören ausgelegten Taktik Einhalt geboten werden muss – Stichwort Uros Matic. Dass dieser noch ohne Verletzung blieb, grenzt eigentlich an ein Wunder. Mit der einen oder anderen Gelben würde man so manch Spieler zwingen, etwas weniger rüde einzusteigen oder wenigstens vorzeitig Feierabend zu machen. Zudem könnte das zuweilen überhand nehmende „Holzhacken“ im Sinne der Fairness etwas gebremst werden. Doch das geschieht zumeist nicht. Lieber scheint ein Akteur einer hart spielenden Mannschaft gefühlte 34 Mal ermahnt zu werden, um womöglich dann eine Karte zu kassieren, wenn dieser längst nicht mehr auf dem Platz stehen dürfte. Ein anderer Spieler erhält hingegen beim ersten Foul die Gelbe. Das vielzitierte Fingerspitzengefühl sucht man prinzipiell vergeblich. Vergleicht man dies mit anderen, stärkeren Ligen, so wird klar, warum österreichische Schiedsrichter international wohl nie zuvor eine geringere Rolle spielten.

Defizite erkennen

Irren ist menschlich, Fehlentscheidungen passieren überall und all das gehört zum Fußball und macht ihn trotz vieler Ärgernisse sogar interessanter. Dennoch stellt sich unausweichlich die Frage, wie sich eine Ausbildung bzw. wie sich fortlaufende Schulungen hierzulande gestalten. Wohl kaum wird dort eine Empfehlung abgegeben, einfach nach Lust und Laune zu pfeifen. Warum es in der Praxis dennoch so kommt und man hier nicht gezielt entgegenwirkt, bleibt ein Rätsel und gibt den Zerstörern in den meisten Fällen weiterhin Auftrieb. Defizite müssen erkannt, beim Namen genannt und Mittel gefunden werden, um diese in weiterer Folge zu verhindern oder wenigstens abzuschwächen. In keiner Weise könnte man den Eindruck gewinnen, dies geschehe ohnehin. Anhänger aller Vereine werden sich also weiterhin in Kopfschütteln üben müssen, solange Lust und Laune schwerer wiegen als eine Regelauslegung, die auf tatsächliche Fairness und Unterbindung übertriebener Härte zielt.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

© Martin Hirtenfellner Fotografie

 

4 Kommentare

  1. graz4ever sagt:

    Kenne tatsächlich auf die schnelle eine Liga, in der die Schiris so in nachvollziehbar pfeifen wie hir..das einzig Faire der ‚Unparteiischen‘ und das einzig Konstante in ihren Leistungen ist, daß alle Schiris in ihrer Unfähigkeit alle Clubs gleich (mies) behandeln..

    VIDEOBEWEIS – besonders in Ö – BESSER FRÜHER ALS SPÄTER

    0
  2. graz4ever sagt:

    ..sollte natürlich „kenne KEINE Liga..“

    Aba viell wollen sich unsere Schiedsrichter international nur unserem Club Fußball anschließen

    0
  3. Balotelli45 sagt:

    Eine Aktion in Altach hat mich besonders gestört, das Foul an Jecko in Halbzeit 2 wo ein Altacher 2 oder 3 mal am Leiberl und an der Schulter zurück zieht und es dafür  keine Gelbe gab.

     

    Mattersburg Spiel wo Schiri über die Nachspielzeit noch drüber spielen lies, weil wir noch einen Wechsel getätigt hatten (und dann noch das Tor kassierten). Hab bei allen Bundesliga Runden danach aufgepasst waren in einigen Spielen Wechsel ab der 90 Minute doch kein Schiri hat drüber spielen lassen.

    Sie pfeifen einfach wie sie wollen. Bundesliga sollte hier wirklich mal etwas unternehmen. Bin mir ja sowas von sicher das am Sonntag da Schüttengruber gegen Sturm pfeift. Rapid braucht schließlich wieder mal 3 Punkte.

    1
  4. stueffson sagt:

    Kompliment Gernot!

     

    Super geschrieben.

    1

Schreibe einen Kommentar