Mit Variabilität zum Erfolg

Franco Foda sprach nur von einer Pflichtaufgabe die es zu lösen galt. Das stimmt, aber vor allem die Art und Weise, wie der SK Sturm in einer solch frühen Phase der Meisterschaft agierte, war beeindruckend.

Der TSV Hartberg presste in den ersten 20 Minuten alles an, was auch nur in der Nähe eines Balles war. Sturm hatte damit anfänglich leichte Probleme, aber konnte nie gefährlich unter Druck gesetzt werden. Im gesamten Spiel kam Hartberg nur zu einer einzigen zwingenden Torchance, alles andere fiel eher unter die Kategorie „den könnte man sich nur selbst schießen“.

Nachdem Hartberg etwas das Tempo aus dem Spiel nahm, wusste Sturm mit der zusätzlichen Zeit am Ball noch nicht viel anzufangen. Eher nervös verschob man den Ball in den eigenen Reihen ohne zielführend nach vorne zu spielen. Eine einzige gelungene Aktion von Donis Avdijaj, ein gewonnener Zweikampf inklusive perfektem Lochpass auf Kristijan Dobras, leitetet das erste Tor und damit die Initialzündung in diesem Spiel ein.

Cheftrainer Foda vertraute seinem in den Testspielen gefundenen Stamm und konnte auch auf einen zuletzt nicht fitten Christian Klem setzen. 

Mit einem 4-2-3-1 System scheint er das Maximum aus seiner Mannschaft heraus kitzeln zu können. 

Daniel Offenbacher fungierte in diesem System als Quaterback und Ballverteiler. Er war für den Spielaufbau verantwortlich, immer wieder ließ er sich zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, um von der letzten Reihe heraus das Spiel kontrolliert aufzubauen. Die beiden Innenverteidiger rückten dabei auf die Position der Außenverteidiger, sodass diese weit aufrücken konnten um die Flügel zu überladen.

Simon Piesinger fungierte im Zentrum als erste Anspielstation, durch kluges Verschieben schaffte er immer wieder Räume um Zuspiele auf die Offensivkette zu ermöglichen. Konnte die gegnerische Mannschaft die Räume gut zustellen, wurde der Ball einfach diagonal verschoben um Lücken aufzureißen. Eine alte Fußballerweisheit wird nie außer Kraft treten: Der Ball ist immer schneller als der Gegenspieler.

Auf diesen beiden Spielern lastet sehr viel Verantwortung und Druck. Beide sind Spieleröffner, Denker und Lenker dieser jungen Sturmmannschaft. Sollte einer der beiden einen schlechten Tag erwischen, wird es für alle Mitspieler umso schwerer ins Spiel zu finden.

Das alles funktioniert nur mit einer gewissen Laufbereitschaft aller Mannschaftsteile, aber durch dieses sehr variable System ist eine gleichmäßige Lastenverteilung aller Offenensivbereiche möglich. Josip Tadic ließ sich manchmal tief zurückfallen um einen gegnerischen Innenverteidiger aus seiner Position zu ziehen. Genau diesen Raum nutzten die drei Offensivspieler um in die Tiefe zu starten. Nur eine gut eingespielte Viererkette schafft es durch kompakte Raumdeckung einer solchen Rotation stand zu halten. 

Hartberg war gestern kein schwieriger Gegner und auch nicht der richtige Gradmesser um eine Saisonprognose zu wagen. Sie spielten das gesamte Spiel brav mit und stellten sich besonders in der Anfangsphase nicht hinten rein, sondern verteidigten aktiv nach vorne. Sturms individuelle Klasse war einfach viel zu groß.

Was verwunderte, in Halbzeit Zwei stellte Hartberg auf eine Fünferkette um, stand aber so hoch, dass man gegen die schnellen Sturmspieler bei fast jedem Angriff ins offene Messer lief; kluges Verteidigen sieht anders aus. Natürlich wird durch eine hoch stehende Abwehrkette der Weg zum Tor nach Ballgewinn kürzer, aber bei einem solchen Spielstand sollte man nur noch ein Debakel verhindern.

Besonders hervorzuheben ist unser Neuzugang Kristijan Dobras. Es zeichnete sich in der Vorbereitung schon ab: mit dem erst 22-jährigen Offensivspieler konnte man eine echte Waffe verpflichten. Die Flügelzange Schick-Dobras wird noch einige Mannschaften vor gröbere Probleme stellen. Sehr gute Technik, enge Ballführung und eine enorme Schnelligkeit werden Florian Kainz endgültig vergessen machen. Dobras bekommt von Franco Foda viele Freiheiten, oft rotierte er mit Donis Avdijaj und so fand man Dobras auf dem gesamten Spielfeld.

Abschließend lässt sich die erste Cuprunde leicht zusammenfassen: Der Unterschied zwischen Sturm Graz und Rapid Wien ist folgender: Sturm lässt sich von einem Regionalligist kein Tor schießen.

 

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