Mit erstem Heimsieg auf dem Weg aus der Krise

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FK Austria Wien

„Kritische Fragen akzeptieren, statt selbst respektlos zu agieren.“ oder „Dem Wundertrainier einen Riesenkader spendiert, damit man sich gegen die halbe Liga blamiert?“ waren nur zwei von unzähligen Spruchbändern der Nordkurve vor dem Spiel; der Druck auf Sturm ließ sich nach drei Niederlagen in Folge vor diesem „Schlüsselspiel“ nicht leugnen.
Nachdem Franco Foda beim Mediabriefing sehr dünnhäutig agierte, stellte er seine Mannschaft im Vergleich zur 2:0 Niederlage in Mattersburg auf vier Positionen um. Der offiziell „erkrankte“ Martin Ehrenreich wurde von Post-Transferperioden-Neuzugang Tanju Kayhan ersetzt. Der zuletzt vermehrt geforderte Anel Hadzic bekam den Vorzug gegenüber Daniel Offenbacher. Für den ebenfalls verletzten Kristjan Dobras kam Andreas Gruber zu seinen Einsatzminuten und an vorderster Front agierte Roman Kienast anstatt Josip Tadic.

Foto: (c) SturmNetz.at

Foto: (c) SturmNetz.at

In den ersten Minuten war von Sturm nicht viel zu sehen. Die Austria ließ den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren, ohne dabei Gefahr zu erzeugen. Die erste nennenswerte Aktion kam von Sturm in Minute 9: langer Ball von Kienast auf Donis Avdijaj, der leider das Laufduell gegen Richard Windbichler verlor. Mehr als schemenhaftes Pressing konnte man nicht erkennen, die Angst vor einer erneuten Niederlage sah man den Sturmspielern deutlich an. Viel zu viele Fehlpässe prägten die erste Halbzeit.
In Minute 13 hatte Avdijaj einmal eine gute Idee und schickte mit einem guten Pass Roman Kienast in die Tiefe. Kienast setzte sich am Rande der Legalität gegen Windbichler durch, seine Flanke wurde noch leicht abgefälscht und fiel dadurch Avdiaj vor die Beine, doch der Dribblanski haute plump über den Ball. Fast im Gegenzug die erste Großchance für die Austria: Durch einen Konter über den schnellen Olarenwaju Kayode kam der Ball zu Kevin Friesenbichler, der mit einem schönen Haken nach innen Michael Esser aussteigen ließ, doch beim Abschluss traf er den Ball nicht richtig und setzte den Ball neben das leere Tor.
Nach 19 Minuten und 09 Sekunden stieg auch die Nordkurve ins Geschehen ein, mit einem lautstarken „Wir wollen Sturm sehen“ meldete man sich zurück.
Nach rund einer halben Stunde wieder einmal eine Sturm-Chance: Christian Klem steckte mit einem schönen Pass auf Gruber durch, aber der drosch den Ball förmlich in den Strafraum. Kienast konnte den Ball nicht unter Kontrolle bringen. Nur kurze Zeit später spielte Alexander Gorgon einen perfekt getimeten Pass auf Roi Kehat, der durch den herrausstürmenden Esser noch entscheidend gestört werden konnte.

Austria- und Nationaltorhüter Robert Almer hielt in der Folge das 0:0 fest: Gleich zweimal konnte der Steirer gegen Avdijaj glänzend parrieren.
Nach der Halbzeit erwischte wieder die Austria den besseren Start. Nach Stellungsfehler von Kayhan konnte Lukas Spendlhofer klären, ebenso bei einem gefährlichen Stanglpass von Kayode.
Knappe zehn Minuten war die zweite Halbzeit alt, als Kayode eine Maßflanke auf Friesenbichler schlug, dessen Kopfball fiel zum Glück Esser direkt in die Arme.
Nach einer Stunde Spielzeit dann der entscheidende Schachzug von Franco Foda: Der schon ziemlich platte Kayhan wurde durch Sascha Horvath ersetzt. Thorsten Schick wechselte darauf auf die Rechtsverteidigerposition und Avdijaj auf die rechte Angriffsseite.
Gute fünf Minuten später dann das 1:0 für Sturm: Schick leitete eine schnelle Kombination ein. Horvath steckte den Ball unwiderstehlich mit der Ferse auf Wilson Kamavuaka durch. Dessen Stanglpass auf Kienast wurde noch abgefangen, der heranbrausende Avdijaj zog ab und Almer konnte den Ball nur noch nach vorne abprallen lassen. Andreas Gruber schaltete am schnellsten und verwertete den Abpraller staubtrocken zum 1:0. Der war nicht leicht zu machen!

2

Foto: (c) SturmNetz.at

Infolgedessen verpasste Kapitän Michael Madl nach einem Eckball das 2:0. Das wäre eine schöne Belohnung für sein 200. Bundesligaspiel gewesen. Nach dem Eckball kam Josip Tadic für den stärker als zuletzt spielenden Roman Kienast.
Das 2:0 für Sturm in Minute 77 hätte es allerdings nicht geben dürfen. Avdijaj setzte sich rustikal gegen Rafael Holzhauser durch, Schiedsrichter Oliver Drachta gab zu unrecht kein Foul. Der mitgelaufene Sascha Horvath ließ Almer im Abschluss keine Chance. Der Deutsch-Albaner damit auch wieder an beiden Toren direkt beteiligt.
Nun war die Austria gebrochen und konnte sich nicht mehr gegen die Niederlage stemmen. Im Endspurt kamen die Gäste nur noch zu einigen Halbchancen, einzig ein Eckball von Holzhauser konnte Gefahr erzeugen, aber Madl klärte vor der Linie. Allerdings vergab auch Sturm durch Tadic und Schick noch die ein oder andere Chance.

Am Ende jubelten die 8365 Zuseher über den verdienten ersten Heimsieg in dieser Saison. Jedoch wurden vor Anpfiff gut 9000 Tickets inkl. Dauerkarten abgesetzt; einige Abobesitzer blieben also offenbar zu Hause.

Nach Abpfiff zog sich die Mannschaft noch den Unmut einiger Fans zu. Kein Feiern mit der Kurve oder ein dankender Applaus, die Sturmspieler verschwanden direkt in der Kabine. Damit agierte die Mannschaft nicht annähernd so clever wie zuvor auf dem Spielfeld.

 

Spieldaten:

BL_Statistiken

BL_Aufstellungen

 

Fotos: (Ⓒ Martin Hirtenfellner Fotografie)

 

Bewertet die Leistung der Spieler HIER.

 

11 Kommentare

  1. mauer mauer sagt:

    Ehrenreich nicht dabei und schon drei Punkte! 😀 Spaß beiseite, Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft, obwohl die Austria ziemlich schwach war, vor allem Kienast wirkte mmn viel motivierter als in den letzten Einsätzen. Traurig find ich allerdings die Aktion der Mannschaft nach dem Spiel. Wie kleine Kinder beleidigt sein…who the fuck is Kritikfähigkeit??

    4+

  2. Juran Juran sagt:

    1 Hz Katastrophal 2 Hz bis zur Einwechslung Horvath`s auch, danach funktionierte es ganz gut.
    Aber mit dem Charakter den die Mannschaft nach Schlusspfiff bewiesen hat wird man keinen dauerhaften Erfolg haben. Einfach nur beschämend das sie sich nicht bei Nordkurve verabschiedet haben, vor allem nachdem die Mannschaft in der Aussendung und auf den Spruchbändern noch recht gut weggekommen ist.

    Ich hoffe die FC erinnern sich nach 70 Minuten Dauer Gesang noch an ihre Worte auf den Spruchbändern und der Aussendung.

    3+

    • black_aficionado sagt:

      Seh ich sehr ähnlich! Erst mit Horvath kam Schwung ins Spiel, nicht verwunderlich, dass er – und wie immer Avdijaj – an beiden Toren maßgeblich beteiligt war!

      Ich befürchte, dass sich die Mannschaft von der Kurve verabschieden wollte und da von einem (oder mehreren) Funktionären weiter oben ein Riegel vorgeschoben wurde :/

      0

  3. Katharina Pukl nuvola sagt:

    Ich freue mich über den Sieg…und über die M&M’s, die ich heute bekommen habe.
    Der Sieg ist auch verdient. ☺ Es ist jedoch sehr schade, dass die Mannschaft sich nicht von den Fans verabschiedet hat. Das war wohl eine Anordnung von Goldbrich oder wem auch immer. Ein Verein sollte mit seinen Fans nicht so umgehen. So bleibt heute leider ein schaler Nachgeschmack.

    4+

  4. Neukirchner sagt:

    Eigentlich dachte ich mir nach Mattersburg „tiefer geht’s nimmer“, doch es ging. Das gestrige Mediabriefing und die heutige Reaktion nach dem Spiel waren eine Schande für den SK Sturm. Und ich spreche nicht unmittelbar von den Akteuren AUF dem Feld.

    5+

  5. Rene90 sagt:

    verdienter Sieg gegen schwache Austrianer. Schon zum 2. mal (im Frühjahr gab es eine ähnliche Situation) Donis schafft es wieder 1 Meter vor dem leeren Tor über den Ball zu hauen. Er sollte weniger den Schiri kritisieren, dann hat er 100% Konzentration und verwertet solche 100er.

    Die Mannschaft hat sich verabschiedet, sie hat nur nicht mit der Nord gefeiert. Eine Frage: ein wahrer BVB Fan würde seine Mannschaft niemals nicht unterstützen, oder gab es solch eine Aktion in der letzten Saison als der BVB Tabellenletzter war ? Auch diesbezüglich gibt es einen Unterschied zum großen Bruder !!!!

    0

    • zilkowicht sagt:

      sorry, aber dieser vergleich mit dem bvb kann ja nicht dein ernst sein oder?
      noch dazu dass du von unserem großen bruder sprichst treibt mir die schahmesröte ins gesicht.
      nur ein gleiches gründungsjahr macht noch keinen großen bruder.
      oder bedienst du dich wieder dieses nationalistischen schwachsinns dass alle deutschen die großen brüder der österreicherInnen wären…

      0

  6. blackfoxx sagt:

    Der Krise getrotzt, passt – man hat deutlich gesehen, dass das oberste Ziel war, kein Tor zu bekommen. Sehr konzentrierte Leistung, darauf kann man aufbauen! Die Aktion der Nordkurve war prinzipiell OK, die Spruchbänder zeigten allerdings schon eine persönlichen Bezug zu FF…Leider wurde diese Aktion dadurch getrübt, dass ab der 2.HZ eigentlich nur mehr Anti-wien Gesänge zu hören waren, und ein ziemlich grosser teil der kurve verschwand um sich mit den gleichgesinnten Wienern zum „Raufen“ zu treffen. „Im übrigen glaube ich nicht dass die Botschaft vom Verein ernst genommen wird, wenn die Kurve aus Raufbolden und Chaoten besteht“. Und was die Mannschaft angeht – war korrekt, dass die sich nicht feiern ließ, seitens der kurve kann ja auch nicht nach einem Spiel wieder alles super sein, oder? Wer wird denn hier so „dünnhäutig“ sein? 😉

    0

  7. Max Lamot Max Lamot sagt:

    Sind sie wirklich „FANS“? Diese Kurve darf man nicht mehr ernst nehmen!!! Die Spieler haben korrekt gehandelt.

    Toller Sieg.! Freue mich sehr! Weiter so.

    0

  8. Arch Stanton sagt:

    Ich glaube schon, dass man die Kurve ernst nehmen sollte. Immerhin stellen sie den konstantesten Besucheranteil. Auch wurde der Protest sachlich und im Verhältnis zu den erbrachten Leistungen recht ruhig vorgetragen – aber das ruhige hat eine neunzehn minütige Stille ja so an sich.
    Und wenn einige hinter den Rängen rangeln, so sollen sie das tun. Nur sind das eben einzelne und nicht alle.
    Ob die Spieler jetzt korrekt gehandelt haben, will ich nicht beurteilen, aber es sind halt auch Menschen und die reagieren halt auf Kritik nicht immer gleich.
    Der Sieg freut mich auch, aber das Spiel war gelinde gesagt schlecht – zumindest bis auf die letzte halbe Stunde und das ist ja, wie die Überschrift schon sagt: der Weg aus der Krise.

    0

  9. Nock-74 sagt:

    Am besten gefällt mir das – offiziell „erkrankte“ – beim Ehrenreich. Diese Leistung gilt es jetzt speziell die nächsten 4 Runden zu bestätigen bevor wir auswärts zu den Grünen müssen! Und eines bereitet mir jetzt schon Kopfzerbrechen, die Zeit nach Donis, denn ohne ihn läuft offensiv so gut wie gar nichts! Vielleicht auch noch erwähnenswert im Bericht die katastrophalen Abschläge von unserem Teamtormann! Die waren echt ein Graus! Schlimmer als das nicht zur Kurve kommen fand ich den Zeigefinger am Mund vom Gruber, was glaubt der Rotzbua eigentlich? Das erledigt sich aber eh wieder von selbst wenn Dobras da ist! Weiß eigentlich irgendjemand was neues bzgl. unserem Griechen bzw. wann der wieder fit ist?

    1+

Schreibe einen Kommentar