Meisterschaft adé

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. RB Salzburg (2:4)

Unterschiedlicher hätten die Ausgangssituationen vor dem Spitzenspiel der 24. Runde zwischen Sturm Graz und RB Salzburg nicht sein können. Während die Bullen nach dem Sieg gegen Real Sociedad und dem damit verbundenen Aufstieg in das Europa-League-Achtelfinale voller Selbstvertrauen in die steirische Landeshauptstadt gereist waren, warteten die Grazer noch immer auf den ersten Pflichtspielsieg unter Trainer Heiko Vogel. Dass die Aufgabe gegen den Tabellenführer der Österreichischen Bundesliga nicht unbedingt leichter war als die drei vorangegangen Partien, dürfte wohl auch den heimischen Fans bewusst gewesen sein – nur 7.157 Zuschauer fanden den Weg ins Liebenauer Stadion. Trotz der alles andere als optimalen Voraussetzungen gab es nur eine Devise für die Blackys: Vollgas und endlich den ersten Dreier im Frühjahr holen!

Im Vergleich zum 1:1 gegen Rapid Wien änderte Vogel die Aufstellung auf einer Position. Emeka Friday Eze stürmte anstelle von Deni Alar, die Schnelligkeit des Nigerianers sollte den Gästen wohl Probleme bereiten. Ansonsten schenkte der Coach der Grazer den selben Spielern wie gegen die Hütteldorfer das Vertrauen, mithilfe einer kompakten Fünferabwehrkette sollten die Angriffsversuche der Salzburger in Grenzen gehalten werden, um dann überfallsartig in die Offensive zu gehen. So die Theorie, die Wahrheit lag aber wie so oft am Platz.

Vorsichtiger Beginn

Bevor Schiedsrichter Harald Lechner die Partie anpfiff, wurde Sturm-Ehrenpräsident Hans Rinner auch in Graz noch einmal gebührend verabschiedet. Pünktlich um 16:30 konnte es dann endlich losgehen, was ob der niedrigen Temperaturen sowohl Spielern als auch Fans nur recht sein konnte. Beide Mannschaften starteten vorsichtig, keiner wollte einem frühen Rückstand hinterherlaufen. In der sechsten Minute konnte eine Flanke von Fabian Koch nach schönem Zuspiel von Eze geklärt werden, auf der Gegenseite verzog Reinhold Yabo deutlich. Man merkte dem Tabellenzweiten deutlich den Respekt vor der Salzburger Offensive an, Sturm stand sehr tief und überließ dem Leader zumeist den Ball und die Spielkontrolle. So verwunderte es nicht, dass Salzburg die erste nennenswerte Gelegenheit vorfand. Jörg Siebenhandl parierte einen Schuss von Yabo aber souverän. Ansonsten passierte in den ersten 20 Minuten relativ wenig, Salzburg hatte den Ball, Sturm stand gut und ließ wenig bis gar nicht zu.

Euphorie und Katerstimmung

In der 23. Minute hatte Dario Maresic dann die Chance, die Schwarz-Weißen in Führung zu bringen. Nach einer Ecke von Thomas Schrammel konnte der Innenverteidiger seinen Schuss jedoch nicht aufs Tor bringen. Nur zwei Minuten später setzte Koch seinen Abschluss über den Kasten der Gäste. Die Gastgeber waren nun viel besser im Spiel und konnten auch immer wieder vereinzelte Nadelstiche setzen. Aber auch die Bullen blieben stets gefährlich und hatten in der 28. Spielminute die große Chance zur 1:0-Führung. Nach Schuss von Andreas Ulmer stand Fredrik Gulbrandsen in der Mitte völlig frei, Siebenhandl konnte mit einer Glanztat den Gegentreffer verhindern. Im Großen und Ganzen war es dennoch eine chancenarme Partie, beide Mannschaften vermochten offensiv nicht wirklich gefährlich zu werden. Bis zur 38. Minute! Nach traumhafter Vorarbeit von Eze überlauerte Stefan Hierländer die Situation im Strafraum am schnellsten und schoss aus kurzer Distanz zum 1:0 ein. Ein herrlicher Treffer, die Stimmung in Liebenau wurde immer besser. Beinahe hätten die Murstädter für noch bessere Laune auf den Rängen gesorgt, Peter Zulj scheiterte aber aus kurzer Distanz. In der 43. Minute hatte Sandi Lovric die nächste Möglichkeit, er wurde im letzten Moment von der Salzburger Hintermannschaft abgedrängt. Als schon alles mit einer Pausenführung der Blackys rechneten, schlug der Tabellenführer zu. Nach schöner Kombination von Valon Berisha und Gulbrandsen stand Munas Dabbur vor dem leeren Tor und brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten. Ein besonders bitterer Gegentreffer, da kurz darauf Halbzeit war und die aufkommende Euphorie im Keim erstickte.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Der Anfang vom Ende

Personell unverändert ging es in die zweite Halbzeit und Sturm legte gut los. In der 47. Minute setzte Zulj nach schönem Solo seinen Abschluss über das Tor. Danach kehrte wieder etwas mehr Ruhe im Spiel ein, beide Teams schenkten sich nichts und lauerten auf die nächste Gelegenheit. Diese fanden die Gäste vor und konnten sie auch gleich nutzen. Nach schönem Zuspiel von Diadie Samassekou tauchte Dabbur alleine vor Siebenhandl auf, der Führende der Torschützenliste blieb cool und überlupfte den Grazer Schlussmann lässig. 1:2 in der 57. Minute, das tat weh. Sturm musste jetzt offensiver agieren und daher brachte Vogel Bright Edomwonyi für Lukas Spendlhofer. Es dauerte jedoch bis zur 67. Minute, ehe die Hausherren wieder gefährlich wurden. Nach Flanke von Hierländer fiel Ezes Abschluss aus der Drehung leider etwas zu schwach aus. Eine Minute später scheiterte der Torschütze zum 1:0 aus der Distanz an der Salzburger Verteidigung, die anschließende Ecke brachte ebenfalls nichts ein.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Es kommt ganz dick

Die Schwarz-Weißen drückten, das Tor machten aber die Gäste. Nach super Zuspiel von Stefan Lainer schob Gulbrandsen in der 73. Minute aus kurzer Distanz ein. 1:3, die vermeintliche Vorentscheidung. Aber eben nur die vermeintliche! Nur zwei Minuten nach dem Treffer des Tabellenführers verkürze Thorsten Röcher zum 2:3. Eine abgerissene Flanke fand irgendwie den Weg ins Tor und machte noch einmal Hoffnung auf zumindest einen Punkt. Sturm probierte alles, Deni Alar und Jakob Jantscher kamen 15 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit ins Spiel. Kurz darauf musste Heiko Vogel auf die Tribüne, der schwache Unparteiische Lechner ahndete einen Flaschenwurf des Deutschen. Schade, dass im Fußball keine Emotionen mehr erlaubt sind! Viel beliebter machte sich das Schiedsrichtergespann auch in der 83. Minute nicht, als Christian Schulz zurecht mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde. Eine Minute später sorgte Gulbrandsen für die endgültige Entscheidung, ein platzierter Schuss ins rechte Eck zerstörte die Träume des Tabellenzweiten. In der 88. Minute konnte Dabbur beinahe noch einmal jubeln, Siebenhandl hielt stark. Wenig später waren die Blackys nur mehr zu neunt am Platz, Schrammel sah nach Foulspiel ebenfalls die gelb-rote Karte. Das Spiel war längst entschieden, Salzburg spielte souverän und hatte in der Nachspielzeit sogar noch die Chance auf einen fünften Treffer, Siebenhandl parierte wieder stark. Am Endergebnis änderte sich leider nichts mehr, RB Salzburg durfte sich über einen 4:2-Auswärtssieg freuen und hat nun bereits mehr als eine Hand an der Meisterschale.

Spieldaten

 

 

 

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6 Kommentare

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Verteidigung in ihrer Gesamtheit: klare 5. Aber man kann nicht von drei Ü30ern erwarten die Abseitsregeln zu kennen…Maresic zumindest nicht komplett von der Rolle, aber auch schwach. Würde unseren Captain empfehlen weniger die Hand zu heben und mehr zu laufen – dann würde er nicht die Abseits aufheben. Unnötige Rote von ihm und Schrammel auch sehr abgebrüht. Totalausfall.

    Mittelfeld hat eigentlich brav gearbeitet. Zulj stark und Lovric auch bemüht. Röcher mit dem Hoffnungstreffer.

    Eze hat ohne wenn und aber die Offensive belebt und das 1:0 toll aufgelegt.

    Einwechslungen konnten nichts mehr bewirken.

    Der Schiri hat zwar kleinlicher gepfiffen je hitziger es wurde, jedoch meistens richtig.

    Vogel ist riot gegangen (wird sicher ne Strafe bekommen), hat sich aber nach dem Spiel beim Schiri entschuldigt. Zeugt auch von Größe.

     

    Wir haben zwar verloren aber der Kampf und zeitweise auch das Offensivspiel waren gut. Die nächsten beiden Spiele werden zeigen wo die Reise hin geht. Mit der gezeigten Leistung müssen Lask und Admira besiegt werden, glaube nicht die beiden Teams können uns an die Wand kombinieren.

    3+

    • Hindemith Hindemith sagt:

      Lieber Freund!Ich würde Dir einmal empfehlen, Deinen Hintern aus der Komfortzone Wohnzimmercouch ins Stadion zu bewegen, sich dort vor Ort, unbeeinflusst von  tendenziöser TV-Berichterstattung, eine eigene Meinung zu bilden und erst dann irgendwelche hochtrabenden Analysen loszulassen, bzw. vorschnelle Bewertung von Vorgängen und Leistungen einzelner Protagonisten auszusprechen!

      3+

    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Ja nicht jeder der ins Stadion will, kann auch ins Stadion. Sicher würd ich gern jedes Spiel live sehen, nur ist es schon eine Kunst jedes Spiel im TV zu verfolgen. Wenn ich Zeit hab fahre ich gern, egal welcher Gegner. Nur gibts halt solchen Blödsinn wie Beruf, Familie, soziales Leben, Hobbys etc. die eben einen Stadionbesuch selten machen. War gegen Salzburg im Stadion als wir 1:0 gewonnen haben.

      Hat mich der Sitznachbar gefragt ob ich eh ka Grüner bin. Hab gsagt bin a Roter. Darauf sagt er lachend ich werd dich gleich beim Geländer runterhaun. Natürlich erlebst solche Schmankerln nur im Stadion. War egal das ich jung und der Typ alt war. Auch als er den Finger Richtung der 20 mitgereisten Salzburg Fans zeigte voll Emotion – herrlich. Und als ein Salzburger simulierte: STEH AUF SCHWORZA, WOR EH NIX. Keine Spur von Rassismus, was für eine andere Generation und vorallem im Fussballstadion nicht selbstverständlich ist. Dad macht mich Stolz auf unsere Fans. Erschwerend kommt hinzu er hätte die Arena eh dem Erdboden gleichgemacht, hätten die Bullen gewonnen

      Auch bei dem Spiel hat Alar nur das Siegestor geschossen und sonst nur auf die Bälle gewartet. Ob ich es 1x, 100x live vor Ort sehe oder daheim auf ihn hingezoomt…das Bild ändert sich nicht. Mir vorzuwerfen ich würde mir durch Sky eine Meinung bilden…was der Fredl Tatar sagt kann ich 80% der Zeit eh nicht verstehen, geschweige denn der Krankl gestern mit z.B. Junas Dabbur. Hätte ich keine eigene Meinung gebildet hätte man mich nicht mit Foda Basher betitelt. Hätte ich keine eigene Meinung würde ich dem Bla Bla der Hausmedien nachäffen und jeden Tag darüber berichten, was der Teamchef gerade macht (und nebenbei vielleicht Sturm erwähnen).

      Und Eze wird auch bei diesem Spiel Man of the Match werden. Der deckt die Bälle ab, drückt robuste Verteidiger weg…Alar kann sowas halt nicht, weil er nicht die Physis dafür hat. Da ist es egal ob ich im Stadion, im TV, im Ticker oder Wirtshaus davon erfahre…die Botschaft bleibt die Gleiche.

      Ich bestell mir jedes Jahr das neue Trikot um 70€ (sogar das mit der Mur hab ich geholt). Ich kann nicht oft ins Stadion aber dafür kauf ich mir halt Sturm Trikots, Bettwäsche, Geldtasche…ich habe sogar Schuhe im Shop gekauft…also as Geld was ne Saisonkarte kostn würd fließt an Sturm. Also an mir liegts nicht sollte Matic nicht zurückgekauft werden 😉

       

      0

    • Marchanno Diaz Rabihou sagt:

      man geht nicht ins stadion, um a 5er kette und doppel 6 zu schauen (bei zwischendurch 30% ballbesitz) auch wenn es am ende glücklich 1:0 ausgehen würde

      man kann nicht orf schauen, weil beim schisprung kommentator 50 % vom kommentar darin besteht, die namen der spieler im ballbesitz aneinander zu reihen. dann glaubst beim abstoss vom goalie wird der anlauf verkürzt, und einer mannschaft wird ein tor aberkannt weil sich der wind ändert – grausam zum anschauen – vorallem wenn er bei der 5ten zeitlupe das abseits auch noch nicht sieht – weil schiris haben immer recht, und 2 x glück haben wäre zu viel für einen sonntag….

      zeitung darf man auch nicht lesen, entweder ist man rassismus unterstützer oder so was wie der p.klim… heute wieder schreibt is ja unglaublich, der ober foda liebhaber und vogel kann nix richtig machen stil ist noch mehr zum kotzen

      2+

  2. Zitat Vogel: „…Es war das beste Spiel von uns, was die Formkurve betrifft. Ich kann meiner Mannschaft nichts vorwerfen. Sie haben gegen den stärksten Gegner gespielt.“
    Einfach nur Schönreden – ganz ehrlich: Da war mit Fodas Schönreden wirklich lieber!

    1+

  3. blackfoxx sagt:

    Na ja – das Spiel gestern war zweifellos ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, auch das Spiel gegen Rapid war einer. Die Taktik gegen „spielstärkere“ Mannschaften kennen wir jetzt also (für alle „Kritiker“: hinten reinstellen mit wenig Ballbesitz ist etwas anderes als schnelles Umschaltspiel) – schauen wir einmal wie die Taktik aussieht, wenn genau dieses Spiel unser Gegner macht…die ersten beiden Partien gegen Mattersburg und WAC waren ja ein Totalausfall.

    Tatsache ist trotzdem: Sturm ist in einer tiefen Krise angekommen, das mag die Tabelle (noch) nicht aussagen, 1 Punkt und 3 Tore (2 davon gestern) in den letzten 5 Spielen ist aber bezeichnend. Wenn aus den nächsten drei Spielen nicht 7 Punkte gemacht werden, ist der 2. Platz wohl weg, ja sogar der Europacup ist noch in Gefahr! Im Prinzip sind wir gemeinsam mit der Austria Schlusslicht in der Frühjahrstabelle – da helfen auch die „Kampfmodus“ Ansagen unseres geschätzten Sportdirektors nicht weiter.

    Generell bin ich (noch) nicht überzeugt, dass die Wintertransferzeit so prickelnd „gelöst“ wurde – ja, es wurde mit Lyko nur eine wichtige Stütze abgegeben, ob die getätigten Transfers allerdings ideal waren wird sich hoffentlich noch zeigen. Gut – ein Schrammel sollte kurzfristig Lyko ersetzen (warum habe ich eigentlich Puchegger & Potzmann im Kader?), gut – ein Zulechner fällt lange aus (warum habe ich Eze und Schubert im Kader – noch dazu wenn man die Vogel-Taktik mit einem Solostürmer kennt?), gut – ein Jantscher möchte Biobauer in der Steiermark werden und wird relativ „billig“ seine Karriere in Graz ausklingen lassen (warum brauch ich den unbedingt, wenn ich im Mittelfeld eigentlich überbesetzt bin? – und JJ gilt für mich nicht als „Zukunftsinvestition“). Diese Transfers haben halt dazu geführt dass die Erwartungshaltung von Medien, Fans (man braucht sich nur die Kommentare unter den Artikeln auf Sturmnetz durchlesen) und wohl auch bei der Mannschaft gestiegen ist und man wirklich geglaubt hat, Salzburg angreifen zu können. Die aktuelle Situation zeigt eindeutig was davon Realität geworden ist…

    Nichts desto trotz hoffe ich auf den Befreiungsschlag gegen den Lask und auch gegen die Admira (von Wimpassing rede ich hier gar nicht – wenn das schiefgeht ist sowieso Feuer am Dach und das Traumpaar Fink/Vogel ist wieder am Markt zu haben :-))

    5+

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