MATTERSBURG

Es ist kalt, im eisigen Wind schwanken die Wipfel der mächtigen alten Pappeln hinter der provisorisch wirkenden Stehplatztribüne und über das alte Viadukt rattert die Regionalbahn der ÖBB an einem Spiel vorbei, das kaum der Rede wert ist. Bei Knacker und Bier freut man sich dennoch, dass die Saison wieder angelaufen ist, denn ein noch so erfolgreicher Marcel Hirscher vermag König Fußball nicht den Rang abzulaufen. Ist eben so! Aber ein bisserl bange wird einem immer, wenn der Capo auf den äußerst rutschigen Stufen des „Baugerüsts“ – eine inoffizielle Überlieferung – „Alle nach vooorne, allez!“ anstimmt, denn in Mattersburg bedeutet dies seit 2009 vollen Laufeinsatz. Ungeachtet schlechten Schuhwerks, der dünnen Eisschicht am Boden oder des manchmal doch zu begeisterten Alkoholkonsums setzen sich gut 300 Sturmfans dann nämlich in Bewegung und fast ALLE machen mit, geht auch gar nicht anders.

Dabei verdient das am Feld Gezeigte diese Begeisterung oft eher nicht, auch wenn einem getrübte Wahrnehmung oder vielleicht sogar unglaubliche Professionalität im PR-Sprech – man weiß es nicht – ein aalglattes „Besser kann man auswärts nicht spielen“ abtrotzen kann – nach einer 0:1-Niederlage gegen die Burgenländer im Jahr 2016. Auswärtsspiele in Mattersburg zählen in der Regel nicht gerade zu den Galeriestücken des SK Sturm – meist knapp, meist arm an Chancen, oft ein Remis am Ende und gerade zum Frühjahrsauftakt immer wieder Niederlagen. So auch letztes Jahr, als Trainer Heiko Vogel auf der Bank des SK Sturm debütierte. Schon vor dieser Partie vergriff sich die heimische Journaille im Ton, indem sie einen „Abschuss des Vogels“ in den Raum stellte, sollte dieser am Ende der Saison die Champions-League-Qualifikation nicht erreichen. Der Auftakt des Pfälzers reihte sich schließlich in eine äußerst unrühmliche Frühjahrsauftaktserie von letztlich sechs nicht gewonnenen Spielen und darunter zwei Niederlagen in Mattersburg ein. Spiele in Mattersburg – insbesondere Auftakte – sind aus schwarz-weißer Sicht in der Regel nun einmal nichts für Feinschmecker.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie – Zurücktreten! Zug fährt ein!

Eine Ausnahme stellte der legendär-spektakuläre 6:5-Auswärtssieg des SK Sturm im Jahr 2008, den Kultkeeper Pepi Schicklgruber wohl nach wie vor als nur bedingt erfreulich wahrnahm. Schließlich musste er trotz Triumphs gleich fünfmal hinter sich greifen, um den Ball aus dem Netz zu holen. Sein Zorn darüber brach sich nach dem Spiel just gegenüber einem späteren Sturmnetzler Bahn, der zusammen mit anderen Fans beim Mannschaftsbus auf die Spieler gewartet hatte. Keine Sekunde später entschuldigte sich Pepi für diesen Ausrutscher auf allerliebste Weise und nahm sich sogar über eine halbe Stunde Zeit, um sein Herz darüber auszuschütten, warum er „so brennhaß“ war. Der Kronen Zeitung gegenüber gestand er: „Nach so einer Partie würde ich am liebsten sofort aufhören!“ Mario Haas, der dreifache Torschütze, meinte, er habe so ein Spiel in seiner Karriere noch nie erlebt. Der damalige Trainer Franz Lederer sah sich schon in der Pause gezwungen, sich beim Publikum zu entschuldigen und Präsident Martin Pucher meinte: „Die spielen ‚Such das Balli‘ mit uns!“. Nach 45 Minuten schien der SK Sturm mit einer 5:0-Führung bereits sicherer Sieger zu sein, doch was nach dem Seitenwechsel passierte, ist noch bemerkenswerter als dieser Pausenstand: 18 Minuten nach Wiederanpfiff hatten Czismadia und Jancker auf 3:5 gestellt. Plötzlich wirkte der SK Sturm nervös und die Mattersburger kamen zu weiteren Chancen. In der 71. Minute erzielte Andi Hölzl das 6:3 aus Sicht der Grazer und sollte damit später zum Matchwinner werden, denn dank Jancker und Naumoski kamen die Gastgeber noch zu zwei weiteren Treffern. Aus einem deutlichen Sieg wurde ein Torreigen mit knappem Vorteil für die Steirer, den 1000 doch leicht verdutzt wirkende Sturmfans vor Ort letztlich doch gewohnt frenetisch feierten.

Nicht ganz so torreich oder gar erfreulich gestaltete sich die Begegnung am 9. April 2009. Nachdem Franco Foda in der Winterpause auf ergebnisorientierten Fußball umgestellt hatte, konnte das gezeigte Spiel nicht mehr an den Zauberfußball im Herbst anschließen. Nach einem enttäuschenden 0:0 und dem sofortigen Verschwinden der Mannschaft in der Kabine stellten mitgereiste Fans Spieler und Trainer nach einer Busblockade zur Rede, die erst aufgelöst wurde, als Foda eine Aussprache in der darauffolgenden Woche versprach. Schon während des Spiels waren nach Fortdauer der miserablen Leistung immer lautere Unmutsäußerungen aus dem Fansektor zu vernehmen gewesen. Auch bengalische Feuer wurden schließlich vereinzelt gen Feld geschleudert. Der damalige Präsident Hans Rinner bemerkte gegenüber Medienvertretern nach Spielende Folgendes: „Es ist vielleicht ganz gut, dass einige Spieler mal sehen, dass die Fans nicht alles mitmachen!“ Die Kollegen von sturm12.at protokollierten diese Vorkommnisse damals ausführlich!

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie – Beliebt bei Kameraleuten: Der „Turm des Grauens“

Das Pappelstadion wartet mit einigen Überraschungen auf, die wohl größte ist die Kapazität: Nach offiziellen Angaben fasst es nämlich 15.700 Leute. Noch viel unglaublicher ist, dass der GAK am 9. April 2003 vor 18.600 (!!!) Leuten zum Cup-Viertelfinale empfangen und mit 1:0 besiegt wurde. Damit hält der SV Mattersburg den burgenländischen Zuschauerrekord. Im Herbst 2003 war er nach neun Spielen mit 12.840 Besuchern im Schnitt der stärkste Zuschauermagnet der österreichischen Bundesliga, vor Rapid Wien mit 10.698 und Austria Salzburg mit 8.956. Die Kantine unter der Haupttribüne zählt wohl zu den geräumigsten ihrer Art und bietet unglaublich vielen Leuten Platz. Weniger beliebt ist der „Turm des Grauens“ – zumindest bekommt man dies in Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen von TV-Anbietern in der sog. Mixed Zone (Zone im Pressebereich bzw. im Stadion, in der Medienvertreter nach dem Spiel Fragen an Spieler richten können) mit. Ein weiteres baugerüstähnliches Konstrukt dient nämlich als Kameraturm, der bei stärkerem Wind schon einmal ziemlich wackeln kann.

Wie beim geschichtsträchtigen 6:5-Sieg werden die Schwarz-Weißen auch zur kommenden Begegnung zahlreich anreisen. Das Kollektiv 1909 will für Heimspielatmosphäre sorgen. Der Gästesektor ist zwar ausverkauft, aber dennoch gibt es noch genug Platz für Sturmfans. Karten und Bustickets um sensationelle 5 € gibt es nach wie vor in den Fanshops des SK Sturm. Noch einmal der Aufruf:

ALLE NACH MATTERSBURG!

Der SV Mattersburg lockt mit einer Fan-Aktion: Kinder, SchülerInnen, StudentInnen, Präsenzdiener und PensionistInnen kommen gratis in Zone A des Stadions (Wiese hinter dem Tor), alle Erwachsenen kommen dort zum halben Preis rein. Außerdem sind ALLE alkoholfreien Getränke im gesamten Stadion, auch im Gästesektor, ab Einlass bis eine Stunde nach Spielende kostenlos. (Alle Angaben ohne Gewähr!)

Quelle:  Offizielle Seite des SV Mattersburg

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6 Kommentare

  1. schmitzi82 sagt:

    Hat jemand einen Ahnung wie viel Fans das Heimspiel besuchen werden.

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  2. fuchsrob sagt:

    Is der Juan eigentlich schon spielberechtigt?

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  3. Ennstaler sagt:

    I pack’s net, das für Sturm so wichtige Spiel gegen Matterburg pfeift schon wieder der Manuel Schüttengruber, der hat Sturm noch nie Glück gebracht; er hat eine ausgesprochene Hemmung, Gegnern von Sturm, auch wenn sie noch so holzhacken, eine Karte zu zeigen (denkt nur an Hofmann von Rapid gegen Eze!).

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    • zdenek sagt:

      sehr schlechter schiri, ich check nicht warum der jahrelang top-spiele in der BuLi zugeteilt bekommt. bei konstant schlechten leistungen. eine komplette pfeiffn!

      hoffe, dass er sich morgen zamreißt

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