Leidenschaft und Speed

Spielercheck: Fenerbahçe Istanbul vs. SK Sturm Graz

Die SturmNetz-Leserbewertungen der einzelnen Spieler der letzten Partie Fenerbahçe Istanbul vs. SK Sturm Graz sind abgeschlossen und alle Einsendungen sind ausgewertet. Da das Match in Österreich offiziell nicht zu sehen war, fällt die Zahl der Gesamtbewertungen diesmal deutlich überschaubarer aus, als gewohnt. Wir haben den Durchschnitt aus allen eingegangenen Benotungen zu jedem Spieler berechnet, sowie eine (subjektive) schriftliche Beurteilung hinzugefügt. Nach jedem Match wollen wir nicht nur Noten, sondern auch den ehrenvollen Titel „Man Of The Match“ an den Spieler mit der besten durchschnittlichen Gesamtbenotung vergeben.

Man of the Match

(c) Martin Hirtenfellner Fotographie

 

Philipp Huspek – Note: 1,75

Der Pfitschipfeil auf der linken Außenbahn machte – vor den Augen des türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan – eine richtig gute Partie. Immer wieder wusste der gebürtige Oberösterreicher sein Tempo im Angriff der Grazer gut einzusetzen und so die über ihre defensiven Flügel etwas schwächelnden Türken in Verlegenheit zu bringen. Was folgte war Huspeks Ausgleichstreffer in Minute 64, als er, nach super Vorarbeit und dem finalen Zuspiel von Peter Zulj, Feners Innenverteidiger Hasan Ali Kaldirim in vollem Tempo mustergültig aussteigen ließ, um die Pille anschließend eiskalt unter dem fallenden Rumpf von Altkeeper Volkan Demirel durchzuschieben. Das nächste Ausrufezeichen Huspeks also in dieser noch jungen Saison. Immer weiter und bitte noch mehr davon!

Dario Maresic – Note: 1,98

Es ist schon erstaunlich. Da liefert der 17-Jährige aus dem schwarz-weißen Eigenbau Spieltag für Spieltag und in überaus abgebrühter Manier derart starke Leistungen ab, dass mittlerweile selbst 37.000 fußballverrückte Zuseher – inklusive Staatschef Erdogan – im Sükrü Saracoglu Stadion seine Souveränität in keinster Weise mehr beeinflussen können. Der aktuelle „Chef“ der personell aus den letzten Löchern pfeifenden Grazer Innenverteidigung stellte sich jeder systembedingten Aufgabe und bewies gutes Stellungsspiel und Kreativität beim situativen Lösen diverser Spielsituationen. Stürmer-Star Van Persie, dessen Einwechslung gefühlt 14,7 Minuten in Anspruch nahm, machte gegen den jungen Maresic jedenfalls keinen Stich und das, obwohl dem Grazer gegen Ende schon spürbar etwas die Luft ausging.

Peter Zulj – Note: 2,16

Eigentlich der heimliche „Man Of The Match“ der Partie in Istanbul, die unter anderem auch Präsident Erdogan live im Stadion mitverfolgte. Schon stark, wie er da mit Tempo in den von Schubert hervorragend abgeschirmten Ball sticht, beim Nachtreten von Neustädter einfach Balance und Würde behält, indem er nicht zu Boden geht, sondern einfach – im Romano-Style – weiter Tempo macht, um abschließend den perfekt getimten Pass auf Huspek anzubringen. Einfach eine sehenswerte Vorarbeit des Neuzugangs, der bislang vor allem durch seine super Wechselpässe im Zentrum auffiel, dem aber auch der Zehner künftig sehr gut stehen könnte. Man hofft jedenfalls auf Contenance und Konstanz, wurscht auf welcher Position, dann kann auch Peter Zulj Wesentliches zu einer erfolgreichen Saison beitragen.

Marvin Potzmann – Note: 2,20

Es sind schon absolut sensationelle Leistungen, die der Allrounder Potzmann aktuell im Dress des SK Sturm an den Tag legt. In der Offensive teilweise brandgefährlich und rotzfrech agierend, bugsiert sich der aktuelle Linksverteidiger der Grazer immer wieder in Schusspositionen, die auch richtig Gefahr erzeugen – so auch in der Schlussphase, in der er sich bei der letzten großen Möglichkeit im Spiel wohl unsterblich hätte machen können. Sein Defensivspiel weist hingegen die eine oder andere Unsicherheit auf, wie auch beim Gegentreffer in Minute 33 durch Dirar, bei dem die Abstimmung mit Lykogiannis nicht passte. Alles in allem aber eine sehr saubere Leistung Potzmanns in Istanbul, unter den Augen von Präsident Recep Erdogan.

Charalampos Lykogiannis – Note: 2,22

Es war dies nicht das beste Spiel des aus Personalmangel zum Innenverteidiger umfunktionierten Außendeckers. Es wirkt irgendwie, als fühle sich der Grieche in dieser Rolle auch gar nicht sonderlich wohl, wie auch die Abstimmungsprobleme – schon in Liebenau beim Eigentor durch Maresic, wie auch am Donnerstag unter den Augen Erdogans – irgendwie zeigten. Auch die Spieleröffnung war durch den einen oder anderen Fehlpass zu sehr von Fehlern geprägt, obwohl man ihm das Bemühen und die Einsatzbereitschaft nicht absprechen kann. 

Jörg Siebenhandl – Note: 2,38

Bei Flanken wirkt er unsicher, auf der Linie – ähnlich wie Gratzei – sehr stark. Zudem kann man bei dem Niederösterreicher ganz klar fußballerische Qualitäten erkennen, so agiert Siebenhandl teilweise wie ein Innenverteidiger, steht weit vor seinem Tor und spielt gute, spieleröffnende Pässe. War beim Gegentor chancenlos, ähnlich wie das unschuldige Kind, das in einer fünfminütigen TV-Inszenierung – mitten im laufenden Match – beim Händeschütteln und Kopferlstreicheln mit Präsident Erdogan gefilmt- und der Öffentlichkeit präsentiert wurde. 

Stefan Hierländer – Note: 2,40

Ein weiterer, der sich den ehrenvollen Titel „Man of the Match“ ohne weiteres verdient gehabt hätte. Hierländer rackert, beißt, kratzt, packt hier die feine Klinge aus, um sie dort, wo Robustheit gefragt ist, auch wieder einzustecken und mausert sich langsam aber sicher zu einer sehr wertvollen Personalie im Spiel der Grazer. Allerdings muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass in einem Spiel gegen Fenerbahçe, dem unter anderem Präsident Erdogan beiwohnte, kleine Fehler vermutlich schneller bestraft werden, als in Österreichs höchster Spielklasse, wo ebensolche zumeist eher verpuffen, als tatsächlich Feuer zu fangen. Dennoch sollte mit Kritik an der Leistung Hierländers gegen die Türken eher sparsam umgegangen werden, denn wenn einer in der Schlussphase noch zu einem 80-Meter-Sprint ansetzt, nur um den gegnerischen Goalie unter Druck zu setzen, dann ist das mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit der Kärntner.

Thorsten Röcher – Note: 2,45

Als einer der Leistungsträger der letzten Spiele und als mustergültiger Vorbereiter im Hinspiel gegen Fenerbahçe wurde Röcher, für einige überraschend, direkt nach dem Seitenwechsel vor den Augen von Präsident Erdogan vom Feld genommen und durch Philipp Zulechner ersetzt. Die Leistungen des Neuzugangs aus Mattersburg waren in den ersten 45 Minuten jedoch absolut in Ordnung, wenngleich sich Fener viel besser auf den linken Flügel der Grazer einstellen konnte, als noch in Liebenau. Trotzdem: Röcher war einer der Aktivposten, das Zusammenspiel mit Potzmann sah gut aus und einige Grazer Ecken resultierten aus seinen Ballaktionen in der Offensive – diverse Eins-gegen-Eins-Situationen blieben allerdings erfolglos.

James Jeggo – Note: 2,66

Die Leistung Jeggos am vergangenen Donnerstag zu beurteilen, birgt in sich ein bisserl schwarz und auch ein wenig weiß, was zusammengeführt erfahrungsgemäß einen satten Grauton ergibt, der aber wiederum kein probates Mittel darstellt, um die Performance des Lieblingsaustraliers an diesem Abend – unter Erdogans Augen – zu beschreiben. Das Spiel des Sechsers der Grazer war, wie auch schon in einigen Spielen zuvor öfter bemerkt, ein schizoider Mix aus unbändiger Laufbereitschaft und Kampfgeist, zu denen sich aber ab und an der eine oder andere gravierende Abspielfehler gesellt. Fehler, die gegen europäische Spitzenmannschaften sehr schnell bestraft werden können.

Fabian Koch – Note: 2,70

Es war nicht die Partie des Fabian Koch. Der sonst so bärenstarke Rechtsverteidiger der Grazer agierte unter der Beobachtung Erdogans relativ fehleranfällig – vor allem im Spielaufbau – und es schien, als würde entweder das Spiel in der Fünferkette- oder auch das recht ungewohnte, direkte Zusammenspiel mit Hierländer nicht ganz so harmonisieren. Gerade mit seiner Seite hatten die Gastgeber oftmals ihre Freude – so auch beim Führungstreffer, bei dem Koch die Flanke von Valbuena gar nicht erst zulassen hätte dürfen. 

Deni Alar – Note: 3,70

Wie schon so oft bei diesjährigen Spielerchecks erwähnt, wird ein Stürmer an seinen Toren gemessen und Torgefahr sieht definitiv anders aus. Dies sollte wiederum bei Deni Alar aktuell nicht allzu streng beurteilt werden, denn es ist gerade das Unauffällige, das nicht im Mittelpunkt stehende, welches das derzeitige Spiel des schwarz/weißen Neuners prägt. Alar arbeitet viel, stellt sich sehr oft in den Dienst der Mannschaft, versucht Bälle zu holen und diese zu verteilen – agiert dabei jedoch nicht immer ganz fehlerfrei und lässt zudem im letzten Angriffsdrittel seine im Vorjahr oft unter Beweis gestellte Torgefahr vermissen – so auch in Istanbul und unter Erdogans Beobachtung. Deni wird aber in dieser aktuell so gut funktionierenden Mannschaft auch wieder andere Zeiten erleben dürfen.

Kurzeinsätze:

Romano Schmid – Note: 2,29

Kam unter den Augen von Staatspräsident Recep Erdogan in Minute 82 für Jimmy Jeggo, um die Offensiv-Power der Gazer in der Schlussphase weniger leicht ausrechenbar zu machen und doch noch die Verlängerung herbeizuführen, wurde von den Türken aber relativ gut aus dem Spiel genommen. Dennoch, die unbekümmerte Spielweise des kleinen Romano ist es, die den Schwoazen mit der Zunge schnalzen lässt. Einer, der immer das Gefühl ausstrahlt, es könne noch etwas passieren. Ein Frechdachs eben. 

Fabian Schubert – Note: 2,55

Wurde nach knapp einer Stunde für den offensiv recht harmlosen Deni Alar ins Spiel gebracht und versetzte selbst das an diesem Abend im Stadion anwesende türkische Staatsoberhaupt Erdogan ins Staunen, als er das hohe Runde perfekt gegen Neustädter behaupten konnte, was in weiterer Folge zum bereits beschriebenen Ausgleichstreffer führen sollte. Belebt aktuell das Grazer Offensivspiel, wenn auch in teils eher unkonventioneller Manier. Vielleicht aber auch gerade deshalb.

Philipp Zulechner – Note: 3,18

Zulechner kam mit dem Seitenwechsel für Thorsten Röcher und plötzlich wurde ein 4-4-2 geboren, welches das Pressing der Schwarz/Weißen um einiges wirkungsvoller erscheinen ließ. Fenerbahçe konnte den wiedergenesenen Elfer der Grazer aber gut aus dem Spiel nehmen – das sah an diesem Abend auch Präsident Erdogan -, weshalb Zulechner in der Offensive auch eher selten in Erscheinung treten sollte. Dennoch gilt bei ihm: Wühlen, wetzen und williges Auftreten scheinen ein erfolgsversprechendes Mittel zu sein, um wieder auf die persönliche Erfolgsspur zu finden.

 

Das SturmNetz-Team bedankt sich (österreichisches Fernsehen sei dank) bei dieses Mal nur 61 eingegangenen Bewertungen und widmet unserem Man Of The Match, Philipp Huspek, sowie dem leidenschaftlichen Auftritt der gesamten Mannschaft in Istanbul folgenden Song:

 

13 Kommentare

  1. wayfarer1501 sagt:

    Präsident Erdogan in fast jeder Bewertung zu erwähnen finde ich dann doch ein wenig übertrieben und unpassend. Bewertung geht in Ordnung. Hoffe Huspek kann seine Leistungen konservieren

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    • graz4ever sagt:

      Ja, wieso habts Napoleonkomplex-Erdogan bei jedem Spieler namentlich erwähnt?

      Standet viell ihr unter Beobachtung 😉

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  2. scheno sagt:

    war eigentlich auch erdogan anwesend?

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  3. Manuel Lampl sagt:

    Der Verfasser dieses Artikels steht wohl etwas auf Präsident Erdogan.

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  4. brent_everett sagt:

    Bravo! Jetzt sind wir seit 6 Jahren im Europacup bei Auswärtsspielen unbesiegt. In der Statistik liegen wir ganz klar vor Mannschaften wie Real u Bayern.

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  5. Unterton Unterton sagt:

    Ich glaube, der Autor spielt hier einfach darauf an, dass Erdowahn in der TV-Übertragung während des Spiels netto gefühlt 25 Minuten lang gezeigt wurde 😉

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  6. Aero Aero sagt:

    Welcher Ergogan ist den gemeint? Der Staatschef oder der Ziegenficker?

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