Balkan-Legenden in Großklein

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FC Kopenhagen

SK Sturm Graz vs. Uros Matic – so hätte man die Testpartie gegen den FC Kopenhagen wohl auch ankündigen können, denn in Großklein dreht sich an diesem späten Nachmittag alles nur um das Homecoming von „Porno“. Ein Spitzname, der – dank eines ehemaligen legendären Redakteurs unseres Portals – bis in den Norden durchdrungen ist  und mittlerweile auch bei dänischen Medien in Verwendung ist. Seit Matic im Winter des letzten Jahres von der schönsten Stadt Österreichs in eine der schönsten Hauptstädte Europas gezogen ist, hat sich der Mittelfeldregisseur laut transfermarkt.at mit zu dem wertvollsten Spieler in den Reihen des dänischen Meisters gemausert. Beim Einlaufen der Gäste war der Jubel der Zuseher ob der Anwesenheit Matic‘ um einiges frenetischer als beim Eintreffen der Grazer, als dann die Hymne der Kopenhagener gespielt wurde, waren wir aufgrund der Geilheit dieser beinahe dazu verleitet aufzustehen, haben uns letztlich aber doch unserer Pflichten erinnert und weiter an diesem Bericht geschrieben. Dass man bei „Steht auf für den SK Sturm“ aufsteht, hat sich übrigens noch nicht bis aufs Land durchgesprochen.

Bereits eine Stunde vor Ankick sind mehr Zuschauer im und ums Stadion Großklein, als dies bei manchen Heimspielen in der Bundesliga 60 Minuten vor Ankick der Fall ist. Sturms Aufstellung liest sich ebenfalls schon recht bundesligatauglich, von den Neuzugängen beginnen Goalie Jörg Siebenhandl sowie Peter Zulj und Thorsten Röcher, die in Sachen Vereinstreue unterschiedlicher kaum sein könnten. Zurück im Kader ist Matic-Kumpel James Jeggo, der mit Australien aus dem Confederations-Cup bereits in der Gruppenphase ausgeschieden ist. Ausgeschieden ist vor dem Spiel noch etwas anderes: Ein weiteres Mal musst ein Laptop des SturmNetz.at-Team im „Pressebereich“ eines Dorfklubs daran glauben – zumindest nicht jener, auf dem dieser Spielbericht verfasst wird. Der Autor dieses Textes freut sich wie ein Schwammerl und spendiert seinem Kollegen ein kühles Bier. 

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Legendentreff in Großklein

Fünf Minuten nachdem der Köflacher Andreas Kollegger die Partie angepfiffen hat, brandet erstmals großer Jubel im Stadion auf! Doch nicht etwa aufgrund eines Tores – der Stadionsprecher verkündet die Anwesenheit Samir Muratovic‚ und Ivica Osims. Dann ist es aber auch mit dem Treffer soweit: Siebenhandl gerät ein Pass zu kurz, Pieros Sotiriou spritzt dazwischen und bringt den Flankenball ideal auf Benjamin Verbic, der herrlich per Flugkopfball zur frühen Führung einnetzt. Für lange Zeit ist das auch die letzte nennenswerte Aktion gewesen, Sturm verbucht durch Charalampos Lykogiannis seinen ersten Schuss aufs Tor ohnehin erst nach knapp einer halben Stunde, gefährlich wird es ein paar Minuten später erstmals durch Zulj, dessen abgefälschten Schuss kann Robin Olsen allerdings problemlos über die Latte lenken. Vor der Pause sollte den Steirern aber doch noch der Ausgleich gelingen: Zuerst ist es Deni Alar mit einem Distanschuss knapp über das Kreuzeck, anschließend schickt Zulj den Torjäger, dieser kommt aber gar nicht mehr an den Ball, dafür Olsen aus dem Tor und der Keeper schießt mit Tom Høgli seinen eigenen Verteidiger an, von dessen Körper der Ball ins Tor hüpft.

Dann ist Halbzeit und eine für einen „Testspielkracher“ doch relativ ereignisarme erste Spielhälfte ist vorbei. Franco Foda lässt seine Mannschaft einmal mehr im 4-4-2 auflaufen – eine Formation, mit der man sich vermutlich auch für die kommende Spielzeit anfreunden muss. Die Neuzugänge blieben im ersten Durchgang relativ unauffällig, sieht man von Siebenhandls Patzer zu Spielbeginn ab. Zulj und Röcher sieht man an, dass sie zwei Spieler sind, die das Offensivspiel der Grazer durch Ideen beleben sollen, Ansätze waren da, letztendlich kam jedoch nichts Nennenswertes dabei heraus. Die Schwarz-Weißen versuchen zu kombinieren, allerdings zementiert sich der Champions-League-Teilnehmer der Vorsaison in der Abwehr ein wie ein Handballverein. Die daraus resultierenden hohen Bälle der Blackys finden kaum ihr Ziel, Philipp Zulechner ziemt sich an, Bright Edomwonyi als Abseitskönig zu beerben. Zur zweiten Hälfte bringt Foda mit Christian Gratzei, Fabian Koch und James Jeggo drei neue Spieler für den Defensivverbund, offensiv müssen es dieselben Spieler wie in Durchgang 1 richten – hoffentlich etwas durchschlagkräftiger. 

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Ausgepornot

Und auch bei den Gästen hat sich zur Halbzeit was getan, unter anderem muss/darf Uros Matic die zweite Halbzeit als Zuseher genießen. Nach einer Stunde wird es dem deutschen Headcoach doch zu bunt, ersetzt den blassen Stefan Hierländer durch Flügelflitzer Philipp Huspek und den schwachen Zulechner durch Marc-André Schmerböck. Durch die Herausnahme des zweiten Stürmers resultiert eine Systemumstellung auf ein 4-2-3-1, eine Formation, die wohl auch dem Angriffsspiel gut tun wird. Etwas später bekommt auch noch Talent Romano Schmid seine Einsatzzeit, für ihn räumt der brave Röcher das Feld. Auf diesem geht es weiterhin sehr gemächlich zu, Chancen sind auf beiden Seiten absolute Mangelware. In Minute 73 kommen weiters Martin Ovenstad sowie die Neuzugänge Patrick Puchegger und Fabian Schubert ins Spiel. Passieren sollte aber trotzdem bis zum Schlusspfiff nichts mehr, ein Distanzschuss von Schmid und ein Kopfball über den Kasten von Puchegger sind das höchste der Gefühle.

Dieser Test hat zwar wohl schon gezeigt, wer in der Saison 2017/2018 zum Stammpersonal zählen wird, vom Spielerischen her kann dieses Spiel aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen sein. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Bewegungsabläufe bei den Steirern stimmen und größere Gefahr für den gegnerischen Kasten erzeugt werden kann. Allerdings steht Kopenhagen höchstwahrscheinlich auch nicht in Relation mit Gegnern à la Mattersburg, St. Pölten oder Admira. Man darf gespannt sein, was die neue Saison und die Neuzugänge bringen, spätestens nach dem ersten Pflichtspiel in der Europa League wird man mehr wissen. Doch jetzt heißt es erstmal Bier und Kotelettsemmel zu genießen sowie Schlagermusik zu ertragen. 

© Martin Hirtenfellner Fotografie

SK Puntigamer Sturm Graz gegen FC Kopenhagen 1:1 (1:1)

Stadion Großklein, 2. Juli 2017, 17:00 Uhr, 1.500 Zuschauer
Tore: 0:1 Verbic (10. Minute), 1:1 Hogli (ET)

SK Sturm: Siebenhandl (46. Gratzei); Potzmann (46. Koch), Maresic, Schulz (73. Puchegger), Lykogiannis; Lovric (46. Jeggo), Zulj (73. Ovenstad); Hierländer (59. Schmerböck), Alar (73. Schubert), Röcher (67. Schmid); Zulechner (59. Huspek)

FC Kopenhagen (Startformation): Olsen; Hogli, Bengtsson, Joahansson, Kvist, Verbic, Matic, Santander, Toutouh, Lüftner, Sotirion

Gallerie:

7 Kommentare

  1. vampy99 sagt:

    Bei dem Gezeigten fragt man sich schon ob die die letzten Tage trainiert oder nur Eis gegessen haben.

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  2. sflany sagt:

    Zulechner ist eine Zumutung. Die eine Chance, die er vertan hat, als er alleine vor dem Tor den Ball fischte…… peinlich.

    sturm braucht händeringend einen weiteren stürmer, mit den zwei technischen nackerpatzerln da vorne wird das nix. 🙁

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  3. flo1909 sagt:

    Der 35 lange Ball hat dann richtig Lust aufs nächste Jahr gemacht; mit Zulechner als Stürmer, werma sicher auch großes gewinnen; bitte GK schau noch wegen einem Stürmer!!!!

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  4. Jimmy sagt:

    Es ist mir ein echtes Rätsel, wie ein Profispieler wie Zulechner solche eklatanten Schwächen bei Ballmitnahme/Ballannahme/Übersicht/Torschuss haben kann. Wenn er nicht grad im Abseits steht, legt er sich die Kugel zu weit vor oder fischt ihn einfach grundlos. Da is auch überhaupt keine Steigung zu erkennen – das macht einen schon nachdenklich, v.a. wenn man bedenkt, dass Foda wohl überlegt, mit Alar und Zulechner den Stamm zu spielen.

    Ansonsten insgesamt eher schwache Partie, paar gute Ansätze waren aber schon dabei – Röcher und Zulj haben schon das Potential, da kräftig zu wirbeln und uns viel Freude zu bereiten – hoffentlich machen sie das auch. Gegens Pressing hamma uns zu Beginn halt auch gar nicht gut angestellt. Da muss auch unbedingt gearbeitet werden.

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  5. Jocole sagt:

    Simon Piesinger ist kurz weg und es zeichnet sich hier jetzt schon ab dass Zulechner sein Erbe antreten muss…

    Armselig ist das!

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    • Jimmy sagt:

      Ich würds halt gern verstehen, weil das großteils keine „normalen“ Fehler sind. Weiß gar nicht, wie oft es ihm schon passiert is, dass er komplett ohne Grund den Ball einfach nicht getroffen hat. Wenns z.B. eine Selbstvertrauen-Sache wär, hätt ich mir erwartet, dass er nach den paar Toren in der Vorbereitung was mitnimmt – aber das scheint ja überhaupt nicht der Fall zu sein. Grad auch in Sachen Ballannahme und Timing muss man doch durch das Training und je länger er bei Sturm is Verbesserungen sehen. Aber irgendwo is da offensichtlich der Knoten drin, was für ihn bitter is, aber auch für Sturm – v.a. wenn man bedenkt, dass wir ganz vorne sonst kaum jemanden haben.

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  6. Melvinuss sagt:

    Botm für mich eindeutig Dario Maresic! Unglaublich, mit welchem Selbstbewusstsein und welcher Ruhe am Ball er zu Werke geht, und das mit 17 Jahren. Tolle Leistung!

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