Last-Minute-Treffer lässt violette Träume platzen

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. FK Austria Wien 2:1 (0:0)

An diesem Sonntag im März, der sich eher wie ein trister Novembertag präsentierte, traf Sturm daheim auf die Wiener Austria. Nach den beiden unfreiwilligen „Heimspielen“ in Klagenfurt und der Partie gegen Wattens in Innsbruck kehrte Sturm nach exakt 21 Tagen wieder an die gewohnte Heimstätte zurück. Coach Christian Ilzer betonte vor dem Spiel, dass man sich vor allem auf eine klare Verbesserung im Vergleich zum wenig zufriedenstellenden 1:1 in Tirol zum Ziel setzte. Für die Wiener waren drei Punkte absolute Pflicht, um die realistische Chance auf die Teilnahme an der Meisterrunde zu wahren, welche Sturm bereits fix in der Tasche hatte. Die unterschiedlichen Vorzeichen versprachen im Vorfeld zumindest eine spannende taktische Herangehensweise beider Teams. Kelvin Yeboah durfte nach seinem Last-Minute-Ausgleich gegen die Wattener diesmal von Beginn an stürmen, größere Überraschungen gab es in der Startelf der Blackys jedoch nicht.

Ambitionierte Wiener zu Beginn

In den ersten Minuten präsentierte sich die Austria als die entschlossenere Mannschaft und kam durch Manprit Sarkaria auch zur ersten guten Möglichkeit, scheiterte aber an Jörg Siebenhandl. Nur wenige Momente später gab es die nächste Möglichkeit für die Wiener. Diesmal schien Siebenhandl bereits geschlagen, zum Glück aus Grazer Sicht konnte aber die Verteidigung mit vereinten Kräften in großer Not klären. Sturm war in dieser Anfangsphase deutlich überfordert und schaffte es in den ersten zehn Spielminuten kaum, den Ball über einen längeren Zeitraum in den eigenen Reihen zu halten. Danach verflachte die Wiener „Mit-dem-Kopf-durch-die Wand-Offensive“ und Sturm kam zu deutlich mehr Spielanteilen, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Sturm übernimmt das Kommando

Die erste nennenswerte Möglichkeit hatten die Gastgeber in Person von Jakob Jantscher, dessen platzierter Schuss von der Sechzehnergrenze schlussendlich kein Problem für Patrick Pentz im Tor der Violetten bedeutete. Sturm kam nun immer besser ins Spiel, erspielte sich mehr und mehr Möglichkeiten, scheiterte zumeist aber am letzten Zuspiel. Regelmäßig scheiterten ebenso die Gäste, die mit ihren nun selten gewordenen Angriffen in der Grazer Defensivabteilung ihre Grenzen aufgezeigt bekamen. Vor allem Niklas Geyrhofer präsentierte sich ein ums andere Mal abgebrüht, als würde er seit vielen Jahren nichts anderes machen. Als schon vieles auf eine torlose erste Hälfte hindeutete, kam plötzlich die Austria ganz gefährlich vor den Grazer Kasten. Schlussendlich war das Remis zur Pause Siebenhandl zu verdanken, der einen scharfen Schuss von Aleksandar Jukic gekonnt entschärfte. Im Gegenzug versuchte es zunächst Kuen aus der Distanz, danach Ljubic und nach einer Freistoß-Flanke auch noch Gorenc Stankovic per Kopf, doch weiterhin blieben Treffer in Liebenau Mangelware. Am Ende der ersten Spielhälfte, in welcher Sturm mehr Spielanteile hatte, die Gäste aber zu den besseren Möglichkeiten kamen, war das Zwischenergebnis von 0:0 insgesamt gerecht.

Sturm in Überzahl

Durch einen Eckball waren es im zweiten Durchgang die Blackys, die die erste Möglichkeit vorfanden: Nach einer feinen Variante kam Niklas Geyrhofer knapp vor dem Tor per Kopf zum Ball, einem Torjubel stand jedoch der Rücken eines Gegenspielers im Weg. In der 52. Minute versuchten es auch die Gäste per Kopf, doch der Versuch von Erik Palmer-Brown landete in den Händen Siebenhandls. Nun roch es nach dem ersten Treffer in diesem Spiel: Zunächst verzog Jakob Jantscher aus guter Position, kurz darauf konnte Eric Martel ein Geschenk der Gastgeber nicht verwerten. Nun wurde es hektischer in Liebenau! 57. Spielminute: Der zur Pause eingewechselte Benedikt Pichler holte Sandro Ingolitsch mit einem brutalen Einstieg von den Beinen, Schiedsrichter Alan Kijas blieb keine andere Möglichkeit, als den 23-Jährigen vom Platz zu stellen. Auch für Ingolitsch, der unverzüglich Richtung UKH abtransportiert wurde, hatte das Vergehen Folgen. Verdacht: Kreuz- oder Seitenbandverletzung. Für ihn kam schließlich Jusuf Gazibegovic in die Partie. Das Überzahlspiel beflügelte Sturm. Man versuchte den Gegner in die eigene Hälfte zu drängen und Chancen zu kreieren, die ganz großen Einschussmöglichkeiten fehlten aber weiterhin. Ein Yeboah-Kopfball nach sehenswertem Angriff fand in der 75. Minute seinen Weg in die Maschen, die Nummer 23 stand zuvor allerdings im Abseits. In der 80. Minute setzte Andreas Kuen die Kugel nach einer schönen Kombination über den Querbalken. Sturm war nun deutlich überlegen, die Austria kam dagegen, auch bedingt durch die numerische Unterlegenheit, kaum noch zu Entlastungsangriffen. In der Schlussphase brachte Ilzer mit Friesenbichler, Shabanhaxhaj, Balaj und Jäger gleich vier frische Kräfte. Und damit sollte der Cheftrainer abermals ein gutes Händchen beweisen.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie

Nervenkitzel pur

Abermals rollte ein Angriff in Richtung des Kastens von Patrick Pentz; Andreas Kuen hebelte mit einem Ball auf Kevin Friesenbichler die gesamte Wiener Defensive aus, wodurch der Ex-Austrianer leichtes Spiel hatte und zum umjubelten 1:0 einschob. Eigentlich rechnete fast jeder damit, dass Sturm das Ding nun in der Tasche hatte, Dominik Fitz war jedoch anderer Meinung. Der Wiener bekam aus halblinker Position zu viel Platz und bedankte sich dafür mit einem sehenswerten Treffer ins Kreuzeck. Unglaublich, wie eine eigentlich schon geschlagene Austria plötzlich zum Ausgleich kam. In Folge drückte Sturm auf das 2:1, ließ aber auch dem Gegner größere Räume, es war nun ein Spiel auf Messers Schneide. In der Nachspielzeit kam Bekim Balaj alleine per Kopf zum Abschluss, Pentz stand aber goldrichtig. Die Uhr zeigte bereits die vierte Minute der Nachspielzeit, Sturm mit der nächsten und vielleicht letzten Möglichkeit: Nach einem geblockten Schuss von Friesenbichler (dessen unabsichtliches Hands in dieser Sitaution nicht geahndet wurde),  gelangte der Ball auf Balaj, die Situation schien eigentlich schon gelaufen, doch der Albaner schaffte es im Liegen noch irgendwie, die Kugel in Kooperation mit Ivan Ljubic in Richtung Jon Gorenc Stankovic abzugeben, welcher in praktisch letzter Sekunde die wenigen Anwesenden auf den Rängen und wohl auch die vielen tausend Sympathisanten vor den Bildschirmen zum kollektiven Auszucken brachte. Der Slowene sorgte mit seinem Treffer zum 2:1-Endstand nicht nur dafür, dass Sturm rechnerisch an den Top-Teams dran bleibt, sondern ließ auch die violetten Träume von einer Teilnahme an der Meisterrunde platzen! Am Ende kann man wohl von verdienten drei Punkten in einem – vor allem in der zweiten Spielhälfte – nervenaufreibenden Spiel sprechen.

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7 Kommentare

  1. Ferdi sagt:

    Gegen die Admiral müssen 3 Punkte gelingen, und
    dann samma wieda guat!

    +5
  2. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    Der ORF ludelt sich schon an. Wieder keine Wiener Derbys…

    +9
    • Ennstaler sagt:

      Zum Trost gibts ja vielleicht zweimal ein Steirerderby!

      +9
    • Lazarus sagt:

      Ja stimmt, und wenn man sich die Zusammenfassung des Spiels im ORF angeschaut hat, hatte man den Eindruck das die Austria 90 Minuten überlegen war, von den vergebenen Chancen von Sturm war so gut wie nix zu sehen, wer das Spiel nicht gesehen hat, muss den Eindruck bekommen das wir total unterlegen waren.

      +9
  3. LutzVoller sagt:

    Gute Besserung an den Sandro, es sah leider echt mies aus …

    Ansonsten muss man einfach nur die Moral unserer Truppe loben. Spielerisch sind wir noch klar ausbaufähig, vor allem in der Offensive, aber dennoch hauen sich alle Beteiligten voll rein. Ein im Sommer schon totgeglaubter Friesenbichler netzt und auch Balaj kommt wieder etwas (Assist letzte Woche, heute im Liegen den Sieg mit vorbereitet). Die Mannschaft ist im Vergleich zu letztem Jahr einfach hungrig und will was, das kann an manchen Tagen, etwa heute, schon den Unterschied machen.

    +18
  4. Goe Goe sagt:

    Gute Besserung Sandro! Come back stronger!

    Ich möchte nur anmerken, falls Dir bei 28 Schüssen 1 bis 2 mal ein „Berisha“ passiert gewinnst Du mit 4:1, viwwicht auch 4:0 und fertig. Glück bei den Schüssen hat wir halt leider keines, und die Statistik spricht für uns…eindeutig…in allen Belangen!
    Für die Austria geht es um alles und wir gewinnen mit unseren Jungen mehr Zweikämpfe? Das passt schon so…

    +6
  5. fid82 sagt:

    Glaubt ihr, wir legen das Admira Spiel anders bzw offensiver an als sonst? Durch die Punkteteilung bringt uns ein Unentschieden 0 Punkte!

    0

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