Krönung einer perfekten Woche

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. LASK Linz (3:1)

Was war das für eine sensationelle Leistung am vergangenen Mittwoch? Der SK Sturm Graz besiegte den klaren Favoriten RB Salzburg nach einer heroischen Leistung mit 1:0 nach Verlängerung und sicherte sich somit den Titel im ÖFB-Cup. Doch jede Feier hat auch einmal ein Ende und daher galt es bereits ab Donnerstag wieder, sich mit voller Konzentration auf das Heimspiel gegen den LASK vorzubereiten. Für Trainer Heiko Vogel war die Begegnung in der 34. Runde der Österreichischen Bundesliga sogar „wichtiger als das Cup-Finale“, kann man bei einem Sieg und einer sieglosen Darbietung des SK Rapid Wien gegen den Serienmeister aus Salzburg bereits an diesem Wochenende den zweiten Platz, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt, fixieren.

Vollbringen sollte dies eine im Vergleich zum Cup-Match auf zwei Positionen veränderte Mannschaft. Der gelbgesperrte Lukas Spendlhofer wurde von Christian Schoissengeyr ersetzt und auch Sandi Lovric rückte in die Startformation. Für ihn musste Stürmer Bright Edomwonyi auf der Bank Platz nehmen, Thorsten Röcher sollte seine Position an vorderster Front einnehmen. Somit setzte Vogel auf weniger Rotation als erwartet, die Bedeutung des Spiels war ihm vor 12.113 Zusehern wohl zu hoch, um ein größeres Risiko einzugehen.

Flotter Beginn

Bevor Schiedsrichter Robert Schörgenhofer das Spiel anpfiff, wurde der ehemalige Nationalspieler Jürgen Säumel gebührend verabschiedet. Der mittlerweile 33-Jährige absolvierte 189 Pflichtspiele für die Grazer und wird im Sommer seine aktive Karriere beenden. Um 16:00 ging es dann los, der Cupsieger aus der steirischen Landeshauptstadt startete unter lauten Buhrufen der frenetischen Anhänger in Richtung Nordkurve. Dies sollte der Euphorie jedoch keinen Abbruch tun, die Fans waren von Beginn an lautstark zu hören und trieben die Blackys gehörig an. So richtig sollte der Funke dennoch nicht auf den Platz überspringen, die Linzer begannen äußerst stark und waren mindestens ebenbürtig. So verwunderte es auch nicht, dass der Tabellenvierte die erste Chance vorfand und diese auch gleich nutzte. Peter Michorl passte auf Joao Victor, der ließ kurz für Maximilian Ullmann abtropfen und dieser netzte in der zehnten Spielminute souverän zur 1:0-Führung für die Gäste ein. Ein herrlicher Treffer, der Sturm aus der Traumwelt sofort zurück in die Realität beförderte. Doch die Hausherren antworteten quasi im Gegenzug. Fabian Koch schickte Peter Zulj, der vor Tormann Pavao Pervan an den Ball kam und im Anschluss gelegt wurde. Vollkommen zurecht entschied Schörgenhofer auf Elfmeter für Sturm! Deni Alar legte sich den Ball auf den Punkt und schloss sicher zum 1:1 ab. Sein 17. Saisontor für die Grazer, mit Blick auf die Tabellenkonstellation wohl eines der wichtigsten. Der LASK ließ sich von diesem Rückschlag nicht aus dem Konzept bringen, eine zwingende Torchance sprang trotz der gefühlten Überlegenheit zunächst dennoch nicht heraus.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Wieder Alar!

In der 27. Minute fanden die Oberösterreicher eine gefährliche Freistoßposition vor, Peter Michorl vergab aus rund 18 Metern kläglich. Nur eine Minute später waren es dann die Grazer, die gefährlich vor dem Tor der Linzer auftauchten. Peter Zulj hielt etwas außerhalb der Strafraumgrenze einfach einmal drauf, seinen nicht allzu platzierten Schuss konnte Pervan nicht festhalten und Deni Alar stand genau dort, wo ein Stürmer stehen muss. Aus gut fünf Metern hatte er keinerlei Mühe mehr, den Ball im Tor unterzubringen. 2:1 für Sturm, eine doch etwas glückliche Führung für den Tabellenzweiten! Es ging hin und her, der LASK hatte nach einer abgefälschten Hereingabe Pech, dass der Ball am Tor vorbeistrich. Auf der Gegenseite verpasste Röcher per Kopf das kurze Eck nur um einige Zentimeter. In der 38. Spielminute kombinierten sich die Linzer erneut gefällig vor das Grazer Gehäuse, der Abschluss von Joao Victor war für Jörg Siebenhandl nach kurzer Unsicherheit im Endeffekt keine wirkliche Herausforderung. Auch Sturm spielte weiter nach vorne und fand zwei Minuten vor Ende der ersten Spielhälfte eine gute Möglichkeit zur 3:1-Führung vor. Fabian Koch bediente Sandi Lovric mustergültig aus dem Halbfeld, dieser legte per Kopf auf den Doppeltorschützen Alar ab. Leider konnte Deni die Kugel nicht unter Kontrolle bringen. Doch dies sollte nicht die letzte Gelegenheit in der ersten Spielhälfte bleiben: Nach einer kurz ausgeführten Ecke probierte es Thomas Goiginger aus der Distanz, sein strammer Schuss knallte glücklicherweise nur an die Latte. Da wäre Siebenhandl wohl chancenlos gewesen. Danach erklärte der Unparteiische die sehr unterhaltsame Partie auf überdurchschnittlichem Niveau vorerst für beendet. Man durfte hoffen, dass die Fortsetzung ähnlich ereignisreich wie die ersten 45 Minuten verlaufen sollte.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Traumhafter Wiederbeginn

Trainer Heiko Vogel veränderte seine Elf auf einer Position, Jakob Jantscher kam für Cup-Held Stefan Hierländer in die Begegnung. Nicht einmal eine Minute nach Wiederbeginn durften sich die Fans dann bereits über den dritten Sturm-Treffer des Tages freuen. Zulj lieferte einen präzisen Assist auf Alar, der den Ball in Windeseile kontrollierte und staubtrocken zum 3:1 einschoss. Das nennt man wohl einen Start nach Maß! Die Spieler hatten das Stadion Liebenau zum Kochen gebracht, auf den Rängen gab es überhaupt kein Halten mehr. So geil kann Fußball in Graz sein! In der 54. Minute verpasste Alar einen Pass von Röcher nur knapp, sein vierter Treffer und der damit einhergehende Ausgleich in der Torschützenliste lag irgendwie dennoch in der Luft. Trotz der verständlicherweise prächtigen Stimmung galt es, das Match konzentriert zu Ende zu spielen. Der LASK hatte in der ersten Hälfte eine gute Leistung gezeigt und erholte sich auch im zweiten Spielabschnitt wieder relativ schnell von der kalten Dusche. Zwei Gelegenheiten von Joao Victor und Samuel Tetteh nach gut 60 Minuten Spielzeit waren Indiz genug, dass das Aufeinandertreffen noch nicht entschieden war. In der 69. Minute vergab Goiginger nach herausragendem Solo erneut eine gute Chance, sein Schuss fiel zu zentral aus. Zwei Minuten später parierte Siebenhandl einen Distanzschuss von Michorl sicher.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Platz 2 gefestigt!

Dem LASK lief die Zeit etwas davon, zwar hatten sie ab Minute 60 wieder das Kommando übernommen, Zählbares schaute dabei zum Glück nicht heraus. In Minute 73 brandete dann erneut Jubel in Liebenau auf, dieses Mal aber nicht aufgrund eines Torerfolgs, sondern einer Auswechslung. Dreifachtorschütze Deni Alar verließ nach einer überragenden Leistung das Spielfeld. Der 19-fache Saisontorschütze sorgte somit nicht nur für ganz wichtige Treffer, sondern entwickelte sich mit dieser Performance auch zu einem ganz heißen Tipp für unsere Wahl zum „Man of the Match“. Bright Edomwonyi ersetzte ihn. In der Folge blieben die Oberösterreicher am Drücker, ein sehr gefährlicher Versuch von Michorl aus der Ferne segelte am langen Pfosten vorbei. Auf der Gegenseite konnte Sturm kaum für Entlastung sorgen. Als dies in der 80. Minute dann doch endlich einmal gelang, konnten die Blackys für die vorentscheidende Szene der Begegnung sorgen: Emanuel Pogatetz holte Peter Zulj von den Beinen und sah somit vollkommen verdient die zweite gelbe Karte. Gelb-Rot für den „Mad Dog“, das sollte es zehn Minuten vor Ende doch gewesen sein. Kurz darauf besorgte Edomwonyi nach einer Ecke beinahe das 4:1, seinen Kopfball fischte Pervan sensationell aus dem Kreuzeck. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, bereits fünf Minuten vor Spielende stand das gesamte Stadion und feierte die Mannschaft für diese enorme Willensleistung. Auf dem Rasen passierte nicht mehr viel, der LASK war gebrochen und die Blackys transportierten die drei Punkte sicher über die Ziellinie. Nur drei Tage nach dem Cup-Triumph fuhr man mit dem 3:1-Heimerfolg gegen die Linzer den nächsten enorm wichtigen Sieg ein und festigte den zweiten Platz mit Nachdruck. Zwei Runden vor Schluss beträgt der Vorsprung auf Rapid acht Punkte, die morgen noch gegen die Bullen aus der Mozartstadt antreten werden. Sollten die Hütteldorfer ohne vollen Erfolg bleiben, wird der SK Sturm Graz die Saison auf Platz zwei beenden. Die Krönung einer ohnehin schon überragenden Saison steht kurz bevor.

Spieldaten

Galerie

 

Anzeige

5 Kommentare

  1. schmitz sagt:

    Einfach nur überragend wie die Mannschaft gekämpft hat  RESPEKT.

     

    Diese Truppe ist einfach nur Unglaublich hoffe nur das die wichtige Spieler noch länger bei STURM bleiben.

     

    In diesen Sinne Auf die Schwoazn

    6+
  2. elceezed elceezed sagt:

    als alar und siebenhandl im vollsprint von den siegesfeierlichkeiten in die kabine gelaufen sind hab ich gedacht das interview muss aber wichtig sein.

    als ich dann ca 2 min später aus dem spielertunnel was aufblitzen sah, wurde mein grinsen noch breiter als es wegen dem sieg schon war. nehmt den pokal überallhin mit, er verbreitet pure freude!

    4+
  3. jott1976 sagt:

    Schöne Geste auch an unseren ehemaligen Kapitän Jürgen!

    Freut mich, dass er eine solche Verabschiedung bekommen hat. Einmal Schwoarzer immer Schwoarzer.

    2+
  4. black_aficionado sagt:

    Also ich habe ehrlich gesagt ein ganz anderes Spiel gesehen als der Autor. Und mit der Meinung, dass das ein relativ fades Spiel gewesen ist, war ich wahrlich nicht allein was ich so mitbekommen habe. Viel passiert ist nicht meines Erachtens. Wir waren plötzlich 2:1 vorne; dann kam die 2. Halbzeit und es steht 3:1 und das war es im Prinzip (Lask Aluminium, Edo Kopfball mal außen vor gelassen). Ansonsten war der Ball gefühlt öfters in der Luft als am Boden und man versuchte sich gegenseitig zu übertrumpfen wer denn höher schießen kann…

    Sei es drum, gerackert und gekämpft habens brav. Ich war positiv überrascht so eine bissige, hungrige Mannschaft zu sehen, nach den doch sehr intensiven 120 Min vom Mittwoch. Saubere Leistung die CL Quali so souverän nach Hause zu spielen – nach der Wolfsberg Niederlage und der aufkeimenden Hoffnung in grün-weiß nach ihrem Derbysieg, 2 der 3 direkten Duelle mit den vorderen Teams gewonnen und dazwischen den Cup eingestreift – so will ich Sturm sehen und so sehen wir Sturm im Moment 🙂

    2+
  5. Ennstaler sagt:

    Sturm Graz ist Vizemeister! Rapid wird gerade von den Bullen ordenlich abewatscht.

    2+

Schreibe einen Kommentar