Kreissl: „Für Populismus bin ich nicht zu haben“

Der Geschäftsführer Sport im Interview

Der Geschäftsführer Sport ließ zuletzt die Möglichkeit eines Abgangs anklingen. Es war dies eine durchaus überraschende Meldung, der ein regelrechter medialer Donner folgte. Zudem befinden wir uns mitten in einer als verhältnismäßig sehr ruhig empfundenen Transferphase. Es sind dies freilich genügend Gründe, um uns bei Günter Kreissl nach dem Stand der Dinge zu erkundigen.

Herr Kreissl, zunächst zu Ihrer Person: Jüngst haben Sie ein Interview gegeben, in dem Sie einen Abgang als mögliches Szenario in den Raum gestellt haben. Wie steht es um einen Verbleib?

Ich würde mich lieber auf die Transferzeit konzentrieren, als über meine Person zu sprechen. Nach dieser werden wir uns zusammensetzen und Gedanken machen. Es sind beide Möglichkeiten offen. Grundsätzlich bin ich in der Verantwortung, mir selbst die Frage zu stellen, ob ich mir den Job weiterhin mit voller Kraft zutraue und alles investieren kann, was nötig ist, um diese Aufgabe mit der Qualität zu erledigen, die mein eigener Anspruch ist. Ich möchte jetzt aber keine Wasserstandsmeldungen abgeben, weil es einfach keine gibt.

Das klingt, als wären Sie amtsmüde.

Überhaupt nicht. Ich vergleiche mich ungern mit großen Persönlichkeiten, aber zum Beispiel viele erfolgreiche Sportler, die auf einem hohen Level länger tätig sind, evaluieren genau das auch laufend. Der Job ist überaus herausfordernd und Sturm verdient sich jemanden, der sagt: „Ich bin mir ganz sicher“. Außerdem hängt es nicht ausschließlich von mir ab, auch der Verein muss natürlich mit mir weiterarbeiten wollen. Wie gesagt, diese Gespräche werden wir nach der Transferzeit führen.

Die aktuelle Transferphase scheint eine verhältnismäßig ruhige zu sein.

Es war ruhig, was Finalisierungen betrifft. Es wurde an sehr vielen Dingen gearbeitet. Was davon noch realisierbar ist, wird sich zeigen. Beschäftigt waren wir zudem auch mit Spielern, die nicht in der ersten Reihe stehen.

Jörg Siebenhandl wurde mit einem möglichen Abgang in Verbindung gebracht. Ist da etwas dran?

Nein, es gibt derzeit definitiv nichts Konkretes.

Dasselbe gilt auch für Juan Dominguez. Obwohl die Quellen für die entsprechenden Gerüchte mehr als fragwürdig sind, stellt sich dennoch die Frage, ob man einen Spieler seines Formats halten kann.

Also weder wir noch der Spieler noch sein Manager wurden bis dato kontaktiert. Ich halte es schon für möglich, dass aufgrund seiner Qualitäten Anfragen kommen werden, kann mir allerdings auch sehr gut einen Verbleib vorstellen.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Der Frühjahrsauftakt wird insofern spannend, als dass de facto die komplette Zentrale ausfällt. Wie will man das kompensieren? Wird da noch nachjustiert oder bekommen die Jungen ihre Chance?

Mit Tobias Koch und Christoph Leitgeb haben wir zwei Spieler, deren Stammposition die Zentrale ist. Zusätzlich zu den zwei genannten Spielern gäbe es noch den einen oder anderen, der in Frage käme. Wir haben also mit Sicherheit eine Lösung parat, unabhängig davon, ob wir am Transfermarkt noch aktiv werden oder nicht.

Welche jungen Spieler drängen sich besonders auf und wer könnte in absehbarer Zeit den Durchbruch schaffen?

Es wäre stillos, jetzt einzelne Spieler herauszustreichen und hervorzuheben. Ich kann jedoch ein pauschales Lob geben: Die Leistung des Nachwuchses im Allgemeinen und der jungen Spieler, die derzeit mit der Kampfmannschaft trainieren, freut uns sehr.

Zuletzt sind Stimmen lauter geworden, es würden zu wenige aus dem eigenen Nachwuchs zum Zug kommen und die Ausrichtung wäre zu kurzfristig.

Es ist grundsätzlich normal, dass kritische Stimmen lauter werden, sobald die Leute eine Saison als nicht gut empfinden – wie das in der vergangenen Saison zurecht der Fall war. Als wir den Cup gewonnen haben, hat allerdings auch niemand explizit betont, dass es besonders geil war, weil wir sehr viele Österreicher und mehrere Steirer sowie mit beispielsweise Lovric und Maresic ganz Junge im Kader hatten. Und als es in der letzten Saison sportlich weniger gut lief, habe ich es ehrlich gesagt nicht erlebt, dass aufgrund des dauerhaften Einsatzes mehrerer sehr junger Spieler Nachsicht geübt wurde. Das lässt für mich den Schluss zu, dass vieles sehr populistisch ist. Am Ende wird bewertet, ob wir auf dem Platz eine ansprechende Leistung zeigen. Und das ist unsere Aufgabe. Die Tendenz ist aber eine ganz klare: Wir wollen ein Verein bleiben, der immer wieder junge Nachwuchstalente und steirische Spieler einbaut. Es wird in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren allerdings auch Phasen geben, wo man diesem Anspruch nicht immer gleich gut Rechnung tragen kann und der eine oder andere Ausländer oder Leihspieler mehr im Kader steht. Das ist kein Beinbruch – es muss immer die Gesamttendenz stimmen. Und an unserem Weg zweifle ich kein bisschen. Für Populismus, nur um kritische Stimmen ruhig zu stellen, bin ich nicht zu haben. Wenn in gewissen Phasen mehr kritisiert wird, müssen wir das einfach aushalten.

Hat vermehrte Kritik mit dem Umstand zu tun, dass Sie die Grundsatzfrage über Ihre Zukunft bei Sturm stellen?

Nein, wie gesagt, ist solche Kritik ein völlig normaler Vorgang. Es ist aber auch normal, wie man sich dabei fühlt. Natürlich ist es schöner, wenn alle zufrieden sind, als wenn zum Teil zurecht Kritik geäußert, gefühlt aber auch manchmal überkritisch agiert wird. So oder so, meine Begeisterung für diesen einzigartigen Verein sowie meine Leistungsbereitschaft haben sich nie verändert. Ich arbeite mit der gleichen Leidenschaft und mit demselben Engagement für Sturm wie immer.

Kommen wir zurück auf die Personalsituation. Wäre Thorsten Röcher, der mit einer Kaufoption ausgestattet ist, für Sturm leistbar?

Ja. Es handelt sich dabei um eine Kaufoption, die nicht per se außerhalb des Möglichen liegt. Vielmehr hat diese eine Größenordnung, in der bereits Spieler geholt wurden. Dennoch gilt es immer, mehrere Faktoren zu berücksichtigen, beispielsweise Transfereinnahmen oder eine Qualifikation für internationale Bewerbe, um einen Transfer gut und risikolos durchführen zu können.

Der Wunsch, ihn zu halten, ist da?

Stand heute: definitiv ja.

Verwirrung herrschte zuletzt um Amadou Dante. Wie geht es mit ihm weiter?

Amadou bleibt vorerst in Hartberg und wir müssen evaluieren, was der nächste bestmögliche Schritt ist. Eine Option wäre, vor allem dann, wenn unsere Amateure aufsteigen, ihn zurückzuholen. Eine weitere Leihe ist ebenfalls möglich. Zum Rechtlichen: Wir haben versucht, im Rahmen des Regulativs zu agieren. Letztlich ist dies jedoch eine Frage der rechtlichen Interpretation. Aufgrund der – auch gut argumentierten – Rechtsmeinung der Liga und des ÖFB konnte der angedachte Wechsel nach Ried schlussendlich nicht stattfinden. Das müssen wir akzeptieren.

Danke für das Gespräch.

Das Gespräch führte Gernot Hofer am 27. Jänner

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9 Kommentare

  1. abisz sagt:

    Günter Kreissl ist schon ein wiffer Kerl, keine Frage. Durch seine Positionierung wird er unbeschadet aus der Sache herauskommen, egal was er macht. Entweder lässt er es nach der Saison bleiben, wohl zufälligerweise genau dann, wenn es resultatsmäßig auch im Frühjahr nicht nach Wunsch klappt, oder es geht wieder bergauf (Trainer wird nicht angezweifelt) und er bekommt seinen fetten Langzeitvertrag mit noch mehr Assistenz und mehr Urlaub (was er meines Erachtens in Wirklichkeit anstrebt).

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    • schwoaza Peter sagt:

      Kann mir beileibe nicht vorstellen das Herr Kreissl auf einen „fetten Langzeitvertrag“ aus ist. Soweit mir bekannt ist steht er mit dem Verein in einem unbefristeten Dienstverhältnis.

      swg

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    • abisz sagt:

      Unbefristet ja, es gab aber einen beidseitigen Kündigungsverzicht von 2016 bis 2018 bzw. seit 2018 bis 2020.

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  2. ds1909 sagt:

    Off Topic: Lucas Jäger vom 1. FC Nürnberg wurde verpflichtet?

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    • Erzschwoarza sagt:

      Wow – wir werden Meister! Danke Gü für einen Hosiner, Lackner, Geozurek, Leitgeb, Schubert 2.0. Seine Daten sprechen nicht für sich, lasse mich aber eines besseren belehren. Wenn er nicht einschlägt, dann hoffe ich gü geht mit ihm mit. Sry, aber so sehe ich das nun mal. Gü hat mehr Spieler geholt die sich nicht durchsetzen konnten als Spieler, die sich durchgesetzt haben.

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    • black_aficionado sagt:

      @erzschwoarza: magst nicht endlich deinen Nick ändern? Du bist ein dermaßener suderant, das ist mir nicht mehr wurscht!

      Du wirst es nicht glauben, auch wir brauchen ca einen 25 Mann Kader. Ein Eriksen war fürn Gü heuer im Winter leider nicht drinnen… Außerdem, als Nebenfrage, wie viele Spieler unserer ersten 11 wurden denn vor Gü verpflichtet?

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    • ds1909 sagt:

      @Erzschwoarza:
      Wow – du Gscheider…
      Habe Lucas Jäger weder hochgejubelt noch habe ich ihn mit irgendjemanden verglichen, was deine Hirnlose Entgleisung rechtfertigen würde.
      Ich habe lediglich eine Frage gestellt, da zum Zeitpunkt, als ich es erfuhr noch nix auf Sturmnetz.at stand. Siehe da – 1min später wurde der Artikel online gestellt.
      Dieses ständige im Vorhinein Spieler/Trainer-Verteufeln bevor einer eine einzige Minute am Platz stand ist sowas von dumm und unnötig. Aber das zu verstehen fällt dir, mit einem Weitblick einer Fledermaus wahrscheinlich schwer. Bitte versuche es erst gar nicht, sonst bekommst Kopfschmerzen und vor lauter Anstrengung platzt dir womöglich noch ein Wimmerl in deinem pubertierenden Gesicht. Erwachsen kannst du mit deinem Verhalten ja unmöglich sein.

      Und by the way: „Erzroter“ wäre eine Alternative

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    • SKPSG sagt:

      @ Erzschwoarza

      Du bist echt der Wahnsinn.. Unrealsitisch ohne Ende, dauernt nur sudern und dazu noch präpotetn. Wer hat den in den Letzten 15 Jahren einen besseren Job gemacht als Kreissl? Ich denke doch, dass er seit Kartnig und Schilcher der beste SD ist den Sturm gehabt hat. Und du forderst dauernt, dass er geht, weil nicht alle Transfers einschlagen.. Kannst nicht erfinden.

      Ich wette was mit dir, wenn Schicker SD ist bist du der erste der Kreissl nachweint!

      Und lass den Spieler sich mal beweisen, anstatt gleich alles schlecht zu reden. Ist ja schon fast ein schlechter Charakterzug von dir.. Wird man schon sehen wie er sich schlägt.

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  3. GazzaII sagt:

    Ich würde den Sportdirektor da halt Mal net son einfach davonkommen Lassen, wenn er sagt
    „Wir wollen ein Verein bleiben, der immer wieder junge Nachwustalente einbaut“!

    Hätte ich nachgehakt wer das unter seiner Führung war?
    Die erwähnten Maresic und Lovric gab es vor ihm schon=> wer bleibt in über 31/2 Jahren über? Der jetzt nach Hartberg verliehene Lema? Im Endeffekt wurde in 3 1/2 Jahren NIEMAND von den Amas eingebaut (man möge mich gerne korrigieren wenn ich mich irre, Ljubic ist jetzt auch nur mehr bei Sturm wirklich Jung) ist ja auch kein Problem, aber wenn jemand sagt, dass er „für Populismus nicht zu haben ist“ dann soll er bitte auch dazu stehn!

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