Kreissl: „Es ist natürlich unser Wunsch, aufzusteigen!“

SturmNetz-Interview mit Günter Kreissl

Der sensationelle Bundesliga-Auftakt mit sechs Siegen en suite ist Geschichte. In den letzten beiden Auswärtspartien musste man sich unnötigerweise zwei Mal geschlagen geben und ist wohl zumindest vorerst am Boden der Realität angelangt. Doch wird es tatsächlich zu einem Einbruch wie im vergangenen Herbst kommen oder ist die Mannschaft im letzten Jahr gereift und kann schon bald den Turnaround schaffen? Die Sturm Amateure überraschen gleichzeitig als Tabellenführer in der Regionalliga Mitte und liegen nach dem ersten Saison-Drittel sechs Punkte vor den zweitplatzierten Lafnitzern. Wäre ein Aufstieg der zweiten Mannschaft finanziell überhaupt stemmbar und wird dieser angestrebt? Sturm-Coach Franco Foda ist ebenfalls wieder einmal in aller Munde. Erneut wird er als Spitzenkanditat für die Nachfolge von Teamchef Marcel Koller gehandelt. Steht der Deutsche tatsächlich vor einem Engagement beim ÖFB? Wir haben uns mit Geschäftsführer Sport Günter Kreissl unterhalten, um diese Themen nach der Reihe abzuarbeiten.

Herr Kreissl, es gab zuletzt zwei Niederlagen in Folge. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Es gab zuletzt zwei Niederlagen, das ist richtig. Davon hatten wir aber in einem Spiel mehr Chancen und mehr Ballbesitz als der Gegner, nämlich gegen den LASK. Wir waren teilweise, speziell in der zweiten Halbzeit, die bessere Mannschaft, aber man kann leider nicht immer so effizient sein und jedes Spiel gewinnen. Das Spiel gegen die Admira war sehr bitter. Ein solches Spiel in zehn Minuten aus der Hand zu geben, darf uns einfach nicht passieren. Das ganze Trainerteam und die ganze Mannschaft sind da auch selbstkritisch. Beim zweiten Gegentor waren wir einfach nicht abgezockt genug. Wenn es in der 92. Minute auswärts Unentschieden steht, dann darfst du nicht ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne gehen. Dann muss man eben auswärts einmal einen Punkt mitnehmen. Das war ein absoluter Selbstfaller. Trotz der zwei Niederlagen ist die Mannschaft allerdings absolut gefestigt und wird schon bald die Trendwende schaffen. Der Blick muss wieder nach vorne gerichtet werden. Die nächsten drei Spiele müssen die letzten zwei Spiele korrigieren und das am besten mit der vollen Punkteausbeute.

Gibt es Gründe, warum es nicht so einen Einbruch wie im letzten Jahr geben wird?

Ja, definitiv! Wir haben viele Spieler, die im letzten Jahr auch schon dabei waren, diese Situation bereits kennen und gut damit umgehen können sollten. Die Last auf den Schultern der Spieler ist zudem heuer viel besser aufgeteilt – auf die ganze Mannschaft gleichmäßig. Ich könnte sofort bis zu zehn Spieler aufzählen, die in dieser Saison bereits Verantwortung übernommen haben und für den furiosen Start mitverantwortlich waren. Ein weiterer Grund ist, dass ich in diesem Jahr einfach weiß, dass wir gut sind und deswegen so weit vorne stehen. In der letzten Saison waren wir uns unserer Qualität vielleicht selbst nicht immer so bewusst, wie es heuer der Fall ist.

Zurzeit stehen sechs fitte Innenverteidiger im Kader, aber nur einer spielt. Wie wird man die bei Laune halten?

Das ist eigentlich eine klassische Frage an den Trainer, denn dieser muss die Mannschaft führen. Er muss darauf schauen, dass auch die Spieler, die nicht in der Startelf stehen, bei Laune gehalten werden. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Wochen jedoch wieder mehr von ihnen in der Startelf stehen werden.

Wie beurteilen Sie als Ex-Tormann die bisherigen Leistungen von Jörg Siebenhandl? So ganz an die Form von Gratzei im letzten Herbst scheint er nicht heranzukommen oder?

Das seht vielleicht ihr so, aber ich bewerte das viel differenzierter. Seine Spieleröffnung ist einfach überragend. Deswegen ist er auch ein großer Mitwirkender für den bisherigen Erfolg. Man kann ihn in jeder Situation anspielen, er zeigt absolut keine Nerven. Was ihm bisher vielleicht etwas fehlt, ist das Spielglück, um auch einmal ein Spiel zugunsten Sturms entscheiden zu können. Ich wünsche ihm, dass er bald eine solche Partie hat, bei der er ein paar Hundertprozentige hält, und sie so entscheiden kann. Aber prinzipiell finde ich, dass er bisher eine grundsolide Leistung abruft. Er hatte auch bei der Admira erst eine Phase, die okay war, ehe er sich immer mehr gesteigert hat. Ich bin sehr positiv gestimmt, dass er auch bei uns immer stärker werden wird.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Wie schaut es bei den jungen Torhütern aus? Mit Schützenauer, Ehmann und Giulani ist man ja stark besetzt, wollte man nicht ursprünglich zumindest einen aus diesem Trio verleihen?

Ja, wir wollten einen verleihen, das ist richtig. Man muss dazu jedoch sagen, dass der Markt nicht gegeben war. Oft ist es ja so, dass sich irgendwo ein Spieler verletzt und plötzlich ein Platz aufgeht, aber es hat in dieser Transferperiode einfach keinen Bedarf gegeben. Die Burschen müssen uns ganz einfach so überzeugen, dass sie früher oder später Gratzei aus dem Tor spielen. Das muss Motivation genug sein. Schützi holt sich seine Spielpraxis derzeit in der Regionalliga. Auch bei Ehmann schauen wir darauf, dass er Einsatzzeit bekommt. Giulani kann ja auch noch bei der U18 zum Einsatz kommen. Diesen Konkurrenzkampf müssen sie einfach aushalten, wenn sie nach ganz oben kommen wollen.

Es gibt zurzeit auch sehr erfreuliche Nachrichten. Die Amateure marschieren vorne weg. Es war ja die Rede davon, dass man eher einen Kooperationsverein bevorzugt, als mit den Amateuren in die neue zweite Liga aufzusteigen. Hat sich daran mittlerweile etwas geändert?

Da muss ich jetzt sehr genau sein, denn das stimmt so nicht. Mir wurde damals, als das Thema aufkam, die Frage gestellt, ob wir mit den Amateuren unbedingt aufsteigen wollen. Diese Frage habe ich damals so beantwortet: Der Aufstieg ist absolut keine Pflicht und es gibt auch andere Optionen, eben mit Kooperationsvereinen in der Erste Liga. Aber wenn wir aufsteigen können, nehmen wir das natürlich gerne mit. Das ist ja klar! Es ist einfach so, dass die Jungs unsere Erwartungen derzeit absolut übertreffen. In den letzten Jahren hätte einfach nichts darauf hingedeutet, dass es plötzlich so gut läuft. Wir waren fast immer im hinteren Drittel und plötzlich sind wir ganz vorne unterwegs.

Also könnte man sich durchaus einen Spielbetrieb in der neuen zweiten Liga leisten?

Den Spielbetrieb würden wir uns, im Falle, dass wir tatsächlich da vorne bleiben, definitiv leisten können. Es ist natürlich unser Wunsch, aufzusteigen. Auch in Liga zwei wird es allerdings Auflagen geben, mit denen wir uns bisher noch nicht auseinandergesetzt haben. Wir werden jedoch noch in diesem Herbst nach möglichen Lösungen suchen und uns damit intensiv befassen. Vielleicht benötigt es auch einen Partner für das Stadion, in dem dann gespielt wird, denn es wird Vorschriften geben, wie viele überdachte Sitzplätze es beispielsweise geben muss und dann muss man sich natürlich ansehen, welche Spielorte da in Frage kommen würden. Ich würde dem Verein als sportlicher Leiter definitiv raten, diese Chance zu wahren, wenn sie sich tatsächlich ergeben sollte.

Man würde sich, wenn in der neuen zweiten Liga maximal drei Amateur-Mannschaften spielen dürfen, vielleicht auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bundesligisten herausspielen können oder?

Ja definitiv. Der Wettbewerbsvorteil wäre natürlich groß und vielleicht auch für ein paar Jahre zu halten, da ja nur begrenzt Platz für Amateur-Mannschaften vorhanden sein wird. Auch die Diskussion über Kooperationsvereine hätte sich dann erledigt. Aber eines möchte ich betonen: Wir sind noch weit davon entfernt. Es ist erst ein Drittel der Meisterschaft gespielt und wir wissen, wie schnell es auch in die andere Richtung gehen kann. Mit der Drei-Punkte-Regel verlierst du dann plötzlich zwei, drei Mal und die Konkurrenten sind schon wieder da. Es gilt sich im Moment zu freuen, weiter hart zu arbeiten, aber abgerechnet wird am Schluss. Wir befassen uns mit diesem Szenario aufgrund der bisher gezeigten Leistungen aber natürlich schon.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Apropos Kooperationsverein: Letztes Jahr wurde noch kommuniziert, man wird versuchen, die besten Spieler zu verleihen?

Drei sind auch verliehen. Ljubic zeigt zurzeit tolle Leistungen bei Wiener Neustadt und zählt bisher zu den besten zentralen Mittelfeldspielern der zweiten Liga. Philipp Seidl, der ja auch bei Wiener Neustadt spielt, wurde zuletzt sogar in das U-21-Team einberufen. Skrivanek hat auch schon Einsätze in Liga zwei. Diese Spieler übertreffen bisher auch unsere Erwartungen, was sehr erfreulich ist. Auch den Spielern taugt es wahnsinnig, bei einem Top-Club unter Vertrag zu stehen und trotzdem in einer gestandenen Kampfmannschaft auf Einsatzzeit zu kommen, um sich bestmöglich zu entwickeln. Von dem her passt das im Moment perfekt. Um auf die Kooperationsvereine zurückzukommen: Ich kenne den Markt ja sehr gut und das mit den Kooperationsvereinen ist ja eine relativ überschaubare Sache. Da würden fünf bis sechs Vereine in Frage kommen, sollte uns der Aufstieg mit den Amateuren nicht gelingen.

Zu guter Letzt: Es gibt zurzeit Gerüchte um Franco Foda. Hat es schon Gespräche mit dem ÖFB gegeben?

Diese Frage kommt in den letzten Tagen immer wieder und ich kann das ehrlich gesagt nicht kommentieren. Bisher ist das alles rein auf Gerüchtebasis. Es ist halt relativ mühsam. Es gibt seit dem Bekanntwerden, dass sich der ÖFB von Koller trennt, sofort Medien, die den Namen Franco Foda forciert haben, daher kommt wohl auch das Gerücht. Franco ist ein langjähriger, guter Trainer in Österreich, also würde ich es nicht verwunderlich finden, wenn sich jemand melden sollte. Bisher ist das aber ein reines Gerücht.

Einmal noch kurz nachgehakt. Wäre für Franco Foda eine Ablöse zu zahlen?

Für jemanden, der Vertrag hat, ist grundsätzlich immer Ablöse zu zahlen. Das betrifft jeden Spieler und ebenso jeden Trainer.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gerne!

Das Gespräch führte Stefan Krainz.

4 Kommentare

  1. graz4ever sagt:

    Nur der Vollständigkeit wegen:

    Welche Kooperations-Vereine könnt er meinen???

    Außerdem, wenn man bedenkt, daß wir sogar für Milanic – und das unterm Goldbrich – Kohle kriegt haben, glaub i könnt sich eine Öfb-Foda Zusammenarbeit für uns scho lohnen..

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  2. Gustlig sagt:

    „Vielleicht benötigt es auch einen Partner für das Stadion, in dem dann gespielt wird, denn es wird Vorschriften geben, wie viele überdachte Sitzplätze es beispielsweise geben muss und dann muss man sich natürlich ansehen, welche Spielorte da in Frage kommen würden. “

    Scheiss mich an, das klingt aber sehr stark nach dem GAK Platz. NIEMALS! Warum nicht Liebenau? Ging bei Salzburg und Liefering ebenso.

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  3. mauer mauer sagt:

    Äääääääääh Gratkorn????

    1+

  4. Chris_1909 sagt:

    Gratkorn wäre mMn der optimale Spielort, weiß nicht wieviele andere Orte in der Gegend eine Lizenz bekommen würden. Man müsste halt mit dem Kunstrasen zurecht kommen.

    Aber man sollte jetzt nicht den Druck zu groß werden lassen, es ist erst 1/3 gespielt und vorallem nach dem Winter darf man nicht nachlassen, 8 Punkte auf den 3. sind gleich einmal verspielt in dieser Liga.

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