Kopfsache!

Der zweite EM-Piefkecorner aus der Sommerpause

© UEFA

Nationalteams polarisieren in der Fußballwelt, denn das täglich Brot – der Klubfußball – steht bei den „echten“ Fans über allem. Die spannenden Komponenten, die die Abwesenheit von Spielertransfers und die knappe Vorbereitungsmöglichkeit in Trainingslehrgängen in die Nationalteambewerbe einbringen, sollten dennoch nicht vergessen werden. Während Sturm Graz sich in der Sommerpause befindet, erlaubt sich der Piefkecorner also einen kleinen Ausflug in das Sommerloch des Klubfußballs – zur Euro 2020 (die 2021 stattfindet).

Birnenmus!

Im Endeffekt prescht dieses Turnier an einem ja vorbei, wie ein ICE an unbedeutenden deutschen Kleinstädten. Ein Mal geblinzelt und schon ist die Gruppenphase wieder vorüber. Dabei war das ganze Drama mit dem Marko doch erst vor einer Woche – I can’t believe it. Und während alle Sportportale, Podcaster*innen und Zeitungskolumnist*innen schon das sichere Aus der Österreicher herbeigeschrieben haben, kam Österreich gegen die Ukraine endlich mal in seiner stärksten Formation auf’s Feld und lieferte eine erste Hälfte, die alle Foda-Kritiker*innen verstummen ließ. Jetzt kann man eigentlich nur noch beten, dass der Teamchef nicht wieder ins Klo greift, sondern das Winning Team nicht mehr changed, wie es im Denglischen so schön heißt. Schützt das Augenlicht des Grillitsch, damit er auch weiter den Durchblick nicht verliert. Massiert dem Marko die Wadln und Schenkel, damit er gegen die Italiener seine vergebene Hundertprozentige wieder gutmachen kann. Legt dem Laimer Konny den Sauna Belt an, oder was er sonst braucht, damit er wieder auf 100 % kommt – was für ein Marathonläufer. So viel kann doch kein normaler Mensch rennen. Und bettet den Alaba auf den weichsten Kissen, damit er sich ja nichts am linken Hax’n tut, weil wir brauchen die Flanken von ihm wie einen Bissen Brot. Und den Lainer Stefan kann man schon mal darauf vorbereiten, dass er den Lolo Insigne rausnehmen muss. Irgendwie. Bitte.

Apropos was tun: Es gibt ja dieses Concussion-Protokoll von der UEFA, das eigentlich eingeführt wurde, damit Spieler sich nicht komplett kaputt spielen in den fünfzehn Jahren Karriere, die sie haben. Die Langzeit- und Spätfolgen von Zusammenstößen mit dem Kopf sind ein absolutes Drama und das weiß man nicht erst seit den Studien aus der NFL. Benjamin Pavard lag zehn bis fünfzehn Sekunden bewusstlos am Rasen, nachdem ihn der deutsche Schrank Gosens verräumt hatte – Durfte aber trotzdem weitermachen. Christoph Baumgartner erzielte in der 21. Minute das so wichtige Tor für Österreich nach einer Ecke – Gott sei Dank mit dem Fuß – nachdem er sich in der 19. Minute eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen hatte und auch im weiteren Verlauf der ersten Hälfte ausgewechselt werden musste. Auch er hätte weitermachen dürfen. Vor etwas mehr als einer Woche ist Christian Eriksen auf dem Spielfeld wiederbelebt worden und alle Spieler außer ihm „durften“ weitermachen. Ich weiß ja nicht, wie heldenhaft es ist, wenn sich ein Anfang 20-Jähriger nach dem Spiel im Interview hinstellt und sagt: „Ja, der Schädel brummt mir jetzt schon noch immer ordentlich, aber das war es mir wert.“

Twitter is a magic box.

In der Kurzpass-Ausgabe des Rasenfunk zum EM-Tag 12 kann man nachhören, wie geschätzte Kollegen im Podcast nicht nur das Spiel der Österreicher analysieren, sondern auch darauf aufmerksam machen, wie fahrlässig es eigentlich ist, dass bei Zusammenstößen mit dem Kopf und möglichen Kopfverletzungen nach wie vor auf das UEFA-Protokoll gepfiffen wird. Dabei wird auch ein lange zurückliegender Bericht aus der FAZ erwähnt, wo über eine Studie geschrieben wurde, anhand derer belegt wurde, dass sich die Feinmotorik von Fußballern wie Lothar Matthäus und Andreas Brehme schon vor deren Karriereende deutlich verschlechtert hatte. Die Folgen einer weiteren Erschütterung des Kopfes, der bereits eine leichte Schädel-Hirn-Verletzung erlitten hat, sind nur mittels Langzeitstudien belegbar, aber weitreichend. Solche Folgen wirken sich auf die Lebensdauer aus. Da wird dann eben so ein Kickerhirn über die Jahre auch zu Birnenmus. Gut, dass zumindest Kopfballtrainings bei Kindern möglichst unterlassen wird. Die NFL hat sich diesem Thema gewidmet und dagegen gesteuert. Im Fußball passiert das jedoch nicht. Aber im Fußball passiert ja so einiges nicht, wenn kein Geld im Spiel ist.

Die UEFA in einem Meme erklärt. Da spar ich mir den Ärger und die leidige Schreiberei.

Unabhängig davon ist eine andere Sache trotzdem ziemlich fein: Österreich spielt am Samstag gegen Italien und ich habe das Glück, dass ich an diesem Tag den Kick in Österreich schauen kann. Ich tausche den trockenen Piefkecorner dann kurz ein für den mit Bar versehenen Ösi-Keller eines Freundes. Da freu ich mich wirklich drauf. Denn mit Fortdauer des Turniers erstarkt die DFB-Auswahl und damit wird es auch wieder unerträglich im deutschen Fernsehen. Nachdem niemand sonst die Deutschen so richtig mag, müssen sie sich selbst eben am meisten mögen. Und das Einzige, was die Deutschen außer sich selbst noch brauchen, sind Underdogs. Und die suchen sie. Und die finden sie. Und dann machen sie einem sogar die Underdogs mit ihrer Sensationslust madig. So ein Dänemark-Hype war doch nie da. Auch wenn das schön war, dass dieses Team sich nach seinem Schicksalsschlag wieder rauszieht, war diese Mannschaft trotzdem kein Underdog, bitte. Die haben eine gute Truppe und werden wohl auch Wales besiegen…

Da lobe ich mir den ORF und seine schludrige Berichterstattung im Vergleich zu die genauen Dajtschn. Halbherzige Hand drauf, diese Fernsehvorberichte und Interviews sind doch köstliche Unterhaltung. Endlich die Fallfehler vom Schneckerl, endlich die nervtötenden Überhöhungen vom Polzer und finalmente die very good Language Skills von Rainer Pariasek. Da ist man dann gleich ganz anders persönlich involviert, wenn beim österreichischen Team von „uns“ und „wir“ die Rede ist. „Wir“ müssen dann gegen Italien nämlich gar nichts mehr. „Uns“ traut da keiner was zu. Nicht einmal „wir“ selber. „Wir“ können nur überraschen. Uns würde auf jeden Fall reichen, wenn das Team mit dem gleichen Willen und Einsatz wie gegen die Ukraine ins Spiel geht. Das waren die Italiener in diesem Turnier bislang nämlich noch nicht von ihren Gegnern gewohnt. Man darf ja noch träumen. Von einer Notti magiche in Wembley. Nix da, mit Un’estate italiana. Zumindest in meinen Wunschgedanken. Ein Spiel dauert bekanntlich 90 Minuten. Der Ball ist rund. Das Runde muss ins Eckige. Und der Marko schuldet der Nation noch ein Tor, bitte. Da freue ich mich drauf. Da warte ich drauf.

Anmerkung: Und ich freue mich und warte auf einen wirren Post vom bianco nero tifoso unter dem Beitrag (aber bitte ohne Sexismen) und hoffentlich auf einen faireren, freundlicheren Umgangston in der Community. Eine gute Faustregel war hierfür immer: „Wennst nix Nettes, Konstruktives zum Sagen hast, dann sag einfach goa nix.“ – Da fährt die Eisenbahn drüber. Oder eben der ICE daran vorbei.

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1 Kommentar

  1. bianco nero tifoso sagt:

    Yannick ist ein Pfieke in Graz?

    Na bravo, gratuliere, produziere deitsche Bruda?

    Was muss ich höre von deutsche Mann.

    Jetzt is es soweit, dieser Kommentar bringt das Fass zum Überlaufen, es war nur ein Tropfen, spiel nicht mit dem Feuer, Junge, verbrenn dir nicht die Finger, sagte schon Edi Finger 1978, bei seinem Torjubel, i werd narrisch.

    Jetzt hommas schlogn die Deitschn, de Gfrasta, endlich samma wieder wer.

    Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals, der Kollege Riepl, der Diplom-Ingenieur Posch, wir busseln uns ab. 3:2 für Österreich durch ein großartiges Tor unseres Krankl Burli. Er hat olles überspielt, meine Damen und Herren. Und wartens noch ein bisserl, wartens no a bisserl, dann können wir uns vielleicht noch ein Viertes Vierterl genehmigen.

    Vielleicht sollten wir einmal einen Sitzkreis bilden, uns gegenseitig die Hand geben, ganz fest in die Augen schauen, lachen und dann wirst du sehen, die Deitschn sind ja auch Menschen wie wir, fern der Heimat mit einem schrulligen Dialekt, breiten wir Grazer, Steira unsre Arme aus, zeigen wir Herzenswärme für fremde Kulturen.

    Bereits Konfuzius sagte: Bruder, wir sind alles Menschen, an einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter, comprende?

    Yannick, typisch Deutsch, der Kosename von Johannes, wie die Nase eines Mannes, so ist auch sein Johannes, Foda, Anakonda in der Hosn, dass glaubst du nicht, bei der Ö Fussballmannschaft ist immer der Trainer das schwächste Glied, wenn die Ergebnisse nicht passen, wird er als 1. gefeuert und dann steht er do, ganz verlossn und allan und will wieder Sturmtrainer werden, es is zum Rean.

    Nett ist das Gegenteil von böse, ich lasse mir den Mund nicht verbieten, wir sind ja nicht in der Zensur DDR.

    🙂

    Sturm Graz kann auch nicht nett spielen, keine Rücksicht auf Verluste, der Kampf geht weiter, die Wunden nachdem Cupsieg 2018 sind geleckt, die Narben verheilt.

    Sommer 2018, wir hatten nichts, kämpften ums Überleben, Survival Essen, jeden Tag Nudl mit Ketchup, Franz Wohlfahrt, der Wahnsinnige ist Amok gelaufen und unser Kapitän da Alar, Gott hab ihn selig, wollte reich weden mit einem Rentenvertrag bei Rapid, reich werden wollen viele Kicka, nur Wenige schaffen es.

    Vullgas, tutto gas in die neie Saison, es wird historisch und geht in die Analen ein, ich verspüre eine leichte Euphorie in Graz, 15 Monate Corona bringt den stärksten Mann, Frau um, Sommer 2021 geht jetzt schon in die Sturmgeschichte ein, komme was wolle.

    Morgen gegen die Itaker, wird schwierig, ich vertraue auf unseren Piefke Franco Foda mit der gleichen, mutigen Aufstellung wie gegen die Ukraine.

    Die jungen Ösi Buam müssen spritzig in die Tiefe gehen, die Opas In der Verteidigung von Italien sind weak und old und unsere Buam san jung und spritzig, allzeit bereit, Gurke gross, steht.

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