Knapper Sieg im Südburgenland

Der Damen-Wochencheck in KW 20

FC Südburgenland 1:2 SK Sturm Graz

Mit einem holprigen Auswärtssieg beim Tabellenschlusslicht hielten die weiblichen Vertreterinnen des SK Sturm Graz (trotz einem Spiel weniger) die drittplatzierten Wienerinnen von USC Landhaus/Austria Wien im Fernduell in Schach. Nach 36 Minuten ging Südburgenland in Führung, die Julia Wagner jedoch bereits eine Minute später ausgleichen konnte. Mit diesem Unentschieden ging es danach auch in die Pause. Bei widrigen Wetterverhältnissen, einem von heftigem Wind stark beeinflussten Spiel, hieß es den Ball flachzuhalten. Dass unsere Damen das können, haben sie in dieser Saison bereits mehrmals unter Beweis gestellt, ausgerechnet gegen Südburgenland gab es allerdings immer wieder technische Fehler im Spielaufbau, die den Schwoazen das Leben schwer machten. Der laut Coach Christian Lang „extrem unebene“ Platz, trug nicht unwesentlich dazu bei, dass das Spiel kein Leckerbissen war. Dass Julia Wagner in der Schlussphase (82.) dann aber noch den Doppelpack schnürte und somit dem Team das wichtige 2:1 gelang, bedeutete, dass man die Pflicht trotz allem erledigen konnte und die drei Punkte mit nach Graz nahm.

Wegen vielen Ausfällen und abgestellten Spielerinnen pfeifen die BetreuerInnen mit dem Mini-Kader derzeit aus dem letzten Loch. Ein weiteres Mal debütierte aus dieser Personalnot heraus eine junge Spielerin in der Startelf. Diesmal war es die erst 15-jährige (!) Vanessa Gruber, die über 90 Minuten im Einsatz war. Trainer Lang macht keinen Hehl daraus, dass es derzeit sehr schwer ist, auf dem Platz zu glänzen, wenn mit Kovacs, Malle, Kolb, Weilharter, Cancienne und den beiden U17-EM-Spielerinnen Magerl und Dorn sieben Spielerinnen fehlen, von denen sechs als Stammspielerinnen zu bezeichnen sind.

Christian Lang fasst die aktuelle Situation wie folgt zusammen: „[Es passierte] eben genau das, was wir vermeiden wollten: Die langen Bälle der Burgenländerinnen nach Ballgewinn auf die schnelle Thurner (Anm. Torschützin zum 1:0), die immer 2-3 Spielerinnen von uns beschäftigt hat. Wir hingegen kamen nie ins Gegenpressing und es entstand eine Verunsicherung in unserem Spiel. Das ist wiederum für ein junges Team nicht so einfach zu regulieren.
Die Personaldecke ist sehr wohl ein Thema. Vanessa Gruber hat ihr erstes Bundesligaspiel absolviert. Das Team ist leider eben ein anderes als im Herbst. Dieses druckvolle Spiel ist im Moment nicht möglich. [So viele Ausfälle] muss man erst einmal kompensieren. Darum freut mich, dass wir niemals aufgeben als Team, auch in der zweiten Hälfte, um doch noch den Siegtreffer zu erzielen. Jetzt geht es darum den jungen Spielerinnen Druck zu nehmen und trotzdem noch zusätzlich punkten zu müssen. Wir brauchen in den letzten vier Partien drei Siege, wenn Landhaus alles gewinnen sollte.“

Foto: Martin Hirtenfellner Fotografie

Nicht alles eitel Wonne

Es darf an dieser Stelle auch einmal der Blick auf etwas gelenkt werden, was beim SK Sturm im Damenbereich definitiv noch ausbaufähig ist. Auch, wenn wir uns im österreichweiten Vergleich keineswegs verstecken müssen, ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn, dass die Personaldecke bei einem der finanziell stärksten Teams der Liga, und das ist der SK Sturm im Frauenfußball, immer wieder derartig dünn ist, sollte der Vereinsführung eigentlich zu denken geben. Es ist nicht unerwartet, dass bei so vielen Nachwuchsnationalteam-Mitgliedern immer wieder Kaderspielerinnen abgestellt werden müssen, das wird auch dem sportlichen Leiter Mario Karner bewusst sein.

Wenn man die finanziellen Investitionen, die für das Herrenteam getätigt werden, und Einkünfte bei den Männern mit jenen der Damen vergleicht, sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass der SK Sturm in der Sommerpause nachbessert und die Verhältnisse gerade rückt. Zumindest soweit, dass ein geordneter Spielbetrieb möglich ist und der Trainer ausreichend (erfahrene) Spielerinnen zur Verfügung hat.

Es kann nicht auf Dauer der Weisheit letzter Schluss sein, dass 15-jährige Schülerinnen bei den Erwachsenen in der ersten Elf aushelfen müssen, auch wenn es natürlich sehr erfreulich ist, dass Sturm so viel Talent in den eigenen Reihen hat. In anderen Vereinen und Ländern gibt es bereits Maßnahmen, die sicherstellen sollen, dass Frauen möglichst die gleichen Voraussetzungen wie Männer bekommen, um sportliche Erfolge einzufahren. Der SK Sturm ist nach wie vor ein österreichischer Vorzeigeverein in dieser Hinsicht, aber sollte sich darauf nicht ausruhen. Es gibt genügend Ansatzpunkte, um den Verein weiter zu verbessern. Ein, zwei erfahrene, fair bezahlte Spielerinnen könnten schon ein wichtiger Schritt sein, um in der kommenden Saison vielleicht einen Angriff auf die Meisterschaft zu wagen.

Am kommenden Sonntag kehren ein paar Spielerinnen wieder zurück. Gerade rechtzeitig, um beim Heimspiel in Messendorf gegen den SKV Altenmarkt weitere drei Punkte einzufahren. Das Spiel startet um 14:00 Uhr. Es sollte sich also ohne Probleme ausgehen, die Damen und die Herren live zu unterstützen!

 

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