Kein Wunder von Favoriten

Spielbericht: FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz

36. Runde und Sturm muss gewinnen. Und die Admira muss gegen den selbstgekrönten Rekordmeister aus Hütteldorf Punkte liegen lassen. Und der Konzern aus der Mozartstadt muss ebenjene Niederösterreicher im Cupfinale bezwingen.  Nur dann darf der Kleinste der „Top 4“ nächstes Jahr wieder international mitmischen. Ob sich das rentiert, wird sich weisen. Ist Sturm doch bekannt dafür, nicht mit der Fortuna des europäischen Fußballs liiert zu sein und so meist einen Klub aus dem Balkan oder Vorderasien zugelost zu bekommen, der sich am besten so beschreiben lässt: Unattraktiv und schwer zu bespielen. Sturm scheidet aus, noch bevor man überhaupt in Europa angekommen ist und schreibt rote Zahlen. Die entstehenden Reisekosten können schlicht nicht von den Zuschauereinnahmen gedeckt werden, denn: Das Interesse gegen Inter Baku und Co. hält sich meist doch in Grenzen.

Da unter Umständen aber irgenwie doch ein geiler Gegner von der Insel winken könnte, will man die Chance nicht auslassen (obwohl man letzte Runde gegen den SV Mattersburg schon einen großen Schritt in diese Richtung machte) und gegen die Wiener Austria als Sieger vom Platz gehen. Das soll mit einer Systemumstellung gelingen. Chefcoach Franco Foda schickt ein 4-1-4-1 aufs Feld. Die Rolle des Solosechsers übernimmt Wilson Kamavuaka, das Offensivquartett wird von dem zuletzt unterirdisch spielenden Thorsten Schick, den beiden Ex-Austrianern Marko Stankovic und Sascha Horvath sowie Donis Avdijaj gebildet, der in seinem Abschiedsspiel noch einmal von Beginn an ran darf. In Abwesenheit des verletzten Charalampos Lykogiannis rückt Marvin Potzmann in die Startformation, Tanju Kahyan verteidigt über links.

Bärendienst

Während in Wien eine Viertelstunde lang nichts passiert, geht ein Bundesland weiter südlich Rapid Wien durch Louis Schaub in Führung. Avdijajs Distanzschuss, welcher weit neben da Tor geht, ist noch die nennenswerteste Aktion. Nach etwas mehr als 20 Minuten gibt es den ersten Aufreger des Spiels, Schiedsrichter Robert Schörgenhofer lässt 35 Meter vor dem Tor der Grazer den Vorteil gut laufen, Alexander Grünwald bringt den Ball gut zur Mitte und Kayhan bugsiert den Ball beim Klärungsversuch beinahe ins eigene Tor.

Richtig gefährlich wird es aber erst nach einer halben Stunde, als sich Raphael Holzhauser ein Herz fasst und gut 25 Meter vor dem Tor abzieht. Viel hat hier nicht gefehlt und die UEFA hätte jetzt schon ohne den Gästen planen können. Fünf Minuten später muss zum ersten Mal Michael Esser eingreifen, einen Schuss von Olarenwaju Kayode kann der Deutsche aber zur Ecke klären. Den Paukenschlag setzt aber erst drei Minuten vor Ende der ersten Spielhälfte: Marvin Potzmann zieht den durchbrechenden Lucas Venuto an der Hose und sieht Gelb. Blöd nur, dass dies seine bereits zweite im laufenden Spiel war. Der geborene Wiener wird zum dritten Mal in dieser Saison ausgeschlossen und erweist seiner Mannschaft einen Bärendienst.

@ Martin Hirtenfellner

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Killer

Nachdem Alexander Gorgon und Larry Kayode zwei hochprozentige Möglichkeiten auslassen, denkt man schon, Sturm rettet sich mit einem Unentschieden in die Pause. Doch plötzlich kommt Kayhan im Strafraum angerauscht und senst David de Paula um. In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs gibt es also Elfmeter für die Wiener Austria sowie unzählige gelbe Karten für die Grazer, die kaum noch im Zaum zu halten sind. Da Elferkiller Esser den eigentlich gut geschossenen Strafstoß des Favoritener Kapitäns fest hält, steht es zur Pause tatsächlich 0:0.

Somit ist die Chance auf internationalen Fußball in Graz also noch intakt. Nachdem zu Beginn des Spiels eigentlich relativ wenig passiert, wird es gegen Ende extrem hektisch. Die Steirer stehen anfangs sehr hoch und attackieren ungewohnt früh, was die Hauptstädter zu einigen Eigenfehlern zwingt. Im Laufe des Spiels stellen sich die in den neuen rot-weißen Auswärtstrikots (!) spielenden Wiener aber besser darauf ein, weil der Druck der schwarz-weißen auch etwas nachlässt. Wilson Kamavuaka mimt den Ausputzer sehr gut, auch wenn offensiv beim Deutsch-Kongolesen wenig geht. Auf die zweite Hälfte darf man gespannt sein, braucht Sturm doch in Unterzahl einen Sieg.

Innenstange

Franco Foda will das Wunder ohne Wechsel vollbringen  und zieht Schick auf die Rechtsverteidigerposition zurück. Die erste Chance in Hälfte zwei gehört auch den dezimierten Grazern, Avdijaj kann Amateurgoalie Patrick Pentz jedoch nicht überwinden. Im Gegenzug muss man froh sein, nicht in Rückstand geraten zu sein als bei Gorgons Schuss aus der Drehung nur wenige Zentimeter fehlen. Auf der anderen Seite setzt Aktivposten Avdijaj zu einem sehenswerten Dribbling an und spielt dann zur Mitte, Sturmspitze Bright Edomwonyi verfehlt aber die Kugel. Ebenjener hat dann auch die Führung am Fuß, trifft aber von der Strafraumgrenze das Tor nicht.

Nach einer Stunde baut Rapid die Führung durch Stefan Schwaab aus und Esser sowie Pentz halten nach gefährlichen Schüssen von Grünwald, Avdijaj und Horvath das Unentschieden fest. Letzterer wird von Foda in Minute 65 durch Kristijan Dobras ersetzt. Kurz darauf fällt das vermeintliche Führungstor der Gastgeber, das Schiedsrichtergespann entscheidet aber auf Abseits. Sturm hält in Unterzahl gut mit und belohnt sich beinahe mit dem Führungstreffer. Edomwonyi setzt sich im Duell mit Lukas „Löwenmähne“ Rotpuller gut durch, doch setzt das Leder nur an die Innenstange, von wo der Ball wieder aus dem Tor springt. Auf der anderen Seite ist dann der Ball tatsächlich im Tor, Schiri Schörgenhofer entscheidet nach kurzer Beratung mit seinem Assistenten jedoch abermals auf Abseits.

@ Martin Hirtenfellner

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Aus

Sturm benötigt weiterhin nur ein Tor und Foda bringt Andreas Gruber anstatt des blassen Stankovic. Mit zehn verbleibenden Minuten auf der Uhr wird es immer hektischer. Sturm muss, kann aber nicht, die Austria muss nicht, will aber – das zeigt sich auch in Minute 81, als zuerst der eingewechselte Kevin Friesenbichler an Esser scheitert, dann aber Kayode per Kopf einnetzt. Wer glaubt, dass es jetzt 1:0 steht, irrt, denn es gibt – richtig – Abseits. Kayode ist es auch, der im Strafraum zu Fall kommt, einen weiteren Elfer gibt es aber nicht. In Niederösterreich läuft weiterhin alles für die Grazer, zwar kann die Admira einen Treffer erzielen, kurz zuvor macht Mario Sonnleitner aber schon den Deckel drauf.

Die Austria spielt weiter auf Sieg, Kayode setzt den Ball aber neben das Tor. Friesenbichler macht es in Minute 86 aber besser, kommt im Strafraum zum Ball und überlupft Esser in feinster Goalgetter Manier. Der Europacup ist für Sturm jetzt so weit entfernt, wie Grödig vom Meistertitel (auch wenn man soeben das 2:3 in Mattersburg erzielt hat). Bei den Grazern ist die Luft raus, Lukas Spendlhofer freut sich schon auf Las Vegas und Foda steht regungslos in der Coachingzone. In der 90. Minute macht Kayode den Deckel drauf und verlädt aus der Drehung den chancenlosen Esser.

@ Martin Hirtenfellner

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Revanche

Sturm ist geschlagen, da hilft auch die Einwechslung Benjamin Rosenbergers nichts mehr. Letztendlich verabschiedet man sich mit einem 3:0 von der alten Generali-Arena weil auch Holzhauser noch Lust auf einen Treffer hat. Nichts ist es geworden mit dem Wunder von Favoriten, auch wenn Rapid seine Aufgabe erledigt hat. Der Austria hingegen ist die Revanche gelungen und hat dem SK Sturm Europa vermiest – so wie die Grazer der Austria in den letzten Jahren zwei Mal. Den Austria-„Fans“ scheint das zu gefallen und leisten sich ein hitziges Battle mit den Sturm-Afficionados – nur getrennt durch eine menschliche Mauer der Polizei. So ist es also nichts geworden mit dem internationalen Geschäft – aber ganz ehrlich, folgende Daten sprechen für sich:

48 Punkte – 40 Tore – 40 Gegentore
12 Siege – 12 Unentschieden – 12 Niederlagen
5. Platz

Das ist pures Mittelmaß, nichts mehr und nichts weniger. Das hat international nichts verloren. Und vielleicht ist es ja sogar besser so.

 

Stimmen zum Spiel

Günter Kreissl:

… über das Spiel:

Gab es heute Fortschritte im Bezug auf Einstellung und Körpersprache im Vergleich zum letzten Spiel?

Gibt es eine Tendenz zu Tasos Avlonitis?

 

Wilson Kamavuaka:

Was war der Grund den vierten Platz nicht erreicht zu haben?

Wird Wilson Kamavuaka in der nächsten Saison das Sturm-Dress noch tragen?

Was ist der Grund, dass es noch keine Vollzugsmeldung gibt, dass Wilson Kamavuaka Sturmspieler bleibt?

Ist man sich im Finanziellen noch uneinig?

 

Lukas Spendlhofer:

Niederlage im Saisonfinale – woran lags?

… über das schwierige Medienumfeld in Graz:

… sein persönliches Fazit zur Saison:

 

Michael Esser:

… über das Spiel:

Wusstet ihr via Anzeigentafel über das Admira-Spiel schon Bescheid, oder?

Was kann man jetzt in die neue Saison mitnehmen?

Wird Michael Esser in der nächsten Saison definitiv wieder im Sturm-Tor stehen ?

Werder Bremen ist kein Thema?

 

Marko Stankovic:

Was kann man positiv aus dem Jahr mitnehmen?

Warum war man heuer gegen die Top-3 so unterlegen?

 

Galerie

 

Spieldaten

2016-05-15_FK Austria Wien - SK Sturm Graz - Statistiken

2016-05-15_FK Austria Wien - SK Sturm Graz - Aufstellungen

 

Die Spieler könnt ihr HIER bewerten!

 

5 Kommentare

  1. mauer mauer sagt:

    Hats denen heute die Sprache verschlagen oder werden noch Interviews nachgereicht?? ☺

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  2. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Nun Saisonziel klar verfehlt…und wir Deppen haben über den Milanic gjammert…

    Also Kaderumbruch und Foda Männergespräch sunst kinans mi gern hom…

    Also irgendwaum reichst a moi, Einsatz vlt ba 1,2 nahe der 100% umd bam Rest 0.0 PUNKT.

    Kreissl ist die Hoffnungsfigur, nur ob er den Foda Block sprengen kann…mehr als fraglich. Lass mich gern überraschen owa wenni jedes Wochenend an Grottenkick seng wü geh auf mein örtlichen Spurtplotz…do is die Kortn und as Bier fü bülliger…und im Notfoll spülli söwa a mit xD.

    Owa im Ernst mein Herz blutet wenn mein Verein, der so viel Potential hat, durch so viele fragwürdige Entscheidungen ins Mittelmass gedrückt wird. Liebes Sturmnetz Team vielleicht solltets ihr mit Fan Cams nach den Spielen anfangen, damit auch jeder sieht und hört was die Fans denken.

    Aber all dass Jammern hilft eh nix…nur hett i nie gedacht dass man von Jahr zu Jahr weniger Fan von seinem Herzensverein werden kann…

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  3. Ranger sagt:

    Die Grazer Medien sind ja so böse mimimimi

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