Kalt wie eine Hundeschnauze

Spielbericht: WSG Swarovski Tirol vs. SK Sturm Graz 1:5 (0:2)

„Für unsre Schwoazen ziag ma quer durchs Lond…“, lautet auch an diesem Wochenende wieder das Motto der schwarzen-weißen Anhängerschaft. Nach dem vergangenen Auswärtsspiel gegen Rapid ging es heute zum Aufsteiger nach Tirol. Das erste Aufeinandertreffen gegen die WSG konnte Sturm souverän mit 2:0 für sich entscheiden und auch in der Tabelle liegen die Blackys klar vor den Tirolern. Wenig überraschend also, dass man Sturm im Vorfeld der Begegnung die Favoritenrolle zusprach. Trainer Nestor El Maestro warnte seine Mannen dennoch vor dem heutigen Gegner: „Die Mannschaft von Wattens präsentiert sich überwiegend zuhause sehr stark. Sie haben da einige gute Leistungen abgeliefert und hier und da unerwartete Siege geholt. Wir müssen auf jeden Fall unser bestes Gesicht zeigen und unsere Topleistung abrufen, um am Ende erfolgreich vom Platz zu gehen.“ Dazu vertraute El Maestro jedoch nicht der gleichen Elf, die gegen Rapid beginnen durfte. Statt Isaac Donkor (verletzt) rückte Ivan Ljubic in die Startelf und auch Stefan Hierländer musste sich ob einer Erkältung zunächst mit der Reservistenrolle begnügen. Anstelle des Kapitäns bekam Thomas Schrammel die Chance, sein Können von Beginn an unter Beweis zu stellen. Mit diesen personellen Änderungen geht eine Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 einher.

Tirol drückt, Sturm trifft

Pünktlich um 17:00 Uhr pfiff Schiedsrichter Robert Schörgenhofer die Partie zwischen dem Neunten und Fünften der Tabelle an. Der Gästeblock versuchte von Beginn an, bei Temperaturen um den Nullpunkt dem Spiel ordentlich einzuheizen. Auch die Mannschaft versuchte, von Anfang an einen heißen Auftritt hinzulegen und setzte die Abwehr der Tiroler mit frühem Anlaufen unter Druck. Die Kicker der WSG Tirol wussten jedoch dieses „Pressing“ geschickt zu umgehen und sorgten mit vereinzelten Vorstößen immer wieder für Gefahr vor dem Grazer Tor. Doch ausgerechnet einer dieser Offensiv-Vorstöße sollte den Tirolern zum Verhängnis werden. Nach einem Eckball der WSG schalteten die Grazer blitzschnell um. Ivan Ljubic spielte einen geschickten Laufpass auf Otar Kiteishvili. Dessen Flanke fand den in der Mitte völlig freistehenden Philipp Huspek. Dieser vollendete wie schon beim Auswärtsspiel gegen Rapid eiskalt. Die Tiroler zeigten sich aber völlig unbeeindruckt vom Treffer und versuchten nach wie vor, weiter nach vorne zu spielen. Wenig verwunderlich kamen sie so auch nach einem gefährlichen Abschluss aus der zweiten Reihe zu einer guten Chance. Jörg Siebenhandl konnte aber im Nachgreifen gut parieren. Im weiteren Spielverlauf versuchte Sturm immer wieder, schnell über die Flügel umzuschalten. Philipp Huspek und Kiril Despodov waren oft nur durch Fouls der Tiroler Abwehr zu stoppen. Sturm agierte zu diesem Zeitpunkt jedoch sehr passiv und überließ den Tirolern die Spielkontrolle. Gerade in einer Phase, in der die WSG das Geschehen im Griff hatte, konnte Despodov die nächste Halbchance für Sturm verbuchen. Es schien so, als hätte El Maestro im Vorfeld der Partie die beiden Abwehrseiten der Wattener als Schwachpunkte ausgemacht. Immer wieder ging es über die Flügel mit anschließender Flanke auf Bekim Balaj. Dieser tat sich aber oft schwer, den Ball zu erreichen. Die Tiroler blieben immer bissig und zeigten vor allem bei den zweiten Bällen ihre Zweikampfstärke. Die Gastgeber hatten weiterhin mehr Ballbesitz und Sturm lauerte auf den Konter. Wenn die Blackys am Ball waren, fehlten oft die Ideen oder es mangelte an der Genauigkeit der Pässe. So gab es immer wieder viel Platz für die WSG, den diese aber nur gelegentlich nutzen konnten – wie bei der Chance von Sebastian Santin, der den Ball nach einer Flanke völlig freistehend nicht im Tor unterbrachte. Sturm lauert zu diesem Zeitpunkt nur mehr auf Konterangriffe und tat weniger für das Spiel. In der 38. Minute gab es jedoch einen Freistoß für Sturm. Despodov brachte den Ball aus halbrechter Position hinein, Balaj verlängert diesen und Juan Dominguez köpfelte völlig unbedrängt zum 2:0 ein. Dieses Tor kam zwar völlig aus dem Nichts, beflügelte die Grazer gegen Ende der ersten Hälfte aber noch einmal. Doch genau in dieser Phase hatte die Heimmansschaft nach einer Freistoßflanke die Chance, den Anschlusstreffer zu erzielen: Jörg Siebenhandl war jedoch wachsam und konnte den Anschlusstreffer verhindern. Wieder einmal probierten die Grazer ihr Glück über den linken Flügel. Otar Kiteishvili fand nach einem starken Flankenlauf aber keinen Abnehmer für seine Hineingabe in die Mitte. Trotz einer phasenweise nicht überragenden Leistung ging Sturm mit einer komfortablen 2:0-Führung in die Halbzeitpause.

Sturm trifft eiskalt ins Tiroler Herz

Nestor El Maestro schien in der Pause die richtigen Worte gefunden zu haben, denn die zweite Halbzeit begann gut für Sturm. Die Blackys eroberten im Halbfeld den Ball und spielten schnell in die Tiefe auf den völlig freistehenden Despodov. Dieser versuchte den Ball noch einmal in die Mitte zu bringen, fand aber keinen Mitspieler, sondern nur die Nummer zehn der Gastgeber. Florian Toplitsch wollte den Ball in allerhöchster Not noch irgendwie klären, schoss das Leder allerdings in Slapstick-Manier ins eigene Tor. Trotz des 0:3-Rückstandes ließ sich die WSG wiedermal nicht hängen und spielte weiter munter nach vorne. Und das mit Erfolg: Nach einer guten Ecke der Tiroler wollte Ivan Ljubic klären, traf den Ball aber unglücklich und beförderte ihn in der 54. Minute ebenfalls ins eigene Gehäuse. Vorwurf kann man dem Sechser dabei keinen machen; eher den ansonsten starken Siebenhandl, der in dieser Szene etwas zu unentschlossen agierte. Vom 1:3 beflügelt, übernahmen die Tiroler wieder das Spielgeschehen und drückten auf das 2:3. Sturm verlegte sich abermals vermehrt aufs Kontern.

Nach 20 gespielten Minuten in der zweiten Hälfte wurde das Spiel aber wieder etwas ausgeglichener. Sturm bekam mehr Kontrolle und konnte nach starkem Pass von Bekim Balaj auf den freigelaufenen Kiril Despodov in der 68. Spielminute das 4:1 erzielen. Despodov blieb wie so oft eiskalt vor dem Tor und versenkte das Spielgerät staubtrocken im linken Eck. Nachdem Sturm den Drei-Tore-Vorsprung wiederhergestellt hatte, plätscherte das Spiel nur mehr so dahin. Zu diesem Zeitpunkt war freilich alles klar. Als Zuseher bekam man etwas den Eindruck, dass die WSG Tirol nicht mehr konnte und Sturm nicht mehr wollte. Nicht nur die rund 2100 Zuseher, die sich an diesem Samstagabend ins Tiroler Tivoli verirrt hatten, froren in der zweiten Halbzeit ein, sondern auch das Konterspiel der Grazer. Mit etwas mehr Konsequenz und etwas mehr Genauigkeit wäre sicher das eine oder andere Tore mehr drinnen gewesen. Dennoch hatte der gut gefüllte Gästeblock der Grazer noch einmal Grund zum Jubeln. Nach einer Ecke des eingewechselten Jakob Jantscher konnte Otar Kiteishvili völlig frei einnicken. Sturm glänzte heute über weite Strecken nicht unbedingt mit spielerischer Klasse, agierte aber zweikampfstark und cleverer als die Hausherren. Und vor dem Tor war man kalt wie eine Hundeschnauze.

 

Spieldaten

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8 Kommentare

  1. Bozo Bazooka sagt:

    Spielt von Beginn an und macht die Tore. Danke Philipp. Bitte endlich verlängern!

    3+
  2. Thomas sagt:

    Bravo, der sk Sturm ist wieder da!

    1+
  3. Rene90 sagt:

    solide eiskalte Vorstellung, bis zur Winterpause wird das OPO noch fixiert, damit endlich im Jänner mit 100% Ruhe die Vorbereitung für das OPO und der Kampf um die internationalen Plätze gestartet werden kann

    1+
  4. black_aficionado sagt:

    Sauber Jungs!
    Zwischen war zwar einiges an Leerlauf drinnen und zeitweise war es sicher nicht unglücklich, dass wir in Führung blieben, aber ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass wir nicht in der Lage gewesen wären erneut zuzulegen falls nötig! Es ist zwar spielerisch nicht sonderlich glanzvoll was wir teilweise abliefern, aber die Mannschaft scheint sich langsam stabilisiert zu haben. OPO kann in Wahrheit kein Thema mehr sein, dh der Winter kann perfekt genutzt werden und es müssen keine Panikaktionen veranstaltet werden.

    Bitter für Balaj, dass sich der Ball in der letzten Situation nach dem Querpass von Sakic so versprungen ist, dem hätt ich sein Türl wiedermal von Herzen gegönnt. Echt ein Wahnsinn wie der Typ arbeitet und rackert!
    Ganz stark und mit Sternderl hervorzuheben ist diesmal auch der Ljubic. Der kann so viel, wenn er sichs traut! Hat man in der Partie wieder schön sehen können, etwas Mut zum Risiko und nicht immer nur nach hinten und Quergeschiebe und wir bekommen aus der Zentrale raus schon sehr gute Bälle in die Tiefe.

    Und last but not least, auch wenn es schon ein ausgelutschtes Thema ist, es ist beschämend, dass der Traffic hier nach Niederlagen signifikant höher ist. Nicht dass man die amtsbekannten Suderanten vermissen würde, abr traurig ist das dennoch…

    4+
    • skstg1909 sagt:

      Das traurige ist man hat das Gefühl einige hoffen darauf, dass wir verlieren um ihre Schimpftiraden loslassen zu können.

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    • Melvinuss sagt:

      Da geb ich Dir Recht, das ist leider heute in unserer Gesellschaft so. Hab ich schon an anderer Stelle erwähnt, uns allen geht es einfach viel zu gut, dass wir nur mehr drauf warten, bis wir wieder auf irgendwas losgehen können. Traurig, aber das wird wohl solange so bleiben, bis es uns wirklich wieder schlecht geht, durch einen Krieg, eine Finanzkrise, das Klima oder Anderes.

      Zum Spiel: Freu mich sehr über die 3 Punkte und den letztendlich klaren Sieg. Auch wenn es in HZ1 bei mehr Effizienz der Tiroler durchaus in die andere Richtung hätte gehen können.

      Und, ich bin keiner der gerne herummosert, und vielleicht stehe ich mit meiner Meinung alleine da, aber obwohl Despodov die aktuell für uns wichtigste Offensivkraft ist, wenn er in einer größeren Liga reüssieren möchte, dann muss er sich besser im Zaum halten. Es fällt mir zum wiederholten Male auf, dass er bei Ballverlusten nachtritt bzw. grob unsportlich zurande geht. Sein Nachtreten gefällt mir gar nicht (neuerlich gestern ein paar Minuten vor seinem Tor) und in größeren Ligen mit VAR wäre er vermutlich schon 1-2 Mal ausgeschlossen worden. Ohne Zweifel hat er Riesenpotential, aber wenn er das nicht in den Griff kriegt, wird er sich in DE, IT, EN oder ES nie auf Dauer durchsetzen können. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen daran arbeiten, ihm das auszutreiben. Wäre schade, wenn er so sein Talent dauerhaft und nachhaltig beschädigt.

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  5. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    das ist leider im ganzen vereinsumfeld so, seit jahren !? nach jeder niederlage kommt eine riesen lawine mit „spieler schlecht, system schlecht, trainer raus, kreissl raus, vorstand raus,. .“ auch wenn wir ein paar mal gewinnen und gut spielen, tabelle gut dastehen… 1 einzige niederlage und der hut brennt. vor allem die „ich habs immer schon gewusst, ich hätte andere verträge verhandelt und ich ich weiss welches system zur mannschaft passt “ experten gehen da richtig auf den ziguri….

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    • Fanatiker sagt:

      Da hat auch die Mannschaft selber viel dazu beigetragen. Wir wissen alle, was Sturm für ein Fanpotential hat (siehe gestern Innsbruck, oder vorige Woche in Wien) bei saukaltem Wetter.

      2+

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