In der Verlängerung an der Überraschung vorbeigeschrammt

Spielbericht SK Sturm Graz – Dynamo Kyiv 1:2 n.V.

Ausverkauftes Haus, die Osim-Schlaufe wieder dort wo sie hingehört und bestes Fußballwetter am Dienstag-Abend in Graz-Liebenau: Es war – wie Lucky Krentl es formulieren würde – angerichtet für ein Fußballfest. Während bei Dynamo Kyiv der Goldtorschütze vom Hinspiel, Oleksandr Karavayev, auf der Bank Platz nahm, bot die Start-Elf des SK Sturm wenig Überraschendes. Nichts wurde es mit einem Comeback von Jakob Jantscher, der die Partie noch von der Tribüne aus verfolgen musste. Auch die beiden Gästesektoren waren rappelvoll, größtenteils mit ukrainischen Jugendlichen, die von den Grazern zur Partie eingeladen wurden und auch für eine ansprechende Geräuschkulisse sorgten.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Die Blackys mit Nachdruck

Das im Laufe der Quali-Spiele sich als Meister der Effizienz erweisende Dynamo hatte die erste Großchance, doch Mykola Shaparenko haute in Minute 4 die Kugel von der Strafraumgrenze knapp über den Kasten. Das Startsignal einer Phase hoher Intensität. Vor allem Manprit Sarkaria fand in dieser viel Raum vor, agierte dabei aber oftmals zu überhastet, ein völlig missglückter Rückpass von Oleksandr Syrota sorgte für die größte Gefahr in der Anfangsviertelstunde. Dann aber brannte es im Strafraum der Gäste im Triplepack lichterloh: Erst zirkelte Sarkaria den Ball von der Strafraumgrenze aus Richtung Langes Eck, Georgiy Bushchan musste sich gehörig strecken, dann probierte es Stefan Hierländer, wieder war der Dynamo-Goalie zur Stelle und anschließend noch einmal bei einer gefährlichen Hereingabe des Sturm-Kapitäns. Wie in Lodz überraschte Sturms Anfangsoffensive die Ukrainer merklich. Doch wie in Lodz, resultierte daraus noch nichts Zählbares. 

Der Höllenhund schlägt zu

27. Spielminute: Rasmus Højlund schnappte sich im Mittelfeld die Kugel, schickte Alexander Prass, der suchte via Ferse den Doppelpass mit dem Mittelstürmer, Sarkaria machte geschickt den Weg frei, der Däne blieb vor dem Tor eiskalt und schlenzte die Kugel vom Eck des Fünfmeterraums ins lange Ecke. Die verdiente Führung für die Blackys nach dem das Mittelfeld der Grazer in dieser Phase durchgehend mit viel Tempo und Druck agierte. Sechs Minuten danach sorgten auch die Gäste für Gefahr vor dem Tor von Jörg Siebenhandl, doch der Sturm-Goalie rettete vor Vitaliy Buyalskiy, der in dieser Szene beinahe sträflich übersehen wurde. In der Folge aber nur noch die Blackys: Zunächst vernaschte Højlund gleich drei Gegenspieler, die Kugel landete bei Hierländer, der auch prompt abzog, doch erneut in Buschchan seinen Meister fand. Ein weiterer Versuch von Prass ging hauchzart über die Querlatte. Die Pausenführung für Sturm hochgradig hochverdient. In Liebenau war man hochzufrieden.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Viel Krampf und noch mehr Kampf nach Seitenwechsel

In den Anfangsminuten der Zweiten Hälfte tat sich wenig, Sturm zeigte sich weiterhin bissig, holte sich hochstehend immer wieder die Kugel. Aus genau so einer Szene entstand auch die erste Möglichkeit für Sturm: Ein Heber von Jon Gorenc-Stankovic vermochte jedoch Buschchan nicht zu überraschen. Vor allem über die Außen zeigten die Ukrainer nun Schwächen, die Flanken von Amadou Dante fanden aber zu oft keinen Abnehmer.  Nach einem Indirekten Freistoß wurde es dann für die Grazer heikel, doch Siebenhandl begrub nach einem Torschuss von Viktor Tsygankov den Ball inbrünstig unter sich. Auch Tomi Horvat kam nun besser ins Spiel, in Minute 64 zog er erstmals ab, zehn Minuten drauf wäre er beinahe via Fallrückzieher im Strafraum zum Abschluss gekommen. Gleich darauf zwickte es im Oberschenkel von Højlund, Sturms gefährlichste Waffe damit abgefeuert. Nichtsdestotrotz blieb das Heimteam tonangebend, sang die Nord von der Champions-League. Dynamo-Trainerfuchs Mircea Lucescu, der sich von der Leistung der Blackys bei deren Sieg gegen Salzburg überrascht zeigte, glaubte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an Zufälle. Fuchsteufelswild gestikulierte er an der Seitenlinie. Buyalskiy hätte in Minute 87 dann doch noch für den regulären Aufstieg seines Teams sorgen können, verzog aber. In der vierminütigen Nachspielzeit war es dann Denys Garmash, dessen Abschluss nach einer Ecke – Gregory Wüthrich war nicht ins Kopfballduell gekommen – die Torumrahmung touchierte. Die Spannung der 90 Minuten entlud sich schließlich in einer Rudelbildung, an der sich alle 20 Feldspieler beteiligten, der Schiedsrichter diplomatisch beiden Teams je einmal Gelb zeigte.
 

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Entscheidung in der Verlängerung

Das erste Lebenszeichen in der Overtime gab der eingewechselte Ivan Ljubic ab, sein Schuss ging aber über das Gehäuse. In der direkt darauf folgenden Szene jedoch zeigte Dynamo jenes Gesicht, welches man von den bisherigen Quali-Spielen kannte. Konstinatyn Vivcharenko war nach Tsygankov-Maßflanke in den Rücken der Sturm-Verteidigung zur Stelle und traf durch die Beine von Siebenhandl. Als im Zuge eines Dreifachwechsels bei Sturm mit Stankovic auch die Lunge des SK Sturm – wieder einmal hatte sich der Slowene vollends aufgerieben und war zudem stark rotgefährdet – das Feld räumte und obendrauf Sarkaria nach gefährlichem Spiel Gelb-Rot sah, war es mit den Traum von der Königsklasse de facto vorbei. Sturm gab sich zwar zu keiner Phase des Spiels auf, in Minute 112 nutze Dynamo Kyiv die sich auftuenden Räume, spielte eine Aktion staubtrocken zu Ende und ließ Tsygakov aus 12 Metern Siebenhandl keine Chance. 1:2, Deckel endgültig zu. Sturm hat an diesem Abend Vieles besser gemacht als sechs Tage zuvor in Lodz, die Verletzung von Rasmus Højlund war dann letztendlich aber wohl der entscheidende Nackenschlag. Nichtsdestotrotz stellte man unter Beweis, international durchaus konkurrenzfähig sein zu können. Das macht Mut für die Europa-League.

Stimmen:

Christian Ilzer: „Bis auf den Lattentreffer hatte unsere Defensive fast alles unter Kontrolle. Es gab Möglichkeiten auf das 2:0, am Ende haben uns nur Details gefehlt und wir waren mit einem starken Gegner lange Zeit auf Augenhöhe. Nach dem Ausgleichstreffer ist bei uns nichts mehr zusammengelaufen. Wir waren nahe dran an Lissabon, das haben wir uns über Jahre in der Liga erarbeiten müssen. Auf uns warten sechs super Spiele in der Europa-League. Rasmus war schon in der Pause gehandicapt, konnte keinen vollen Sprint mehr durchziehen.“
 
Alexander Prass: „Wir hatten einen super Start, haben uns nicht versteckt. Die Dinge die angesprochen wurden, haben wir im Vergleich zum Rückspiel besser gemacht, gut umgesetzt, gute Phasen im Spiel gehabt. Wir haben es nicht geschafft ein zweites Tor zu erzielen und die Energie vom ersten Treffer mitzunehmen. Extrem bitter, dass wir ein Tor bekommen, wo wir genau gewusst haben, dass Dynamo genau solche diagonalen Bälle spielt. Darf uns nicht passieren, extrem bitter und schade. Es hilft aber nichts, wir müssen nach vorne schauen.“
 
Jörg Siebenhandl: „Das Spiel war besser als das Hinspiel. Wir haben alles reingeworfen. Der Verlauf ist schwierig geworden, dazu die Gelb-Rote Karte, das hat die Richtung verändert. Wir hätten in der regulären Spielzeit nachlegen müssen, daran müssen wir arbeiten – einen Gegner auch einmal zu erledigen.“

Statistik:

 

Galerie:

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9 Kommentare

  1. oga_90 sagt:

    Brav gekämpft aber am ende ein bitterer Abend…

    Erste halbzeit Top! Mit vollgas drauf gegangen…zweite halbzeit war etwas die Luft draußen bzw. hat man es verabsäumt den Druck aufrecht zu erhalten und das zweite Tor nachzulegen.

    Man hat halt – auch aufgrund den verletzungen von JJ und Kite – gemerkt, dass wir von der Bank nicht wirklich offensiv nachlegen konnten…
    Trotzdem für mich der Wechsel Höllenhund –> Ljubic nicht ganz nachvollziehbar….hätte mir gleich einen Fuseini oder Lang gewünscht.

    Am ende bleibt nur zu sagen danke für den geilen abend und ich bin überzeugr mit der leistung gegen EB ind

    • oga_90 sagt:

      *der Leistung gegen RB und heute ist in der EL der ein oder andere Punkt möglich.

      Hoffe man setzt entgegen der vorsaison verstärkt auf rotation.

    • fuchsrob sagt:

      Gute Analyse Oga! Hab ich auch so gesehen. Zeitweilen hatten wir keinen nominellen Stürmer am Platz. Mit Triple-E und JJ werden wir wieder mehr offensive Schlagkraft haben.

  2. Schworza99 sagt:

    Auf diese Leistung kann man stolz sein. Sowohl Mannschaft als auch Fans haben alles gegeben. Nach der Holjund Auswechslung fehlte vorne der Biss und das Gegentor hat es besiegelt. Gekämpft wurde trotzdem bis zum Schluss. Brav. Treten wir immer so auf mach ich mir überhaupt keine Sorgen für irgendwas.

    Ehrlicherweise muss man auch sagen Kiew ist bei weitem nicht unser Niveau. Wir pressen die an, Vollgas für ka wie lange und die setzten abgebrüht 1 Ball hinter die Abwehr in der Nachspielzeit, düpieren alle und Tor. Aus dem Nichts. Sowas ist halt CL-reif. Diese Reife haben wir nicht. So ehrlich muss man sein. Unser Niveau ist die EL (bei einer erneuten Todesgruppe auch eher die ConL). So oder so haben wir zumindest mitgehalten mit Ihnen und sie sichtlich geärgert…auch was wert.

    Die 5mio wären toll gewesen nur muss man realistischerweise sagen Benfica hätte uns wohl rasiert. Die haben alleine in den letzten paar Jahren über 400mio (!) alleine an Transfers eingenommen…des sind ein paar Sturm-Stadien 😉

    Man kann nach gestern stolz auf den Verein sein. EL wir kommen.

  3. RAM6I sagt:

    Aus der Traum vom Play-Off der CL-Quali!
    Doch keine einzige Träne der Trauer muss in diesen Tagen den Augen der Fans des SK Sturm herunter fließen.
    Sie wurden halt doch zu sehr von einem Spiel gegen Salzburg verwöhnt, in diesem Spiel konnte man sehen welch Leistungen innerhalb jedes Einzelnen und Mannschaftlich in der Truppe stecken. Vll. deshalb wurde zu früh von den Klängen der Hymne der CL geträumt. Wir sind gegen einen erfahrenen und guten Internationalen Gegner auf Augenhöhe ausgeschieden. Wir können uns zu Recht auf die Schultern klopfen.

    Nun gilt es den Fokus auf die Konstanz zu legen, das Ziel der Saison muss es sein, das Niveau dass Sie im Spiel gegen Salzburg gezeigt haben zu verinnerlichen und diese Leistung konstant abrufen zu können. Wird dieses Ziel erreicht, ergibt sich der Rest von selbst.

    Ansonsten gibt es endlich seit sehr vielen Monaten nicht wirklich was zu kritisieren was den Klub betrifft, weiter so.

  4. DB91 sagt:

    Ich hoffe die junge Supervisorin von der Security Firma hat den Schock von gestern überstanden :‘-)
    Um 18:30 hat auf einmal der Einlass in die Sektoren 15-25 nicht mehr funktioniert. Und das gefühlt 25 Minuten lang nicht.
    Das Mädl hat gezittert und war nervös das ich schon Mitleid mit ihr hatte.

  5. Neukirchner sagt:

    Erhobenen Hauptes!!!!
    Die ersten 45 Minuten waren das Beste was eine Sturmelf seit Langem abgeliefert hat.
    Man wird in dieser EC-Saison noch feststellen, was für ein Top-Team Kiev überhaupt ist.
    Hoffe Rasmus bleibt, dann wird es in der EL Punkte regnen.

  6. Siro sagt:

    Mit einem fitten Höllenhund würden wir schon für Lissabon planen. Davon bin ich überzeugt. Aber egal: Auf diese EL-Saison dürfen wir uns freuen.
    Bei entsprechender Gruppe und Konservierung der Form überwintern wir dort sogar. Ein Lob an die gesamte Elf und Trainer Ilzer.

  7. Patrick sagt:

    Es ist noch nicht zu 100 % sicher und wir könnten es am Ende leider auch knapp verpassen oder gerade noch hineinkommen, aber nach der 3. Europa League Quali Runde und den anstehenden Champions League bzw. Europa League Play Off Partien haben wir sehr gute Chancen, dass wir trotz des Koeffizienten von ! 7,770 ! im Topf 3 für die Auslosung der Gruppenphase landen. Es gibt wirklich viele Mannschaften, die noch hinter uns anzutreffen sind. Natürlich müssen ein paar der Play Off Partien zu unseren Gunsten ausgehen, aber es ist wirklich nicht unrealistisch.

    Hier könnt ihr das gut nachvollziehen: https://de.wikipedia.org/wiki/UEFA_Europa_League_2022/23#Gruppenphase

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