Im Schatten des Geldes (1/2)

Wilderei

Romano Schmid wird also, mittlerweile weniger überraschend, in den Salzburger Zulieferbetrieb des Energy Drink-Herstellers wechseln. Dieser aus Sturm-Sicht aufsehenerregende Transfer wirft einmal mehr jede Menge Fragen auf. Auch in Hinblick auf die Vorgehensweise des Ligakrösus. Tatsächlich passieren die allermeisten Abwerbungen junger Talente seitens Red Bull nämlich weit unter der Wahrnehmungsgrenze. Sämtliche Klubs der österreichischen Bundesliga werden unlängst von den Lockrufen aus Salzburg vor Probleme gestellt. Trotz Akademien auf mehreren Kontinenten, das Ausnutzen rechtlicher Schlupflöcher, um – im Gegensatz zu allen anderen Vereinen – die Amateure in die zweithöchste Spielklasse zu hieven und gar mehreren Vereinen auf ebenfalls mehreren Kontinenten, betreibt der Getränkekonzern in österreichischen Akademien eine regelrechte Wilderei. Alles, was ein Supertalent zu werden scheint oder bereits ist, soll in der Mozartstadt seine Schuhe schnüren. Viele bleiben dann natürlich ob des Überangebots in den eigenen Reihen auf der Strecke, die anderswo womöglich die Chance erhalten hätten, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Dennoch wird man, auch seitens der Medien, nicht müde, die hervorragende Jugendarbeit sowie die beispiellose Infrastruktur des umstrittenen Klubs zu loben, welche jungen Talenten perfekte Bedingungen böte. Dieser Umstand entspricht auch durchaus der Realität, ebenfalls erscheint der Sprung in die deutsche Liga dank des Primärklubs in Leipzig um ein Vielfaches leichter zu sein als anderswo. Warum aber müssen Mitbewerber dennoch ausbluten, heftet man sich doch seit jeher das vorbildhafte globale Netzwerk an Jugendausbildung an die Fahne?

Die Sache mit dem General

Bei diesem Transfer nicht allzu gut weg kommt allerdings Sturm selbst, genauer gesagt der ehemalige sportliche Geschäftsführer Gerhard Goldbrich. Dessen abgeschlossener Vertrag war, wie jüngst bekannt wurde, formell überhaupt nicht gültig. Günter Kreissl war es anschließend nicht mehr möglich, den Vertrag so zu gestalten, dass sich ein schmerzlicher Abgang des Megatalents wenigstens aus finanzieller Sicht lohnen würde. Vieles aus der Ära des General Managers hängt nach wie vor wie ein Schatten über dem Verein. So ist es ein offenes Geheimnis, dass Einnahmen aus durchaus lukrativen Transfers nicht reinvestiert wurden, da Budgetlöcher aus vorangegangenen Tagen zuvor gestopft werden mussten. Ein wirkliches Vorankommen wurde dem Verein so jahrelang verwehrt. Teilerfolge der neuen sportlichen und wirtschaftlichen Geschäftsführung verliefen daher bisweilen mehr oder weniger im Sand. Über die enorme Signifikanz einer professionellen Besetzung dieser zweier Posten darf inzwischen keinerlei Zweifel mehr bestehen. Zu hoffen ist, dass die gegenwärtig erstmals tatsächlich gelebte Professionalität in diesen Bereichen so lange wie möglich erhalten bleibt. Dubiose Ausstiegsklauseln, das regelrechte Verscherbeln von wertvollen Spielern und ein den Verein lähmender Starrsinn gehören dann wohl endlich der Vergangenheit an.

Leere Versprechen

Als Dietrich Mateschitz sich entschloss, aus Marketinggründen einen Fußballklub in Österreich zu etablieren, hieß es, dieser würde der stagnierenden und ins Hintertreffen gerückten heimischen Liga wieder Leben einhauchen und die allgemeine Qualität jener erhöhen. Unisono wurde Kritikern nahegelegt, man solle den Neid doch beiseitelassen und jenen Verein akzeptieren, der sich noch als Segen für die verstaubte Liga erweisen soll. Im Windschatten des finanzkräftigen Konzerns werden die anderen Vereine wachsen, so die Vorhersagen der Fußballexperten. Nach mehr als einem Jahrzehnt, dem zehnfachen Scheitern in der Champions-League-Qualifikation, einer für dieses Land beispiellosen Wilderei in de facto sämtlichen Nachwuchsabteilungen und der Herabstufung der Salzburger Filiale zum Amateurteam Leipzigs sind die Hoffnungen natürlich längst dahin, dass sich all diese Versprechungen noch erfüllen werden. Oder auch nur eines davon. Stattdessen leiden jetzt andere, die dem Konzern finanziell nicht Paroli bieten können. Also alle. In diesem Fall eben Sturm.

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18 Kommentare

  1. abisz sagt:

    Die Beziehung zu Red Bull ist für Sturm ja sehr speziell durch Projekt Spielberg. Rechnet man die 4 (Leitgeb, Jantscher, Djuricin und Schmid) größeren Transfers dorthin + 4 Jahre Sponsoring (was ja in keiner Relation zu den anderen Sponsoren steht – finanziell gesehen) zusammen, kratzt man an einer zweistelligen Millionensumme.

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  2. Grazhopper sagt:

    Wünsche mir beim Heimspiel gegen die Dosen nächste Woche, ein fettes Banner in der Kurve.

    „Mit Tradition und Herz, gegen den Kommerz“

    Falls jemand von der Sturmflut, Brigata oder den Jewels hier mitliest 🙂

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  3. Duddy sagt:

    Es beste für den Ö fußball warad halt gwesen wenn Red Bull als Liga Sponsor eingestiegen wäre. Mit dem Sponsor geld wäre halt in ganz Österreich was weiter gegangen. So bekommt halt alles ein Team, was schade ist. Aber man kann es ihnen halt net verübeln, dass sie alles ausnutzen was ma ausnutzen kann. Unser Verein würds genauso tun , wenn wir das Geld hätten. Anzipfen tun mich eher die Wiener Vereine, die mit Steuergeld finanziert werden. Das is mal verarsche.

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  4. dawuede dawuede sagt:

    Danke Hofer-Bua, man kann dem zustimmen. Zu Absatz 1 ist zu sagen: Ein Blick auf den aktuellen Liefering-Kader offenbart 5-6 Spieler die in jungen Jahren (14-16) als Akademie-Spieler anderen Akademien abgeworben wurden, das betrifft im Fall von 2 Spielern auch Sturm, ebenso betroffen sind Rapid und St.Pölten.

    Schaut man in die AKA-Mannschaften der Bullen kommt noch viel mehr zusammen – wenn Spieler bereits mit 14,15 geködert werden und als AKA-Spieler nach Salzburg gehen gehst du als Stammverein fast leer aus, der einzige Gewinn ist die Erkenntnis, dass die Arbeit die in die Ausbildung des Spielers investiert wurde, umsonst war.

     

    Anders verhält es sich mit Wildereien schon im Profi-Bereich wie bei Romano Schmid. Denn normalerweise kann RB nur ein Angebot machen. Ob Spieler und Verein das annehmen ist ihnen überlassen. Wenn für Verträge aber eine Person wie GG zuständig ist – dessen kuriose Ära hat uns bereits jetzt Millionen gekostet und sollte es bei Lukas Spendlhofer zum Verkauf kommen gibt es das nächste böse Erwachen – und man nur mehr durch diese Klausel als KO-Kriterium überhaupt erwirken kann, dass der Vertrag gültig ist dann hast als Sturm natürlich nichts mehr mitzureden. Daran ist aber nicht Salzburg schuld denn hätte der Vertrag gepasst dann hätte Sturm jetzt selbst entscheiden können ob und für wieviel Geld man den Spieler abgibt.

     

    Wer mir bei all dem zu gut wegkommt ist eine gewisse Agentur, Ex-Agentur von Romano Schmid, die für den ungültigen Vertrag ebenfalls mitverantwortlich ist – und wie schon im Fall Monschein, der der selben Agentur angehört, macht man einen Vertrag zu Konditionen zu denen bei Abschluss alle einverstanden sind, und beruft sich dann – sobald die ersten Interessenten anklopfen – darauf dass dieser ungültig ist. Gut, wird wohl wirklich so sein, vielleicht legt man es ja sogar darauf an, wer weiß. Aber dass ich dann vom ursprünglich vereinbarten Vertrag nichts mehr wissen will und man Zugeständnisse machen muss damit dieser gültig wird (andererseits klagt man sich einfach raus und zieht auch noch einen Vorteil aus dem Vertrags-Dilemma) dann kann ich für diese Vorgehensweise überhaupt kein Verständnis aufbringen.

     

    Ich möchte die außerordentliche Professionalität des G.Kreissl an dieser Stelle hervorheben der hier alles ihm mögliche unternommen hat um den Schaden für Sturm soweit es geht zu reduzieren, und der auch noch professionell und „Sir“ genug ist um nicht bei der PK wie gestern seinen Vorgänger und die angesprochene Agentur in der Luft zu zerreissen, denn wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, wäre die Situation nicht derart friedlich ausgegangen.

    Romano Schmid wünsche ich bei RB Salzburg alles Gute, es ist seine Entscheidung, ich hoffe für ihn dass es die richtige war – wenn nicht muss er die Konsequenz tragen und nicht jene die seine Entscheidung kritisieren.

     

    swg

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    • mauer mauer sagt:

      Danke wüda! Wie, beinahe, immer ein top Posting von dir!

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    • Rene90 sagt:

      „Wenn für Verträge aber eine Person wie GG zuständig ist – dessen kuriose Ära hat uns bereits jetzt Millionen gekostet und sollte es bei Lukas Spendlhofer zum Verkauf kommen gibt es das nächste böse Erwachen“

      würde es so eine Klausel geben, dann wäre Spendelhofer schon letztes Jahr im August nach ?? gewechselt, jedoch war die von GK veranschlagte Ablösesumme von 2,5 Mil zu hoch -> aus diesem Grund kann es kein böses Erwachen geben, so schaut eben die Wahrheit aus

      Vertragsentwurf und deren rechtsgültigen Grundlage bezüglich Arbeitsrecht unterliegt einer juristischen Entscheidung -> hier sollte man einmal nachhaken

      Berater S… / Berater K….. / Berater B….. müssen auch etwas verdienen, wie die Elternteile 🙂

      gut zu wissen, dass es keine Verträge mehr gibt, wo es eine Ausstiegsklausel gibt -> so eine Meldung gab es letztes Jahr im Herbst auch ……

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    • Nock-74 sagt:

      Danke Rene90. Genauso schaut´s nämlich aus. Und wer den Vater vom Romano näher kennt, weiß aus welcher Richtung der Wind bläst. Hoffentlich kann man wenigstens beim Maresic eine Einigung erzielen bzgl. einer Vertragsverlängerung.

      1+

    • dawuede dawuede sagt:

      Von einer Klausel bei Spendlhofer hat auch niemand gesprochen 😉

      Aber, rein hypothetisch versteht sich, würde ich mir Gedanken machen welche Zugeständnisse beim Kauf bereits gemacht wurden, um einen deutlich niedrigeren Betrag als die vereinbarte Fixablöse zu bezahlen.

      Berater B. muss man nicht aufführen, es wird wohl nicht ohne Grund so sein dass nicht nur Romano Schmid sondern auch sein persönlicher Berater K von Agentur S zu Agentur B gewechselt sind.

      Btw schön dass ich dich dazu veranlassen konnte wieder aus deinem virtuellen Loch zu kriechen, ein Hoch auf GG oder? 😉

      @Nock-74

      Bei Maresic ist es noch immer eine andere Situation. Der ist im letzten Vertragsjahr aber da kann man zumindest niemandem etwas vorwerfen. Geht er im nächsten Sommer ablösefrei (bzw gegen Ausbildungsentschädigung) war zumindest der sportliche Nutzen bis dahin unbestreitbar gegeben, bei Schmid kam hierfür der Abgang zu früh. Sollte Maresic in diesem Sommer bereits gehen, dann wird sich das wirtschaftlich lohnen. Eine Verlängerung stelle ich mir angesichts wahrscheinlich attraktiver Wechselmöglichkeiten schwierig vor, sollte es doch gelingen dann wäre Hrn. Kreissl ein Denkmal am Stadionvorplatz zu errichten.

      4+

    • flo1909 sagt:

      @ Rene 90; Sicher haben hier juristische Berater wieder viel Geld dafür bekommen einen nicht-korrekten Vetrag aufzusetzen;

      Aber wenn du Manager bist, und das war GG damals, dann ist das deine Verantwortung gute Berater einzustellen. Das ist bei jeder Frima so, wenn du eine Abteilung leitest und es läuft was sehr schief, bist du verantwortlich, ob das nun dein direkter Fehler war oder nicht!!!! Deswegen kann man da GG nicht aus der Verantwortung nehmen!!

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    • Rene90 sagt:

      @dawuede
      die Hintergründe vom Wechsel „K“ von „S“ zu „B“ hat nichts mit Romano zu tun und er musste auch mitwechseln , da sein Vater so schlau wahr und bei „K“ alles unterschrieben hat

      mündliche Zusagen bzw Zugeständnisse sind so viel wert wie „NULL“ -> GK ist jetzt der Verantwortliche und deswegen sind Zugeständnisse von GG „null und nichtig“

      kein Hoch auf GG -> war seit langem mal ein inhaltlich sehr gutes Statement, deswegen nur die kleine Info bzw Ergänzung zu Spendelhofer

      @flo 1909
      die Juristen hat der Vorstand bestimmt bzw ins Sturm Boot geholt und lag nicht in der Entscheidung von GG -> könnte man dann ja mal Jauk fragen

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    • dawuede dawuede sagt:

      Warten wir’s ab was passiert.

      Ich habe keine Kenntnis darüber ob der ursprüngliche (= erste, ungültige) Vertrag vonseiten Sturm juristisch geprüft wurde. Wenn ja, wäre zu prüfen ob und in welcher Höhe Sturm geschädigt wurde und demnach Anspruch auf Schadenersatz hat.

      Zu einer für solche Fälle nötigen Haftpflichtversicherung ist jeder Anwalt gesetzlich verpflichtet. Wäre ein spannender Ermittlungsauftrag für die biertrinkenden Jungs 😉

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  5. HG1976 sagt:

    Und madl geht zur Austria

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  6. Neukirchner sagt:

    Romano Schmid-Saison 2016/17-von 810 möglichen Pflichtspielminuten durfte er ganze 61 Minuten ran. Zirka 8%.
    Ich trau mich wetten, dass er schon in dieser Saison eine höhere Quote bei RB haben wird.
    Oder glaubt ernsthaft jemand, Maresic hätte nur 1 min gespielt, wären da nicht beinahe zeitgleich 3 IV ausgefallen.
    Also bitte Stopp mit:“haha, in szbg wird er auf der Bank sitzen…“

    3+

    • Jimmy sagt:

      „Ich dreh mir die Welt widdewidde sie mir gefällt.“ Sturm war nur Meister, weil alle anderen so schlecht waren. Der Cupsieg war sowieso ein Geschenk der Gegner. Sturm ist nur Tabellenführer, weil sie so viel Glück haben. Junge Spieler spielen nur, weil der Himmel blau ist. Das neue System von Foda funktioniert nur, weil Kreissl so super ist. bla bla bla 

      Vielleicht sollten wir dich als Trainer anstellen, lasst sicher gleich die Akademie spielen, am besten gleich noch paar U7-Spieler dazu.

      4+

    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Naja es gibt für beide Seiten Argumente.

      Natürlich hat Foda 2 Titel geholt. Natürlich war er daran der Strippenzieher.

      Nur wär halt auch klar gewesen dass ein Maresic bei einem fitten Schulz und Spendi nicht gespielt hätte, geschweige denn bei einem fitten Schoisi…oder glaubt ihr Foda setzt Kapitän und Vize Kapitän auf die Bank/Tribüne?

      Glaubt ihr Foda wird es gefallen einen jungen Stürmer zu holen? Sogar Schubert ist schon 22…Kreissl hat den Kader einfach verjüngt. Wenn du Foda daran mitbeteiligt siehst musst ihn halt auch am Schmidt Desaster beteiligen, weil er den Goldi diktiert hat…

      Aber ich würde eher mal Vorstand, Präsidium und Co auf die Finger klopfen. So ein Fehler wie bei Schmidt darf nicht passieren. Und es ist derren Aufgabe das er nicht passiert…

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  7. Aero Aero sagt:

    Ich sag´s mal so, die größeren österreichischen Vereine wie der Sk Sturm und die beiden Wiener Klubs hätten beim Einstieg von Red Bull schon einen riesigen Wettbewerbsvorteil in Sachen Jugendarbeit haben müssen.

     

    In Wahrheit sah es aber so aus, dass die eigenen Jungen nicht viel Wert waren und in der Vergangenheit lieber Legionäre gekauft wurden. Im Nachhinein dann jammern halte ich für vermessen. Es ist schon klar, dass nicht alles gut ist, was Salzburg macht, jedoch müssen die arrivierten Vereine einmal vor der eigenen Haustüre kehren. Diese Rundumschläge halte ich nicht für Richtig, sie lenken meist von der eigenen Inkompetenz ab.

     

    Außerdem hat die ganze Liga klar vom Einstieg von Red Bull in Salzburg profitiert, wer das nicht anerkennt und sehen kann, den spreche ich ganz klar jeglichen Fußballsachverstand ab.

    1+

    • GazzaII sagt:

      Also wenn ich sowas lese glaube ich kaum,  dass du irgendjemanden den Fussballsachverstand absprechen kannst! Und erlaubt der Marketinggag kein eigenes Fanforum in dem du dich aufhalten kannst?

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