Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Spielvorschau: SV Ried vs. Sturm Graz

Unterschiedlicher könnten zwei Gefühlswelten nach einem Bundesligastart kaum sein: Auf der einen Seite wurde der Anhang mit ansehnlichem Fußball verwöhnt, auf der anderen mit blankem Wahnsinn verhöhnt. Der SK Sturm konnte sich gegen den vermeintlich sprudelnden Double-Gewinner mit zuletzt noch schmerzhaft vermisster Souveränität behaupten, noch dazu in einer Art und Weise, mit der das millionenschwere Ensemble aus Salzburg schnell ziemlich schal wirkte.

Die Rieder Wikinger hingegen kenterten schon in Halbzeit eins und schlitterten gegen Rapid in ein 5:0-Debakel. Natürlich, Rapid ist eine andere Baustelle, besonders getragen durch eine zukunftssichernde Investition aus Stahl und Beton, die zum Auftakt sicherlich beflügelnd wirkte. Mit einer historischen Klatsche, welche einen neuen Bundesliga-Auftaktrekord besiegelte, hatte vor der Partie aber wohl niemand gerechnet – Trauma hin oder her.

Nach dem Spiel fand Neo-Trainer Christian Benbennek deutliche Worte: „Es hätten locker sieben oder acht Tore werden können. Da muss man sich die Kritik gefallen lassen, nicht bundesligatauglich zu sein. […] Wichtig ist, dass wir nun unser Heimspiel gewinnen, dann können wir dieses Spiel abhaken.“

Eine schlaflose Nacht hatte wohl auch Ried-Manager Stefan Reiter:

Verliert Ried erneut, könnte sich ein ähnliches Debakel wie in der vorherigen Saison wiederholen, als man unter Trainer Helgi Kolvidsson nur einen Punkt in den ersten fünf Runden erobern konnte. Die Auslosung für die Rieder liest sich dabei denkbar schlecht: Nach Rapid stehen Sturm, WAC, Salzburg und Admira am Spielplan, da könnte es durchaus ein Revival des letzten Saisonstarts geben. Verfällt Ried schon nach einer Runde in Melancholie?

Alter Hase, neue Tricks

Kommenden Samstag wird es sicherlich auch ein Duell der beiden Torhüter geben. Christian Gratzei und Thomas Gebauer finden sich nicht nur auf der Liste der ältesten Bundesligaspieler wieder, sie sind auch die beiden Längstdienenden ihrer Vereine (Gratzei ist mit beinahe 4.800 Tagen der vereinstreueste Spieler der gesamten Bundesliga). Während Gebauer seit Jahren die unangefochtene Nummer eins in Ried ist, musste sich Gratzei immer wieder gegen meist jüngere Konkurrenten durchsetzen. Mit Daniel Lück wurde ein neuer Torhüter geholt, inwiefern dieser Gratzei Dampf unterm Hintern machen kann, wird sich erst zeigen. Wahrscheinlicher ist es sicherlich, sich auf einen längerfristigen Anblick Gratzeis im Sturmtor einzustellen, denn zurzeit ist der deutsche Neuzugang wegen einer Adduktoren-Verletzung sowieso kein Thema. 

© GEPA pictures/ tipp3 (honorarfrei)

Hello, my name is Neuzugang

Alles neu macht die Transferzeit. Sportdirektor Günter Kreissl mischte die Mannschaft ordentlich durch und Trainer Franco Foda, der gegen die Rieder sein 299. Bundesligaspiel als Trainer absolviert und damit Jahrhunderttrainer Ivica Osim einholt, setzte gleich vier(einhalb) Neuzugänge im ersten Bundesligaspiel ein. Mit Christian Schoissengeyr und James Jeggo kamen noch Spieler hinzu, die über keine bzw. geringe Bundesligaerfahrung verfügten.
Als Sturmfan kann man sich dunkel an eine Zeit erinnern, als man nach den ersten paar Bundesligarunden folgende Worte von sich gab: „Der Foda, der weiß wie man Neuzugänge integriert.“ Tatsächlich, in einer dunklen Zeit, post-Zwangsausgleich, als Sturm jede Saison mit einer quasi komplett neuen Mannschaft dastand, musste Foda oft eine neue Mannschaft aufbauen und das gelang ihm durchaus immer wieder nicht schlecht. Anscheinend liegt es Sturm (sowie Foda) einfach nicht, mit einer zu großen Erwartungshaltung (Stichwort: „können beinahe jede Mannschaft in zwei Spielen besiegen“; „haben uns gezielt punktuell verstärkt“) umzugehen. Nein, Sturm braucht die Ruhe, die sich so gar nicht mit dem Vereinsnamen verbinden lässt. Spielen die Schwarz-Weißen weiterhin Fußball wie gegen Salzburg, dann wird es wohl nur noch auf den Rängen Liebenaus einen erfreulichen Sturmlauf der Fans geben und viele werden plötzlich wieder ganz zahm werden.

„Schangsenverwertung“

Vermutlich DAS Unwort der abgelaufenen Saison vieler Sturmfans, jedoch hatte Foda teilweise Recht, mit der ein oder anderen verwerteten Hundertprozentigen hätte man den Sprung auf Platz vier sicherlich schaffen können. Das war auch der Schlüssel gegen Salzburg: fünf Schüsse aufs Tor, drei Treffer. Wer so Fußball spielt, wird am Ende eben gewinnen. „Wer am Ende weniger Fehler macht, der gewinnt auch.“ Passen würde auch: „Wer am Ende ein Tor mehr schießt, der gewinnt.“Am Samstag wird es wie so oft im Fußball besonders auf Grundtugenden ankommen: Moral, Einsatz, Wille. Fußball kann ja so einfach sein…

© Martin Hirtenfellner Fotografie

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Spieldaten

SV Ried vs. Sturm Graz
Samstag, 30.07.2016, 18:30 Uhr, Keine Sorgen-Arena, Ried im Innkreis

Schiedsrichter: Christopher Jäger

Mögliche Aufstellung:
SK Sturm Graz (4-2-3-1): Gratzei; Koch, Spendlhofer, Schulz, Lykogiannis; Jeggo, Matic; Huspek, Alar, Schmerböck; Edomwonyi
Ersatz: Schützenauer, Schoissengeyr, Potzmann, Hierländer, Stankovic, Horvath, Kienast

Es fehlen: Piesinger (rekonvaleszent, gibt bei den Amateuren sein Comeback), Lück (Adduktoren)

Es wird ab 18:00 Uhr einen SturmNetz-Liveticker geben.

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4 Kommentare

  1. jorge72 sagt:

    ich war schon seit längerer zeit auch sturm12 leser. stand dem gegenüber auch immer kritisch gegenüber, weil man meiner meinung nach zuviel politik (eigene interessen) betreiben wollte und immer mehr den fokus der unterstützung der eigenen mannschaft des betreuerstabes und des umfeldes verlor. trotzdem hab ich die berichte gemocht und war dankbar, dass sich jemand diese arbeit antat.

    nun hab ich auch schon länger das neue bemühen von sturmnetz verfolgt und hatte durchaus auch angst, dass es in dieselbe richtung geht. ich denke kritik ist immer angebracht aber emotionslos und sachlich und da wurde einiges auch verpockt schon davor. gleichzeitig hat auch sturm mit goldbrich nicht gerade glücklich agiert. ich hab mich hier jetzt letztendlich registriert, weil ich endlich wieder mal so was wie einen teamgeist verspüre. viele scheinen jetzt wieder die daumen richtig zu drücken und nicht aus persönlicher schadenfreude oder genugtuuung, insgeheim auf eine niederlage zu hoffen.

    dieser geist gefällt mir und es macht endlich wieder spaß sturmfan zu sein!!!!!!!!!

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  2. jorge72 sagt:

    und übringens spitzeninterview von schulz bei laola sehr lesenswert

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  3. elceezed elceezed sagt:

    sollte vom madl transfer noch a bissl geld übriggeblieben sein, bitte unbedingt den marco krainz von lustenau holen. spielt mmn den besten 6er der liga und wird bestimmt seinen wert bald vervielfachen.

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