„Hier halten alle zusammen“

Die Nummer eins im Tor der SV Ried, Thomas Gebauer, im Gespräch

Langjährige Treue zum Verein ist selten geworden. Dass es sie noch gibt, beweisen Spieler wie Thomas Gebauer, der bei der SV Ried seit bald schon zehn Jahren zwischen den Pfosten steht und auch zu schätzen weiß, was er dort alles hat und im Falle eines Wechsels aufgeben müsste. Der sympathische Tormann kam von Deutschland ins Innviertel und ist dort seither nicht mehr wegzudenken. In einem Gespräch mit SturmNetz erzählt er über sich, seinen gleichwohl professionellen wie familiären Verein und auch über das kommende Spiel gegen den SK Sturm.

 

Seit Sommer 2006 sind Sie bei der SV Ried. Sie haben mit dem Verein viel miterlebt. Kann man Sie schon als Rieder Urgestein bezeichnen?
Es ist zumindest nicht alltäglich, dass man fast schon zehn Jahre bei einem Verein spielt. Urgestein – ich bin ein langjähriges Mitglied des Vereins und habe schon so manchen Spieler dort überlebt. Der Begriff „Urgestein“ ist natürlich immer medienwirksam, aber grundsätzlich denke ich schon, dass mich in Ried jetzt, dadurch, dass ich schon so lange da bin, viele kennen und mich freut es natürlich auch, weil ich einfach einer bin, der relativ gerne lang bei einem Verein ist und es nicht braucht, dass er jetzt Jahr für Jahr wechselt. Deswegen hat es hier in Ried für mich einfach gut gepasst.

Gab es in Ihrer Zeit in Ried allerdings auch Angebote von anderen Vereinen, die für Sie verlockend waren?
Ja, schon. Ich war in den ersten beiden Jahren im Verein immer die Nummer zwei und einmal kurz vor Winter wollte ich wechseln, war mit dem neuen Klub bei den Verhandlungen schon recht weit. Dann hat sich aber im vorletzten Spiel vor der Pause die damalige Nummer eins, Hans-Peter Berger, verletzt. Dadurch kam der Wechsel nicht zustande. Es lief dann ziemlich gut. In meinem ersten Jahr als Stammtormann wurde ich gleich zum „Torhüter des Jahres“ gewählt. Vor allem in dieser Zeit kamen einige Anfragen herein, aber ich habe etwaige Wechsel nie wirklich konkret werden lassen. Es war auch nie so, dass ich unbedingt weg wollte und ich habe auch immer betont, bei Ried bleiben zu wollen, sofern ich mich darauf verlassen kann, dass man hier auf mich setzt. Aus der deutschen Liga, in der ich aufgewachsen bin, kenne ich durch negative Erfahrungen die Schwierigkeiten, die es geben kann, wenn es einmal nicht so gut läuft und deswegen war ich froh, hier in Ried zu sein, wo alles so harmonisch abläuft und wo man weiß, dass man einen zuverlässigen Verein hinter sich stehen hat. Das war für mich wichtiger, als die ganz großen Schritte zu größeren Klubs zu machen. Wenn ein Angebot aus dem Ausland gekommen wäre, wäre es wahrscheinlich noch einmal interessant geworden, aber das ist nicht passiert und so habe ich mich mit einem Wechsel auch nie wirklich beschäftigt.

(c) SV Ried

(c) SV Ried

Das heißt wahrscheinlich auch, dass wir Sie noch einige Jahre in Ried spielen sehen werden, vielleicht bis zum Karriereende?
Ich habe meinen Vertrag vor ein paar Wochen um zwei Jahre verlängert, für die ich auf jeden Fall noch spielen werde und dann muss man sich weitere Schritte überlegen. Ich werde im Sommer 34 Jahre alt, als Torwart kann man da schon noch ein paar Jahre spielen, aber da muss auch der Körper mitmachen und das Umfeld passen. Das muss man einfach immer kurzfristig, Jahr für Jahr entscheiden. Ich gehe aber davon aus, noch einige Jahre zu spielen und das hier in Ried.

 

Die SV Ried war in jedem Fall ein Vorzeigeverein. – Thomas Gebauer

 

Das freut mich zu hören. Blicken wir nun vielleicht kurz auf die jüngere Geschichte der SV Ried. Seit dem Wiederaufstieg 2005 ist sie nämlich immer wieder Stolperstein für die so genannten „großen“ Klubs, wie Rapid, Austria oder Salzburg, gewesen. Kann man sagen, dass Ried so etwas wie ein „gallisches Fußballdorf“ in Österreich ist?
Die SV Ried war in jedem Fall ein Vorzeigeverein. Viele Klubs, gerade die kleineren in der österreichischen Bundesliga, haben sich an der Arbeit bei uns orientiert, weil wir den Ruf haben, dass bei uns einfach extrem gut und seriös gearbeitet wird. Wir konnten auch immer kleine Nadelstiche setzen, wie zum Beispiel die Erfolge gegen Top-Klubs oder das Erreichen von internationalen Bewerben, wenn es einmal ein Jahr sehr gut lief. Deshalb glaube ich schon, dass wir uns in Österreich einen sehr guten Ruf erarbeitet haben. Jeder wollte unsere Arbeit, wie sie in Ried schon seit einigen Jahren geleistet wird, nachmachen und deswegen konnten einige Vereine, wie etwa Wolfsberg, die Admira, Altach und auch Grödig, die diesen Weg auch gehen wollten, zu uns aufschließen. Es redet jetzt nicht mehr jeder nur über Ried, sondern auch von diesen Klubs, weil auch sie solche Erfolge einfahren konnten. Es spielen da jetzt drei, vier Mannschaften auf einer Ebene und deswegen ist Ried jetzt nicht mehr so hervorzuheben, sondern ebenbürtig mit anderen zu nennen. Wir werden aber weiterhin versuchen, die Großen zu ärgern und jetzt müssen wir zusehen, immer wieder unsere Punkte gegen die direkte Konkurrenz zu machen. Natürlich sind die Spiele gegen die Top-Klubs, gegen die „großen Vier“, immer wieder Highlights. Uns ist es die letzten Jahre jetzt nicht mehr geglückt, so erfolgreich zu sein, aber unter Paul Gludovatz konnten wir dieses Jahr wieder beweisen, dass wir auch Top-Mannschaften schlagen können. Dass wir zum Beispiel vor zwei Wochen Red Bull Salzburg schlagen konnten, war schon ein deutliches Ausrufezeichen, da hat jeder wieder von Ried gesprochen.

Ich möchte noch einmal kurz auf diese Vorbildfunktion zurückkommen, die Ried in Österreich für andere Vereine gehabt hat: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass bei der SV Ried innerhalb eines engeren finanziellen Rahmens, als ihn andere, größere Vereine haben, so professionell gearbeitet werden konnte?
Die Ehrlichkeit ist diesbezüglich sicher ein entscheidender Punkt. Man sagt bei uns von Haus aus, was zum Beispiel jemand verdienen kann und das bekommt er dann auch sicher. Es passiert auch nicht, dass leere Versprechungen gemacht werden und Spieler dann plötzlich drei Monate lang kein Gehalt mehr sehen. Man kann in Ried zwar nicht das große Geld verdienen, aber es ist hier einfach alles sehr seriös: Was versprochen wird, wird auch gehalten. Was man von anderen Vereinen aus der Ferne so mitkriegt, ist, dass da oft drei Monate lang kein Gehalt überwiesen wird, weil kein Geld da ist. Das ist hier in Ried anders. Hier wird nur Geld ausgegeben, das man auch wirklich hat. Und da muss man eben auch einmal akzeptieren, dass man für einen neuen Spieler kein Geld hat und stattdessen mit einem Jüngeren arbeitet, der dann auch gewillt ist, richtig Gas zu geben, weil er weiterkommen will. Das ist auch gleich der nächste wichtige Punkt: Jeder weiß, dass ihm seitens des Vereins kein Riegel für einen Wechsel vorgeschoben wird, wenn er sich empfehlen kann und die Möglichkeit hat, einen nächsten großen Schritt zu tun. Da kann man dann auch immer eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. Es zeichnet den Verein aus, dass er da nie vorrangig auf das eigene Wohl schaut, sondern immer auf seine Spieler, solange es natürlich in den finanziellen Rahmen passt. Man hat hier außerdem einfach auch einen familiären Verein, bei dem es jetzt nicht ausschließlich um den Erfolg geht, sondern um den Menschen selbst. Wenn man zum Beispiel private Probleme hat, gibt es bei uns genügend Ansprechpartner, die fragen: „Was ist los? Kann ich dir irgendwie helfen?“ Das zeichnet die SV Ried extrem aus.

Da könnte man bei der SV Ried zusammenfassend eigentlich – und da bemühe ich jetzt wieder einen medial schon viel strapazierten Begriff – von einer Familie sprechen.
Das ist genau der richtige Begriff. Hier halten alle zusammen. Es gibt sehr viele ehrenamtliche Helfer, gerade die Ordner, die im Stadion arbeiten. Es gibt hier sehr viele Leute, die helfen, weil sie einfach zu dieser Familie gehören wollen. Alle ziehen an einem Strang, jeder arbeitet in dieselbe Richtung – das ist mit Sicherheit ein ganz ein wichtiger Grund, warum Ried in der Bundesliga spielt.

Kommen wir auf das Spiel am kommenden Samstag zu sprechen. Ich habe die Statistiken hinsichtlich des Duells SK Sturm Graz gegen die SV Ried gesichtet und da offenbart sich einem – als Fan habe ich das selbst auch miterlebt – dass Ried lange Zeit, vor allem bei Spielen im Innviertel, eine Art Angstgegner für den SK Sturm war. Von Sommer 2005 bis Sommer 2009 hat Sturm Graz in der Bundesliga nie in Ried gewonnen. Das hat sich in den letzten Jahren jedoch geändert. Woran könnte das aus Ihrer Sicht liegen?
Das habe ich mich auch gefragt. Ich wusste nämlich selbst, dass es da einmal eine lange Zeit gab, in der wir die Heimspiele gegen den SK Sturm recht deutlich gewonnen haben, auswärts dafür nie – das hätte man sich so wahrscheinlich nie untereinander absprechen können. In den letzten Jahren haben wir gegen die großen Klubs auswärts kaum Punkte geholt. Ich denke, dass das grundsätzlich eine Frage des Trainers war. Zuhause sind wir anders aufgetreten, wir wollten dem Gegner unser Spiel aufzwingen, aber das ist für einen kleinen Verein wie Ried gegen Top-Mannschaften eben nicht möglich. Damals bis 2009 unter Gludovatz haben wir uns auch bei Heimspielen immer auf den Gegner ausgerichtet und uns auch vorgenommen, nicht immer voll anzugreifen, weil die Qualität zum Beispiel von Sturm höher war, als unsere eigene. Wir haben dann einfach versucht, mit unseren Mitteln erfolgreich zu sein und das ist uns damals dann eigentlich immer ganz gut gelungen. Wenn wir versucht haben, unser Spiel durchzuziehen, ist das oft nach hinten losgegangen. Da haben wir dann immer gut mitgespielt, waren aber oft knapp nicht erfolgreich. Momentan sind wir wieder dabei, das zu ändern. Wir müssen nun auf den Erfolg schauen. Das hat unlängst die Wiener Austria bei uns in Ried zu spüren bekommen (Anm. am 27.11.2015 siegte Ried gegen die Austria zuhause mit 4:2.) und vor Kurzem eben auch Salzburg (Anm. Ried siegte am 13.02.2016 gegen die Bullen mit 1:0.). Da möchten wir am Wochenende natürlich weitermachen und gegen den nächsten Top-Verein die drei Punkte in Ried behalten.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Der SK Sturm hat die wieder aufkeimende Heimstärke der Rieder zuletzt auch zu spüren bekommen. Da sind Sie ja auch als Sieger vom Platz gegangen. Hat sich dieses 3-3-3-1, das Trainer Paul Gludovatz gerne spielen lässt, im Team wieder etabliert oder bestehen da noch Schwierigkeiten?
Nein, es ist ja eigentlich nicht mehr das klassische 3-3-3-1, das wir früher – in seiner ersten Amtszeit – gespielt haben, sondern fast schon ein 3-4-3. Es ist aber so, dass wir uns in der letzten Zeit, gerade im Winter, die letzten Feinheiten davon eingespielt haben. Momentan sind wir sehr stabil, was die Defensive angeht, weil in dem System einfach jeder weiß, was er zu tun hat und nach vorne hin sind wir immer für ein Tor gut. Das hat man jetzt ja gesehen, wir sind 2016 noch ungeschlagen und das wollen wir jetzt natürlich eine Zeit lang so bleiben.

Gratulation! Zu diesem Thema habe ich aber noch eine Frage: In der österreichischen Bundesliga ist die Viererkette in der Defensive ja fast schon Regelfall, abgesehen von Ried. Wünscht man sich als Tormann die Viererkette?
Danke! Mir persönlich ist es eigentlich egal, welches System wir spielen. Ich will erfolgreich sein und um das zu schaffen, müssen wir für unsere Mannschaft einfach die beste Möglichkeit mit dem Spielermaterial, das wir haben, finden. Das passt bei uns momentan einfach, wir haben die Spieler für dieses System. Zwischenzeitlich haben wir schon zwischen Dreier- und Viererkette gewechselt, das Torwartspiel ändert sich da nur in Nuancen. Grundsätzlich bleibt die Aufgabe des Torhüters immer gleich, egal in welchem System man spielt.

 

Man spürt, dass es eine Vorgeschichte zwischen Franco Foda und Paul Gludovatz gab. – Thomas Gebauer

 

Bleiben wir noch kurz bei Paul Gludovatz: Ist er vor einem Spiel gegen Sturm Graz besonders motiviert?
Im Training spüren wir das jetzt nicht. Die Ansprachen des Trainers sind nicht anders als sonst, aggressiver oder wie auch immer. Man spürt aber, so wie zum Beispiel damals in Graz, wo die Pressekonferenzen im Anschluss an das Spiel getrennt abgehalten wurden, dass es eine Vorgeschichte zwischen Franco Foda und Paul Gludovatz gab – das hat, glaube ich, nichts mit Sturm Graz zu tun sondern einfach mit dem Verhältnis zu Foda, das ja nicht das allerbeste ist. Das kommt im Fußball vor, da gibt es einfach Typen, die einem nicht zu Gesicht stehen und Verhältnisse, die aufgrund einer Vorgeschichte einfach belastet sind. Das muss man so hinnehmen. Paul Gludovatz wird sich freuen, wenn wir das Spiel gewinnen, dabei geht es für ihn aber nicht um Franco Foda, sondern darum, das Beste aus dem Spiel herausgeholt zu haben und um den Erfolg der SV Ried. Er will einfach jedes Spiel gewinnen und da ist es ihm egal, ob wir gegen Sturm die Punkte holen oder gegen einen anderen Verein.

Kommen wir kurz auf die Tabellensituation zu sprechen. Die SV Ried ist derzeit nur vier Punkte vom Tabellenende entfernt. Werden Sie als routinierter Spieler nervös, wenn Sie auf die Tabelle blicken oder können Sie damit so umgehen, dass das keinen Einfluss auf die Vorbereitung für ein Spiel hat?
Auf das Spiel nimmt das keinen Einfluss, vor allem, weil wir aktuell schon wieder in einer besseren Ausgangssituation sind, als wir es in dieser Saison schon einmal waren. Wir sind aber in einer gefährlichen Zone der Tabelle und uns allen ist bewusst, dass wir nicht nachlässig werden dürfen. Wir haben aber zum Beispiel am letzten Spieltag vor der Winterpause ein Duell mit dem WAC gehabt (Anm. Ried gewann dieses zuhause mit 1:0), vor dem wir punktegleich die Letzten in der Tabelle waren und zwischendurch neun Punkte hinter Platz acht lagen. Das war eine sehr kritische Situation. Wir konnten aber einen Erfolgslauf starten, mit dem wir wieder ans Tabellenmittelfeld herankamen. Jetzt ist es natürlich extrem eng, da sind fünf bis sechs Mannschaften in den Abstiegskampf involviert. Es geht jetzt für jede dieser Mannschaften an jedem Wochenende um alles. Wir haben in dieser Saison schon bewiesen, dass wir mit diesem Druck umgehen können und wir müssen jetzt einfach so weitermachen. Wir dürfen nur nicht nachlässig werden und uns auf diesen aktuellen Lauf verlassen. Wir müssen Woche für Woche fokussiert bleiben und uns der Gefahr bewusst sein, dass wieder nach unten abrutschen, wenn wir nachlassen. Grundsätzlich glaube ich aber nicht, dass sich die Tabellensituation negativ auf unser Spiel auswirkt.

Man könnte im Endeffekt auch sagen: Zwei Spiele und zwei Siege könnten bei für Ried optimalem Verlauf der kommenden Runden auch Platz vier bedeuten. Ist das Gedränge in der Tabelle wirklich schon so groß?
Es kann sich Woche für Woche eine andere Situation ergeben. Mit einem Erfolgslauf, die nächsten Spiele gegen Sturm und am Mittwoch gegen Grödig sind sehr entscheidend für uns, können wir uns ein gutes Polster nach hinten verschaffen. Wir können aber auch wieder ganz hinten hineinrutschen. Das gilt für alle Vereine, die sich da gerade im Abstiegskampf befinden und das gilt auch für Sturm Graz. Die müssen auch wieder einmal punkten, sonst mischen die da auch noch mit. Die Gegner nehmen sich ja die Punkte gegenseitig weg, jeder punktet gegen jeden und da dürfen sich die Mannschaften nicht zu sicher sein. In der Liga kann es nämlich derzeit sehr schnell in die eine oder andere Richtung gehen.

Ist die Begegnung mit Sturm am Samstag für Sie und Ihre Mannschaft vielleicht auch schon ein Schlüsselspiel?
Speziell das Spiel am Samstag alleine vielleicht noch nicht, eher die kommende Englische Woche. In dieser Woche wird sich sehr viel entscheiden, in welche Richtung es für uns geht. Wenn wir da einige Punkte mitnehmen, können wir vielleicht etwas beruhigter auf die kommenden Spiele schauen. Man kann, wie gesagt, aber auch wieder hinten hineinrutschen – dann wird es gegen Ende hin richtig eng – und ich glaube, dass jetzt eine Phase auf uns zukommt, in der sich bei jedem Verein entscheidet, in welche Richtung es geht.

Mit Sturm kommt jetzt ein Gegner auf Sie zu, der in den letzten drei Spielen kein einziges Tor erzielt hat. Noch dazu mussten die Grazer das Cup-Aus und eine schmerzhafte Heimniederlage gegen Rapid hinnehmen. Wie schätzen Sie das Auftreten der Grazer ein? Und provokant gefragt: Freuen Sie sich auf einen ruhigen Samstagnachmittag?
Nein, ruhig wird es sicher nicht, das hat man am Sonntag gegen Rapid gesehen. Da haben sie extrem viele Torschüsse gehabt, aber einfach das Tor nicht getroffen. Es gibt eben solche Phasen, in denen man nicht weiß, warum der Ball nicht über die Linie will. Das kann sich aber schnell ändern. Natürlich werden wir jedoch alles dagegen tun, dass dies im Spiel gegen uns passiert. Wir wollen in der Defensive wieder so wenig wie möglich zulassen und nach vorne sind wir immer für ein Tor gut. Wir wollen auf jeden Fall unseren Erfolgslauf fortsetzen und wir sind sehr gut damit beraten, dass wir uns nur auf uns selbst konzentrieren. Bei Sturm ist es momentan so, dass sie ansprechend spielen, aber nicht den notwendigen Erfolg haben – da wollen wir hoffen, dass dies zumindest für das kommende Spiel noch anhält.

Wie lautet Ihr Tipp für Samstag?
Tipps gebe ich ungern ab, aber ich kann versprechen, dass wir Rieder alles dafür tun werden, dass wir Punkte holen und dieses Jahr ungeschlagen bleiben!

Vielleicht noch ein Themenwechsel: Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen und in jungen Jahren (Anm. Sommer 2006) zur SV Ried gekommen. Sie haben auch die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Hat es Ihnen in Österreich so gut gefallen oder hat es auch andere Gründe für den österreichischen Pass gegeben, wie zum Beispiel ein Engagement im ÖFB-Nationalteam?
Das Nationalteam war immer so ein Beigeschmack. Wenn man die Chance hat, für ein Nationalteam zu spielen, ist davon jeder Sportler begeistert. Das war aber nie ein Hauptgrund für die Staatsbürgerschaft. Ich bin nach Österreich gekommen, habe mich hier vom ersten Tag an bei der SV Ried einfach so wohlgefühlt und dann kam noch das Familiäre dazu. Ich habe hier geheiratet und mein Haus gebaut. Ich wollte einfach nie mehr weg von hier, weil mein Lebensmittelpunkt nun einfach in Österreich liegt. Dadurch war auch einfach der Gedanke da, dass es für alle Beteiligten von Vorteil ist, wenn ich die österreichische Staatsbürgerschaft annehme. Es ging dabei um private Dinge, die Behördengänge sind einfacher. Es ging auch um den Verein, weil man so in Bezug auf den Österreicher-Topf einfach mehr Möglichkeiten hat – man bekommt daraus einfach mehr Geld, man kann zusätzlich noch einen Legionär verpflichten usw. Der Zusatz war eben das Nationalteam, aber dazu ist es für mich nie gekommen. Das war schade, aber das Nationalteam war dafür eben auch nicht hauptausschlaggebend. Entscheidend waren private Gründe.

Die österreichische Sprache, das österreichische Deutsch, ist ja sehr facettenreich und „farbenfroh“ – eben auch auf dem Fußballplatz. Darf ich Sie bitten, mir folgende Begriffe zu „übersetzen“? Ich nenne Ihnen einige Begriffe, die dem österreichischen Fußball-Fan in der Regel geläufig sind.
Ja, ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich alles weiß, aber versuchen wir es.

Outwachler.
Das ist der Linienrichter

Der Ballesterer.
Der Ballesterer? Das ist eine Zeitschrift.

Das stimmt, der Name der Zeitschrift ist aber auch ein österreichisches Wort für „Fußballspieler“.
Ach so, das wusste ich nicht. Das habe ich bis jetzt noch nicht gehört. Ist aber interessant.

Der nächste Begriff ist das „Gurkerl“.
Das ist ein Tunnel, also ein Beinschuss.

Die „Schrauf’n“?
„Schrauf’n“… keine Ahnung.

Als „Schrauf’n“ bezeichnet man in Bezug auf den Fußball einen Kantersieg.
Aha, okay, das haben wir nicht oft bei uns (scherzhaft, lacht).

Der nächste Begriff: die „Fett’n“.
Das ist der Drall, also dem Ball einen Drall mitgeben.

Richtig! Was ist das „Scheiberln“?
Mit dem Innenrist platziert ins Eck schießen.

Ah, interessant, ich kenne das bisher nur als eine österreichische Bezeichnung für Tiki-Taka, also das schnelle Kurzpassspiel.
Ach so, das wird bei uns aber anders verwendet – unser Trainer hat uns das anders erklärt (lacht).

Der „Ballschani“?
Das ist der Balljunge.

Genau, dann noch der „Badkicker“?
Ja, das ist so ein Schönwetterkicker.

Richtig und ganz zum Schluss noch ein Begriff, der besonders für einen Torhüter von Bedeutung ist…
(Unterbricht) Das Steirertor! (lacht)!

…ja, genau!
Das ist ein Torwartfehler, der zum Tor führt.

Herr Gebauer, ich danke für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!
Danke!

 

Das Interview führte Bernhard Pukl.

 

1 Kommentar

  1. Hindemith Hindemith sagt:

    Und mich würde noch interessieren, wieso er immer kurzärmelig im Tor steht?

    0

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