Guter Saisonstart -> Gute Saison?

Ein Rückblick auf über 40 Jahre Bundesliga

Der Saisonstart des SK Sturm ist bekanntermaßen geglückt, nach fünf Spielen steht man mit ebensovielen Siegen da, das ist Bundesligarekord für die Blackies. Doch ist der Sportklub Sturm ja nicht der einzige Verein der Liga, ergo ist es durchaus möglich, dass andere Teams in der Vergangenheit bereits einen ebenso starken Start in die Saison hatten. SturmNetz, das Informationsportal für glutenfreien Qualitätsjournalismus, begibt sich daher auf eine Zeitreise in die Bundesligahistorie, auf der Suche nach Mannschaften die ebenso mit fünf Siegen in die Saison gestartet sind, und wirft einen Blick auf deren Saisonende. Möglicherweise können wir daraus etwas für die kommende Saison unseres Herzensvereins werfen, möglicherweise wird’s eine komplette Zeitverschwendung, die Geschichte wird darüber entscheiden.

Von der Gründung der Bundesliga 1974/75 an wurde jede Saison untersucht, zusätzlich werden zwei Saisonen aus der „grauen Vorzeit“ (=Prä-Bundesliga-Ära) vorgestellt. 

1986/87: FC Swarovski Tirol (am Saisonende 3.)

Die erste Erkenntnis: Mehr als zehn Jahre lang konnte kein Team die ersten fünf Spiele gewinnen. Die zweite Erkenntnis: Es gab also auch schon identitätslose Sponsorenkonstrukte mit guten Saisonstarts, bevor ein Salzburger Limonadenhersteller sein Herz an den Fußball verlor. Der blau-weiße FC Swarovski, aus dem grün-schwarzen Stammverein Wacker Innsbruck herausgelöst, spielt Ende der achtziger Jahre eine prominente Rolle im österreichischen Fußball. Erst nach acht Runden setzte es gegen den LASK die erste Niederlage, nachher kam das Team um Hansi Müller und Peter Pacult national nie mehr so richtig in den Flow und schloss die Saison hinter Rapid und der Austria auf Rang drei ab. International lief es dafür richtig stark, im UEFA Cup konnte man unter anderem Spartak Moskau und den FC Turin schlagen und scheiterte erst im Halbfinale am IFK Göteborg.

(c) Panini

1987/88: SK Rapid Wien (Meister)

Die ersten acht Spiele konnten allesamt gewonnen werden, die erste Niederlage gab es überhaupt erst in der 23. Runde – pikanterweise gerade im Wiener Derby. Im Tor stand Michael Konsel, hinten räumten Heribert Weber und Kurt Garger ab, im Mittelfeld bekam der junge Andreas Herzog erste Einsatzminuten, und im Angriff erzielten Zlatko Kranjcar und ein gewisser Zoran Stojadinovic gesamt 44 Treffer. Die Summe all dieser Teile war der Meistertitel mit umgerechnet 76 Punkten aus 36 Spielen, klar vor der Austria und dem drittplatzierten Sportklub Sturm. 

(c) Panini

1999/00: FC Tirol (Meister)

Während der SK Sturm unter Ivica Osim Fußballeuropa das Fürchten lehrte, pirschte sich zuhause der FC Tirol zur Wachablöse an. Angetrieben von dubiosen Finanzgeschäften gewann das Team bestückt mit klingenden Namen wie Radoslaw GilewiczMichael BaurZoran Barisic und dem schnauzbärtigen Russen und aktuellen Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow nicht nur die ersten sieben Bundesligarunden, sondern am Ende der Saison auch die Meisterschaft.

(c) Panini

 

2014/15: FC Red Bull Salzburg (Meister) und Wolfsberger AC (5.)

Vor mittlerweile drei Jahren gab es nach fünf Runden erstmals gleich zwei Teams mit makelloser Bilanz, sowohl die Bullen als auch die Wölfe aus dem Lavanttal fegten in den ersten Runden über Fußballösterreich hinweg. Für Salzburg begann die Saison gleich mit einem 6:1-Heimsieg gegen den SK Rapid, in der dritten Runde wurde der gottseidank längst vergessene SV Grödig mit 8:0 überfahren. Die Wolfsberger konnten im Zuge dieser Serie gar auswärts in Graz gewinnen, über die ganze Saison dieses Tempo aber wenig überraschend nicht mehr mitgehen. Am Ende wurde Salzburg auch dank den 31 Saisontoren von Jonatan Soriano mal wieder Meister, für die Lavanttaler reichte es mit Platz 5 immerhin noch für einen internationalen Startplatz und die beste Platzierung der Clubgeschichte.

(c) Panini

 

Die graue Vorzeit

1950/51: FK Austria Wien (2.)

Der erste Club, dem fünf Startsiege in einer bundesweiten Liga gelingen sollten, war der FK Austria Wien. Angekurbelt vom legendären Ernst Ocwirk , schaffen die Veilchen einen großartigen Start, erst in der elften Runde (!) geht man zum ersten Mal nicht als Sieger vom Platz, zuvor wurde u.a. der LASK mit 10:2 verdroschen, auch Sturm musste mit 4:2 dran glauben. Eine Schwächephase in der Mitte der Saison, während der man sechs Runden ohne Sieg bleibt, kostet den Wienern den zuvor wohl schon sicher geglaubten Titel, mit (auf die Dreipunkteregel umgerechnet) 57 Punkten aus 26 Spielen bleibt man hinter Rapid zurück, die sich mit 61 Punkten zum Meister krönt.

1973/74: SK Sturm Graz (5.)

Trainiert von „Sir“ Karl Schlechta konnten die Schwoazen in jenem Jahr gar die ersten sechs Spiele gewinnen, erst im Stadtderby gegen den GAK gab es mit einem 0:0 den ersten Punktverlust. Die Sensation dieses Saisonstarts wird noch dadurch gesteigert, dass sich Sturm in der von der Maul- und Klauenseuche geprägten Vorsaison erst am „grünen Tisch“ dem Abstieg entziehen konnte. Leider folgte auf diese Sieges- recht rasch eine längere Niederlagenserie, sodass man sich von der Tabellenspitze verabschieden musste. Letzten Endes beendete man die Saison, in der Spieler wie Manfred SteinerKjeld Seneca oder auch Heribert Weber für die Schwoazen aufliefen, auf dem respektablen fünften Platz. Durch die sensationelle Siegesserie zum Saisonstart konnte man in der Fünfjahreswertung haarscharf am GAK vorbeiziehen, damit sicherten sich die Schwoazen im darauffolgenden Jahr das Startrecht in der neugegründeten Bundesliga, während der Stadtrivale absteigen musste.

Touropa Austria Poster aus dem Jahr 1973 (c) SturmNetz

Bilanz

In der Bundesliga gab es bisher also fünf Teams, die einen mit Sturm vergleichbaren Start vorweisen können. Von diesen fünf Teams wurden drei am Saisonende auch wirklich Meister, und ausnahmslos alle Vereine konnten sich am Ende für einen internationalen Startplatz qualifizieren. Das vom Verein ausgegebene „Minimalziel“ sollte heuer also definitiv schaffbar sein, der Blick an die absolute Spitze wird durch die Statistik durchaus legitimiert, wenn auch noch nicht absolut bestätigt. Man kann also nach fünf Runden noch nicht klar sagen, ob der Tabellenführer auch wirklich Meister wird. Wer hätte das gedacht.

 

 

 

 

Anzeige

Schreibe einen Kommentar