SturmNetz-Advent #2

Günther Neukirchner – Vereinstreue hat einen Namen

Eigentlich war er sich im Sommer 1994 schon mit dem damaligen Zweitligisten SV Oberwart einig. Als aber Ivica Osim das erste Training leitete, beobachtete er Günther Neukirchner und erkundigte sich bei Manager Heinz Schilcher, warum man mit diesem Spieler nicht mehr plant. Und das reichte schon, um „Güsch“ zum Bleiben zu überreden.

Ivica Osim formte aus dem gelernten Stürmer einen der besten Abwehrspieler Österreichs. Und sogar zum Nationalspieler. In den ersten beiden Spielzeiten unter Trainer Osim war ihm der Beruf eines Fußballers noch zu unsicher. Neukirchner arbeitete daher bei der Bergarbeiter-Versicherung in der Registratur. Und versäumte somit auch jedes Trainingslager, da sein Urlaub schon während der Vorsaison aufgebraucht war. Trotzdem war er genau einer jener, der unter Osim eine enorme Leistungsentwicklung durchlebte. So gab er auch sein Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft am 19. August 1998 gegen Frankreich beim 2:2 in Wien. Insgesamt brachte Neukirchner es auf 14 Länderspiele. Seine Karriere in der Nationalmannschaft nahm ein etwas unrühmliches Ende, als er sich zusammen mit acht Mannschaftskollegen weigerte, ins durch Kriegswirren unsichere Israel mitzufliegen, um dort am letzten Qualifikationsspiel für die Weltmeisterschaft 2002 teilzunehmen. Seine Familie war Neukirchner wichtiger.

Wesentlich beeindruckender ist seine Karriere als Rekordspieler bei Sturm Graz. 426 Bundesliga-Spiele absolvierte Günther für seine Blackies. Nur Mario Haas konnte diesen Wert später noch überbieten. Während seiner gesamten Karriere galt Neukirchner als absoluter Musterprofi. Bei sämtlichen Erfolgen unter Ivica Osim war er an vorderster Front dabei.

24 Jahre gehörte Neukirchner dem Verein an, bis es im Spätsommer 2006 zur Trennung kommt. Mittlerweile Kapitän, sieht „Güsch“ keinen anderen Ausweg mehr. Denn die Auflösung des Vertrags ist ganz offensichtlich die einzige Lösung, mit der beiden Seiten leben können und ein unrühmliches Ende einer vorbildlichen Karriere verhindern soll. Es wird die schwierigste Entscheidung in seinem Leben werden. Jahrelang hat Neukirchner für den Verein immer alles gegeben, doch in der Ära Kartnig zählten so manchesmal andere Spieler viel mehr. Auch welche, die im Herbst noch das Wappen am Trikot geküsst haben und im Sommer darauf auch schon wieder weg waren.

Die 16 Spiele die Neukirchner nach seiner Sturm-Ära noch für Gratkorn absolvierte, beflecken zwar Günthers blütenweiße Sturm-Weste, waren aber angesichts des damaligen Chaos welches in Messendorf in der Endphase der Ära Kartnig herrschte mehr als verständlich. Mittlerweile ist Neukirchner bei seinem SK Sturm wieder fest verwurzelt.

Heute feiert „Güsch“ seinen 45. Geburtstag – wir gratulieren!

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4 Kommentare

  1. Pizzo sagt:

    Danke auch an Güsch!

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  2. Ennstaler sagt:

    Wieso gibt es diese Vereinstreue jetzt nur mehr so selten? Die Schuld liegt sicher nicht immer auf der Seite der Spieler.
    Leute wie Ranftl, Sittsam und Stangl, die ihre Karriere bei Sturm begonnen haben, sind weg, alle drei täten Sturm aktuell durchaus gut.

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