Gruselshow zu Halloween

Spielbericht: SK Rapid Wien vs. SK Sturm Graz (2:1)

Mit Kaiserwetter an einem sonnigen und für Spätoktober auch recht warmen Samstag schien es so, als würde sich die Natur genauso sehr auf das Spiel des SK Sturm Graz gegen die Grün-Weißen aus Hütteldorf freuen, wie das wohl jeder Sturmfan tat. Die Vorzeichen waren relativ ausgeglichen, Rapid schwächelte zuletzt in der Liga, lieferte dafür in der Europa League starke Leistungen ab und konnte sich im Cup gegen Austria Salzburg locker durchsetzen. Bei den Schwoazen stehen vier Siege aus den letzten fünf Bundesligaspielen zu Buche (und das Spiel gegen Grödig…), also zwei mehr als bei Rapid, dafür kam man im Cup gegen den ASK Ebreichsdorf nur mit Ach und Krach eine Runde weiter.

© sturmnetz.at

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Bei den Wettanbietern war Rapid vor Anpfiff der klare Favorit, in der Tabelle lagen die Wiener als Dritte allerdings nur einen Punkt vor dem fünftplatzierten SK Sturm. Es ging also nicht wie schon so oft um die Tabellenführung in der Liga, dennoch lag in diesem traditionsreichen Duell einiges an Spannung in der Luft. Das letzte Aufeinandertreffen im August endete bekanntlich 2:2, ein Resultat mit dem man wohl auch diesmal leben könnte. „Sturmschreck“ Robert Beric hat den Verein ja verlassen, sein „Ersatz“ Matej Jelic saß zu Beginn nur auf der Bank, es bleibt zu hoffen dass er es seinem Vorgänger nicht gleich tut und gegen den SK Sturm offensiv harmlos bleiben wird.

Nach der Rapidhymne geleitete Schiedsrichter Drachta die beiden Mannschaften auf das Feld. Nachdem dann noch grüne und weiße Luftballons gen Himmel gestiegen waren, konnte es losgehen.

Was dem SK Sturm beim Einlauf noch wunderbar gelang, nämlich die Geschlossenheit zwischen den Reihen, fehlte in der ersten Halbzeit völlig. Während sich auf den Rängen die Fanblocks noch durchaus achtbare Beschimpfungen um die Ohren singen, legt Rapid am Rasen los, wie die Feuerwehr. Bereits in den ersten sechs Minuten kommen die Grünen dreimal vor das Tor von Michael Esser, und in der siebenten Minute schepperte es dann auch schon. Nach einem der vielen unnötigen und ungünstigen Ballverluste von Simon Piesinger, in diesem Fall gegen Philipp Schobesberger, spielt dieser auf Prosenik, der legt kurz ab für Steffen Hofmann, und der Routinier schiebt überlegt ins lange Eck ein. Michael Esser war hier ohne Chance.

Während Sturm noch die Wunden des ersten Gegentreffers leckte, kam Rapid bereits zur nächsten Riesenchance. Mario Pavelic wird über rechts geschickt, und dessen halbhohe Flanke verpasste Philipp Schobesberger nur um wenige Zentimeter – Zum Glück ist der nicht größer. In der 13. Minute kommt Sturm zum ersten Mal „gefährlich“ vor das Tor des Gastgebers – Roman Kienast möchte nach gutem Zuspiel von Kayhan den Ball an Jan Novota vorbeilegen, dies gelingt ihm zwar, allerdings springt ihm der Ball dabei über die Toroutlinie. Wenig später kann nach einer der wenigen schönen Ballstaffetten der Sturmoffensive Kristijan Dobras nach etwas Abwehrpingpong den Ball mittels Seitrückfallzieher in Richtung Tor bringen, letzendlich aber doch deutlich zu schwach.

Schon in dieser Phase ist deutlich zu erkennen, wie sehr dieser Mannschaft ihr Kapitän fehlt. Defensive Ordnung war über das ganze Spiel gesehen absolute Mangelware, Nervenflattern von Anstoß bis zum Abpfiff.

Rapid ist in der gesamten ersten Hälfte absolut feldüberlegen, Sturm hat wenig Ballbesitz (48%, gefühlt waren es 30%), und die wenigen Angriffe werden zu schlampig zu Ende gespielt.

In der 30. Minute spielte Rapid einen der vielen Konter über den schnellen Philipp Schobesberger nach Ballverlust von Anel Hadzic, der bügelt seinen Fehler mittels Grätsche wieder aus, allerdings verletzt er sich dabei unglücklich am linken Handgelenk, kann mit dickem Tapeverband aber weiterspielen.

Trotz der aufgeheizten und teilweise auch gehässigen Stimmung auf den Rängen blieb die Partie auf dem Feld sehr fair. Die erste Ermahnung muss Schiedsrichter Drachta erst in der 35. Minute aussprechen, der glückliche Empfänger ist Simon Piesinger nach einem Foul an Thanos Petsos. Piesinger versucht sich über die gesamte erste Hälfte als Ballverteiler, er versucht immer wieder Thorsten Schick oder Kristijan Dobras mittels Diagonalbällen in Szene zu setzen. Leider bleibt es meistens beim Versuch. Sturm agiert offensiv generell extrem zerfahren, sehr selten kommen mehr als zwei Pässe hintereinander an.

© sturmnetz.at

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Die zweite Halbzeit beginnt mit einer Menge abgebrannter Pyrotechnik im Sturmsektor, der erste Schuss kommt bereits nach fünfzehn Sekunden aufs Tor von Jan Novota geflogen, Schütze war Daniel Offenbacher, aber keine große Gefahr.

Rapid wird erstmals in Minute 49 gefährlich als die Sturmabwehr beschließt, sich nicht zu bewegen, aber letzten Endes wurde Prosenik zu Unrecht wegen Abseits zurückgepfiffen. Nachdem Esser einmal mehr einen Laufpass vor den Rapidlern aufnehmen kann, liefert Sturm im Gegenzug die erste starke Aktion ab. Nach einmal mehr starker Ballbehauptung von Roman Kienast und einem Pass von Hadzic packt Thorsten Schick seinen Gegenspieler ein, den Stanglpass kann Christopher Dibon nur noch leicht abfälschen und Roman Kienast schiebt unbedrängt zum Ausgleich ein. Der Sturmsektor eskaliert, wahre Hexenkesselstimmung im mit 14.700 Zuschauern gefüllten Happel-Stadion.

Nach der Halbzeit und speziell nach dem Ausgleichstreffer keimt Hoffung auf, Sturm agiert zwar defensiv immer noch haarsträubend, aber offensiv wird das Gezeigte gefälliger, besonders Thorsten Schick dürfte durch Fodas Halbzeitpredigt angestachelt worden sein. Er gab seinen Gegenspielern in Halbzeit zwei einiges zu denken. Selbiges gilt leider auch für Philipp Schobesberger, der kleine Flügel konnte weder von Tanju Kayhan noch von Christian Klem wirklich gebremst werden.

Simon Piesinger, der nach der guten Leistung gegen den WAC diesmal leider inferior agierte, wird in der 62. Minute ausgewechselt, für ihn kommt Andi Gruber ins Spiel. Zumindest lief er da auf den Platz, man sollte ihn bis zum Schlusspfiff eigentlich nicht mehr wahrnehmen. Gruber stand also nun auf der linken Seite herum, Dobras tat es ihm im Zentrum gleich, und Daniel Offenbacher übernahm die Position von Piesinger. Dessen Ballverluste blieben Sturm nun erspart, dafür kam Wilson Kamavuaka immer mehr ins Schlendern, seine Pressingresistenz hielt sich in sehr engen Grenzen.

Ungefähr ab Minute 65 war das zarte Aufflackern der Sturmoffensive wieder Geschichte, Rapid drängte auf das Führungstor, nur Lukas Spendlhofer (übrigens mit 100% gewonnenen Zweikämpfen laut Opta) und Michael Esser stellten sich diesem noch in den Weg. Die Rapidchancen im Zeitraffer: 67´Schuss von Thanos Petsos von der Strafraumecke, Esser pflückt den Ball sicher herunter. 69. Minute: Schuss von Mario Pavelic, Esser mit genialer Fußabwehr. 70. Minute: Distanzschuss von Thanos Petsos, gefährlich abgefälscht von Daniel Offenbacher, Esser dreht den Ball im Zurücklaufen per Übergreifer über die Latte. 72. Minute: Schuss von Florian Kainz, Esser hält auch den. 74. Minute: Flanke von Kainz auf Schobesberger, der setzt sich im Kopfballduell gegen Christian Klem durch und setzt den Ball nur knapp neben das Tor. Das Rapid-Führungstor lag in der Luft, das einzige, das in dieser Phase des Spiels für den SK Sturm spricht ist die ausgelutschte Weisheit „Tore die man nicht schießt, bekommt man“.

Naja, auch derart bewährte Weisheiten stimmen nicht immer, in der 78. Minute bringt Florian Kainz einen Eckball zur Mitte, Mario Sonnleitner setzt sich gegen Hadzic und Offenbacher durch und köpft den Ball ins lange Eck. Das 2:1 für Rapid, kurz verschlägt es da auch dem heute sehr gut besetzten Sturmsektor die Sprache. Natürlich ist diese Führung absolut verdient, das macht sie für den geneigten Sturmfan aber auch nicht leichter verdaulich.

Franco Foda reagiert, bringt Josip Tadic für Daniel Offenbacher und Bright Edomwonyi für den heute defensiv mehrmals sehr grenzwertigen Tanju Kayhan. Bei Rapid sind inzwischen auch Matej Jelic und Srdjan Grahovac für Prosenik und Hofmann am Feld.

Sturm spielt dann mit dem Mut der Verzweiflung, bis zum Abpfiff kann man sich noch zwei gute Torchancen erarbeiten, aber zuerst will der Ball bei einem Gestocher nach einer Ecke einfach nicht über die Linie, und dann sieht Schiedsrichter Drachta ein Stürmerfoul von Kienast, nachdem Jan Novota eine Flanke gerade noch vor Edomwonyi klären konnte.

Letzer Höhepunkt des Spiels ist eine Michael-Madl-Gedächtnisgrätsche von Anel Hadzic, wäre Florian Kainz nicht über diese hinweg gesprungen, so hätte Sturm das Spiel wohl zu zehnt beenden müssen.

Alles in allem kassierte Sturm Graz an diesem Abend eine absolut verdiente Niederlage, mit Ausnahme der Minuten 45-60 waren die Grazer stets unterlegen. Das kurze Hoch der letzten Runden ist vorbei, die Minikrise von Rapid wohl ebenso. Wäre man Polemiker so könnte man anmerken, dass das Einzige, das die Grazer Abwehrspieler an diesem Nachmittag im Griff hatten, die Einlaufkinder waren.

Stimmen zum Spiel

Franco Foda

… über den Spielverlauf:

 

… darüber, was man sich für die zweite Halbzeit vorgenommen hatte:

 

… über den Verlusttreffer durch Mario Sonnleitner und die Schlussphase des Spiels:

 

Michael Esser

… über den Ausfall von Michael Madl und die umgestellte Innenverteidigung:

 

…darüber, warum man nach dem glücklichen Ausgleich nicht nachlegen konnte und erneut unter Druck geriet:

 

… über Stellungsfehler in der Außenverteidigung:

 

Mario Sonnleitner

… über sein Tor und die Schlussphase:

 

… über die Leistung des SK Rapid:

Spieldaten:

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7 Kommentare

  1. black_aficionado sagt:

    Eigentlich könntet ihr euch eine Menge Arbeit ersparen und einfach jede 3.Partie den gleichen Text (mit geänderten Gegnern) online stellen. Vl noch die Aufstellungen etwas adaptieren, aber im Prinzip ist es seit Jahren das selbe.

    Wir spielen scheiße, dann die nächste Partie noch schlechter, dann „spüren sie auf einmal den Druck und wissen was zu tun ist“ fahren 1,2 (meistens glückliche) Siege ein und auf die folgt der nächste Offenbarungseid.

    Ich weiß auch nicht wo der Franzl gesehen haben will, dass wir gestern auch nur halbwegs gut waren, selbst in unserer besten Phase waren wir von ebenbürtig weit weg!
    Das Tor ist in Wahrheit auch nur gefallen, weil Dibon den Ball perfekt über Sonnleitner hinweglupft, der hätte den Ball whs locker gehabt…
    Ansonsten war da gar nichts los bei uns. Dass ein Offenbacher am Feld steht, das habe ich erst nach 2fachen überprüfen der Aufstellung bemerkt. Dobras wie gewohnt unterirdisch schwach.
    Es stimmt schon was Foda sagt, als er Piese rausgenommen hat war das Zentrum nicht mehr kompakt und aggresiv, aber nicht weil Piese so stark wäre (der war nämlich gestern wieder einer der Schwächeren (auch abseits seines Fehlers)), sondern weil der Offenbacher einfach so weit weg ist von einem adäquaten 6er!
    Von der Bank kannst bei uns offenbar keinen bringen, der einen Gegner nur irgendwie weh tun könnte (die seltenen Glanzmomente eines Grubers mal außen vor gelassen). Tadic ist ohne Ball auffälliger als mit und Edo sicher eine Bereicherung, wenn er sich nicht als Stürmer versuchen würde!

    2+

  2. wama sagt:

    Selbst gegen angeschlagene Rapidler war man weit weg von einem vor allem verdienten Punktgewinn.
    Wir sind diese Saison eben nur Mittelmaß, technisch vor allem bei höherem Tempo mit viel zu vielen Ballfehlern, dazu viel zu langsames Passspiel.
    Will man wirklich vorne um die ersten 3 Plätze mitspielen, geht’s nur mit schnellerem, (ball)technisch besserem Spiel, mit schärferem und genauerem Passen, mit weniger individuellen Aussetzern und mit besserer Standartquote.
    Realistisch ist da eher höchstens Endrang 4, der eventuell auch für Europa reicht oder bei Losglück der Einzug ins Cupfinale, in dem ich sogar uns alles zutraue.
    Fakt ist, Foda hat mit seinen Mannen an noch vielen Schrauben zu drehen, will man wirklich wieder mal ganz oben dabei sein.

    2+

  3. Arch Stanton sagt:

    Der Kayhan und der Piesi wären gestern nicht einmal in einem Italowestern die schnellsten gewesen.
    Insgesamt eine Frechheit, was die Schwarzen da abgeliefert haben, weil auch die Rapidler gestern keine Offenbarung waren und mit ein bisschen Mut und Einsatz zu schlagen gewesen wären.

    2+

  4. mauer mauer sagt:

    Ich versteh’s nicht. Wird nur mir spontan schlecht wenn Kamavuaka zum Ball kommt?? Offenbacher und Piesinger waren natürlich katastrophal, aber was erwartet sich Foda? Sollen sie gegen Rapid plötzlich brillieren, wenn sie sogar gegen einen Regionalligisten abstinken??

    2+

  5. Moe sagt:

    Rapid wäre gestern sicher zu schlagen gewesen, aber das man in Wien eben immer eine Spitzenleistung braucht um zu gewinnen muss wohl jedem klar sein. Da war aber gestern das Gegenteil der Fall. Das war ja katastrophal. Langsam zweifle ich wirklich an der Qualität des Kaders. Und wieso man im letzten Moment da noch Kayhan holt als ‚Verstärkung‘ wissen wohl auch nur eine handvoll ausgewählter…

    1+

  6. Rene90 sagt:

    @black_aficionado
    stimme deinem Statement 100% zu
    Tor sehe etwas anders, Sonnleitner wäre auch nicht hingekommen, war eine der 3 guten Offensivaktionen
    die Qualität dieses Kaders kann man nicht mit jenem von Rapid (auch nicht von Salzburg und Austria) vergleichen, denn genau 4 Spieler würden bei Rapid im Kader sein und auch spielen können – Esser, Madl, Spendlhofer, Schick (Donis nehme ich aus, da er nur verliehen ist) und sonst würde kein Sturm Spieler bei Rapid eine Überlegung wert sein, dass ist die Realität und auch fakt. Problem ist nur, von den sportlichen Verantwortlichen will sich dass keiner eingestehen, da sie absolut Realitätsfremd sind.
    Die geholten Verstärkungen sind bis auf Esser und Horvath (könnte noch etwas werden) keine Verstärkungen – auf der linken Seite ist es egal ob Dobras oder Gruber spielt, beide sind zu schwach um vorne mitspielen zu können, wie auch die AV’s nur Durchschnitt sind un ddarunter leidet auch unser Offensivspiel, denn was gestern Schick nach hinten arbeiten musste war schon unglaublich weil Kayhan langsam wie eine Schnecke ist und Stellungsfehler hatte wie in einer Schülermannschaft. Kama ebenso als 3. IV ok, mehr nicht – hatte Stellungsfehler ohne Ende, Ballverluste bei rausspielen ohne Ende
    Vorne Kienast, dann ist Ende
    warum Lovric nicht eingetauscht wurde sieht man wieder einmal klar sein Standing bei FF, da kann ein Offenbacher noch so eine große Sch… spielen oder noch langsamer wird oder noch weniger Zweikämpfe gewinnt, darf weiter spielen und die Mannschaft kommt dadurch noch mehr unter Druck
    wenn man oben mitspielen will, dann muss man nächstes Jahr den Kader ausmissten und mal in die Kassa greifen wegen einem Stürmer und ZM, wie auch bei einem funktionierten Scouting die eine oder andere Überraschung an Land gezogen werden kann

    2+

  7. wama sagt:

    ich sehe das ähnlich mit diesem kader – keine schlechten kicker, aber eben nicht mehr als bestenfalls guter durchschnitt, selbst in dieser liga.
    es fehlen zumindest 2 herausragende kicker, die den unterschied ausmachen können, vor allem ein technisch starker, schneller zentraler mittelfeldmann, dazu ein striker vorne, der uns zumindest 15-20 saisontore macht,wollen wir in dieser liga vorne dabei sein und mal wieder die euroligue gruppenphase erreichen.
    sieht aber so aus, als will sturm nicht investieren, zumindest nicht in spieler, obwohl keine schulden drücken und geld verfügbar wäre.
    so wird’s wohl auf jahre zwar teilweise bemühte ansätze geben, die mannschaft weiter zu entwickeln, aber eben keinen spitzenfussball zu sehen geben, nicht mal attraktiven.

    1+

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