Grau ist alle Theorie

Spielvorschau: FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz

Sicher setzte mit Mittwoch 22:15 bei vielen schwarz-weißen Fans das große Nachrechnen und Spekulieren ein. Wie gut stehen nach dem enttäuschenden 1:1 gegen den SV Mattersburg die Chancen, dass Sturm Graz das etatmäßige Saisonziel, den vierten Platz, noch erreicht und sich so auch eine (mögliche) Teilnahme an der Europa League-Qualifikation sichert? Diese Frage wird im morgigen Saisonfinale, in dem die Blackies auswärts auf den FK Austria Wien treffen, endgültig geklärt werden. Sturms Ausgangssituation ist allerdings keine besonders gute:

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie - Donis Avdijaj wird morgen sein letztes Spiel für Sturm absolvieren

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie – Donis Avdijaj wird morgen sein letztes Spiel für Sturm absolvieren

Die Admira hat diesen so wichtigen Tabellenrang derzeit bei schlechterer Tordifferenz mit zwei Punkten Vorsprung auf die Grazer inne – die Südstädter, die sich ihres internationalen Startplatzes bereits sicher sein können, werden also – abgesehen von finanziellen Problemen (Lizenz erst unter Auflagen erteilt) – den Tabellenzweiten Rapid Wien sorgenfrei empfangen können. Hinzu kommt, dass sie gerade gegen die Hütteldorfer eine recht beeindruckende Bilanz aufweisen – gleich sechs Punkte holten sie sich in den bisher drei Begegnungen. Nur einmal gingen die Wiener, auf deren Schützenhilfe nun aber der SK Sturm angewiesen ist, als Sieger vom Platz. Die Admira „darf“ morgen nur einen Punkt machen.

Die Schwarz-Weißen müssen – und das ist Grundvoraussetzung für ihr letztlich doch noch positives Abschneiden im Spieljahr 2015/16 – die Wiener Austria im Auswärtsspiel besiegen. Ihre Bilanz gegen die Veilchen ist ausgeglichen: In den bisherigen Aufeinandertreffen der Saison konnte jeder der Kontrahenten vier Punkte holen. Zusammengefasst: Der SK Sturm braucht Schützenhilfe von Rapid und vor allem einen Sieg.

Die Wahrheit auf dem Platz

Günter Kreissl kreidete den Spielern des SK Sturm am Mittwoch dürftige Leistungsbereitschaft an. Die Leidenschaft habe er bei einigen Akteuren im schwarz-weißen Dress nicht erkennen können – er kündigte deswegen auch, ganz und gar ohne Schönrederei, personelle Konsequenzen an. Nun sollen aber jene Kicker, deren Auftritt noch vor wenigen Tagen Anlass für Kritik dieser Art war, diese Saison noch retten und die Admira auf der Zielgeraden abfangen. Das wird nur gelingen, wenn das Team genau jene Eigenschaften an den Tag legt, die es laut dem neuen Sportmanager missen ließ. „Ich hoffe, dass die Mannschaft das am Sonntag besser macht“, meinte Franco Foda, nachdem er am Freitag im Rahmen des Mediabriefings auf Kreissls scharfe Kritik an der Mannschaft angesprochen worden war. Sie habe wichtige Tugenden missen lassen, aber im Verlauf der Saison auch schon gute Spiele abgeliefert, so der Deutsche, der übrigens weiterhin nichts von einem möglichen Wechsel im Sommer wissen will. Die Wahrheit liegt auf dem Platz – keine Spekulationen, keine Rechnereien, keine Alternativen: Sturm muss morgen gewinnen, völlig egal wie! Ähnlich brachte es auch Andreas Gruber auf den Punkt: „Wir müssen alle zu 100% Gas geben!“

Viele Fragezeichen

Sturm wird morgen das dritte Spiel innerhalb kurzer Zeit bestreiten – eine derartige Intensität fordert vor allem zu Saisonende ihre Opfer. Hinter einigen Spielern steht ein großes Fragezeichen: Für Roman Kienast, zuletzt durch eine Verletzung ausgefallen, und die beiden „Stammleiberlträger“ Lukas Spendlhofer und Charalampos Lykogiannis (Probleme mit der Wadenmuskulatur) ist noch nicht absehbar, ob ein Einsatz im Saisonfinale möglich sein wird. Gerade etwaige Ausfälle der beiden Verteidiger, die zu den Leistungsträgern im Kader gehören, schmälern Sturms Chancen auf Erfolg doch deutlich. Immerhin war es gerade die Defensivabteilung, die laufend als Prunkstück der Schwarz-Weißen bezeichnet wurde. Der Vollständigkeit halber muss auch noch erwähnt werden, dass Christian Klem (Verletzung an der Ferse) und Simon Piesinger (Kreuzbandriss), der heute seinen 24. Geburtstag feiert, weiterhin nicht im Kader stehen.

Abschied vom Horr-Stadion

Ja, der Verfasser dieser Zeilen weiß natürlich, dass das alte Stadion am Verteilerkreis in Wien Favoriten nicht mehr nach dem 1974 verstorbenen Franz Horr, einem sozialdemokratischen Politiker und dem späteren Präsidenten des Wiener Fußballverbandes, benannt ist, sondern nach einer Versicherungsfirma und dass 2010 mit der Umbenennung eine weitere Spielstätte vom Stadion zur Arena wurde. Nichtsdestotrotz wird uns die Heimstätte der Wiener Austria noch lange unter ihrem alten Namen in Erinnerung bleiben, selbst wenn sie bald von Grund auf saniert und modernisiert werden wird. Einst pflegte man sie in Graz ja sogar „Horr(ror)-Stadion“ zu nennen, denn knapp 20 Jahre lang, von 1975 bis 1995, gelang Sturm dort kein einziger Sieg (wobei die Austria eine Zeit lang allerdings nicht dort, sondern im Praterstadion, auf dem Sportclub-Platz und auf der Hohen Warte spielte). Vor allem dürfte Sturmfans aber immer noch die Gänsehaut kommen, wenn sie an ein Zaubertor denken, das dort niemand geringerer als Mario Haas per Ferse erzielte. Es war der 2. November 2008: Sturm führte gegen die Wiener Austria in der 82. Minute durch Tore von Marko Stankovic und Markus Suttner (Eigentor) verdient mit 2:1, hatte an diesem Nachmittag – es war ein Sonntagsspiel, übertragen vom ORF – aber noch nicht genug. Andi Hölzl erhielt einen hohen Ball von Samir Muratovic und spielte anschließend durch die Beine von Jocelyn Blanchard, der an diesem Tag übrigens zusammen mit einem gewissen Michael Madl das defensive Mittelfeld der Violetten bildete, direkt zu Haas, der im gegnerischen Strafraum wartete. Wenige Schritte und ein „Jahrhundertferserl“ genügten dem Bomber, um den 3:1 Endstand zu fixieren und wohl selbst dem einen oder anderen Austria-Fan an diesem Tag trotz bitterer Niederlage anerkennende Worte zu abzuringen.

 

Spieldaten

FK Austria Wien vs. SK Sturm Graz
Sonntag, 15.05.2016, 17:30 Uhr, Generali-Arena (vlg. Franz-Horr-Stadion), Wien

Schiedsrichter: Robert Schörgenhofer

Mögliche Aufstellung:

Sturm Graz (4-2-3-1) Esser; Kayhan, Kamavuaka, Avlonitis, Potzmann; Lovric, Offenbacher; Schick, Avdijaj, Horvath; Edomwonyi

Ersatz: Schützenauer, Gruber, Schoissengeyr, Stankovic, Dobras, Klaric, Rosenberger

Es fehlen: Piesinger, Klem, Gratzei

Fraglich: Spendlhofer, Lykogiannis, Kienast

Es wird ab 17.00 Uhr einen SturmNetz-Liveticker geben.

 

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