Geschaffen von den Armen, gestohlen von den Reichen

Eine etwas andere Spielvorschau zur Partie SK Sturm Graz vs. WAC

(El Loco) Marcelo Bielsa, der wahrscheinlich beste Trainer der modernen Geschichte des Fußballs, ist derzeit bei Premier League Aufsteiger und Kultklub Leeds United tätig. Vor kurzem wurde er auf die Schaffung der Super League angesprochen, er antwortete wie folgt: „One of the reasons football is the most popular sport in the world, is because the weak can beat the powerful.“ Diesem Statement kann man wohl nur beipflichten, Fußball wurde von den Armen geschaffen. In Österreich betrieb das Proletariat diesen Sport, es galt als verpönt mit einem Fetzenlaberl herumzukicken. Junge Burschen im Grazer Augarten verbrachten ihre Freizeit ausschließlich damit, dem runden Leder hinterherzujagen und gründeten in weiterer Folge den Verein, der uns heute die Welt bedeutet. Schwarz und weiß wurden als Gründungsfarben auserkoren, als Spiegelbild unserer Gesellschaft.

„Sturm deckt alles was weiß ist in unserem Leben, alles was schwarz ist auch“, hat sinngemäß ein nicht gerade wenig erfolgreicher Ex-Trainer der Grazer verlautbaren lassen. Ivica Osim war sein Name, ein Virtuose, Friedensbotschafter und Philosoph des Fußballs zugleich, ein Mann der all die Werte des wundervollen Spieles symbolisiert und das verkörpert, wofür dieser Sport geschaffen wurde. Gründerväter wie er, oder jene die nicht mehr unter uns weilen, wie Ernst Happel oder der König des Spiels Johann Cruyff, die den Fußball revolutioniert und geprägt haben, drehen sich wohl gerade im Grabe um.

Mit der Abschaffung des Europapokals der Landesmeister und der Einführung der Champions League, wurde der Grundidee des Fußballs schon der erste Nierenstich verpasst. In den letzten Tagen wurde er jedoch zur Gänze zu Grabe getragen, von Vereinen, die ihre Geschichte für Öl-Milliarden verraten oder selbige auf eine Militärdiktatur stützen. Beziehungsweise von Vereinen, die jahrzehntelang gegen diese Unterdrückung gekämpft haben oder deren Stadion der einzige Zufluchtsort für jene war, deren grauer Alltag stets aus Tristesse und Schichtbetrieb bestand. Der Fußball wurde den Armen von den Reichen gestohlen und verkommt mittlerweile zu einer Maschinerie, die von Marketingkampagnen und seelenlosen Kleingeistern gestützt wird. Hierfür muss man den Blick nicht einmal auf weit entfernte internationale Gefilde richten, sondern direkt vor der eigenen Haustür schwebt ein grell leuchtendes Damoklesschwert mit den Buchstaben RB über den Köpfen diverser heimischer Fußballromantiker.

Otar Kiteishvilli im Duell mit Ex- Sturm Kicker Thorsten Röcher © Martin Hirtenfellner Fotografie

Wie sehr lobt man sich da die gute alte Hausmannkost? Das ungeliebte und von den Medien hochsterilisierte Packderby, gegen den Wolfsberger AC steht an. Ein Verein, der in den letzten Wochen speziell aufgrund des Umgang mit Ex-Trainer Ferdinand Feldhofer einiges an Unmut gesammelt hat. Spielerrevolten gehören ja mittlerweile schon zum guten Ton und stehen an der Tagesordnung des Fußballgeschäfts. Werden sie dann auch noch von solchen Sympathieträgern wie Michael Liendl geführt, fällt es einem schwer sich mit dieser Sportart noch zu identifizieren. Umso schöner wäre es in der Folge den Lavanttalern endlich einmal wieder ihre Grenzen aufzuzeigen und sie für diese Vorgehensweise zu bestrafen. In der jüngsten Vergangenheit blieb eine volle Punkteausbeute gegen die Kärntner jedoch häufig aus.

Nicht zuletzt auch, weil die österreichischen Schiedsrichter häufig etwas dagegen einzuwenden hatten, denn unterm Strich waren die Auftritte eben jener in den letzten Partien nahezu skandalös. Der Mannschaft konnte man bezüglich ihrer Leistungen nur wenig vorwerfen, vor allem der heroisch erkämpfte Punkt in Wolfsberg, zeugt davon, dass vor allem die Moral im Team von Cheftrainer Christian Ilzer stimmt. Selten hat man eine Mannschaft in schwarz-weiß gesehen, die so für die Grundtugenden des SK Sturm einsteht. Es macht einfach Spaß dieser Truppe beim Kämpfen zuzusehen, auch wenn speziell im Frühjahr vor allem spielerisch, nicht alles perfekt war. Der Ausfall vom derzeit glänzend aufspielendem Kelvin Yeboah schmerzt dahingehend zwar zusätzlich, kann man jedoch eine ähnlich starke Leistung wie zuletzt auf den Platz bringen, so steht einem Heimerfolg nur wenig im Weg.

Sturm stellt damals wie heute einen erfrischenden Kontrast zum schnelllebigen Fußballgeschäft dar und lässt die Aficionados vergessen, zu welch Gräueltaten dieser Sport tätig ist, Stichwort WM Vergabe an Katar. Das Spiel gegen den WAC bietet eine willkommene Abwechslung, danach muss man sich wieder über diverse tagesaktuelle Themen den Fußball betreffend ärgern. Als Fan dieses Vereins, gilt es derzeit einfach dankbar dafür zu sein, dass man an diesem Wahnsinn nicht teilnimmt und fernab von finanziellen Sorgen, Bundesliga-Fußball genießen darf. Möge das bitte auf ewig so bleiben und Sturm für immer ein Verein sein, mit dem sich jegliche Gesellschaftsschichten und Personen, egal welcher Herkunft, identifizieren können. Denn Fußball ist für alle da!

Spieldaten

SK Sturm Graz vs. Wolfberger AC

26. Runde der Österreichischen Bundesliga 2020/21

Mittwoch, 21. April 2021, 18:30 Uhr, Merkur Arena

Schiedsrichter: Gerhard Grobelnig

Mögliche Aufstellung: Siebenhandl; Gazibegovic, Nemeth, Wüthrich, Dante; Hierländer, Gorenc Stankovic, Kiteishvili, Kuen; Friesenbichler, Jantscher

Ersatz: Schützenauer; Geyrhofer, Ljubic, Shabanhaxhaj, Jäger, Balaj, Huspek,

Es fehlen: Trummer (rekonvaleszent), Ingolitsch  (Bänderriss), Yeboah (Sperre)

 

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11 Kommentare

  1. Neukirchner sagt:

    Vielleicht sollten sich diesen Text alle Dauermotschgerer (unsere Liga, Meister nur weil alle anderen zu schwach waren, typisch Österreich, eh alles Oarsch…) zu Herzen nehmen

    Denn unsre Liga ist ziemlich geil, man kann noch plärren und Bier trinken, der Eintritt leistbar und die Protagonisten auch noch greifbar.

    Und Sturm is sowieso das Nonplusultra, wenn Corona vorbei ist wird die Stimmung wieder explodieren usw…

    Wobei die Dauermotschgerer eh zumeist daheim sind mitm Sky Abo und nicht im Stadion.

    Forza Sturm, danke Sturmnetz

    +16
  2. fid82 sagt:

    Wüthrich fällt leider aus. Wahrscheinlich auch noch gegen den LASK. Ich weiß nicht ob Friese wieder fit ist. Wenn ja,sollte er beginnen. Ansonsten Mwepu.

    Sarkaria hat für die Austrianer gerade ei en Elfer verwandelt.
    2 Fragen: wird er das bei uns auch und wer ist unser Elferschütze?

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    • TW1 TW1 sagt:

      Wovon sprichst du ?
      „Elfer“?
      Ich dachte es gibt eine geheime Abmachung das Sturm keine Elfer bekommt.

      +6
    • blackfoxx sagt:

      @ TW1: ich glaub deshalb hat Sakaria dem Djuricin auch so vehement den Ball weggenommen – er wollte halt in seiner Karriere auch einmal eine Elfer schießen bevor dann diese Chance bei Sturm für immer dahin ist 🙂

      +1
  3. Hindemith Hindemith sagt:

    „…und von den Medien hochsterilisierte…“
    Könnte direkt aus dem Munde von Johann K. stammen…

    +2
  4. Leo Meixner sagt:

    Frage: Ich hab die Spiele jahrelang via SKY angeschaut. Aus gewissen Gründen hab ich SKY nun storniert.
    Gibt es eine Möglichkeit, die Spiele anderweitig anzusehen? Streaming etc?
    Danke!

    0
  5. Leo Meixner sagt:

    @Lukas
    Gut, daß ich schon einen Screenshot gemacht habe 😉

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