Gegen das Schlusslicht zurück in die Spur?

Spielvorschau: SKN St. Pölten vs. SK Sturm Graz

Sonntag, 23. Juli 2017: Der SK Sturm empfing zum Auftakt der neuen Saison den „Sportklub Niederösterreich“ aus Sankt Pölten. Besonders groß war die Euphorie der schwarz-weißen Anhängerschaft vor dem Bundesligaauftakt nicht, wozu auch die magere Vorstellung einige Tage zuvor gegen Mladost Podgorica einiges beitrug. Und dann auch noch das: Bereits nach zwölf Spielminuten führten die Gäste nach einem Doppelschlag von Lukas Thürauer mit 2:0. Alles deutete auf eine Blamage und einen gleichzeitig völlig verpatzten Saisonauftakt hin. Aber gemeinhin ist es wenig sinnvoll, die Rechnung ohne den Wirt zu machen und plötzlich kam es anders, als es sich das Grazer Publikum nach einem solchen Spielverlauf erwartet hätte: Sturm startete eine Aufholjagd und egalisierte den Rückstand nach 60 Spielminuten, Philipp Zulechner und Stefan Hierländer zauberten durch ihre Tore wieder zuversichtliche Züge in die zuvor versteinerten Mienen des Publikums. Zu zaubern vermochte wenige Sekunden vor Spielende auch ein gewisser Romano Schmid, der durch den gegnerischen Strafraum tanzte und schließlich nur noch regelwidrig gestoppt werden konnte. Elfmeter! Plötzlich hatte man den Sieg vor Augen, Momente größter Spannung, doch Neuzugang Peter Zulj behielt die Nerven, verwandelte den Strafstoß und brachte ganz Liebenau zum Beben. Sieg! Spiel gedreht! Der Auftakt, für das, was dann folgte, nämlich ein kleines schwarz-weißes Märchen. Sechs Siege en suite bedeuteten den erfolgreichsten Bundesligastart der Vereinsgeschichte. Auch im Europacup schlugen sich die Blackies mehr als wacker, schieden schlussendlich aber gegen die Millionentruppe von Fenerbahce Istanbul denkbar knapp aus. Ein Fußballsommer, wie er für Sturmfans (fast) nicht schöner hätte sein können.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Ein Viertel zum Vergessen

Für den Auftaktgegner der Balckys war die Niederlage im ersten Saisonspiel nur der Beginn einer langen Fahrt in die Talsohle der Bundesliga. Den mageren ersten Punkt holten sich die niederösterreichischen Wölfe erst in der vierten Runde gegen den SV Mattersburg. Nach sechs Niederlagen in sieben Spielen trat Cheftrainer Jochen Fallmann zurück und machte für den Ex-Admira-Coach Oliver Lederer Platz, dessen erste Bewährungsprobe in einem 1:5 Desaster bei der Wiener Austria endete. Etwas besser lief es dann eine Woche später im Niederösterreich-Derby. In Mödling erkämpften sich die leidgeplagten St. Pöltner gegen die Admira ein 1:1 und konnten zum zweiten Mal in dieser Saison anschreiben. Das erste Saisonviertel verlief für sie katastrophal schlecht und sie stehen nach neun Runden verdient mit nur zwei Punkten am Tabellenende.

Zurück in die Realität?

Nach dem ersten Meisterschaftsviertel könnten also die Vorzeichen kaum unterschiedlicher sein. Die Niederösterreicher stecken im Tabellenkeller fest, während Sturm als Tabellenführer in die niederösterreichische Landeshauptstadt reist. Jedoch lief es auch bei den Grazern seit der Länderspielpause nicht mehr wie gewünscht. Nach den schwachen Leistungen und den daraus resultierenden Niederlagen gegen den LASK und die Admira holte man auch im Heimspiel gegen Altach nur einen glücklichen Zähler. Auch im Cup zeigte man sich gegen die Amateure aus Anif alles andere als souverän – wie auch so manch anderer Bundesligist im Duell mit Gegnern ähnlichen Niveaus – und stolperte als haushoher Favorit eher in das Achtelfinale. Besonders in der Verteidigung gab es zuletzt nicht zu leugnende Probleme. Christian Schulz, der für den verletzten Charalampos Lykogiannis in die Startelf rutschte, ist aufgrund mangelnder Spritzigkeit immer wieder für folgenschwere Fehler gut. Lukas Spendlhofer wurde von Trainer Franco Foda bis jetzt geschont und durfte seit seiner Genesung bisher nur bei den Amateuren spielen. Auch der ansonsten meist sicher und selbstbewusst auftretende Christian Schoissengeyr zeigte nach seiner langen Verletzungspause bei seiner Einwechslung in der Südstadt ungewohnte Unsicherheiten und muss sich maßgeblichen Anteil an den beiden späten und besonders bitteren Verlusttreffern ankreiden lassen.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Auswärts wieder siegen!

Trainer Franco Foda erwartet ein hartes Spiel gegen den Tabellenletzten, der alles versuchen wird, um endlich den ersten vollen Erfolg einzufahren, und einfach war es an der Bimbo-Binder-Promenade für die Grazer zuletzt ohnehin nicht. In den letzten beiden Spielen gingen sie nämlich als Verlierer vom Platz. Ebenfalls muss man aktuell auf wichtige Stammspieler verzichten: Neben Sandi Lovric, der eine Sperre abzusitzen hat, fehlen auch noch Thorsten Röcher und Philipp Zulechner. Charalampos Lykogiannis konnte nach einem Rippenbruch zwar wieder mit der Mannschaft mittrainieren, ein Einsatz am Samstag scheint aber mehr als fraglich. Trotz dieser wenig erfreulich langen Liste an Ausfällen bekundete der Coach während des obligatorischen Mediabriefings in Messendorf volles Vertrauen in seine Mannschaft und will, wohl notgedrungen, speziell auf die jungen Spieler in seinem Kader setzten. Egal wer diesen Samstag in der niederösterreichischen Landeshauptstadt auch auflaufen wird, es braucht definitiv eine deutliche Leistungssteigerung, um nach einer kleinen Durststrecke wieder drei Punkte auf das eigene Konto zu spielen und die Tabellenführung behaupten zu können.

Spieldaten

SKN St. Pölten vs. SK Sturm Graz
10. Runde der tipico Bundesliga, Samstag, 30. September 2017, NV Arena, St. Pölten 16:00 Uhr

Schiedsrichter: Oliver Drachta

Mögliche Aufstellung: Siebenhandl – Koch, Maresic, Schulz, Potzmann – Huspek, Jeggo, Zulj, Hierländer – Alar, Schubert

Ersatz: Gratzei, Spendlhofer, Schoissengeyr, Puchegger, Ovenstad, Filip, Eze

Fraglich: Lykogiannis

Es fehlen: Lovric, Schmerböck, Röcher, Zulechner

2 Kommentare

  1. Ennstaler sagt:

    Würde mich freuen, wenn Schubert vom Start weg spielt. In der Halbzeit kann man ja noch immer Eze eintauschen.

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  2. brent_everett sagt:

    Ich fürchte, wir werden heute mit einem Unentschieden zufrieden sein müssen. Als Tabellenführer gegen den Tabellenletzten. Aber Tabellenführer sind wir ohnedies nur noch virtuell, in Wahrheit zeigt die Leistungskurve dermaßen nach unten, dass es einem vor jedem Gegner fröstelt. Stichwort: „Anif“. Salzburg, Austria, Rapid sind derzeit klar stärker. Eigentlich sind wir wieder dort angekommen, wo im Frühjahr herumgewurstelt wurde. Und was kann jetzt der Eze besser, was der Chabbi nicht kann?

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