Fußball und Politik

„Politik hat auf dem Fußballfeld nichts verloren!“, diese viel gedroschene Phrase wurde zu einer Art Leitspruch des Fußballanhangs in Österreich. Jegliche Art der Auseinandersetzung mit politisch und gesellschaftlich brisanten Themen wird auf den Rängen innerhalb der Fußballstadien als inadäquat angesehen, dabei findet Politik in Stadien unweigerlich statt. 

Die schockierende Amokfahrt eines mental schwer labilen jungen Österreichers am 20. Juni 2015 forderte drei Todesopfer, unzählige Verletzte und schlug der Stadt Graz eine tiefe Wunde ins Fleisch, an der sowohl alle Menschen als auch Behörden und Institutionen noch lange zu lecken haben werden. Obwohl von Anfang an etwaige extremistische Beweggründe für diese Wahnsinnstat von offizieller Seite ausgeschlossen wurden, veröffentliche Heinz Christian Strache, Parteiobmann der FPÖ, auf seiner Facebook-Seite, angeregt durch eine entsprechende Meldung der Kronenzeitung, ein Posting, das genau derartige Hintergründe als möglich bzw. wahrscheinlich hinstellte.

„Wahnsinnstat in Graz! Der Täter ist aus Bosnien. Ein religiös begründetes Attentat wird nicht ausgeschlossen!“ Strache (Facebook, 20. Juni 2015)

Nach äußerst heftigen Reaktionen sah Strache sich offenbar gezwungen, die Meldung zu aktualisieren und sämtliche ungerechtfertigte Vermutungen daraus zu entfernen, auch wenn er im Anschluss vom „Druck linker Medien“ sprach, die ihn dazu gezwungen haben sollen. Auf dieses Thema als Ganzes weiter einzugehen ist müßig und für diesen „Einwurf“ auch nicht zielführend. Anlass dafür gab nämlich die ohne jeden Zweifel ehrliche Reaktion eines Fußballers des SK Sturm, der sich durch Strache genötigt fühlte, die allgemein als adäquat angesehene Trennung von Sport und Politik aufzuheben. Marko Stankovic wandte sich in einem Facebook-Posting an den Parteiobmann der FPÖ und schrieb sich den Frust über diese von der Kronenzeitung und auch von Strache selbst stammenden Vorverurteilung von der Seele. „Schämen Sie sich, Herr Strache, schämen Sie sich!“, quittierte der Offensivspieler seine Botschaft mit seinem Namen und der Nennung seines Vereins.

Marko Stankovic hat sich also nicht nur als Privatperson zum gesellschaftspolitischen Geschehen geäußert, sondern explizit auch als Spieler unseres Herzensvereins – nicht lange ließ auch das mediale Echo dazu auf sich warten. Print- und Onlinemedien berichteten darüber und Stankovic war, wie er sportnet.at gegenüber erwähnte, überrascht, dass sein Kommentar auf Facebook derart hohe Wellen schlug. 

Für den Autor dieser Kolumne stellt sich die Frage, ob die strikte Trennung von Politik und Fußball überhaupt möglich, und ob die viel zitierte Phrase „Politik hat auf dem Fußballfeld nichts verloren“ haltbar ist. Gleich vorne weg: Zwischen Ideologie und Politik muss unterschieden werden, auch wenn beide in der Regel miteinander in vielen verschiedenen Formen in Verbindung stehen. Weltanschauungen und die Politik als Instrument um diese zumindest teilweise umzusetzen sind in gesellschaftlicher Hinsicht nicht einfach aus den vielen Bereichen des Lebens zu tilgen – dafür ist der durchschnittliche mündige Bürger an sich vermutlich auch schon zu politisch sozialisiert worden. Politik spielt in beinahe sämtlichen Bereichen des Lebens eine wichtige Rolle und auch der Fußball wird gerne als Bühne für politische und ideologische Grundsatzdiskussionen genutzt. „Say no to racism!“, dieser Spruch ist jedem bekannt, der Spiele auf europäischer Ebene verfolgt. Die UEFA bringt damit in allen Stadien Europas den Rassismus, ein ideologisch und politisch viel diskutiertes und leider immer noch aktuelles Thema, zur Exposition – der europäische Dachverband aller nationalen Fußballverbände selbst bringt also die Politik ins Stadion. In der kleinen, aber für uns nicht minder bedeutsamen österreichischen Bundesliga werden Spiele ebenfalls gerne als Gelegenheit betrachtet, politische bzw. ideologische Ansichten und Entscheidungen zu diskutieren.

„Sturm Graz ist schwarz und weiß! Love Richie, hate racism!“

 „Rassismus aus den Köpfen kicken!“

Richard Sukuta-Pasu, ein bei den Sturmfans äußerst beliebter und erfolgreicher Stürmer in der Ära Hyballa wurde während eines Auswärtsspiels in Ried von den Tribünen mit widerwärtigen rassistischen Beschimpfungen und den nur allzu bekannten Affenlauten bedacht, woraufhin er seinen Siegestreffer in der 85. Minute ebendieses Spiels (Anm. Endstand 2:1 für Sturm Graz)  vor den oberösterreichischen Fans feierte. Dies wurde von Schiedsrichter Grobelnik mit einer gelben Karte bestraft, die eine Sperre im nächsten Heimspiel (Anm. gegen FC Wacker Innsbruck) nach sich zog. Dieses Heimspiel nutzten sowohl die Spieler von Sturm Graz, als auch die Fans in der Nordkurve, um ihrem Unmut über Rassismus Ausdruck zu verleihen.

„Zeigt uns euer Herz und kämpft für diese Kurve, denn trotz Repression und dem (sic!) sch*** Kommerz singen wir für euch!“

Ein bekannter Chant, der sehr oft und laut von leidenschaftlichen „Kurvenfans“ Richtung Rasen geschmettert wird, birgt durchaus gesellschaftskritische Ansätze. Auch wenn hier natürlich das Anfeuern der eigenen Mannschaft im Vordergrund steht, wäre es falsch, den Text nicht auch als Kritik am politischen bzw. gesellschaftlichen System zu verstehen. Die Ablehnung von überbordendem Kommerz und von der vielfach angeprangerten Repression seitens staatlicher Organe sind politische Ansichten. Damit wird aktiv Politik ins Stadion getragen!

Auch zu tagespolitischen Themen haben die Fanblocks Österreichs bereits während einiger Spiele Stellung genommen:

„Pyrotechnik ist kein Verbrechen!“

In einer Kooperation traten beinahe alle großen österreichischen Fangruppierungen mit vereinten Kräften gegen das Verbot der Anwendung von Pyrotechnik bei Sportveranstaltungen auf. Dies ging sogar so weit, dass es bei Begegnungen von rivalisierenden Fangruppen immer wieder zu unterstützendem Applaus für das gegnerische Lager kam, sobald dieses in seinem Sektor im Sinne der gemeinsamen Initiative aktiv wurde (Spruchbänder, Sprechchöre, die Anwendung von Pyrotechnik).

Weitere Beispiele würden den Rahmen des „Einwurfs“ wohl sprengen, aber die genannten reichen bereits aus, um zu folgendem Schluss zu kommen:

Politik findet auch in den Fußballstadien statt und wir müssen uns die Frage stellen, ob wir dennoch die vielzitierte Phrase dreschen und dadurch den Sand in den Kopf stecken wollen oder ob wir Politik auch als Teil der Fan- und Fußballkultur akzeptieren können und wollen.

7 Kommentare

  1. zilkowicht sagt:

    sehr guter Aufsatz von Bernhard!
    Ich finde aber sowieso dass in den fankurven noch viel mehr richtige Politik betrieben werden sollte um den homophoben bockmist den einige stadionbesucher noch immer mit sich bringen endlich aus den Köpfen zu eliminieren!
    Leider finden sich nämlich auch in unserer geliebten Nordkurve noch immer einige faschos und rechte Kreaturen!

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  2. Eric_Cantona sagt:

    Ich finde den Aufsatz nicht so besonders gelungen da genau dieses ständige politische hineininterpretieren le sport zerstören. Gäbe wohl Spieler die eine Leistungsanerkennung eher verdient hätten als dieser Kicker, der für mich keine außerordentliche Leistung erbrachte. Und das man gegen Repression und Kommerz ist , ist als Fußballfan wohl nicht so abwegig.
    Seis drum finde es nicht besonders eine Choreo für einen Kicker zu machen der grade einmal ein halbes Jahr in Graz zum Zuge kam.
    Au revoir!

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  3. Eric_Cantona sagt:

    Entschuldigt bitte meine Fehler , Deutsch ist nicht die Muttersprache aber ich bemühe mich.

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  4. uwe_reconquista sagt:

    Ich finde es falsch, aufgrund der Tat des Doppelstaatsbürgers, hier gleich mit so einer wuchtigen Polit-Kolumne zu starten. Mein Beileid den Angehörigen der Opfer!

    Ich persönlich finde unsere Kurve in manchen Dingen zu sensibel (Sukuta Pasu Angelegenheit sei als Beispiel genannt).

    @zilkowicht: Auch von der anderen politischen Seite befinden sich welche in der Nordkurve. Ganz unpolitisch geht’s hier bestimmt nie zu.

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  5. zilkowicht sagt:

    @Uwe: und was genau ist daran verwerflich wenn man sich ganz klar von faschistischer *** distanziert? (Wir bitten um eine schönere Ausdrucksweise!) Ich selbst bin übrigens auch Mitglied der antihomophoben Aktion! Kessen gruss

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  6. Eric_Cantona sagt:

    uwe_reconquista: Unpolitisch muss eh niemand sein , würde schon reichen wenn die Politik einfach für sich behalten bliebe . Diese Debatten sind aber eh endlos und für mich deshalb unnötig zu führen .
    Au revoir!

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  7. Eric_Cantona sagt:

    Kommentar wegen Beleidigung gelöscht! Eine derartige Ausdrucksweise ist inakzeptabel!

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