„Für mich würde ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen“

Das Q&A-Format „Email für dich“ ist zurück

Gerade einmal 19 Jahre ist unsere derzeit treffsicherste Stürmerin Katja Wienerroither seit Jänner alt. Mit 18 Jahren wechselte sie zu Sturm Graz und musste aus bekannten Gründen ein halbes Jahr auf ihren ersten Pflichtspieleinsatz warten. Vor ein paar Wochen wurde sie wieder ins Nationalteam einberufen, durfte aber aufgrund von Corona-Fällen im Klub nicht zum aktuellen Lehrgang anreisen. Dennoch ist die junge Salzburgerin, die aus der starken Jugendabteilung des FC Bergheim kam (Anm. Sarah Zadrazil und Laura Feiersinger begannen ihre Karrieren ebenfalls dort), drauf und dran ein Ticket für den EM-Kader 2022 zu lösen. In unserem bewährten Format, das eine lange Pause machen musste, beantwortet die Rückennummer 9 der Schwoazen zehn Fragen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Hallo! Mit fünf Toren in zwei Spielen hast du dich aus der Winterpause zurückgemeldet. Nachdem im Herbst offensiv nicht alles immer perfekt gelaufen ist, waren das große Ausrufezeichen von eurem Team, aber besonders auch von dir. Bist du ein Jahr nach deinem Wechsel zu Sturm endlich so richtig in Graz angekommen?

Mir hat es von Anfang an in Graz gut gefallen und ich habe mich in der Mannschaft sofort wohlgefühlt. Im Herbst war es oft auch aufgrund von Covid nicht möglich in einen normalen und durchgehenden Trainings- und Spielrhythmus zu kommen. Ich denke, dass wir mit unserer Leistung als Mannschaft trotzdem großteils zufrieden sein können.
Wir wollen an die Leistung vom Herbst anknüpfen, vor allem auch an die gute Defensivleistung, und so viele Punkte wie möglich holen.

Katja Wienerroither hält derzeit bei 11 Toren nach 11 Spielen. © Martin Hirtenfellner Fotografie

Du giltst als eines der größten Stürmerinnentalente in Österreich. Was sprach für dich für einen Wechsel nach Graz, bestimmt gab es noch andere Angebote?

Graz gehört zu den besten Teams der österreichischen Liga. Da die Mannschaft noch relativ jung ist und ich auch schon Spielerinnen kannte, war die Entscheidung nach Graz zu wechseln relativ einfach. Ich sah dort die bestmöglichen Chancen, mich weiterentwickeln zu können.

Corona hat nicht nur dich, sondern die gesamte Frauenbundesliga eiskalt erwischt. So lange keine Pflichtspiele zu haben, muss bestimmt hart gewesen sein. Wie überbrückt man diese Zeit? Gerade aus Jugendabteilungen hört man, dass es schwer ist, die jungen Spieler bei Laune zu halten? Wie hast du das geschafft, was war für dich am schlimmsten?

Natürlich war es nicht leicht, wenn man so lange nicht auf dem Platz stehen kann. Das tägliche Training, das normalerweise den Großteil des Alltags bestimmt, fällt weg. In solchen Zeiten muss man extrem diszipliniert sein und das tägliche Training selbstständig machen. Ich bzw. wir hatten jede Woche einen Trainingsplan mit verschiedenen Einheiten, wie beispielsweise Ausdauer- und Intervallläufe, Rumpfkraftzirkel, Schnellkraftübungen und verschiedene Kraftpläne.

Jetzt spielt ihr wieder mit einem sehr jungen Team, eine abermals sehr stabile Saison. Vor allem defensiv tretet ihr gegen schwächere Teams ungemein kompakt und dominant auf. Was fehlt, damit man gegen ein Team wie SKN St. Pölten in Zukunft nicht in den letzten Minuten auseinanderfällt (3 Gegentore nach der 85. Minute)?

Wir müssen einfach daran arbeiten die gute und stabile Leistung über 90 Minuten zu bringen und auch in den letzten Minuten konzentrierter bleiben und konsequenter verteidigen.

Ihr hattet nach dem Spiel gegen St. Pölten keine Chance, euch wieder zu rehabilitieren, weil das Spiel gegen Wacker Innsbruck abgesagt werden musste. Das muss ärgerlich gewesen sein. Positive Coronatests hin oder her – ist die Stimmung bei euch im Team gut? Geht es allen gut, oder zeigen Kolleginnen auch Symptome?

Wir waren natürlich alle sehr enttäuscht. Wir haben uns gut auf das Match vorbereitet und wollten in Innsbruck die drei Punkte holen. Dennoch wissen wir alle, dass die Gesundheit an erster Stelle steht und solche Situationen, gerade in Zeiten von Corona, einfach zum Leistungssport dazugehören. Jetzt gilt es die Zeit zu nutzen, um uns auf das nächste Meisterschaftsspiel bestmöglich vorzubereiten. Die betroffenen Spielerinnen sind noch in Quarantäne und hoffentlich bis zum Spiel gegen Südburgenland wieder einsatzbereit.

Für dich persönlich waren die positiven Tests im Team bestimmt ein besonders bitterer Rückschlag. Ein starker Aufwärtstrend im Frühling, viele Tore und eine Nationalteameinberufung von Irene Fuhrmann – Trotzdem darfst du nun nicht zum Team. Wie hast du diese schlechten Neuigkeiten aufgenommen? Wurdest du von der Teamchefin vorab in Kenntnis gesetzt?

Es war extrem bitter, aber nicht nur für mich, auch die beiden anderen Spielerinnen Valentina Kröll und Annabel Schasching (Anm. ihre ersten Einberufungen) durften nicht zum Lehrgang anreisen. Wir waren selbstverständlich sehr enttäuscht, aber das Risiko war zu hoch und ich kann die Entscheidung gut nachvollziehen.
Wir waren ab dem Zeitpunkt der positiv getesteten Fälle in Graz in ständigem Kontakt mit Isabel Hochstöger, Teammanagerin des Nationalteams, als auch mit ÖFB-Teamchefin Irene Fuhrmann.

E-Mail für euch von unserer Nummer 9 | Foto: privat

Die Länderspielpause dauert nun bis Ende April. Der Spielplan der Frauen im österreichischen Klubfußball ist wirklich auffällig zerstückelt. Es gibt viele Leerläufe, immer wieder lange Pausen. Was könnte man besser machen, damit es für Fans, Spielerinnen und Vereine angenehmer ist? Oder bist du damit zufrieden?

Ich glaube, dass es aufgrund der Situation und der Anzahl der Mannschaften nicht möglich ist, die Spielpausen zu verkürzen. Außerdem muss man bedenken, dass in diesem Jahr auch der Cup nicht gespielt werden kann. Deshalb sind auch die Pausen noch länger als sonst. Für uns gilt es diese Pausen zu nutzen, um uns taktisch und körperlich weiterzuentwickeln. In Graz haben wir zusätzlich an den Wochenenden Testspiele, um den Rhythmus zu halten.

Die Euro wurde bei den Frauen auf 2022 verschoben. Du hast auch von Sturm Graz aus den Sprung ins Nationalteam geschafft und keine schlechten Karten auf einen Platz im EM- Kader. Was sind deine persönlichen Ziele bis dahin?

Bei einer EM dabei sein zu dürfen, ist für jede Spielerin ein großes Privileg und für mich würde ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Bis dahin gilt es, die restlichen Spiele bestmöglich zu bestreiten und meine Leistung Spiel für Spiel abzurufen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn du uns in Graz erhalten bleiben würdest und deine Ziele erreichst. Auch, damit man dir live im Trikot der Schwoazen beim Tore schießen auf die Beine schauen kann. Gibt es noch etwas, was du den Sturmfans ausrichten möchtest?

Ich hoffe, dass es bald wieder möglich sein wird, die Sturmfans auch im Stadion oder in Messendorf auf der Tribüne zu haben, sodass sie uns tatkräftig unterstützen können.

Das wäre natürlich auch unser größter Wunsch. Danke, dass du dir Zeit genommen hast.

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4 Kommentare

  1. Siro sagt:

    Bei „Liebe Katja“ hab ich aufgehört zu lesen…“Mann“ sollte auch den Frauen ein bisschen an Respekt entgegenbringen!

    • Yannick Steinkellner sagt:

      Lieber Siro,

      Danke, dass du dich um den nötigen Respekt gegenüber unseren Spieler*innen sorgst.
      Ich werde mir das in Zukunft zu Herzen nehmen und habe das für dich hier schon korrigiert.
      Zu bedenken möchte ich dir allerdings geben, dass ich im selben Format auch lieber Ivan, lieber Dardan, lieber Jakob oder lieber Stefan schreiben würde. Ich hätte das aber natürlich auch einfach weglassen können… Ich vergesse manchmal, dass auch bei unseren Leser*innen viele Leute noch auf das Siezen Wert legen und das „Geduze“ deshalb nicht abgedruckt/veröffentlicht werden sollte. Bitte verzeiht mir, wenn ich euch verärgert habe.

      Um den schwoazen Frauen aber auch wirklich den gleichen, geforderten Respekt entgegenzubringen wie den Männern, möchte ich im selben Atemzug alle einladen, sich mehr mit unserem jungen, starken Team auseinanderzusetzen. Sobald es möglich ist, die Spiele zu besuchen und auch sonst im Bekanntenkreis der Sturmfans die Aufmerksamkeit auf die Frauenabteilung zu lenken, kann für das Team schon viel bewegen. Es macht einen Unterschied, ob 150 Leute, oder 300 Leute zuschauen kommen. Und vielleicht auch irgendwann mal 1000.

      Bewusst eingesetzte Sprache ist ein gesellschaftliches Problem. Wir sollten den Verein, Journalist*innen und die Fans natürlich auch viel öfter darauf aufmerksam machen, wenn sie nicht gendern, die falschen Anreden verwenden etc. – Nicht nur bei Artikeln über Frauen, sondern auch über Männer.
      Danke, Siro, dass du mich hier auf einen kleinen Blindspot aufmerksam gemacht hast.

      swg,
      Yannick 🙂

    • schwoaza Peter sagt:

      Vielleicht verstehe ich irgendwas nicht, aber was ist bei „liebe Katja“ respektlos ?

      swg

  2. sisquoone sagt:

    Und genau wegen Leute wie Siro dreht die Welt völlig am Rad. An deiner Stelle, „lieber Yannick“, hätte ich auf seinen Kommentar gar nicht reagiert.

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